Dritte Flotte

Thokozani Danu

Krankenakte

Psychisches Datenblatt

Das Erste, das jemand über Frau Danus Persönlichkeit erfährt, ist, dass sie gern liest, und zwar vor allem komplizierte Literatur und imperiale Propagandaschriften. Auch ihr gesamtes Auftreten und ihre Redeweise lassen darauf schließen, dass sie sich dem Imperium zutiefst verpflichtet fühlt und es sie persönlich zutiefst schmerzt, nur wegen ihrer Zugehörigkeit zur Dritten Flotte pauschal als Verräterin abgestempelt zu werden. Sie kennt die wichtigsten Reden und Schriften von Kaiser Palpatine vermutlich auswendig, und nur ähnlichen Fanatikern wie ihr dürfte es überhaupt auffallen, dass sie oft Zitate seiner Majestät in ihre normalen Sätze einbaut.

Denn eine Fanatikerin ist Thokozani im besten und im schlechtesten Sinne: Sie kann sich für alles begeistern, das mit ihrem Idol, Kaiser Palpatine, zu tun hat. Selbst billige Fanartikel können ihr Herz erfreuen, und vermutlich würde sie Tausende ausgeben, nur um eine gebrauchte Zahnbürste ihres Kaisers zu ersteigern.

Ebenso wie ihr offizieller Status als Renegatin schmerzt es Thokozani, dass die Dritte Flotte um des Überlebens willen faule Kompromisse mit dem Abschaum der Gesellschaft eingehen muss und sogar selbst Verbrechen verübt, um strategische Ziele voranzutreiben. Sie hinterfragt daher durchaus die Notwendigkeit des gesamten Einsatzes auf Vergesso Prime, würde es sich aber nie erlauben, laut Kritik an ihren Vorgestzten zu üben.

Im Dienst legt Frau Danu sehr viel Wert auf Korrektheit und auf Förmlichkeiten: sie duzt Höhergestellte niemals, höchstens zur Tarnung auf besondere dienstliche Anweisung hin, spricht sie stets mit den ihnen zustehenden Höflichkeitsformen wie "Sir" oder "Ma'am" an und nennt die Ärzte immer bei den ihn zustehenden akademischen Titeln. Die Krankenakten führt sie ebenso penibel, wie sie die Krankenbetten macht, und zwar mit militärischer Präzision. Sogar ein übergenauer Frauenfeind wie Tordesian Veleany würde vermutlich zugeben, dass an ihrem soldatischen Verhalten nicht das Geringste auszusetzen ist. Natürlich sind dies Indikatoren für eine tief verwurzelte Unzufriedenheit mit sich selbst. Zum Teil rührt das sicher davon her, dass sie ihren eigenen Vater und mithin ihre ganze Familie als Verräter betrachtet und versucht, sich auf jede erdenkliche Weise als dem Imperium würdig zu erweisen — und die familiäre Einmischung in ihre Militärlaufbahn betrachtet sie erst recht als Verrat, den sie ihrem Vater nie verzeihen wird. Zum anderen glaubt sie aber wohl auch nicht daran, dass sie ohne diese Makel und Hindernisse jemals aus eigener Kraft in der Lage sein wird, einen ihrer Meinung nach ausreichenden Beitrag zu leisten. Ihr Selbstbewusstsein leidet darunter erheblich.

Schon deshalb scheint Thokozani großen Wert auf den Schutz ihrer Privatsphäre zu legen: sie hat sich lange auf keinen Flirt eingelassen, weicht Fragen persönlicher Natur in der Regel eher aus und verhüllt auch ihre fraglos vorhandene Intelligenz, indem sie z. B. vorgibt, nur einen Comic in der Hülle eines schwierigen Buches zu lesen. Sie sucht wohl fast verzweifelt nach jemandem, der ihr unbedingtes Vertrauen verdient. Auch wenn sie ansonsten keine Hierarchien in Frage stellt, fühlt sie sich allerdings noch lange nicht dazu verpflichtet, ausgerechnet ihren Vorgesetzten zu vertrauen. Nein, wer ihr Vertrauen verdient, das müsste schon jemand ganz Besonderer sein. Wie Kaiser Palpatine.