Dritte Flotte

Orin Jeanida Ghomo

Lebenslauf

Orin J. Ghomo wuchs auf Tepasi als Tochter eines mittelständischen Ehepaars auf, das großen Wert auf eine anständige Bildung, gute Erziehung und generell die besten Manieren legte. So wurde beispielsweise zu Hause auch kein Dialekt akzeptiert, und deshalb wirkt es bis heute immer ein wenig gekünstelt, wenn Orin sich an einer lapidaren Ausdrucksweise versucht. Überhaupt nahm man ihr häufig die Entscheidungen aus der Hand, die sie durchaus auch hätte selbst treffen können, und so entwickelte sie nicht gerade ein gesundes Urteilsvermögen. So lernte sie auch früh die falschen Freunde kennen, ließ sich von ihnen zu allerlei Blödsinn anstiften, kam aber lange damit durch, solange sie zu Hause das brave Prinzesschen spielte.

Als Medizinstudentin im dritten Semester beteiligte sie sich dann allerdings am illegalen Organhandel und stahl nicht nur Leichen etliche Organe, sondern schnitt auch lebende Opfer auf. Ihre Motive dafür liegen bisher im Dunkeln, aber angesichts ihrer Herkunft war Geldmangel eher unwahrscheinlich. Orin wurde wegen Organhandels und schwerer Körperverletzung in mindestens achtzehn Fällen (und davon einem Fall mit Todesfolge) zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, behauptete sich im Gefängnis aber unerwartet gut. Angeblich stieg sie sogar in kurzer Zeit zu einer der tonangebenden Frauen in ihrem Zellenblock auf. Völlig unerwartet bekam Orin schon nach zwei Jahren eine Chance auf Haftumwandlung und wurde vom Imperium zwangsrekrutiert.

Zwei weitere Jahre des mörderischen Trainings auf Carida überstand Ghomo mit weniger Schwierigkeiten als die meisten ihrer weiblichen Kameraden, da das Gefängnis sie bereits abgehärtet hatte. Nach weiteren Jahren im aktiven Einsatz wurde sie zur Dritten Flotte auf die Annihilator versetzt und erlebte dort die Revolte der Offiziere um Flottenadmiral Argon in den Gefechten an Bord mit. Sie gehörte ursprünglich nicht zu Tordesian Veleanys Einheit, fand aber durch den Tod oder Seitenwechsel anderer Vorgesetzter und die allgemeine Verwirrung in seine Reihen.

Zu ihrer schweren Verwundung kam es, als sie während einem der blutigsten Gefechte bei unzureichender Deckung einen Verwundeten versorgen wollte und seitlich am Kopf getroffen wurde. Der Helm verhinderte ihren sofortigen Tod und leitete einen Großteil der Hitze auf ihre Haut um, die dabei schwer verkohlt wurde, aber der Plasmabolzen hatte immer noch genügend Energie, um ihr einen Teil des Schädels abzurasieren, und er kochte sogar ihren Augapfel. Der Schock raubte ihr fast sofort das Bewusstsein. Bei ihrer schrecklichen Verwundung konnte Veleany, der in diesem Gefecht zahlreiche Männer verlor, sie nur für eine weitere Gefallene halten, und er hatte im Rückzugsgefecht weder die Zeit, um den Status jedes einzelnen Kameraden zu überprüfen, noch konnte er seine wenigen Leute für ihre Bergung riskieren. Auch der nachrückende Feind hielt sie für tot.

Weil ihr Helm sie nun nicht mehr schützte, atmete die bewusstlose Orin auch heiße, giftige Dämpfe ein, die ihre Lunge schädigten. Dennoch überlebte sie und kam nach Stunden von selbst wieder zu Bewusstsein, konnte sich irgendwie notversorgen und drei Tage lang an Bord auf sich allein gestellt überleben, bevor sie wieder auf Verbündete traf, die sie unter den katastrophalen Bedingungen auch nur grob zusammenflicken konnten. Kurz darauf wurde die Annihilator von den loyalen Teilen der Dritten Flotte zurückerobert.

Zur größten Verwunderung ihrer Ärzte konnte Orins Leben tatsächlich gerettet werden, aber dass sie nie wieder die Alte werden wird, stand von vornherein fest. In ihrer verzweifelten Lage musste sie die falschen Medikamente einnehmen, um zu überleben, und seither kann ihr Körper weder Haare ausbilden, noch wird Bacta je wieder voll bei ihr anschlagen. Jede weitere Bactabehandlung wird sehr lange bei ihr dauern und je nach Präparat eventuell sogar schwere allergische Reaktionen auslösen.

Schon während ihrer physischen Genesungsphase musste Orin psychiatrisch betreut werden. Inzwischen ist sie aber wieder soweit, dass sie in den Einsatz gehen darf, und das verdankt sie zu einem Großteil der Arbeit von Dr. Malis Rhenard, zu der sie in der Tat großes Vertrauen aufgebaut hat. Zur Mission auf Vergesso Prime hat sie sich freiwillig gemeldet, weil einerseits ihr unverwechselbares Aussehen gut zur Maskerade des Einsatzteams als wilde Piraten passt — Orin verfügt durchaus über eine gewisse Fähigkeit zur Selbstironie —, andererseits, weil sie sich selbst beweisen wollte, dass sie über ihr Trauma hinweg ist. Die Konfrontation mit Chief Veleany, der sie bis dahin für tot hielt, spielte darin eine große Rolle für sie. Gerade mit ihm verbindet Orin ihre schrecklichsten Erinnerungen, und deshalb ist es für sie auch eine Art Prüfung, ihm erhobenen Hauptes zu begegnen und sich weder ihrer Verzweiflung noch ihrem aufwallenden Zorn hinzugeben. Im Grunde ist ihr sicher klar, dass Veleany sie damals nicht wissentlich im Stich gelassen hat; aber sie gibt ihm trotzdem ein Stück weit die Schuld.