Dritte Flotte

Dr. med. Yihuneen

Lebenslauf

Über seine Vergangenheit redet Yihuneen grundsätzlich nicht, aber die Wetten stehen gut, dass er als Kind misshandelt wurde und deshalb zum Misanthropen wurde. Der Zyniker von heute war er allerdings nicht immer, denn einst wuchs Yihuneen zu einem gläubigen Mann heran und erreichte in dem kleinen, auf die körperlichen und seelischen Bedürfnisse von Soldaten zugeschnittenen Dinay-Kult den respektablen Rang eines Mönchs, der eine eigene kleine Schar von Jüngern lehrte und anleitete. Doch der Arztberuf und der Alltag eines nie endenden Krieges haben ihn mittlerweile abstumpfen lassen. Yihuneen predigt nicht mehr, sondern zweifelt sogar an seinem Glauben. Voller Inbrunst und Wortgewalt hält er heute höchstens noch Schmähreden gegen Leute, die ihm auf die Nerven gehen — und das sind fast alle, auch seine Patienten. Aber die bedeuten ihm wenigstens etwas, solange sie seiner Hilfe bedürfen.

Yihuneens Besessenheit geht so weit, dass er vor einigen Jahren, als die VSD II Cerberus im nahen Orbit um einen pulsationsveränderlichen Stern langsam verglühte, den Evakuierungsbefehl missachtete. Letzten Endes mussten ihn einige Soldaten mit Gewalt in eine Rettungskapsel zerren, weil noch nicht alle seine Patienten evakuiert werden konnten. So gelangte Yihuneen ins Gefangenenlager auf Vendaxa, wo ihn ein besonders hartes Los traf, wenngleich er sicher abstreiten würde, dass er nie etwas Schlimmeres erlebt habe: Zu Hunderten wurden die Soldaten der Dritten Flotte dort vom Imperium in tiefen Grubenschächten interniert, zur Minenarbeit gezwungen und waren sich ansonsten bei miserabler Versorgungslage größtenteils selbst überlassen. Yihuneen war in der Grube mit den Überlebenden der VSD II Cerberus einer von wenigen Offizieren und der einzige Arzt und hatte außer der Krankenschwester Varia Uhe und der Sanitäterin Jil Sa-Vin Zaterniphal kaum geeignete Hilfe, geschweige denn Medikamente, als in der Grube die Rital-Corellia-Seuche ausbrach. Yihuneen verlor in dieser Zeit Dutzende Patienten und auch den letzten Schimmer seines Glaubens. Das konnte auch Sin Re'kla, ein spiritueller Führer seines Kultes, der zufällig auch anwesend war, nicht verhindern.

Ein Privatleben besitzt Dr. Yihuneen anscheinend ebensowenig wie richtige Freunde, denn niemand wüsste seinen Vornamen — und sicher auch kein Vorgesetzter, ohne in seine Dienstakte zu schauen. Wenn er nicht alleine trainiert oder alleine säuft, übernimmt er in seiner Freizeit ständig Dienste in Akutsprechstunden oder in der Notaufnahme, was den Kollegen willkommen sein könnte, wenn er es nicht damit begründen würde, dass alle anderen Ärzte unfähige, bornierte Idioten seien, denen es nur um Status und Macht gehe. Besonders mit der Chefärztin, Dr. Rinou, legt sich Yihuneen gerne an, wenn diese wieder einmal versucht, ihn zu seinem eigenen Besten zur Einhaltung der Ruhe- und Pausenzeiten zu zwingen. Auf diese Weise hat er sich bereits mit jedem anderen Arzt mindestens einmal gründlich überworfen, und nur jene wenigen, die ihm Paroli bieten und denen es auf das Wohl der Patienten ankommt — und nichts anderes —, verdienen sich seinen Respekt, etwa Dr. Tarin.

Nur mit Schwester Varia versteht er sich gut genug, weil sie sich von seiner rauen Schale nicht mehr abschrecken lässt. Obwohl sie sich inzwischen zur OP-Schwester fortbilden ließ und zuletzt nicht mehr direkt mit ihm zusammen gearbeitet hat (durchaus auch, um seinem ewig streitbaren Gemüt zu entkommen), pflegen sie weiterhin eine mehr oder weniger stabile — tja, der Begriff "Freundschaft" fiele dazu wohl beiden nicht sofort ein, aber dem kommt es schon relativ nahe. Ähnlich wie Dr. Rhenard beobachtete auch Dr. Yihuneen mit Sorge Varias Abgleiten in eine immer tiefere seelische Krise, aber auch er konnte ihr leider nicht helfen.