Dritte Flotte

Frisendo Stokes

Lebenslauf

Seine Heimat

Frisendo Stokes ist an Bord einer verlotterten und alten Raumstation im Orbit um Anoat II aufgewachsen. Der Planet bot so gut wie keine Lebensgrundlage, dafür aber einige interessante Bodenschätze. Ein Asteroidenfeld in unmittelbarer Nähe der Station war ebenfalls weiteres Arbeitsgebiet seiner Eltern. Die Menschen auf der Station arbeiteten hart um sich ihren Unterhalt und die Credits für die nötigsten Reparaturen an der Raumstation und den Arbeitsgeräten leisten zu können. Der anfängliche Run auf die Rohstoffe von Anoat II hatte einige Familien auf der Suche nach Arbeit hergebracht. Doch bald wurde die Produktion für imperiale Verhältnisse zu gering und der Hauptabnehmer zog sich aus dem Geschäft zurück. Die Menschen auf Anoat II suchten sich neue Handelspartner und machten weiterhin ihre Arbeit. Der Gewinn war zu gross um aufzugeben und zu klein um sich genug zurücklegen zu können um an einem anderen Ort in der Galaxis eine neue Existenz aufzubauen. Die Familien auf der Station hatten sich aufeinander eingestellt und jeder tat was er am Besten konnte. Die Rollen waren verteilt und es funktionierte alles. Man hörte eigentlich selten jemanden klagen.

Seine Eltern

Endo Stokes war ein fähiger Mann mit geschickten Händen. Er wurde auf den wenigen noch funktionierenden Maschinen eingesetzt und bediente diese mit höchster Präzision. Keiner seiner Kollegen konnte sich mehr erinnern, wann Endo das letzte Mal eine Maschine aus Unachtsamkeit oder Schusseligkeit beschädigt hatte. Die teuren Maschinen bedienten ausschliesslich er und zwei Kollegen. Es war einfach zu teuer geworden, diese Maschinen warten zu müssen, weil ein Anfänger den Bohrkopf abgewürgt hatte oder die Maschine sonst wie beschädigt hatte. So zählte die Familie Stokes zur oberen Schicht, wenn man das in dieser Gesellschaft von Arbeitern überhaupt so nennen konnte. Er arbeitete aber trotzdem hart und nahm sich deswegen keine Vorteile heraus und schaute zum Wohl seiner Mitarbeiter. Endo Stokes war kein Mann grosser Worte. Er tat, was zu tun war und was er konnte. Wenn ihm jedoch etwas nicht passte, war nie zu befürchten, dass er den Verursacher seines Unmuts im Ungewissen liess. Offen und direkt konnte er jemandem seine Meinung pauken und dabei immer ehrlich und anständig bleiben. Bei Versammlungen des Familienrates auf der Station war er mit seiner Meinung ein gewichtiger Faktor, den er allerdings selten einbrachte und seine Stimme nur erhob, wenn es ihm zu bunt wurde.

Mirrel Stokes war das pure Gegenteil von ihrem Mann, was die Redseligkeit betraf. Entsprechend dieser Charaktereigenschaft arbeitete sie im Stationspub als Bedienung. So wusste die Familie Stokes immer das allerneuste.

Beide Eltern waren begnadete Sabacc-Spieler. Obwohl der Lohn selten reichte ein echtes Spiel zu wagen, liessen sich die Beiden den Reiz des Spiels durch den Umstand, dass der Gewinn bloss Spielgeld war, nicht verderben. Vater und Mutter Stokes waren überall gern gesehen und ihre Meinung wurde angehört. Sie waren interessiert am täglichen Geschehen und waren an jeder Stationsversammlung dabei. Alles in allem ein recht einfaches, aber zufriedenes Leben, das eine Wendung nahm, als ein Nachkomme geboren wurde.

Seine Kindheit

In diese karge Welt wurde Frisendo als einziger Sohn der Familie Stokes geboren. Seine Eltern konnten sich ihren Arbeitstag so einteilen, dass immer jemand beim kleinen Fry, wie er von seinen Eltern genannt wurde, war. Die ersten Jahre verbrachte er in der geräumigen Wohnung, wo er viele Dinge zum Spielen fand. Seine Eltern sorgten gut für ihn und er lernte das Gefühl der Geborgenheit in der Familie kennen.

Mit den ersten Schritten des kleinen Mannes begannen schon bald Erkundungsausflüge auf der Raumstation. Frisendo hielt seine Eltern auf Trab, aber Mirrel und Endo hatten sich das gewünscht. Ihr Sohn war ein lebhafter Junge, ganz nach Mutter und Vater. Dass sich die Geburt des jungen Stokes schnell auf der Station herumsprechen würde, war klar. Zu Beginn merkte Frisendo noch nicht viel von den fleissigen Besuchen der Nachbarn, aber mit der Zeit wurde er zum Alleinunterhalter und ging auf viele Leute zu und begrüsste sie schon beim Eintritt in das Quartier freudig. Mirrel und Endo liessen Frisendo bald alleine durch die Station ziehen, weil jeder ihn kannte und auf ihn aufpassen würde. Ausserdem wurden sie wieder mit ihrer vollen Arbeitskraft gebraucht, da die Zeiten rauer wurden und jedes Kilogramm mehr Rohstoff, das sie verkaufen konnten, einen Vorteil brachte.

So durchstöberte Stokes die Raumstation ganz auf sich allein gestellt. Er war überall gern gesehen, wenn er nicht im Weg stand. Meistens aber war es für die Leute eine willkommene Abwechslung, mit dem gesprächigen Jungen einen Moment Pause zu machen oder ihm etwas zu zeigen was ihn interessierte. Und Stokes interessierte alles, was um ihn herum passierte. Besonders spannend fand er allerdings die Geschichten, die ihm von den Sternen erzählt wurden und die Computer der Station.

So fand man den jungen Frisendo meistens an einem Fenster lehnend in die Ferne starren und träumen, in der Bar sitzen und reden oder Sabacc spielen oder an irgend einem Computer basteln. So wurde Frisendo bald als Computerspezialist der Station bekannt und Familie Stokes zählte mit zu den gefürchtetsten Sabacc-Gegnern. Er wurde zu einem wichtigen Glied in der Instandhaltung der veralteten Station und konnte einige Systeme optimieren. Er lernte dadurch den Umgang mit Computern auf einer ganz anderen Basis. Die alten Systeme der Station erforderten ein tieferes Verständnis für den Aufbau und die Funktionsweise, so dass er Computer ganz anders wahrnahm. Diesen Vorteil bemerkte er aber erst später, als er mit moderneren Computersystemen in Berührung kam und mit Jugendlichen, die mit diesen Systemen aufgewachsen waren.

Die vielen Abende in der Bar und bei unzähligen Sabacc-Runden brachten Frisendo eine besondere Fähigkeit ein: er lernte Gesichter zu lesen. Diese unbezahlbare Fähigkeit für einen Sabacc-Spieler würde ihm noch viele Gewinne einbringen.

Seine Freude an den Sternen teilte Frisendo mit ein paar älteren Männern der Station, die ihn in die Grundzüge der Astronavigation einführten und ihm viele Geschichten von fernen Sternen erzählten. Diese Gespräche weckten in ihm ein tiefes Fernweh, das auch seinen Eltern nicht verborgen blieb. Mirrel und Endo wurde bald klar, dass Frisendo nicht auf dieser Station zu halten war. Ihr Sohn hatte nur noch nicht gemerkt, wie er die Station verlassen konnte.

Schweren Herzens gab ihm aber sein Vater eines Tages den Tipp, ein Transporter, der gerade angedockt war, habe ein Problem mit ihrem Computer. Frisendo zögerte nicht lange, und bot sich dem Captain dieses Schiffes als Computerspezialist an. Er löste deren Problem und holte sogar noch etwas mehr Effizienz aus dem Computer heraus. Die Händler bedankten sich mit einem minimal verbesserten Wechselkurs für die Rohstoffe und zogen von dannen. Von diesem Tag an wurde Frisendo bei jedem Raumschiffcaptain vorstellig und bot ihm seine Hilfe an. Er erwirkte von einigen Händeln verbesserte Preise, von anderen erhielt er einige Bauteile, die er sofort in der Station einzusetzten wusste. Eines Tages, Frisendo war einige Wochen zuvor 18 Jahre alt geworden, dämmerte es ihm, warum ihm sein Vater den Tipp mit den Transportern gegeben hatte. Diese Transporter waren sein Ticket in die weite Welt da draussen! Er beschloss, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen und bereitete alles vor. Die nächsten Wochen fragte er die Captain der Schiffe, ob sie ihn mitnehmen würden. Doch keines der Schiffe hatte noch Platz für einen Passagier. Frisendo wollte sich schon eine andere Option überlegen, als ihm ein älterer, beinahe grauer Captain zusagte. Der Mann hatte in seinen jungen Jahren ein ähnliches Sprungbrett gesucht und bot nun Frisendo seinerseits die Möglichkeit, Raumfahrer zu werden.

Die Bewohner der Station gaben ein Fest, wie es mit den kargen Finanzen der Arbeiter möglich war und verabschiedeten den jungen Frisendo. Endo und Mirrel Stokes hatten sich schon lange auf diesen Moment vorbereitet und liessen ihren Sohn ziehen, aber nicht ohne ihm viele gute Ratschläge auf den Weg zu geben und ihn zu bitten, regelmässig zu schreiben.

Seine Jugendjahre - Weltenbummler

Die folgenden Jahre war Frisendo als Anhalter durch die Galaxie unterwegs. Er verkaufte seine Fähigkeiten als Navigator und Computerspezialist gegen Informationen, Essen und Transport. Meistens liess er sich von einem Schiff mitnehmen und optimierte unterwegs das Computersystem. Er lernte viele Ansichten über das Universum kennen. Bei den vielen Gesprächen und Sabacc-Runden unterhielt er sich mit den verschiedensten Persönlichkeiten, die sein Weltbild beeinflussten. Viele Ansichten konnte Frisendo in das von seinen Eltern vermittelte Bild integrieren und seinen Horizont dadurch erweitern. Seine Menschenkenntnis trieb der begnadete Spieler zur Perfektion. So passierte es ihm äusserst selten, dass er den falschen Captain um eine Mitfahrgelegenheit bat oder in den falschen Gegenden auftauchte. Und wenn er einmal in eine gefährliche Situation geriet, kam er, zwar mit erheblichen materiellen Verlusten aber dafür mit heiler Haut, davon.

Seine Jugendjahre - Schmuggler

Bei seinen Reisen dauerte es nicht lange, bis Frisendo das wahre Potential dieser Flüge von Station zu Station, von Planet zu Planet entdeckte. Bei seinen unzähligen Sabacc-Spielen konnte er auch bald die entsprechenden Kontakte knüpfen und so fand er schnell in die Welt der Schmuggler. Frisendo begann alles Mögliche zu schmuggeln, was er als Einzelperson transportieren konnte. Natürlich war er auch immer zu einem kleinen Infoker-Spiel, ein Spiel dessen Einsatz Informationen statt Credits sind, bereit. Mit diesem Beruf lernte Frisendo das Geniessen. Er lernte viele feine Spezialitäten zum Essen und Trinken kennen und entwickelte sich zum Gourmet. Bald konnte man Frisendo mit einigen Leckereien zu einem guten Geschäft bewegen. Aber bei allen Gelüsten liess sich Stokes auch bei solchen Deal's nie über den Tisch ziehen, obwohl er ab und an etwas früher als üblich in einen Tausch einwilligte. Trotz all dem Luxus vergass Frisendo seine Wurzeln nie und schrieb seinen Eltern regelmässig. Manchmal schickte er auch ein Ersatzteil für die Station nach Hause oder ein anderes Souvenir. Allerdings wusste er, dass sich seine Eltern nicht über Credits freuen würden und so investierte er die meisten Gewinne in Spezialitäten und legte sich auf verschiedenen Stationen Lager an oder besorgte sich neue Bauteile für einen kleinen selbstgebauten elektronischen Assistenten, den er in Form eines etwas gross geratenen Pads fast immer bei sich trug.

Die Kontakte, die er knüpfen konnte und auch die Mitgliedschaft in der Schmugglergesellschaft 'die blauen Adler' unterhält Stokes weiterhin, wenn auch in passiver Form. Während Landurlauben zieht es Frisendo oft in die unteren Ebenen der Raumstationen, wo er seinem alten Beruf für ein paar Tage wieder nachgeht und gewöhnlich am Ende des Landurlaubes schwer beladen wieder an Bord des Kampfschiffes zurückkehrt.

Seine Ausbildung

Doch nach ein paar Jahren wurde Frisendo des unsteten Lebenswandels überdrüssig und beschloss einen geregelten Tagesablauf anzustreben. Diesen Tagesablauf wollte er sich durch den Besuch einer Universität geben und schrieb sich an der Akademie von Feronz auf Omwat (Dolomar Sektor) ein. Die angestrebte Studienrichtung, Computertechnik, war zwar nicht das bekannteste Institut der von der ansässigen Rüstungsindustrie finanzierten Akademie, aber es profitierte auch von dieser Unterstützung. Schnell schloss Stokes Freundschaft mit vielen Leuten an der Akademie und fand Gefallen an der Ausbildung. Er war ein interessierter Student, dessen Talente bald erkannt wurden. In gewissen Seminaren hielt er sogar Vorträge, da er mit seinen Vorkenntnissen über alte Computertechnologien einen entscheidenden Vorsprung gegenüber seinen Kommilitonen hatte.

Im Hausmeister der Akademie fand er seinen bisher härtesten Sabacc-Gegner und einen guten Freund. Der Hausmeister brachte Stokes noch den einen oder anderen Trick bei und zog den zerstreuten Studenten mehrmals aus dem Schlamassel, wenn Frisendo wieder einmal auf die letzte Minute etwas haben musste. Unter anderem war es dieser Hausmeister, der Frisendo sein Pad brachte, als er eine wichtige Präsentation halten musste und verzweifelt nach seinen Notizen suchte.

Als Stokes sein Studium abgeschlossen hatte und mit seiner Diplomarbeit hätte beginnen sollen, hatte er von neuem eine fixe Idee. Aus heiterem Himmel meldete er sich, zum Entsetzen aller Professoren, die ihn gerne in ihren Reihen aufgenommen hätte, freiwillig zur Navy.

Seine militärische Grundausbildung

Dank seinen umfangreichen Kenntnissen war der fachliche Teil der Akademie ein Kinderspiel. Schwieriger gestaltete sich dagegen der physische Teil. Auf seinen vielen Reisen und von den vielen Leckereien etwas unbeweglich und dick geworden, hatte Frisendo grossen Nachholbedarf in der Kampfausbildung. Dieser Ausbildungsbereich hat Frisendo dann auch nur knapp genügend abgeschlossen und ist weder ein besonders ausdauernder Kämpfer noch ein zielsicherer Schütze geworden. Doch als Navigator eines Sternenzerstörers würde er diese Elemente nur selten brauchen.

Seine Abschlussmission auf der SHS

Gemeinsam mit einigen anderen Rekruten absolvierte Stokes die Abschlussmission auf der Shooting Star. Er schloss Freundschaft mit Azimut und Dunkat, mit denen er zusammen diese Mission absolvierte. Der Ausbilder war sehr zufrieden mit ihrer Leistung gewesen und sie wurden bald auf die Dominator versetzt.

Seine Zeit auf der Dominator

Seine beiden Freunde Azimut und Dunkat verlor er bald nach der Versetzung auf die Dominator. Er musste sich neue Freunde suchen und sich in das neue Umfeld auf der Dominator eingliedern. Seine Arbeit schien die Vorgesetzten zu überzeugen und Frisendo kletterte schnell die Karriereleiter hinauf.

Bald wurde der Leitende Navigator der Dominator, Ensign Pelan, zu seinem Mentor im Bezug auf seine Tätigkeit als Navigator und zukünftiger Offizier. Frisendo mochte seine neuen Aufgaben, auch wenn er die imperiale Standardverpflegung nicht ausstehen konnte. Doch bald gewöhnte er sich auch daran und in ruhigeren Zeiten schaffte er es immer wieder, sich den Alltagsfrass mit persönlichen Leckereien aufzupeppen. Er lernte auch bald die Ingenieurin Recha kennen und erfuhr mit ihr zum ersten Mal, was es heisst, verliebt zu sein.

Frisendo überlebte den hinterhältigen Anschlag auf die Dominator knapp.

Seine Laufbahn als 2. Offizier der Durga

Nach einigen Monaten auf der Ithor-Raumstation, wo er als Navigationsoffizier der Transportabteilung sein Dasein fristete, wurde er auf die Durga versetzt und erhielt unter Cpt Saymond, der unterdessen von allen Verdachten im Zusammenhang mit dem Dominator-Anschlag freigesprochen wurde, sein erstes Kommando als 2. Offizier.