Dritte Flotte

Vell Ricaud

Lebenslauf

Kapitel 1: Lev Arris

Ort: Orbit von Uvena, Sesswenna-Sektor
Zeitindex: 040903 v. E., 2317 Ortszeit

Der medizinische Frachter Canerra kam aus dem Hyperraum und trat in eine stationäre Umlaufbahn um Uvena ein. Er transportierte Kühlkapseln, die wichtige Persönlichkeiten enthielten. Aus allen Schichten der Gesellschaft kamen die Patienten, deren relative Zeit eingefroren und angehalten wurde. Sie hatten durchgehend alle unheilbare Krankheiten, die erst seit kurzem in der Imperialen Universitätsklinik zu heilen waren. Zum Beispiel ein Nesselvirus, das die reizende Eigenschaft hatte, seine Opfer in den psychischen Wahnsinn zu treiben, bevor sie Selbstmord begingen. Allerdings war die bösartigste Eigenschaft, daß es eine sechsmonatige Inkubationszeit hatte, und in dieser Zeit das Opfer besonders 'aktiv' machten, bevor es durchdrehte. Mit dem Ergebnis, daß in der Zeit, als er grassierte, die Huren der großen Städte dieses Virus in der gesamten Alten Republik verbreitet hatten. Doch die Wissenschaftler des Imperators, die zu medizinischen Forschungen und nicht zur Waffenforschung eingesetzt wurden, hatten inzwischen ein Medikament zur Heilung gefunden, da Bacta völlig wirkungslos war. Aber es waren noch viele andere Krankheiten vertreten. Der Pilot des Frachters verschwendete allerdings kaum noch Gedanken an seine Fracht. Er hatte in den letzten Monaten, seit in Bortras die Medizinische Zeitabteilung, die es sich inzwischen leisten konnte, ihre Patienten zu entlassen, anfing, buchstäblich hunderte solcher Flüge hinter sich gebracht.

Der Pilot bat zum Landeerlaubnis. Nach einigen Minuten, die Brückenbesatzung war langsam beunruhigt, da sie erwartet wurden, kam von der Hauptkontrollstation die Bestätigung. Die Canerra schwenkte aus dem Orbit und flog auf den medizinischen Raumhafen zu. Plötzlich schwankten die Decks. Die Canerra wurde durchgeschüttelt, Alarmsirenen begannen zu heulen. Die Canerra bäumte sich wie ein bockendes Pferd auf und verließ den Kurs.

"Was ist los?", schrie der Captain zu seinem Piloten. "Sir, wir werden beschossen!", antwortete der Pilot über das Heulen der Warnsirenen hinweg. Er verzog plötzlich sein Gesicht. "Sir, die Steuerung ist ausgefallen, die Triebwerke sind tot. Die Achternsektion steht in Flammen." "Und der Kurs?", fragte der Captain überflüssiger Weise. Er konnte den Planeten inzwischen direkt auf das Schiff zu rasen sehen. "Navigation?"

Der Offizier an der Navigationskonsole reagierte nicht. Er konnte gar nicht mehr reagieren, denn sein Gesicht war nur noch eine rauchende, schwarze Fläche, nachdem ihm sein Bildschirm ins Gesicht explodiert war. Der Pilot versuchte unterdessen, seinen Steuerknüppel doch noch anzuwenden. Er blickte nach draußen, und sah zwei Z-95 Headhunter auf die Brücke zu rasen. Verzweifelt betätigte er den Knopf, der die automatischen Lasertürme aktivieren sollte.

Aber es passierte nichts. Die Türme waren bereits außer Gefecht gesetzt, ebenso wie die Schilde. Der Pilot wurde zu Boden geschleudert, als erneut Lasertreffer auf das Schiff hagelten. 'Wir stürzen doch schon ab, was wollt ihr denn noch?', fragte er sich.

Doch als eine Explosion eine Seitentüre aus der Brücke fetzte, wurde ihm die Antwort schlagartig klar. Diese Türe gehörte zu einer Rettungskapsel. Der Offizier, der davor gestanden war, war inzwischen über die gesamte Brücke verteilt worden. 'Sie wollen nicht nur das Schiff zerstören, sie wollen uns alle vernichten!', schoß es dem Piloten durch den Kopf, gefolgt von einem Trümmerteil einer weiteren Türe.

Der Captain sah voller Entsetzen zu, wie sein Schiff um ihn herum auseinanderbrach. Rauch brannte in seinen Augen und er fühlte, wie er selbst langsam müde wurde. Er hob seinen Blick noch ein letztes Mal und sah eine der großen Felswände Uvenas vor sich, die direkt über den Medizinkomplex der Universität ragte. Er bewunderte ihre angenehm rauhe Struktur und ihre schroffen Kanten. Dann wurde alles plötzlich hell. Er spürte einen kurzen Schmerz, dann nichts mehr.


Ort: Medizinisches Zentrum, Uvena Universität
Zeitindex: 190903 v.E., 1200 Ortszeit

Das erste, was der Mann wahrnahm, als er die Augen aufschlug, war Licht. Das nächste, seine eigene Stimme. Ein mühevolles Stöhnen entrann seinen Lippen, als er versuchte, seine Augen vor der Helligkeit zu schützen, leider aber feststellen mußte, daß er seine Arme nicht bewegen konnte. Es folgten einige Minuten, die mit anderen, furchteinflößenden Empfindungen gefüllt waren. Dann besann sich der Mann. Er hörte. Jemand schien zu ihm zu sprechen. Aber was sagte die Stimme...?


Ort: derselbe
Zeitindex: 190903 v. E., 1230 Ortszeit

Als er das nächste Mal erwachte, waren die Schmerzen in den Augen des Mannes verschwunden. Er öffnete sie und stellte mühsam fest, daß er nichts sehen konnte. Er sah eigentlich nur schwarze Flächen, unterbrochen von weißen Punkten, die immer wieder herum zu tanzen schienen. Erneut folterte jemand ihn mit diesen Geräuschen. Dieser Jemand sprach, er sprach zu ihm! Der Mann versuchte einzuschätzen, woher diese Stimme kam, aber er verfügte über keinen Orientierungssinn mehr. So wartete er einfach darauf, daß er die Stimme verstehen konnte. Nach einiger Zeit wurde sie sogar verständlich. "Ser Arris, verstehen Sie mich?", fragte die Stimme. Der Mann überlegte lange, ob diese Stimme, sie gehörte eindeutig einer Frau, ihm galt. Schließlich entschied er sich, zu antworten.

"....J...Ja..ahhhh", stöhnte er. Die Anstrengung war fast zuviel für ihn gewesen. Besonders, nachdem er den Kopf nach rechts, zumindest glaubte er, daß es rechts sei, drehte, und sich konzentrierte, um die Trägerin der Stimme wahrzunehmen. Aber er sah nur hektisch flackernde Lichter, die Stimme war plötzlich ein gutes Dutzend Stimmen und Menschen schienen hin und her zu laufen.

Den Mann kümmerte es nicht. Er dachte lieber darüber nach, warum er den Namen Arris noch nie gehört hatte. Er hatte noch nie..., oder hatte er doch? Wie hieß er eigentlich? Wer war er? Wo war er? Warum war er dort? Arris überkam eine Panik, als er verzweifelt sein Gedächtnis um irgendwelche Informationen bat, aber er wußte nichts. Kein Name, keine Identität, keine Familie, keine Freunde.

Arris besaß nicht mehr, als einen unwirklichen Begriff, der ihm als Name verkauft wurde. Aber er konnte offenbar denken, und er konnte offenbar sprechen. Vielleicht half ihm das ja weiter.

Die Lichter hörten plötzlich auf zu flackern, und Arris konnte das Gesicht einer in Weiß gekleideten Frau erkennen. Wie alt sie war, konnte er beim besten Willen nicht einschätzen, da er keinen Vergleichsmaßstab hatte. Alt, jung... subjektive Begriffe, die erst die Erfahrung überhaupt real machte.

"Ser Arris, ich bin Doktor Jennifer Frevel. Ich bin ihre Ärztin. Wissen Sie, wer sie sind?" Arris dachte erneut nach. "Sie... Sie sind schön", antwortete er, froh überhaupt etwas sagen zu können. Er wußte nicht, was schön war, und was nicht, er konnte sich hier keinen Maßstab finden und vergleichen. Er wußte nicht einmal, woher dieser Begriff überhaupt kam. Er war einfach da gewesen.

Dr. Frevel blinzelte und machte ein verwirrtes Gesicht. "Ser Arris", probierte Sie es erneut. Aber Arris unterbrach Sie erneut. "Sind Sie jung? Oder... alt, Doktor...?", fragte er. Er freute sich. Denn offenbar versuchte er die Lücken zu füllen, Verlorenes durch Neues zu ersetzen.

"Ich bin 26 Standardjahre alt, Ser Arris. Und so etwas fragt man eine Dame nicht." Ihr Tonfall war irgendwie anders geworden. Arris legte die beiden neuen Begriffe, 'Dame' und 'Standardjahre', sorgfältig in eine neue Schublade seines Gedächtnisses. "Ser, wissen Sie, wie sie heißen?", fragte der Doktor erneut. "Arris", antwortete selbiger, und fragte sich, wieso er denn so hieße. "Verbinden sie etwas mit diesem Namen, Arris? Wie lautet ihr Vorname?", fragte Dr. Frevel, und sah ihm prüfend in die Augen. Arris setzte schon an, stutze dann. Was für eine Frage! Sein Vorname lautete natürlich... Wie hieß er denn?

"Nein", antwortete er schließlich. Sie seufzte und wandte sich für einen Moment ab. Als sie sich erneut zu Arris umdrehte, hielt sie einen Spiegel in der Hand und hielt diesen Arris direkt vor sein Gesicht. Arris starrte diesen geschlagene zehn Sekunden an, und wandte sich dann an Frevel.

"Wer ist das?", fragte er. Arris konnte sich nicht mehr wirklich an dieses Gesicht erinnern. Ein paar Schemen, aber das konnte schließlich auch seine Phantasie sein. "Nun, Lev, das sind Sie. Sie haben eine Amnesie gehabt, infolge der Tatsache, das Sie bereits seit etwa zehn Jahren in einer Kühlkapsel steckten. Ihr Gedächtnis wird sich aber erholen, denke ich. Sie hatten eine Krankheit, ein Virus, das zu Ihrer Zeit tödlich und unheilbar war. Aber inzwischen haben die Wissenschaftler unseres geliebten Imperators eine Methode entwickelt, diese Krankheit zu heilen. Das Medikament wurde an ihnen getestet. Ich gratuliere, Sie tragen dazu bei, Millionen Menschen das Leben zu retten."

Arris war wie geschockt nach dieser Nachricht, aber er schaffte es einfach nicht, Dr. Frevel für ihre Tat zu hassen. Sie hatte einfach nur versucht, möglichst viele Lebewesen zu heilen, ohne dabei an den Einzelnen zu denken. Rette die Mehrheit, indem du einen einzelnen opferst. Diese Regel wurde eine der ersten, die Arris sich erneut verinnerlichen konnte, und auch wollte.


Ort: Medizinisches Zentrum, Universität Uvena
Zeitindex: 120102 v. E., 2100

Arris war inzwischen fast vollständig genesen. Zwar hatte er noch immer nicht sein Gedächtnis wiedererlangt, aber er war von seinem Charakter her wieder vollständig eine Person. Ob diese Person auch er selbst war, konnte er nicht sagen, aber es gefiel ihm. Er hatte gerade eines der häufigen Rendezvous mit Dr. Frevel hinter sich. Die junge Dame war von Arris und seinen Versuchen, sich selbst wiederzufinden, beeindruckt, auch wenn sie selbst sich das nur ungern zugestehen wollte und versuchte, ihn nicht näher an sich zu binden.

Arris selbst war sich auch noch ein wenig unschlüssig, was er eigentlich zu tun gedachte, wenn er hier heraus mußte, und versuchen sollte, sein Leben wieder aufzunehmen. Er hatte vor einiger Zeit festgestellt, daß er fliegen konnte. "Zwar nicht ohne technische Hilfe, aber immerhin", hatte er Jenny erklärt. Er war vielleicht Pilot, für eine große Gesellschaft oder etwas ähnliches. Jenny Frevel hatte nur ihren Kopf geschüttelt. "Ich habe bei allen großen Firmen nachgefragt. Sie kennen dich nicht, niemand hat eine Unterlage über dich gehabt. Die einzige Möglichkeit..."

Jenny sprach nicht weiter, aber sie mußte es auch nicht. Wenn Arris bei der größten Handelsgesellschaft beschäftigt gewesen war, dann war es sowieso aussichtslos. Xizor Transport Systems war nach einem Terroranschlag, bei dem auch Rebellen beteiligt gewesen sein sollten, vom Imperium übernommen worden. Man hatte außerdem Aufzeichnungen gefunden, nach denen Xizor selbst mit Verbrecherbanden aller Art in Kontakt gestanden habe. Eine verabscheuungswürdige Bande war das. Die Galaxis konnte froh sein, daß sie diese Figuren los war.

Arris pfiff fröhlich vor sich hin und freute sich auf den morgigen Abend, wenn er dann wieder von ihr aus seinem Zimmer abgeholt werden würde, und sie dann später selbst nach Hause bringen wollte. Mal sehen, ob sie ihn vielleicht doch noch auf einen Becher Kaf hereinließ... Arris kam vor seiner Türe an, betrat das Zimmer, mit dem tollen Ausblick auf die Stadt und das Leben (und Sterben) dort. Irgendwann schlief er ein.


Ort: derselbe
Zeitindex: 130102 v. E., 2230 Ortszeit

Zwei Männer und zwei Frauen betraten, in lange, schwarze Mäntel gehüllt und mit schwarzen Lederstiefeln bekleidet, das Krankenhaus. Sie erregten nicht sehr viel Aufsehen, als sie den zuständigen Empfangsdroiden nach dem Aufenthalt eines gewissen Lev Arris befragten, schließlich waren sie mehr oder minder nach der aktuellen Mode gekleidet und benahmen sich auch durchaus höflich.

Wie das in Krankenhäusern so ist, konnten hinterher eine Menge Leute erzählen, sie gesehen zu haben. Die meisten wollten eine böse Aura verspürt haben und einige waren sich sogar sicher, ein dunkles Grinsen auf den Gesichtern entdeckt zu haben. Aber niemand kannte einen Namen oder gar eine Adresse. Und man hört ja auch viel Gerede, wenn ein halbes Gebäude in die Luft gesprengt wird, da kleingeistige und einfache Menschen nur selten etwas Aufregendes erleben, und die Geschichten, die wenigen, die erlebt wurden, werden beim Erzählen immer weiter aufgebauscht.

Die vier Gestalten näherten sich der Krankenhaus-Cantina, in welcher Arris zu überraschend später Stunde noch mit Frevel saß. Sie hatte gerade seinen Entlassungsschein bekommen, und Arris las ihn nicht einmal, sondern sprach nur davon, was morgen und übermorgen sei. Schließlich jedoch senkte auch er den Blick, sah offenbar ein, das es kein Morgen und kein Übermorgen für sie beide geben würde, denn Jenny war gerade befördert worden und erhielt eine Stelle im Coruscanter Militärkrankenhaus. "Ich muß jetzt aber schön langsam schlafen gehen, Lev", meinte Jenny und stand auf. "Darf ich dich wenigstens noch begleiten?", fragte Lev und stand ebenfalls auf.

Vielleicht hatte sich ein flüchtiges Lächeln auf Frevels Gesicht geschlichen, Arris war sich nicht sicher, da die Beleuchtung mehr als nur etwas gedämpft war.

"Hm!" machte sie. "Du könntest mir natürlich ein wenig Begleitschutz geben, Lev. Habe ich Dir schon erzählt, das ich den besten Kaf mache, den man in diesem Quadranten der Galaxie bekommt?" Diesmal war es Arris, der grinste. "Nein, aber ich bin gespannt auf deine... Fähigkeiten", meinte er und half ihr in den Mantel.

Und ohne Vorwarnung begann die Katastrophe.

Drei Tische hinter Arris explodierte ein Thermaldetonator. Leute fielen um wie buntes Konfetti und schrieen durcheinander. Arris sah aus den Augenwinkeln heraus eine Bewegung und sprang auf Jenny zu, die den Schock noch nicht ganz überwunden zu haben schien. "Runter!", schrie er und zog sie mit sich. Blasterstrahlen zuckten auf ihn zu und versuchten, den Tisch, hinter dem die beiden lagen, in Asche zu verwandeln. Arris packte Jenny bei der Hand und zog sie mit hinter den nächsten Tisch.

Plötzlich hörte er ein lautes Klappern. Er sah wenige Meter neben sich eine kleine, blitzende Titankugel über den Boden rollen. Rote, grüne und ein blaues Licht blinkten abwechselnd am schwarzen Äquatorstreifen. 'Ein Klasse-A-Detonator!', erkannte Arris mit Entsetzen. Der würde das ganze Gebäude in Schutt und Asche legen. Buchstäblich niemand würde das überleben.

"Jenny!", rief Arris über den Lärm hinweg. "Jenny, raus hier!" Er nahm erneut ihre Hand und sah sich kurz um. Nur noch vom Haupteingang her zuckten Blasterstrahlen, die Eindringlinge hatten sich offenbar zurückgezogen und wollten nur noch verhindern, daß sie entkamen. Er sah zu dem großen Glasfenster, das auf den Korridor, der die sechs Flügel des Krankenhauses miteinander verband. Er war zwar recht breit, aber nicht ohne Deckungen. Wenn sie sich anstrengten, müßten sie es schaffen können.

Arris hatte für seinen Gedankengang nicht einmal ganz drei Sekunden gebraucht, aber am Detonator begannen die Lichter bereits hektischer zu flackern. Jenny hatte sich inzwischen auch wieder gefangen und nickte ihm zu. "Durchs Fenster!", flüsterte Arris, "Eins, zwei... drei!" Sie sprinteten los. Arris hörte hinter sich ein Wutgebrüll und die Blasterblitze suchten sich neue Ziele.

Aber der Zickzackkurs, den Arris eingeschlagen hatte, schien die Gegner zu verwirren.

Sie trafen nicht.

Dafür explodierte der Detonator.

Frevel und Arris wurden durch das Glas, es war zu ihrem Glück kein Transparistahl, geschleudert und landeten auf dem Weg.

Arris ließ Jenny’s Hand los und krümmte sich zusammen, um seinen Sturz abzufangen. Er kugelte meterweit über den Boden bevor er mit betäubender Wucht an eine Mauer prallte.

Als Arris sich unter Schmerzen wieder aufrichtete, waren sie über ihm. Sie schlugen auf ihn ein und legten ihm Fesseln an, die nicht einmal ein ausgewachsener Wookiee hätte knacken können. Arris sah zu Frevel herüber. Sie lag auf dem Rücken, ihre Augen waren geöffnet und aus ihrem Mund floß Blut. Drei verkohlte Löcher zierten ihre Brust. Er krümmte sich wie unter Schmerzen und versuchte, mit den gefesselten Händen auf seine Häscher einzuschlagen, schaffte es jedoch nicht.

Lev wurde einfach mitgeschleift. Sie legten eine Bombe, um "überflüssigen Zeugen das Gewissen zu erleichtern", wie sie sagten.

Als ihr Schiff, ein einfacher YT-1250-Frachter mit Raketenwerfer zum Heck hin über den Komplex flog, sah Arris, wie sich der gesamte Flügel Drei wie ein Luftballon aufblähte, bevor er platzte und in einer grellen Explosion verging.

Er wurde von zwei Bewachern rüde in eine Zelle im Heck des Schiffes geschleppt, eigentlich ein umgebauter Frachtraum, ein finsteres Loch ohne irgendwelche Annehmlichkeiten. Arris sah sich um. Er war noch immer wie erstarrt seit Jennys Tod und er erwartete, daß er ihr bald folgen konnte.

Aber noch war es nicht so weit.

Und es sollte mal Zeit werden, daß er sich wieder auf die wichtigen Dinge des Lebens konzentrierte.

Er würde sie für Jenny’s Tod bezahlen lassen.


Ort: Transporter der Entführer, Zelle
Zeitindex: 120102 v. E., 0600 Ortszeit Uvena, 1200 Bordzeit

Arris wachte auf. Irgendwann in der vergangenen Nacht hatten sie ihm etwas zu essen und eine Pritsche gebracht, auf die er sich übermüdet gelegt hatte. Es würde noch eine Weile dauern, bis er sich an die anderen Schlafenszeiten gewöhnt hatte.

Er starrte an die Decke und ein verblüffter Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. In Frachträumen interessierte man sich selten für die Dekoration. Arris sah zu seiner Überraschung die Sauerstoffleitungen an der Decke entlang laufen. Die Rohre hatten überall kleine Löcher, die den veralteten YT-1250 mit atembarer Luft versorgten. Die beiden Rohre daneben waren vermutlich für die Wasserversorgung, allerdings hatte die Wasserleitung natürlich keine Löcher, sah man mal von einem kleinen Leck ab, das die hintere Wand feucht werden ließ.

Arris glitt aus dem Bett und stellte sich unter die Leitungen, als er Stimmen und Schritte hörte. Aber die Schritte gingen unbeeindruckt an seiner Zellentür vorbei, ohne auch nur einmal anzuhalten. Er versuchte, die Zeit einzuschätzen, und er kam auf kein sonderlich schönes Ergebnis. Jeden Moment würden sie wieder mit Essen kommen, sofern sie ihren Zeitplan einhielten und ihn weiterhin so regelmäßig versorgten.

Warum sie zuerst versucht hatten, ihn zu töten, nur um ihn anschließend wieder zu durchzufüttern, war ihm nicht wirklich klar. Aber er würde bald Antworten bekommen. Arris ging ein wenig in die Knie, visierte sein Ziel an und sprang. Er bekam die Wasserleitung zu fassen und ließ sofort mit einem erschrockenen Wutschrei wieder los. Es war die Warmwasserleitung.

Seine verbrühten Hände schmerzten höllisch und Arris war sich nicht mal sicher, ob er sie noch einmal brauchen konnte. Lev ging hin und her und versuchte seine Hände wieder zu kühlen. Nach einiger Zeit ließen die Schmerzen auch nach und er besah sich im schwachen Licht die Handflächen genauer. Sie waren nicht wirklich verbrüht, er hatte lediglich eine, zwei Brandblasen, die noch ein wenig schmerzten.

Arris hörte erneut Schritte vor der Tür und erstarrte. Einen Versuch. Mehr hatte er nicht zur Verfügung. Er sprang erneut, griff diesmal an die mittlere Leitung und war besonders erfreut, die Kaltwasserleitung erwischt zu haben. Die Kühlung tat seinen Wunden gut. Er zog sich ein wenig nach oben und stemmte dann die Beine gegen die Wand.

Gerade noch rechtzeitig.

Die Türe öffnete sich zischend und er spürte, wie der Wächter erstarrte, als er niemanden in der Zelle sah. Arris wartete, hörte ein Schaben, als ein Blaster gezogen wurde und beobachtete über die Schulter, wie der Mann vorsichtig die Zelle betrat und sofort die Blastermündung in den toten Winkel des Eingangs schwenkte. Aber auch da war niemand, den er finden wollte.

Der Mann schien völlig in Panik zu geraten, drehte sich um und fand nicht einmal Zeit, etwas zu gurgeln, bevor Arris, der ihm direkt vor die Nase gesprungen war, ihn mit einem gemeinen Schlag mit der Handkante gegen den Hals das Bewusstsein raubte.

Lev stellte schnell das Essentablett in die Zelle und schloß die Türe, um kein unwillkommenes Aufsehen zu erregen. Schnell durchsuchte er die Taschen der Wache. Der Mann war tot. Der Schlag hatte seinen Kehlkopf zerquetscht und er war ohne eine Chance gestorben. Schade. Arris schüttelte den Kopf und nahm den Blaster, die ID-Card und den Schlüssel des Mannes mit, bevor er ihn mit seinen Handschellen gefesselt an das Heißwasserrohr hängte. Derjenige, der ihn fand, würde seine helle Freude haben.

Arris verließ die Zelle und betrat den Gang. Instinktiv wandte er sich nach rechts und landete nach einigen bangen Minuten im Maschinenraum. Hier arbeiteten drei Menschen an verschiedenen Konsolen und überwachten den Hyperraumflug. Arris grinste und hob den Blaster.

Zwanzig Sekunden später waren die drei nur noch Fußbodendekoration und die Konsolen von Funkenflügen überzogen. Arris wandte sich ab und nahm ein Datapad mit, das auf einer anderen Konsole lag. Er rief einen Plan auf und fand heraus, das der Transporter gerade mal acht Mann Besatzung hatte.

Aber er verfügte über zwei angedockte Z-95– Headhunter, die beide an den Magnetschleusen des Schiffes hingen.

Arris ging zur Brücke. Er traf zum Glück für die Besatzungsmitglieder unterwegs niemanden, also mußten sie alle dort sein. Arris schlich in Richtung Brücke und stand unschlüssig vor der Tür. Was nun? Er kannte das Sicherheitsschloss der Tür, mit seiner ID-Card sollte er es öffnen können. Aber was dann? Er seufzte, schaltete den Blaster auf "Betäuben" und zog die ID-Card durch den Schlitz. Die Türe öffnete sich und Arris spähte hindurch, sah einen der Kerle, die ihn entführt hatten, und noch bevor dieser seinem Erschrecken Ausdruck verleihen konnte, schoß Arris ihn nieder. Die drei anderen wandten überrascht ihre Köpfe auf die Tür zu.

Arris sprang durch die Tür, feuerte erneut, und streckte beide Frauen nieder, bevor sie auch nur an Gegenwehr dachten. Der letzte Mann zog seinen Blaster und feuerte auf Lev, der sich rasch hinter eine Konsole duckte. Der Mann feuerte, deckte Arris mit Dauerfeuer ein, als wollte er verhindern, dass sich Lev aus der Deckung wagte, um sich gefahrlos nähern zu können. Arris spannte sich und warf sich mit einem Wutschrei an einer Seite der Konsole hervor, erfaßte die Situation und feuerte erneut auf den Mann. Aber sein Schuß ging weit vorbei, während sein Gegner etwas besser zielte und nur um Millimeter an Arris vorbei an die Wand feuerte. Arris landete hart und rollte sich hinter die nächste Konsole.

Dann stellte er den Blaster wieder zurück und sprang auf, warf sich nach vorne und feuerte auf den Mann. Er sah alles mit übernatürlicher Klarheit, sah die Blasterblitze an sich vorbei zucken, konnte die versengte Luft riechen und die Hitze spüren, die sie erzeugten. Arris traf den Mann an der Hand und im Bein, woraufhin dieser mit einem Schmerzensschrei seine Waffe fallen ließ. Arris stand wieder auf und schritt zu dem Kerl, der sich wimmernd auf dem Boden wandte. Er lächelte grausam und trat ihm gegen die Schläfe.

Arris ging zur Navigationsstation und sah nach dem Kurs. Sie würden in etwa zwei Stunden aus dem Hyperraum kommen. Genug Zeit, um die Aufzeichnungen zu checken und nach Antworten Ausschau zu halten. Er fesselte die Crewmitglieder, es waren die vier, die ihn entführt und Jenny getötet hatten, an verschiedene Sitze, die er alle dem Brückenfenster zuwandte und feststellte.

Dann begann er nach den Logbüchern zu suchen. Es dauerte eine Weile, bis er herausfand, daß die Logbücher Fälschungen und die echten verschlüsselt waren. Also ging er in den kleinen Raum des Kapitäns und holte ein Glas Wasser aus dem dortigen Wasserhahn. Er schüttete es einer der beiden Frauen ins Gesicht, woraufhin diese prustend erwachte, eine Weile vergeblich an ihren Fesseln zerrte und ihn dann schließlich wütend anfunkelte. Arris lächelte erneut auf diese grausame Weise, er hatte eine Menge in anderen Dateien entdeckt. Eine sehr große Menge mit sehr interessanten Informationen. "Na, endlich wach?", begrüßte er sie und schlug ihr ins Gesicht. Sie stöhnte und weckte damit ihre anderen Kumpane.

"Okay, ich will wissen, wie ich in euer echtes Logbuch komme. Hat dazu jemand eine Idee?", fragte er in die fröhliche Runde. Als keiner antwortete, wandte er sich an die Frau, die zuerst wach geworden war. "Nun, Schätzchen, ich fürchte, wenn du mir keine Antwort gibst, muß ich deinen Mann hier ein wenig quälen. Vor deinen Augen. Also?" Die Frau antwortete noch immer nicht, sondern starrte ihn nur haßerfüllt an. Arris zuckte mit den Schultern, zielte auf das Bein des Mannes und feuerte.

Dieser schrie auf und brüllte vor Schmerz. Die Frau hatte sich prima unter Kontrolle, konnte aber das Flackern in ihren Augen nicht ganz unterdrücken. "Also, was ist? Bekomme ich jetzt meine Antwort?", fragte Arris erneut. Die Frau funkelte ihn auch erneut an, gab ihm dann aber einen hoch komplexen Sicherheitscode. Arris blätterte die Dateien durch und fand einiges, das für ihn von Interesse war.

Sie waren vom "Clan", wer auch immer das war, beauftragt, einen gewissen Ser Lev Arris zu töten. Ohne Zeugen zu hinterlassen. Arris lächelte düster. Er nahm sein Pad, das er noch aus dem Krankenhaus hatte, und überspielte die Daten alle, damit er sich in Ruhe mit ihnen beschäftigen konnte, wenn er etwas Zeit hatte. Aber im Moment ging seine Flucht vor.

Und wenn man es genau betrachtete, seine Rache auch.

Arris nahm sich etwas Klebeband aus den Vorräten der Terroristen und klebte ihre Wimpern mitsamt dem Kopf so, daß sie gezwungen waren, nach draußen zu sehen. Alle vier. Dann holte er sich mittels des Sicherheitscodes die Kontoinformationen seiner Gegner und lud sich im Ganzen etwa 14.000 Credits auf sein Konto, das er neu eingerichtet hatte, nachdem Jenny ihm dazu geraten hatte.

Jenny.

Arris verscheuchte den Gedanken und trat auf seine Gegner zu, ein letztes Mal, bevor er sie sterben ließ. "Okay, Leute. Ich danke euch für die Informationen und das Geld, aber ich glaube nicht, daß ihr davonkommen sollt. Ihr habt meine Freundin getötet und zudem noch dafür gesorgt, daß der Frachter mit meiner Kühlkapsel abgestürzt ist. Es waren ja eure Z-95, die das Chaos anrichteten. Ihr sollt nun genauso sterben, wie ihr es verdient habt, auf dieselbe Weise wie eure Opfer", sprach Arris sie an und erschoß einen der beiden Männer. "Der Rest von euch wie in der Canerra, viel Spaß", schloß er und ging zur Navigationskonsole. Arris wartete auf das Signal und ließ dann den Frachter aus dem Hyperraum fallen.

Er stellte den Kurs auf den Planeten, Corellia, ein und ließ das Schiff mit vollem Schub auf den Planeten zu rasen, nachdem er einen Kurs programmiert hatte, der verhindern sollte, daß sie bereits in der Atmosphäre verglühten.

Schnell verließ er die Brücke und kam an der Backbordschleuse schließlich keuchend zum Stehen. Er betrat das Cockpit und feuerte mit seinem Blaster ein, zwei Mal in die Konsolen. Dann begab er sich zur Steuerbordschleuse und setzte sich in den Jäger. Schnell hatte er sich mit den Kontrollen angefreundet und schloß die Schleuse, bevor er startete.

Nach seinem Start fühlte er sich das erste Mal richtig frei. Er hatte seine Häscher besiegt, einen Raumjäger, den er so schnell wie möglich loswerden sollte und einen schönen Haufen Geld, um sich seiner Vergangenheit zu widmen. Er flog knapp hinter dem Frachter her und verfolgte seinen Untergang. Doch es war fast ausgeschlossen, daß die Entführer sich noch befreien konnten, besonders, was sollten sie schon gegen seine Sabotageversuche unternehmen?

Sie konnten nur noch auf ein schnelles Ende hoffen, und Arris hatte nicht vor, ihnen das zu gönnen. Plötzlich sah er eine Bewegung im Cockpit des zweiten Z-95. Offenbar hatte sich eine der Pilotinnen losmachen können, und versuchte nun, mit dem Jäger zu entkommen. Arris lachte und drehte eine Schleife vor ihrem Cockpit, um ihr zu zeigen, daß er an alles gedacht hatte. Alles? Er hatte die Geschütze vergessen. Schnell flog er zum ersten und ließ es in einer feurigen Wolke vergehen. Doch auch die Pilotin war offenbar schlau genug, denn als er sich zum zweiten herunter begab, war sie bereits an den Kontrollen, und fauchte ihm heiße Laserstrahlen entgegen.

Aber ihre Schilde waren noch immer außer Funktion. Arris brauchte nur einen Schuß, um die Kanone samt Pilotin zu verdampfen und sich wieder gemächlich hinter den Transporter zu hängen. Sie würden ihm nicht entkommen.


Ort: Corellia, untere Atmosphäreschicht
Zeitindex: 1700 Bordzeit

Arris beobachtete erfreut, wie der Frachter an einer Felswand im Gebirge auf dem nördlichen Kontinent zerschellte.

'Das war für Jenny', dachte er befriedigt. Der Transporter hatte keine Ausweichmanöver versucht und war einfach gegen den nächstbesten Fels gekracht. Nun war Arris auf dem Weg nach Coronet City, einer Stadt mit einem großen Raumhafen, von dem er sich erhoffte, mehr Informationen zu bekommen, vielleicht sogar Zugriff auf das imperiale Archiv. Mit Geld konnte man alles bekommen, besonders Informationen. Arris runzelte leicht die Stirn, als er sich fragte, woher er das wußte, aber der Gedanke war schon wieder weg, bevor er ihn richtig fassen konnte.

Er bekam Landeerlaubnis und steuerte sein Schiff auf die bezeichnete Landegrube zu. Ein wenig wunderte es ihn schon, wieso so gar niemand von diesem Unglück Notiz nahm. Kurz bevor er das Meer überflogen hatte und auf das Festland zusteuerte, bemerkte er zu seiner Überraschung einen Countdown. Noch vierzig Sekunden, dann sollte das Schiff in die Luft fliegen, da der Kontakt mit einem Sender an Bord des Frachters ausgefallen war. Noch vierzig Sekunden...

Arris beschleunigte seinen Jäger, der plötzlich wie ein verbrühter Mynock auf den Kontinent zuschoß. Arris griff, als der Countdown noch 10 Sekunden zeigte, nach dem Hebel für den Schleudersitz. Gleichzeitig richtete er die Nase des Jägers nach oben, in der Hoffnung, Unschuldige so zu schützen.

Als der Countdown die Fünf-Sekunden-Marke überschritt, zog er an dem Hebel und katapultierte sich aus dem Jäger. Er hatte für einen Augenblick noch einen wunderschönen Blick auf die Explosion, die sein Fluchtfahrzeug in Atome zerlegte, bevor die eingebauten Repulsoraggregate reagierten, und seinen Sitz ausrichteten.

Arris segelte zu Boden, mit einer Mischung aus Frustration und Wut, dem sich leichte Bitterkeit mischte. Er hatte Jenny verloren, seine Vergangenheit, seinen Jäger und seine Möglichkeiten, wieder in die Zukunft zu starten.

Das Einzige, was ihm jetzt noch blieb, war, Geld zu verdienen, koste es, was es wolle.


Ort: Coronet City, Bar "Sinner’s Inn"
Zeitindex: 2130 Ortszeit

Arris hatte sich nach einer recht sanften Landung direkt zum Raumhafen begeben. Er hatte einfach das Gefühl, dort am ehesten fündig zu werden. Und tatsächlich, er hatte dort einen kleinen Jäger erstehen können, samt einer ausreichenden Bewaffnung.

Aber es war kein Militärjäger, so wie der Z-95, sondern ein altersschwaches Modell mit einer großen Menge Macken, die er erst kennenlernen wollte, bevor er sich in den Raum wagte. Nachdem der Kauf des Jägers über das elektronische Datennetz für Händler abgewickelt war, beschloß er, noch einen Schluck zu trinken und sich vielleicht nach einem Job umzuhören.

Arris ging auf die Türe zu, ein lieblos aufgehängtes Schild mit zum Teil kaputten Glühstäben verriet, daß es sich um das "Sinner’s Inn" handelte, und betrat die Spelunke. Er war deutlich verwirrt, es war das erste Mal nach langer Zeit, daß er wieder unter normalen Menschen — und anderen Wesen — war.

Arris beobachtete das Durcheinander das aus Stimmen, Lärm, Musik (flottem Jizz, um genau zu sein), tanzenden, trinkenden und prügelnden Wesen aller Rassen bestand.

Er ging mit einem verwirrten, vielleicht sogar ganz leicht verängstigten Gesichtsausdruck zur Bar und wartete geduldig, bis der Barkeeper Zeit für ihn fand, indem er einen schlafenden Betrunkenen von der Bar fegte und Arris mit einem Verschwörerlächeln ansah.

"Sie sehen aus wie jemand, der ein warmes Ale trinken will. Sie lieben warmes Ale, das ist Ihr Favorit, nicht wahr? Ja, als Barkeeper muß man spüren, was seine Kunden wollen, und ich wette, Sie lieben warmes Ale", sprach er Arris an und bevor dieser antworten konnte, preschte der andere gleich weiter. "Ich bin Joe, der beste Barkeeper in diesem Quadranten, und ich will verdammt sein, wenn Sie kein Pilot sind, der warmes Ale mag und einen Job sucht. Ihre Kreditwürdigkeit...", er tippte auf ein im Tresen eingelassenes Gerät, woraufhin Arris' Pad ansprang und wild vor sich hin blinkte, "die ist gut", sagte der Barkeeper Joe, und sah Arris fragend an.

Der suchte immer noch nach einer Erinnerung, die ihm sagte, was sein Lieblingsgetränk war. "Möchten Sie nun ein warmes Ale, Ser, oder doch nicht?", fragte Joe und setzte eine leicht beleidigte Mine auf. Er war ein hagerer, auf die sechzig Standardjahre zugehender Mann, der unablässig ein Handtuch über seiner linken Schulter trug. "Nein", antwortete Arris, "ich trinke am liebsten... warmes Ale, Sie haben Recht!", schloß er mit einem Grinsen.

Er hatte zwar keine Ahnung, ob er warmes Ale mochte, aber er vertraute einfach auf die offene Art des Barkeepers, der scheinbar eine Menge Erfahrung hatte. "Na also, wußte ich. Sie mögen warmes Ale, sowas spürt ein guter Barkeeper einfach. Und ich bin der beste Barkeeper."

Er ging zu drei Schläuchen, die aus der Decke ragten und zapfte aus einem eine grüne Flüssigkeit. "Außerdem wollten Sie unbedingt etwas essen, da Sie Hunger haben", fügte er beiläufig hinzu. "Ja, ich könnte tatsächlich einen Bissen vertragen", meinte Arris, nachdem er die Speisekarte durchgesehen hatte. "Ich nehme die Nudeln."

"Das wußte ich!", sagte Joe und gab ein Handzeichen an den Kellnerdroiden, der daraufhin in der Küche verschwand. Arris zuckte mit den Schultern. Es war das einzige Gericht auf der Karte, somit war es nicht besonders verwunderlich, wenn er es bestellte.

Arris ließ seinen Blick über die Köpfe der Anwesenden schweifen und wandte sich dann wieder Joe zu. "Haben Sie einen Job für einen Piloten mit Schiff?", fragte er flüsternd.

Joe sah ihn prüfend an und flüsterte dann: "Warten Sie auf eine Nachricht, ich werde Sie kontaktieren oder kontaktieren lassen, wenn ich etwas habe..." Er wandte sich genau so schnell wieder ab, wie er sich Arris zugewandt hatte.

Arris nickte erfreut, und aß erst einmal seine Nudeln.


Ort: Orbit um Corellia
Zeitindex: 2350 Ortszeit

Arris war nach dem Start in ein Feuergefecht mit zwei Piratenschiffen geraten, die gerade einen Transporter angriffen. Aber Arris' Volt-Laser machte dem Ganzen schnell ein Ende. Die imperiale Zentralbank schrieb zweimal 50 Credits auf seinem Konto gut, da auf beide, wie auf die meisten bekannten Piratenschiffe, ein Kopfgeld ausgesetzt war. Arris aktivierte den Hyperraumantrieb und machte sich auf den Weg nach Uvena.


Ort: Uvena, Orbit
Zeitindex: 1240 Ortszeit

Arris zog an seinem Hebel und der Jäger, ein Straith, sprang zurück in den Normalraum. Der Straith war der Jawa unter den Raumjägern, aber mehr konnte sich Arris bei seiner momentanen Portokasse nicht leisten. Er bat um Landeerlaubnis im medizinischen Komplex und flog dann direkt auf den Planeten zu. Kurz bevor er die Atmosphäre erreichte, bockte sein Jäger plötzlich und ein krachendes Geräusch machte ihn auf einen Treffer aufmerksam.

Der zweite Schuß, der sich eigentlich in sein Heck bohren sollte, ging bereits durch ein gewagtes Ausweichmanöver daneben. Arris drehte eine Spirale und zündete seinen Nachbrenner, um sich hinter den Feind zu hängen. Doch als er das Heck seines Feindes, eines ihm völlig unbekannten Schiffstyps, erreicht hatte, bemerkte er, daß er in einer Zwickmühle saß: Der Feind war zu zweit. Arris feuerte auf seinen Gegner, ließ seinen Jäger aber sofort in einer Rolle abtauchen, um dem Beschuss des zweiten Gegners zu entgehen. Mit Entsetzen erkannte er, daß der erste Treffer seine Schutzschilde lahmgelegt hatte.

Er feuerte erneut, ließ seinen Jäger abtrudeln und schoß erneut auf den ersten Feind. Sein Volt-Laser, mit den Militärlasern seiner Feinde ein nicht zu vergleichender Zahnstocher, richtete an den Gegnern kaum Schaden an. Aber auf Dauer mochte sich das ändern.

Er feuerte erneut und bekam die Meldung, daß die Schilde des Feindes tatsächlich unter seinem Dauerfeuer nachzugeben begannen.

Arris bemerkte den zweiten Jäger, nach der Kopie der imperialen Datenbank inzwischen als Typ Vendetta identifiziert, beinahe zu spät. Gerade im letzten Moment drehte er ab, sah, wie das Feuer des Gegners sich in Arris' Ziel bohrte und dessen Antrieb und Schilde lahmlegte. Arris drehte bei und wandte sich dem zweiten Feind zu, nicht um ihn gleich zu vernichten, sondern um ihn erst einmal zu verjagen. Die Vendettas trugen nämlich Droiden an Bord, das hieß, der angeschlagene Gegner würde bald eine Reparatur abgeschlossen haben, und sich erneut in den Kampf stürzen.

Arris feuerte ihm drei, vier deutliche Lasersalven vor den Bug und freute sich, als der Gegner langsam abdrehte. Er hatte offenbar die Schilde durchdrungen, und dem Gegner durchaus schwere Schäden zugefügt. Arris drehte sich jedoch und feuerte auf den waidwund geschossenen Vendetta, er wurde mit einer strahlenden Explosion belohnt. Der zweite Feind hatte offenbar seine Lektion gelernt, denn er feuerte nun unablässig, um Arris herum, um ihn in eine Richtung zu drängen, und ihn anschließend zu vernichten.

Arris ließ sich jedoch nicht narren, flog eine Schleife und somit aus dem gegnerischen Feuer heraus und schaltete den Nachbrenner auf Dauerbetrieb, um sich seinem Nemesis zu widmen. Der schien überrascht, daß seine Schüsse ins Leere gingen und keuchte per Funk nur ein: "Das kann nicht sein...!", bevor er in einer grellen Wolke verging.

Arris keuchte und schaltete den Nachbrenner aus. Dann wandte er sich erneut dem Planeten zu, und flog zum medizinischen Komplex der Uvenaer Akademie. Die imperiale Zentralbank transferierte weitere 200 Credits auf sein Konto.


Ort: Uvena, Medizinischer Komplex der Universität.
Zeitindex: 1300 Ortszeit

Arris folgte einem blauen, vor ihm her schwebenden Punkt, der von den Holoemittern der Universität erzeugt wurde. Der Punkt sollte ihn zu Doktor Yvan Loomis bringen, welcher der Leiter der Station war, in welcher Arris aufgewacht war.

Arris hatte eine sehr attraktive Krankenschwester um einen Raumplan gebeten, und war mit dem blauen Punkt los geschickt worden. Loomis war ein glatzköpfiger, gut fünfzig Jahre alter Mann, der eine Augenklappe und ein künstliches Auge aus Titan, Glas und Kupfer trug, mit einer roten Linse, was ihm ein besonders bedrohliches Aussehen verlieh.

"Arris!" Seiner Begrüßung war viel anzumerken, aber auf keinen Fall Freundlichkeit. Arris war sich nicht ganz sicher, aber er spürte geradezu eine Form von Haß in Loomis' Art, seinen Namen auszusprechen. Was an sich auch nicht weiter verwunderlich war, schließlich war nach Arris' letztem Besuch ein kompletter Flügel des Krankenhauses in die Luft geflogen und hatte mindestens ein sechstel der Belegschaft getötet.

Aber was Loomis offenbar falsch verstanden hatte, war die Tatsache, daß Arris nicht die geringste Schuld an diesem Unglück traf. Jedenfalls glaubte er nicht, daß dies der Fall sei. Wissen konnte er es nicht, auch deshalb war er ja hier.

Arris streckte Loomis seine Hand hin –die dieser ignorierte- und setzte sich dann ungebeten auf den Gästestuhl. 'Wie du mir, so ich dir', dachte er. "Was wollen Sie, Arris?", fragte Loomis unfreundlich. "Was auch immer es ist, ich werde Sie hier nicht länger als unbedingt nötig dulden. Also kommen Sie bitte gleich zur Sache!"

Arris räusperte sich, setzte sich zurecht und antwortete so ruhig wie möglich: "Ich weiß nicht, warum Sie mich so hassen..." "Seien Sie still, seien Sie einfach still, Arris. Sagen Sie nur was sie wollen, nicht mehr. Ich hasse Sie, weil Sie das Unheil über mein Krankenhaus gebracht haben. Sie sind mitschuldig am Tod von 64 Ärzten, 200 Studenten und mehr als 730 Patienten. Ich will Sie nie wieder hier sehen, und hatte gehofft, nachdem Sie mit ihren Freunden verschwanden, daß es endlich vorbei ist."

"Momentmal, Sie bringen da was durcheinander. Der Absturz war nicht meine Schuld, ich habe ihn nur überlebt, weil meine Kühlkapsel stabil genug war, um dem Feuer zu widerstehen. Und ich wurde entführt, nicht von Freunden abgeholt. Ich bin nur entkommen.", wütete Arris und kümmerte sich nicht um seine Erscheinung.

"Was soll das heißen?", fragte Loomis erstaunt. "Ich habe niemandem schaden wollen, verdammt noch mal. Ich wollte nicht, daß all das passiert. Verdammt, ich wollte nur einen gemütlich Abend mit Jenny, ich meine mit Doktor Frevel verbringen, SIR", antwortete Arris und wandte sich ab. Die Erinnerungen überfielen ihn wieder und für einen Moment kämpften sie ihn nieder.

Loomis schien über das Gesagte nachzudenken. Dann gab er sich sichtlich einen Ruck. "Warum sind Sie gekommen?", fragte er erheblich ruhiger, als zuvor. "Ich möchte Sie um zwei Dinge bitten, Dr. Loomis. Zum ersten bräuchte ich die Registrierungsnummer der Kühlkapsel, in der ich lag. Ich weiß noch immer nicht, wer ich eigentlich bin und würde es gerne herausfinden.", antwortete Arris ebenso ruhig.

Der plötzliche Stimmungswechsel Loomis' hatte ihn zwar überrascht, aber er gab sich Mühe, daß man es ihm nicht ansah. "Das wird ein wenig dauern, Arris. Ich muß erst einmal unsere Datenbanken befragen, und die sind bei... bei ihrer Entführung erheblich beschädigt worden. Und zum zweiten?", meinte Loomis. Das Stocken fiel Arris zwar auf, er reagierte aber nicht darauf sondern platzte gleich mit seinem zweiten Wunsch heraus: "Ich möchte wissen, wo Dr. Frevel begraben ist. Ich möchte ihr Grab besuchen." Eine geschlagene Minute lang sah Loomis in Arris' Gesicht, dann lachte er. Es war ein seltsamer Laut, viel zu stark für das kleine Büro und viel zu gehässig, um ehrlich zu sein.

"Arris, Sie sind ein Narr. Frevel lebt. Die Blastertreffer waren zwar schwer, aber wir haben sie einfach in einen Bactatank gesteckt, und schon wurde es besser. Sie sind noch nicht einmal eine Woche weg und schon nicht mehr auf dem Laufenden? Es wurde doch überall in den Nachrichten gebracht!" Arris war einen Augenblick lang zu verwirrt, um mehr als einen Gedankengang zu bearbeiten, somit fiel ihm nicht auf, daß ihm tatsächlich eine Woche fehlte. "Kann... kann ich zu ihr?", fragte er. Loomis wurde wieder ernst. "Das ist völlig ausgeschlossen. Keine zwei Tage nach ihrer Genesung ist sie verschwunden. Kein Mensch weiß wohin. Aber ich hoffe, daß sie wieder auftauchen wird. Sie wissen zufällig nichts darüber?"

"Nein.", antwortete Arris mit einem Kopfschütteln, er wußte tatsächlich nichts. Aber er würde sie suchen. Jetzt gleich. "Danke, Dr. Loomis.", sagte er und stand auf, "Ich hoffe Sie sagen mir Bescheid, wenn Sie die Nummer der Kapsel oder ihren Aufenthaltsort haben. Sie haben mir wirklich sehr geholfen. Leben Sie wohl."

Mit diesen Worten stand Arris auf und schüttelte dem überraschten Loomis die Hand, bevor er aus dem Büro rauschte, einen sprachlosen Chefarzt zurücklassend und mit den Gedanken schon in Coruscant.

Arris wußte, daß Jenny auf dem Weg nach Coruscant war. Sie wollte dort die Anstellung als Ärztin annehmen. Als er in seinen Jäger stieg, erwarteten ihn zwei E-Mails. Die eine war von Joe, dem Barkeeper aus Coronet City, der einen Auftrag für Arris hätte und eine E-Mail vom imperialen Geheimdienst. Arris runzelte die Stirn. Vom Geheimdienst? Er schob den Gedanken erst einmal beiseite, und traf die Startvorbereitungen. Der Tower gab ihm Starterlaubnis, und Arris schoß in den Himmel hinauf. Die beiden Vendettas, die sich an seine Fersen hefteten, bemerkte er unterdessen nicht...


Ort: Orbit von Uvena
Zeitindex: 1550 Ortszeit, 200102 v. E.

Arris begab sich in den Weltraum und wollte einfach nur noch weg. Das Gespräch mit Loomis hatte ihn mehr aufgewühlt, als er zuzugeben bereit war. Jenny lebte! Er mußte Sie nur noch finden. Und er hatte nur Coruscant als Anhaltspunkt. Dort wollte Jenny VOR dem Überfall hin.

Aber was jetzt war, das konnte er beim besten Willen nicht sagen, ob sie nun nach Coruscant gegangen war oder nicht, er mußte einfach hoffen, daß sie sich bemerkbar machen würde. Arris las seine E-Mails durch, er fand eine, die noch von Jenny stammte, seine medizinische Akte war auf seine E-Mail Adresse überspielt worden, als er entlassen wurde. Ebenso wie eine Nachricht von Joe, er solle sofort nach Corellia kommen, es gäbe einen Job für ihn. Arris blätterte kurz durch die Mails, und plötzlich wurde sein Bildschirm schwarz, seine Daten verschwanden und sein Jäger wurde durchgeschüttelt. Arris sah auf, und steuerte durch einen Adrinalinstoß seinen Jäger nach backbord, nachdem er feststellte, daß er beschossen wurde.

Arris checkte seine Instrumente und geriet in eine leichte Panik, als er bemerkte, daß sein Hauptantrieb und seine Steuerdüsen zwar noch funktionierten, aber sein Bordcomputer war leider abgestützt. Arris startete das Notprogramm und fuhr die Hauptlaserkanone hoch.

Wenige Sekunden später erfuhr er durch eine Blick auf den Radarschirm, das zwei Vendettas sich an sein Heck gehängt hatten. Ihre Treffer hatten seine Elektronik lahmgelegt, zumindest für Sekunden. Und das nicht durch eine Ionenkanone, sondern durch eine gezielte Lasersalve. Das waren keine Amateure.

Arris drehte seinen Jäger, den er inzwischen bewußt mit dem Namen "Jawa" titulierte, und feuerte auf einen der vorbei rasenden Vendettas. Aber dieser steckte die Treffer ein, wendete und schoß Arris' frisch geladene Schilde zu einem simplen Magnetfeld zusammen. Arris wandte sich um, drehte nach Steuerbord und feuerte auf einen der Schwachpunkte der Jäger: ihr Seitenflügel. Der brach ab und verschmorte zu einem nutzlosen Klumpen Metall. Der Vendetta drehte sich plötzlich hilflos um die eigene Achse und bemühte sich verzweifelt, seine Drehung unter Kontrolle zu bekommen. Als es ihm gelang und der Pilot auf seinen Radarschirm sah, entdeckte er einen roten Punkt direkt hinter sich. Dann sah er nichts mehr.

Arris flog durch die rasch expandierende Trümmerwolke seines Gegners. Der zweite schien sich ebenfalls nicht besinnen zu können und blieb weiterhin eng an Arris' Heck. Plötzlich durchzuckte ein grüner Laserstrahl das Weltall, berührte den zweiten Vendetta und verlor sich dann in der Unendlichkeit des Raumes. Arris sah auf sein Radar und entdeckte einen riesigen Blip über sich. Ein monströses, pfeilförmiges Schiff, das Arris' Jäger links liegen ließ und auf den Vendetta zusteuerte. Arris beobachtete entsetzt und erfreut, wie aus dem gewaltigen Bauch des Schiffes drei seltsame Raumjäger quollen.

Sie hatten eine Kugel in der Mitte, die wohl als Cockpit diente und zwei starre Seitenflügel, die längs der Kugel angeordnet waren. TIE-Jäger, dachte Arris im selben Moment, ohne so recht zu wissen, wie er eigentlich das wissen konnte. Dann wurde ihm klar, daß er einem Imperialen Sternzerstörer begegnet war, eines der größten Schiffe der imperialen Raumflotte. Der Vendetta unterdessen schien einzusehen, daß ein Kampf mit dem Imperium sinnlos war. Doch er dachte nicht daran, aufzugeben oder etwas ähnlich zivilisiertes zu tun. Der Turbolasertreffer hatte seine Schilde aufgerissen, seinen Droiden geköpft und mindestens die Hälfte seiner Systeme zerstört.

Aber er beschleunigte weiter, legte alle Energie in den Antrieb und steuerte auf Arris zu! Lev erstarrte für einen kurzen Moment, und besann sich dann auf eine alte corellianische Weisheit: "Wenn du dich wehren kannst, wehre dich. Wenn du aufgeben kannst, kämpfe weiter!"

Arris drehte seinen "Jawa" auf den Gegner zu und feuerte. Er feuerte ohne Unterbrechung in der Hoffnung, daß er dann vielleicht noch überleben könnte. Er spürte die Einschläge der Lasersalven seines Gegners, spürte, wie die Schilde immer mehr nachgaben...

Und plötzlich war es vorbei. Arris letzte Lasersalve ging ins Leere und der Vendetta explodierte, keine sechzig Meter vor Lev's Jäger. Als die TIE-Jäger sich dann Arris zuwandten, und ihn aufforderten, sofort mit in den Zerstörer zu fliegen, wurde ihm klar, daß er keine Wahl mehr hatte. Arris führte den vorprogrammierten Befehl seines Navcomputers aus und sprang zwei Sekunden später durch die Lichtmauer...


Kapitel 2: Schnitzeljagd durch das Universum

Ort: Hyperraum, irgendwo zwischen Uvena und Corellia
Zeitindex: wenig später

Arris benutze einen Teil der Zeit im Hyperraum, um sich mal die Meldungen näher anzusehen. Er hatte zwei Stück, eine vom Krankenhaus mit seiner Akte und eine von einem gewissen Aaron McDowell, der um ein Treffen im Surgeon’s Blunder bat, es ginge um einen gemeinsamen Freund. "Joe, jede Wette", dachte Lev und öffnete die zweite Mail.

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Medizinische Akte
  • Name: Ser Arris, Lev
  • Alter: 30 Standardjahre, davon mindestens 10 in einer Kühlkapsel
  • Diagnose: Vorrausgegangene Amnesie
  • Betreuung: Dr. Jennifer Frevel, Dr. Yvan Loomis
  • Zeitindex: 130176 (entspr. 130102 v. E.)
Zusammenfassung:

Das Krankheitsbild entstand bei Ser Arris vermutlich durch beschleunigte Depassivität nach einem langen, künstlichen Schlaf, als er aus Trümmerresten eines Frachtschiffes herausgezogen wurde, das kürzlich im Raumhafen der Universitätsklinik von Uvena kollidierte (Einzelheiten siehe Imperiale Datenbank). Es wurde festgestellt, daß der Patient an Amyotrophischer Ossikularer Lympfdegeneration litt, die durch ein Programm mit Eigenvirenbehandlung geheilt werden konnte. Es wird angenommen, daß Ser Arris vor einigen Jahren in den Zustand temporär unterbrochener Animation versetzt wurde, als man bei ihm den AOL – Virus fand, der seinerzeit noch nicht heilbar war. Der Patient ist jedoch inzwischen bei ausgezeichneter Gesundheit und erholt sich physisch sehr schnell. Ob sein Lang- und Kurzzeitgedächtnis jemals zurückkehrt, kann jedoch niemand vorhersagen, obwohl bereits Bathzephal-Scans und eine Heilbehandlung in Form einer Hyperkutanen Zephal-Leukotomie durchgeführt wurden Er sprach gut auf Mental- und Physiotherapien an, und die behandelnden Ärzte sind der Meinung, daß der Patient in 12 Tagen das Krankenhaus verlassen kann.

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Arris lächelte bitter. Er war ja auch entlassen worden, welch eine Freude, daß er so glanzvoll abgegangen war...


Ort: Coronet City, Corellia
Zeitindex: drei Tage später

Arris hatte auf Uvena im 'Surgeon’s Blunder', einer Bar, die dem Körperkult, der auf Uvena gepflegt wurde, frönte, den Auftrag bekommen, einen Waffentransport nach Kashyyyk zu begleiten. Er war überrascht, wie leicht es ihm doch gefallen war, den Imperialen auszuweichen, und wie schlecht die imperialen Scanner waren, die den Frachter überprüft, aber nichts gefunden hatten.

Auf Kashyyyk hatte die dort einheimische Bevölkerung eine Rebellion gestartet, und dazu brauchte man Waffen. McDowell lieferte eine Menge Waffen und ähnliches an Rebellen und so war auch dieses Geschäft nur eine Kleinigkeit. Arris hatte 16000 Credits erhalten und war somit in der Lage, sich einen besseren Flieger zu leisten, als bisher. Zudem konnte er sich etwas bessere Laser als zuvor kaufen und hatte den letzten Tag damit verbracht, diese einzubauen. Er saß nun im 'Sinner’s Inn', dem "Kleinen Sünder" und unterhielt sich mit Joe, dem Barkeeper, als er eine Email erhielt und sich für einen Moment zurückzog.

-[o]- --- > Beginning Message < --- -[o]-

  • Private Nachricht an Ser Lev Arris
  • Absender: Doktor Yvan Loomis

Ser Arris, ich habe mir die Daten noch einmal angesehen. Ihre Kapsel ist an Hal Taffin von der Firma Taffin Reclamations verkauft worden. Ich hoffe, Sie finden, was Sie suchen und ich wünsche ihnen noch viel Erfolg. Aber bitte kreuzen Sie NIE wieder meinen Weg.

Yvan Loomis

-[o]- ---> End of Message <--- -[o]-

Arris sah sich kurz um, beobachtete das bunte Treiben um sich herum und ging dann zielbewußt wieder zum Raumhafen. Dort betrat er eine Network Kabine und loggte sich ein. Unter Taffin Reclamations fand er eine Eintragung, es schien sich um eine Firma im Schrottgewerbe zu handeln.

Arris zog überrascht die Augenbrauen hoch, als er feststellte, daß Hal offenbar einige Probleme bereits mit dem CIS, dem "Corellianischen Intergalaktischen Sicherheitsdienst" hatte, eine Unterabteilung von CorSec, die sich hauptsächlich um den militärischen Bereich der Sicherheit kümmerte. Ihre Jäger und großen Raumschiffe waren es, die fast überall herumlungerten und nur darauf zu warten schienen, daß irgendwer einen Fehler macht. Arris wandte sich um und bestieg seinen Jäger, er wollte nach Tralus und diesen Taffin genauer unter die Lupe nehmen...


Ort: Tralus, Corellianischen System
Zeitindex: 250102 v. E., 1600 Ortszeit.

Zwei Tage und sechzehn übereifrige und aggressive Piratenjäger später stand Lev vor der Türe der Firma Taffin Reclamations, und öffnete sie.

Ein dunkler Raum erwartete ihn, mit Regalen vollgestopft, in denen sich riesige Berge von Raumschiffteilen befanden.

"Hallo?" Arris versuchte im diffusen Licht den Sprecher auszumachen, aber mehr als ein Schemen kam dabei nicht heraus. "Was wollen Sie? Sagen Sie Jabba, ich bezahle ja. Er soll sich noch gedulden."

Bevor Lev in der Lage war, den Mann über seinen Irrtum aufzuklären, trat dieser ins Licht. Taffin war ein kleiner, unangenehmer Typ, von zwielichtiger Natur und mit einem schmalen, spitz zulaufenden Gesicht. Der Ausdruck von vorgeschobener Aggressivität und angeborener Feigheit zierte seinen starren, durch Drogen vernebelten Blick.

"Wer sind Sie? Was wollen Sie?", fragte er und warf einen Blick über die Schulter. Vorsichtig verschwand er wieder ein Stück hinter seinem Regal als Lev zwei Schritte in seine Richtung machte, so das Lev nur mehr sein Gesicht sehen konnte.

"Ich suche Ser Hal Taffin. Sind Sie es?", fragte Lev. "Kann sein. Wer will das wissen?", schoß Taffin zurück. Er gab sich alle Mühe den harten Burschen zu spielen, aber die nervösen Bewegungen seiner Augen verrieten ihn. "Ich suche eine Kühlkapsel, Taffin. Haben sie eine? Eine bestimmte...", begann Lev, wurde aber sofort wieder unterbrochen: "Was suchen Sie? Kühlkapsel... hm, ich könnte vielleicht eine besorgen. Was für eine soll es denn sein?"

Lev wurde langsam, aber sicher ungeduldig. "Ich suche eine ganz bestimmte Kühlkapsel, die von der Canerra." Taffin sah Arris kurz erschrocken an und fing dann an, hektisch zu werden. " Canerra? Nie gehört. Verschwinden Sie! Los, hauen Sie ab, Ser Wie-immer-Sie-auch-heißen-mögen! Los!" Lev machte einen weiteren Schritt auf Taffin zu.

Ihm wurde die ganze Geschichte schön langsam zu bunt, aber er prallte mitten im Schritt zurück, als Taffin hinter seinem Regal hervortrat und mit einem zweiläufigen BlasTech A-180 Kurzlaufblastergewehr auf ihn zielte. "Verschwinden Sie endlich, Ser. Ich habe keine Geduld mehr!", schrie Taffin, und hob sein Gewehr höher.

"Ich schieße, ich warne Sie. Vielleicht sollte ich Sie sogar erschießen? Notwehr, Sie sind hier eingedrungen! Das hat schon mal geklappt... Ja, Ja, Sie haben mich bedroht... Aber wer weiß, vielleicht lasse ich Sie ja auch am Leben, für 20000 Credits, und Sie bekommen ihre Information sogar noch gratis dazu... Aber dann wären Sie ja schon tot nicht wahr..?"

Taffin redete die ganze Zeit so auf Lev ein, und ging dabei Schritt für Schritt auf ihn zu. Lev wich aber weit weniger nach hinten aus, als er sollte, und verringerte so den Abstand zwischen ihnen. Schließlich machte er eine schnelle Bewegung und hielt Taffin plötzlich seinen DL-44 unter die Nase. "Na schieß doch Rattengesicht. Aber ich warne Dich, schieß gut, sonst bist du die längste Zeit gewesen." Taffin schielte auf den Blaster unter seiner Nase und fing dann an, zu stammeln: "Hey, warum nicht ganz ruhig, Freund? Ich kann dir eine Menge erzählen, eine Menge. Willst du das jetzt nicht mal wegnehmen, ja?"

Er lächelte falsch durch seine verfaulten Zähne und fing zu zittern an. Lev packte das Blastergewehr und schleuderte es hinter sich. Dann steckte er seinen eigenen Blaster ein, packte Rattengesicht bei den Schultern und schleuderte ihn gegen ein Regal mit Schrotteilen aller Art, das mit Taffin zusammenbrach.

Bevor sich der schmierige Kerl wieder aufgerichtet hatte, hatte Arris ihn erneut bei den Schultern gepackt und gegen die Wand geschleudert.

"Jetzt rede!", schrie er ihn an, und versuchte dabei möglichst nicht zu lachen. Taffin hatte sein gesamtes, unheimlichen Flair verloren. Jetzt war er nichts mehr, als ein kleiner, feiger Dieb. "Okay, okay, Ser. Niemand darf Frage über das Schiff stellen. Nicht mehr. Es sind Leute verschwunden, und der Clan schwärmt plötzlich überall aus und macht einige Leute auf unangenehme Weise kalt. Jeder, der einen Teil des Schiffes hatte, verschwand oder verkaufte es rechtzeitig weiter."

Taffin griff in eine Tasche und förderte eine Datacard zutage. "Ich hab sie an Santana verkauft. Hier ist seine Adresse. Auf Bortras im Sesswenna Sektor. Und jetzt gehen Sie, Ser, bevor die kommen. Und die kommen schnell." Lev nahm den Datachip und steckte ihn ein.

Dann wandte er sich rasch um und ging hinaus, so schnell, daß es einer Flucht gleichkam. Taffin sah Arris' wehendem schwarzen Mantel nach bevor er sich stirnrunzelnd dem zerstörten Regal zuwandte. Zwanzig Sekunden später war er tot und ein weiterer schwarzer Schatten verschmolz mit der Dunkelheit...


Ort: Bortras, Sesswenna Sektor
Zeitindex: drei Tage später

Arris suchte aus dem öffentlichen Verzeichnis die Daten über Angus Santana und Interplanetary Aid, einer der führenden Hilfsorganisationen der Galaxis. Anschließend entdeckte er in den Nachrichten, daß Taffin ermordet wurde.

Taffin wurde nach der Methode des Clans hingerichtet, ein Kopfschuß von hinten und jeweils einer in jedes Auge, was vom CIS so gedeutet wurde, daß der Clan den Sehenden aus dem Schatten beobachtet.

Lev für seinen Teil hatte eine ganz andere Interpretation für diese Art Mord entwickelt. Der Clan tötet die, die sehen und läßt nur die blinden am Leben.

Arris nahm den öffentlichen Transit, um zu Interplanetary Aid zu gelangen. Er stieg in einen, zu seiner Überraschung völlig leeren Wagen ein und setzte sich verwirrt. Kurz bevor sich die Türen schlossen, wischte noch ein Mann herein, er hatte sich offenbar sehr beeilt, denn er keuchte und wandte Arris erst einmal den Rücken zu.

Dann drehte er sich herum und setzte sich ihm gegenüber. Lev nahm eine der örtlichen Zeitungen auf einem Datapad und gab vor, zu lesen. Der Mann war ihm unheimlich. Ein schwarze Kapuze bedeckte fast völlig sein Gesicht und die lange, schwarze Tunika schien das Licht geradezu zu schlucken.

Der Fremde starrte ihn aber weiterhin unverwandt an. "Lange Fahrt?", fragte er. Arris nahm betont langsam das Pad herunter. "Nein, eigentlich nicht.", antwortete er, und hob sein Pad erneut. "Es ist leer heute, seltsam, was, Ser?", fragte der Fremde erneut.

Arris gab nur ein bestätigendes Brummen von sich und starrte aus dem Fenster. Es gab auch viel zu sehen. Der Wagen flog eine vorgegebene Route vom Raumhafen nach Süden, und überquerte dabei gerade die Stadt. "Es ist gut, dann kann mich wenigstens keiner stören.", meinte der Mann. Arris sah einen verzerrten Schatten auf seiner Fensterscheibe. "Stören? Wobei denn?", fragte er, drehte sich herum und erstarrte.

Der Mann stand direkt vor ihm, ein gefährlich aussehendes Messer in der Hand. "Naja, dabei sie umzubringen, Ser Arris. Was denn sonst?" Damit stieß er zu. Arris sah die Messerklinge auf sich zu rasen und bog verzweifelt den Kopf zurück. Die Klinge fuhr mit einem häßlichen Schaben an der Scheibe entlang, direkt an Arris Hals vorbei. Lev trat dem Angreifer in den Unterleib und schlug dann mit aller Macht in sein Gesicht.

Der Mann taumelte zurück und fiel auf seinen Hintern, bevor er die Hand hob und unter seine Nase faßte. Stirnrunzelnd betrachtete er das Blut darauf. "Na warte, das haste nicht umsonst gemacht." Arris blieb keine Zeit, ihm zu erklären, daß er keinen Dezicredit für den Hieb verlangte, denn der Mann stand bereits wieder unsicher auf und fuchtelte mit seinem Messer drohend herum.

Arris wich einen halben Schritt zurück, zuckte die Achseln und zog seinen Blaster. Der erste Schuß brannte ein Loch in die Schulter des Mannes, der zweite traf die Wand hinter ihm und zerstörte die große Glasscheibe und der dritte Schuß warf den Mann in hohem Bogen aus dem Wagen.

Arris stürzte zu der Stelle, an welcher der Mann eben herausgefallen war. Er fiel etwa acht Kilometer tief, ehe er auf irgendeinem Hausdach zerschellte. Arris schürzte die Lippen, setzte sich wieder hin und las den Artikel auf dem Pad endlich fertig.


Ort: Büro von Angus Santana, Bortras
Zeitindex: zwei Stunden später

Angus Santana war einer jüngsten und erfolgreichsten Geschäftsmänner des ganzen Imperiums. Er gründete Interplanetary Aid als kleine, kommerzielle Hilfsorganisation für Waisenkinder und innerhalb von nur 5 Standardjahren wurde Interplanetary Aid zu einer der größten Firmen der Galaxis mit einem Jahresumsatz von mehr als 150 Billionen Credits. Laut dem öffentlichen Verzeichnis ist Santana aber engagiert geblieben und überlies das Geld verdienen den anderen. Interplanetary Aid sah sich in der letzten Zeit immer wieder Angriffen des Clans gegenüber, zuletzt wurde ein Konvoi mit 3500 erblindeten Patienten im Orbit von Zerbitrope IV abgeschossen. Seither war der Konzern in Schwierigkeiten geraten, da kaum noch ein Patient sich gerne von ihnen helfen ließ.

Wer tauscht schon gerne sein Leben gegen sein Augenlicht?

Arris betrat das Büro und baute sich vor Santanas Schreibtisch auf. Er fühlte sich ein wenig schäbig, als er auf den piekfeinen Anzug Santanas blickte. Er selbst trug noch immer seinen Pilotenanzug aus schwarzem Leder, darüber den schwarzen Mantel. An seinem Gürtel war ein Halfter mit seinem Blaster und einige Teile, die man als Pilot eben brauchte. Um seinen Hals hing sein persönliches Datapad und seine Füße steckten in langen, matt schwarzen Stiefeln. Immerhin hatte er seine Fliegerhandschuhe in seinem Jäger zurückgelassen, ebenso wie den Helm, aber trotzdem sah er mehr wie ein Racheengel denn wie ein Kunde aus.

"Angus blickte von seinem Holoschirm auf und sah zu Arris herauf. "Ja, Sie wünschen, Ser...?" "Arris", antwortete Lev. "Schön, Ser Arris. Fassen Sie sich kurz, ich habe keinerlei Zeit. Ich muß gleich zu einer Konferenz. Naja, eigentlich zu drei Konferenzen" Er lächelte vergnügt und hob fragend die Augenbrauen. "Nun...", begann Arris, ich bräuchte nur eine Information über ein Kühlkapsel, die Sie vor kurzem gekauft haben. Die von der Canerra" Santanas Lächeln gefror. "Niemand stellt Fragen über diese Kühlkapsel. Seit wir sie gekauft haben, verschwinden bei uns öfter Schiffe. Warum wollen Sie die Kapsel?"

Arris überlegte, entschloß sich aber, Santana einen Teil der Wahrheit zu erzählen. "Ich war da drin. Und ich brauche nicht die Kapsel selbst, sondern mir würden die Informationen über sie genügen, wie ihre Registriernummer."

Santana starrte Arris eine geschlagene Minute an und schwieg. Dann seufzte er und drückte einige Tasten seines Computers. "Die Kapsel erhielt von uns eine neue Registriernummer aber wir haben die alte auch noch da... in einer geschützten Datei." Er drückte eine weitere Taste, beinahe hastig. "Ich habe die Daten auf ihren Computer übertragen... Und jetzt entschuldigen Sie mich, Ser Arris. Ich muß zu einer Konferenz." "Zu drei Konferenzen.", verbesserte Arris und grinste schief.

"Sehr gut, Sie haben aufgepaßt. Zu drei Konferenzen, genau.", antwortete Santana und lächelte. "Vielen Dank, Ser Santana. Sie haben mir wirklich sehr geholfen." Arris verbeugte sich knapp und schüttelte Santanas Hand, bevor er ging. Heute war endlich mal ein guter Tag.


Ort: Orbit von Bortras, Sesswenna Sektor
Zeitindex: 290102 v. E. 1500 Ortszeit.

Arris startete und stellte sein Schiff erst einmal in einen Standardorbit um Bortras. Er checkte die Daten, die er erhalten hatte.

Das einzige was er schon am Raumhafen geknackt hatte, war die Registriernummer der Kühlkapsel: D285/067N. Als er im öffentlichen Verzeichnis danach gesucht hatte, hatte er nichts in Erfahrung bringen können, die Nummer gab es laut Verzeichnis gar nicht. Aber als er mit einem Hacker gesprochen hatte und im imperialen Zentralarchiv nachgeforscht hatte, wurde sichtbar, daß "Shernikov Medizinische Ausrüstung" auf Vagran der Hersteller war. Dann zerfraß sich die Datei und das Wort CLAN erschien auf dem Schirm, mit dem Ergebnis, daß Arris jetzt den Hacker in seinem Schiff begleitete, dem die Sache zu heiß wurde.

Dafür mußte Arris den Zugriff nicht bezahlen und bekam sogar noch 5000 Credits extra, wenn er den Bothaner nach Vagran brachte. Und wie es kurz vor dem Hyperraumsprung aussah, hatte der Bothan auch den Schutz bitter nötig. Ein schwerer Kreuzer des Kiowan Rebellentrupps sprang in den Orbit und dieser hatte einen Gravprojektor an Bord, womit Hyperraumflüge erst einmal unmöglich wurden.

Arris beschleunigte und richtete seinen Jäger auf die Hangarsektion des Kreuzers, als drei Vendettas und zwei Schiffe unbekannter Bauart selbigen verließen und in Angriffsformation auf den Hacker zustießen.

Arris schaltete eine Rakete auf eines der unbekannten Schiffe und feuerte, danach ließ er einen Vendetta in seine Zielerfassung. Das unbekannte Schiff wurde getroffen, aber seine Schilde hielten dem Treffer stand und der Feind feuerte sichtlich unbeeindruckt mit Laserkanonen imperialer Bauart auf den kleinen Jäger des Hackers. Der flog ein senkrechtes Ausweichmanöver und schoß unter den Angreifern hindurch, bevor er anfing mit kleinen, ungelenkten Raketen blind auf den Kreuzer zu feuern. 'Idiot', dachte Arris und feuerte auf den bereits von der Rakete getroffenen Feind.

Dieser versuchte ein Korkenziehermanöver, schoß dann auf den Kreuzer zu und drehte plötzlich hart Steuerbord bei. Arris ließ sich nicht narren und feuerte weiter auf das Heck des Gegners. Irgendwann gaben dessen Schilde auch nach und der Feind verging in einer spektakulären Explosion.

Arris drehte bei und nahm erneut einen der Vendettas aufs Korn. Die hatten inzwischen begriffen, daß sie angegriffen wurden und teilten ihre Kräfte auf. Arris zerstörte den ersten Vendetta, bevor dieser seinen Gegner überhaupt bewußt wahrgenommen hatte. Der Bothan traf mit einer ungelenkten Rakete einen weiteren, ein ziemliches Kunststück.

Der dritte Vendetta hängte sich an Arris Heck und versuchte, ihm kritische Treffer zu verpassen, denn er feuerte gezielte Salven ab, die sich vor allem auf den Schildgenerator und die Energieversorgung konzentrierten. Arris wiederum konzentrierte sich auf den zweiten, unbekannten Jäger.

Er wirkte schnittig, hatte sein Cockpit ganz vorne, während der Rest des Rumpfes recht flach hinter dem Cockpit weiter verlief. Am Heck hatte der Jäger zwei Starrflügel nach oben und zwei nach unten gerichtet, leicht nach außen geneigt. Arris konzentrierte sich auf den Punkt, den er als Antrieb identifizierte und feuerte.

Seine Schüsse prallten wirkungslos von den Schilden ab, aber nach einer Weile, er mußte den Angriff immer wieder unterbrechen, da er noch immer den letzten Vendetta hinter sich hängen hatte, gaben die Schilde doch nach und der Jäger wurde getroffen.

Sein Schiffscomputer nahm die Daten auf und fragte beim öffentlichen Verzeichnis nach dem Schiffstyp. Kurze Zeit später hatte er ihn identifiziert: Die Jäger waren der Klasse "Blade" zugeordnet, schwere Jäger des Clans. Wenn die irgendwo auftauchten, bedeutete das meistens das Ende für die Feinde, da sie meistens mit vier bis sechs Militärlasern ausgerüstet waren und über ein beeindruckenden Raketen- bzw. Torpedoarsenal verfügten. Arris feuerte noch einmal ein Salve auf den Feind, bevor er sich gestattete, sich um den Vendetta zu kümmern. Der hatte inzwischen Arris' Schilde lahmgelegt und war bedrohlich dicht herangekommen. Arris wendete, flog dann eine Sheltonrolle und zog plötzlich unter dem Vendetta weg, auf den Kreuzer zu.

Zwar war er noch etwa 3km entfernt, aber der Gegner war nicht dumm und wendete bereits, wenn auch etwas schwerfällig. Arris drehte noch ein paar Flugrollen, um den Vendetta zu provozieren, und schaltete seine Funkanlage ein, wählte den Vendetta aus und schüttelte den Kopf, als der Pilot auf seinem Schirm erschien. "Wie 'ne Jungfrau in der ersten Nacht, mein Lieber. Hast du nicht mehr drauf?" Er versuchte den Piloten weiter zu provozieren, wurde aber unterbrochen, als dieser "Deine Zeit ist gekommen" rief und die Verbindung unterbrach.

Arris schüttelte den Kopf und betete, daß er den Schüssen auszuweichen vermochte, bis seine Schilde wieder in die Gänge kamen. Der Vendetta schloß auf 600 Meter auf, da drückte Arris einen seiner neuen Lieblingsknöpfe. Am Heck seines Jägers öffnete sich ein Schacht, und drei Raumminen purzelten heraus, exakt auf den Kurs des Vendettas. Die Minen strahlten nichts ab, gaben keine Signale oder ähnliches von sich, kurz: sie waren praktisch unsichtbar. Der Vendettapilot sah sie jedenfalls nicht. Er hatte eine Stimmenübertragung zu Arris' Jäger hergestellt und rief: "Komm zu mir, ich will Dich segnen!", als er auf die erste Mine traf. Seine Schilde wurden schlagartig auf Null reduziert.

Die Zweite Mine sprengte seinen rechten Flügel ab. Die dritte traf den Triebwerkskern, und der Jäger verwandelte sich in eine Wolke aus gasförmigem Metall.

Arris atmete auf. Er sah auf seinen Radarschirm und entdeckte den Bothan noch immer in der Nähe. Arris überlegte, wie sie wohl nun noch dem Kreuzer Herr werden konnten, als aus seinem Hangar sechs Vendettas und vier Blade geschossen kamen. Es hatte wohl so keinen Sinn. Sie mußten landen, sich irgendwo auf dem Planeten verkriechen und warten.

Er wollte dem Bothan gerade diesen Vorschlag unterbreiten, als er auf seinem Scanner eine große Menge Jäger entdeckte. Endlich, die Imperialen hatten reagiert. Drei Staffeln TIE-Jäger waren im Anflug und zudem kam ein Signal, daß sich bald auch ein Großkampfschiff einfinden würde. Als hätten sie auf ein Stichwort gewartet, kam eine komplette Flottille aus dem Hyperraum, direkt neben dem Kreuzer:

Zwei Imperiale Sternzerstörer und dazu zwei Lanzenfregatten, zwei Nebulon-B und sechs Korvetten. Sie umringten den Kreuzer und feuerten systematisch seine Schilde zusammen, bevor aus dem Sternzerstörer, die Scanner identifizierten ihn als "Wille des Imperators", eine wahre Flut aus Sturmtruppen — Transportern quoll. Arris beobachtete, wie das Schwerefeld, das der Gravprojektor erzeugt hatte, zusammenbrach und er folgte dem bothanischen Hacker in den Hyperraum...


Ort: Shernikov Medizinische Ausrüstung, Vagran
Zeitindex: sechs Tage später

Arris hatte von dem Hacker ein neues System für seinen Jäger erhalten: Ein RTS System, "Return to Sender", eine Raketenabwehrsystem, das die Signalköpfe von Raketen elektronisch veränderte und die Rakete so postwendend zum Absender zurückschickte. Das alles Marke Eigenbau.

Arris ging via Transit vom Raumhafen direkt zu Shernikov und betätigte den Türschalter dort. Sein Rücken tat ihm weh. Sechs Tage im Hyperraum, und das nur mit seinem kleinen Jäger. Eine wahrhaft ungemütliche Art zu reisen.

Die Türe öffnete sich und Lev trat ein. Er stand in einem großen Raum, der von einem riesigen Schreibtisch vor einem großen Aussichtsfenster dominiert wurde. Der Schreibtisch bestand aus Stahlglas und hatte eine sehr dünne Platte. Aber er war lang, so lang wie der ganze Raum, gute sechs Meter. Dahinter, fast hinter einem Holoschirm versteckt, saß beinahe verloren eine junge Frau. Lev trat gemessenen Schrittes auf sie zu und hob grüßend die Hand. "Hallo, mein Name ist Lev Arris. Ich suche hier Informationen über eine Kühlkapsel..."

Die Frau sah ihn mit großen Augen an. "Nun, Ser Arris, ich fürchte, da kann ich ihnen nicht helfen. Mein Boß ist gerade nicht da, und ich darf ihnen leider keine Informationen aus unserem Datenspeicher geben. Ich bedauere."

Arris überlegte. Man könnte natürlich ein wenig Druck ausüben, dann wäre die Dame bestimmt bereit zu helfen. Das ängstlich Funkeln in ihren Augen zeigte Arris, daß sie gerade das selbe dachte.

Sie hatte Angst. Angst vor ihm. Das gefiel Arris nicht besonders, da sie einfach nicht helfen konnte, und Angst haben mußte, daß das für sie gefährlich wäre. Und sie war aber auch ehrlich. Dann allerdings...

"Würden Sie mir vielleicht gestatten, daß ich hier warte, bis jemand kommt, der mir helfen kann?", fragte Lev und wies aus eine Reihe leerer Stühle. "Natürlich, aber ich kann nicht garantieren, daß Sie nicht umsonst warten, Ser Arris. Es ist ihre Zeit.", antwortete sie mit einem schüchternen Lächeln.

Arris seufzte und setzte sich hin.


Ort: derselbe
Zeitindex: eine halbe Stunde später

Lev hielt mit stoischer Geduld durch. Die Sekretärin arbeitete weiter und warf ihm hin und wieder einen Blick zu, wenn sie glaubte, daß sie nicht bemerkt wurde.

Schließlich sah sie mit einem Ruck auf und stützte ihren Kopf in ihre linke Hand. Ihr rechter Zeigefinger winkte Lev, näher zu kommen. "Kommen Sie her." Lev trat langsam auf sie zu. "Was brauchen Sie denn, Ser Arris?" Arris glitt über den Schreibtisch und sah ihr über die Schulter.

"Ich suche den Auftraggeber für eine Kühlkapsel. Ihre Registriernummer lautet D285/067N.", antwortete er. Die Sekretärin gab seine Daten wortlos weiter, und der Computer öffnete seine Datenarchive.

"Warum suchen Sie diese Informationen?", fragte sie. "Ich war da drin. Und jetzt suche ich... einen Mann, den ich mal kannte.", antwortete Arris und lächelte. Der Computer schien übermäßig viel Zeit zu brauchen, um die Antwort zu finden.

Schließlich aber spuckte er die Daten aus. "Die Kapsel wurde von einem gewissen Jan Mitorr, wohnhaft auf dem schönen Urlaubsplaneten Chandrila im Sesswenna Sektor in Auftrag gegeben.

Beim Imperium, das ist jetzt schon fast 20 Jahre her!", rief die Sekretärin erstaunt aus. Arris sah sie ebenso erschrocken, wie überrascht an. Mühsam brachte er noch ein "Danke, vielen Dank" heraus, bevor er über den Schreibtisch sprang und dann doch noch einmal stehen blieb. "Sie verschwinden jetzt besser, Ser Arris", sagte die Frau mit einem liebevollen Lächeln. "Schnell, bevor mein Boß zurückkommt, und sich fragt, was Sie wohl hier wollen."

Sie machte eine Pause, während Lev sich umwandte und zur Türe lief. Erst als er schon vor der Türe stand, und diese Aufschwang, meldete sie sich noch mal zu Wort: "Danke,... das Sie gekommen sind, Lev."

Arris blieb unter dem Torbogen stehen, nickte kurz, ohne sich umzuwenden, und stürmte auf die Straßen von Vagran hinaus...


Ort: Orbit von Vagran
Zeitindex: 040202 v. E., 1230 Ortszeit.

Nach Chandrila im Sesswenna Sektor wären es rund sechsundzwanzig Tage reine Flugzeit. Das war Arris beim besten Willen zu viel. Er berechnete geschickt eine Route über sechs andere Planeten, über Commenor, noch im Corellia Sektor, dann Bortras, Uvena, Coruscant, Yaga Minor und eben am Ende Chandrila.

Lev ließ die Hyperraummotoren warmlaufen und startete. Die Route würde ihn zwar fast anderthalb Monate kosten, aber das war nicht zu ändern. Kurz bevor er sprang, erhielt er eine E-Mail. Er las sie Hyperraum durch. Las sie sehr, sehr aufmerksam...


Ort: Orbit von Bortras
Zeitindex: 120202 v. E., 1345 Ortszeit

Die E-Mail, die er erhalten hatte, stammte von einem Ex-Senator des Imperialen Senats.

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  • Persönliche E-Mail
  • Von: Senator Guandleck Traffin
  • An: Ser Lev Arris

Ser Arris, Sie sind meine letzte Hoffnung. Vor zwei Tagen haben sie meine Tochter entführt, und drohen mir, sie umzubringen, wenn ich Sie nicht auf den Fall ansetze. Ich bitte Sie, mir zu helfen. Bitte bringen Sie mir meine Tochter wieder. Ich weiß, daß Sie es tun werden, die Kleine ist ja erst 11 Jahre alt. Und ihr Schaden soll es nicht sein. Ich biete ihnen 20.000 Credits, wenn Sie mir meine Tochter in die Arme legen und die Mistkerle fertigmachen.

Bitte helfen Sie mir, ich bin verzweifelt.

Senator Traffin

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Arris war dem Aufruf sofort gefolgt, und er hatte überrascht festgestellt, das die Koordinaten, zu denen er fliegen sollte, auf seiner Flugroute lagen. Als er in den Orbit von Bortras eintrat, erwartete ihn eine Überraschung:

Drei Vendetta Jäger warteten auf ihn. Nun, das sollte kein Problem sein, selbst, als der erste eine Rakete auf ihn abschoß. Die Rakete flog einen halben Kilometer weit, drehte dann plötzlich ab und raste zurück in den Schacht, aus dem sie abgeschossen worden war.

Der zweite Jäger, durch die Explosion des ersten geblendet, flog genau in Arris Feuer, und verging kurz darauf, bevor er überhaupt registriert hatte, was eigentlich passiert war. Der dritte Vendetta hatte aus dem Schicksal seiner Kumpane gelernt und schwenkte um, somit konnte er Arris von unten angreifen.

Aber Arris flog eine Faßrolle und entging so dem Geschützfeuer, kurz darauf hing er bereits am Heck des Vendettas. Zwanzig, vielleicht dreißig Sekunden später gab es nur noch einen Raumjäger und eine Unmenge Raumschrott im Weltall um Bortras. Doch es gab auch keinerlei Rettungskapseln.

Arris drehte ein paar Runden, ohne indes etwas zu finden, und flog dann auf den Planeten zu. Doch bevor er den Planeten erreichte, bekam er erneut eine E-Mail...

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  • An: Lev Arris
  • Von: Cravian Shard

Nun, Du kommst Dir wohl besonders cool vor, wie Du da im Weltraum umher fliegst und nach kleinen Mädchen suchst. Aber laß Dir gesagt sein, ICH bin hier der Beste weit und breit, klar? Und du wirst genau tun, was ich Dir sage, sonst hat das Senatorentöchterchen bald eine ziemlich große Flächenverteilung...

Vielleicht findest Du sie ja, wenn du das hier ausknobelst:

Zwei Piratenclans schmuggeln Gehirnimplantate von Bortras nach Uvena. Die Kiowans schaffen 70 Tonnen pro Fuhre und kehren nach 12 Stunden zurück. Die Papagos haben 100 Tonnen geladen, brauchen aber für eine Tour 16 Stunden. Welches Schiff kann in 12 Tagen mehr von Bortras nach Uvena bringen, und wieviel ist das? Denk daran, der Tag auf Bortras hat 32 Stunden. Teile Deine Antwort durch 20, und Du hast den nächsten Nav-Punkt.

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Ort: Orbit um Uvena,
Zeitindex: 20 Stunden später

Arris hatte hier sechs Lasertürme vorgefunden und zerstört, aber er hatte auch hier nur eine E-Mail erhalten. Seit Stunden knobelte er jetzt schon.

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  • An: Ser Arris

Tja, du hast es bis hier geschafft, na und? Du bist nicht einen Milimeter weiter. Und ich sage Dir gleich, das hilft Dir nicht weiter!

Rosen sind Rot
Veilchen sind Blau
Der nächste Tip tut not
Und ist auch noch für lau

Jeden Tag treffen sich die Leiter der CIS Abteilung für Spezialeinsätze zu einer Gesprächsrunde.Der Tisch hat 4 Stühle; jeden Tag sitzen die Divisionsleiter auf einem anderen Platz. Wenn es insgesamt 4 Divisionsleiter gibt, nach wievielen Tagen sind alle unterschiedlichen Möglichkeiten ausgeschöpft?

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Wenn man mal davon absah, daß dieser Kerl ein miserabler Dichter war, hatte er durchaus das Talent, knifflige Fragen zu stellen.

Aber Arris hatte endlich die Lösung. Er gab den Nav-Punkt ein und raste in Richtung Yaga Minor...


Ort: Orbit von Yaga Minor
Zeitindex: drei Tage später

Lev hatte schön langsam die Nase voll. Der Kerl gehörte zwar eindeutig zum Clan, aber was der Typ so alles wußte war schon erschreckend. Er hatte mit seinen Aufgaben exakt Lev’s Navroute bezeichnet. Daher wußte Lev auch schon, wohin er als nächstes mußte, auch ohne die E-Mail. Im Orbit erwarteten ihn sechs Blade Jäger, die ihn angriffen und sein Schiff auch beschädigten, aber insgesamt nicht viele Treffer erzielen konnten.

Arris hingegen hatte alle sechs kalt und ohne jede Gefühlsregung erledigt. Die ankommende E-Mail las er allerdings erst im Hyperraum, als er bereits auf dem Weg nach Chandrila war...

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  • An: Ser Lev Arris

Okay, Kleiner. Du findest mich, wenn Du das hier ausgeknobelt hast:

Lomin-Ale ist ja ziemlich hochprozentig. Ein Mann braucht für je zehn Kilogramm Körpergewicht genau 1 Liter um sturzbesoffen durch die Gegend zu torkeln, Touristen zu mißhandeln und am Schluß in eine Pfütze mit eigener Kotze zu fallen. Wenn ein 90-Kilo-Mann genug gepichelt hat, um zu kotzen, und er danach in eine leere, quadratische Kiste stolpert, die an jeder Seite 36 Zentimeter mißt, wie viele Zentimeter muß sich dann sein Mund mindestens über dem Boden befinden, damit er nicht am eigenen Aufwurf ersäuft? Multipliziere deine Zahl mit Drei, und du hast den letzten Nav-Punkt.

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Ort: Orbit von Chandrila
Zeitindex: 160302 v. E.

Arris traf Tage später endlich in Orbit ein. Er war erschöpft, wütend, übermüdet und sein Rücken schmerzte noch immer. Er war ziemlich sauer. Als er eintraf empfingen ihn Sechs Raumschiffe: Zwei YT-1250 Frachter, und vier Raumjäger. Arris flog eine leichte Schleife und feuerte zwei Raketen auf den ersten Frachter.

Diese Frachter waren an sich schon besonders gefährlich: Ihre Geschützkanzel war in der Lage, unabhängig von der Flugrichtung, Arris Jäger getreulich zu folgen, und gleichzeitig hatte der Frachter einen nach hinten gerichteten Raketenwerfer, der besonders gut geeignet war, um lästige Verfolger aus dem Weg zu räumen.

Arris' Raketen trafen, richteten aber nur mäßigen Schaden an. Er flog ein Ausweichmanöver um dem Feuer eines Jägers auszuweichen und feuerte seinerseits erneut auf den Frachter. Diesmal durchschlug er die Schilde und verdampfte einen Teil der Panzerung. Aus einem Loch im Rumpf des Frachters trat Luft aus, das Loch war so klein, daß eine Düsenwirkung entstand und der Frachter irgendwo in die Tiefen des Alls geschleudert wurde. Arris drehte bei, stoppte fast und schoß dann mit vollem Schub auf einen der Jäger zu. Es dauerte nur einen Moment, dann waren sie beide aneinander vorbei gerast, und setzten zur Wende an.

Aber Arris schlug diese konventionelle Taktik in den Wind, beschleunigte noch mehr und spießte einen zweiten Feindjäger geradezu mit seinen Lasern auf. Durch die Explosion sah er jedoch den Zweiten Frachter nicht, der ihn aufs Korn genommen hatte, und Arris mußte mehrere schwere Treffer hinnehmen, bevor es ihm gelang, aus dem Wirkungsbereich der Waffen des Frachters zu entkommen.

Arris schwenkte nach Steuerbord und sah sich zwei weiteren Feindjägern gegenüber. Schrottmühlen. Zwei TYE-Jäger, Tie-Jäger Cockpits mit den Antriebseinheiten eines Y-Flüglers der Rebellenallianz. Arris verschwendete kaum eine Minute auf die beiden schildlosen Jäger, bevor er sich wieder bedrohlicheren Gegnern zuwandte und zwei Trümmerwolken hinterließ.

Der letzte Jäger versuchte sich verzweifelt hinter Arris zu hängen, aber vor allem der Frachter war noch bedrohlicher, als es zunächst den Anschein hatte. Er startete eine volle Raketensalve, sechs Raketen. Die Hälfte bog bereits nach einem Kilometer wieder um, die andere Hälfte schoß weiter auf Arris zu.

Der wartete, bis die erste Rakete nur noch etwa 200m vor ihm waren, dann zog er scharf hoch und beschleunigte seinen Jäger mittels Nachbrenner. Die Rakete flog tatsächlich vorbei und Arris drehte seinen Jäger halb in Panik wieder auf den Frachter zu. Diesmal hatte das RTS System die beiden anderen Raketen zurückgeschickt, aber die eine letzte blieb ihm weiter auf den Fersen. Arris wich ihr erneut aus, wohl wissend, daß dies seine letzte Chance war. Er nahm die Rakete ins Visier und feuerte. Und feuerte wieder.

Er sprühte sein Feuer förmlich über die Rakete, bis er endlich ihre Treibstoffzelle traf. Die Rakete explodierte und machte es damit dem Frachter vor, der von den anderen vier Stück getroffen worden war. Eine hatte er auch ausgeschaltet.

Damit war nur noch ein einzelner Jäger übrig. Arris flog mit vollem Schub auf den Planeten zu, in der Hoffnung, durch überlegenes Fliegen den Jäger abschütteln zu können. Sein eigener Jäger würde keinen weiteren Zweikampf mehr durchstehen. Der andere Jäger folgte ihm, blieb aber auf Abstand, so als wüßte er, daß Arris noch etwas plante. Direkt über der obersten Atmosphäreschicht von Chandrila drehte Arris um und schoß seine letzte Rakete auf den Feind ab.

Der begann auch sofort mit hektischen Ausweichmanövern und versuchte, die Rakete abzuschütteln. Darauf hatte Arris nur gewartet. Er hängte sich hinter den Feind und schoß ihm präzise die Flugsteuerung vom Schiff. Der Feind raste nun auf die Atmosphäre zu, ohne eine Möglichkeit, den Kurs zu ändern. Arris überlegte, ob der Pilot zuerst von der Rakete getroffen werden würde, oder zuerst verbrannte. Er wartete es nicht ab. Es war ihm auch egal. Lev Arris setzte zum Landeanflug auf dem Planeten Chandrila an, um einen Mann namens Jan Mitorr zu treffen...


Ort: Chandrila, Jan Mitorrs Haus.
Zeitindex: 36 Stunden später, 1615 Ortszeit

Lev hatte die ersten 24 Stunden genutzt, um sich mal wieder so richtig auszuschlafen. Dann hatte er seinen Jäger in Reparatur geschickt und seine E-Mails gecheckt. Er fand aber nur zwei vor, die ihn interessierten.

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  • Persönliche E-Mail
  • >
  • Von: Senator Guandleck Traffin
  • An: Ser Lev Arris

Ser Arris, ich bedauere ihnen mitteilen zu müssen, daß ihre Bemühungen, meine Tochter zu finden, sinnlos waren. Die Polizei fand ihre Leiche heute in einer Wohnung des Clans auf Bortras. Sie ist nie im Weltraum gewesen. Ich weiß, Sie haben alles gegeben, um sie zu retten; Sie sind ein ehrlicher Mann und haben sich die Belohnung verdient, die Ihnen versprochen war. Ich habe Ihr Geld überwiesen.

Und nun, lassen Sie mich bitte mit meiner Trauer allein...

Senator Guandleck Traffin

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Arris fühlte sich wie erschlagen. Der Clan hatte trotz all seiner Anstrengungen dieses arme kleine Mädchen ermordet. Er hoffte, eines Tages diesem Verbrecher gegenüberzustehen.

Mal sehen, wie viele Knochen so ein menschlicher Körper haben kann...

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  • Von: CIS Abteilung Spezialeinsätze
  • An: Ser Lev Arris

Ser Arris,

Sie habe nachweislich den Clan – Mitarbeiter Shard erledigt. Dafür danken wir ihnen, der Kerl hatte mehr Verbrechen begangen, als wir hier aufzuzählen vermögen.

Auf ihn war ein Kopfgeld von 50.000 Credits ausgesetzt, dieses wird hiermit auf ihr Konto überwiesen.

Wir gratulieren ihnen im Namen des Imperiums.

Commander David Hassan
Leiter der Abteilung für Sondereinsätze
Stellvertretender CIS – Direktor

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Arris hatte vor Freude einen Luftsprung gemacht, als er feststellte, daß er sich nun einen vernünftigen Raumjäger plus verstärktem Schildgenerator, Nachbrennerverstärker und Geschützen kaufen konnte. Er besaß nun einen Ketzer, einen flachen, aber sehr schönen Jäger mit vier Geschützen (alles mittlere Militärlaser, der Schwarzmarkt boomte seit der Rebellion) und einem dreifachen Schildverstärker.

Damit hatte er Schilde, die sogar Turbolasern gewachsen waren.

Er bestieg nach seinem erfolgreichen Einkauf den Transit und fuhr als nächstes zu Jan Mitorr.

Arris stand vor der Wohnungstüre des Hauses von Mitorr und läutete. Der Knopf leuchtete auf und Arris hörte eine kratzende Stimme: "Ja?" "Hallo? Ich würde gerne Ser Jan Mitorr sprechen.", antwortete Arris und wartete. Nach ein paar Sekunden bekam er auch eine Antwort: "Nein, gehen Sie weg!"

Der Knopf erlosch. Arris sah überrascht auf. Damit hatte er nun nicht gerechnet. Er probierte erneut, den Knopf zu drücken, aber irgendwer hatte ihn wohl abgeschaltet.

Arris blickte sich noch einmal kurz um, zog seinen Blaster und trat sechs Meter vor die Türe. Er stellte den Blaster auf Maximum und feuerte. Die Türe zerbarst durch den Schuß auf spektakuläre Weise. Arris duckte sich unter dem Trümmerregen und betrat dann die Wohnung.

Von der Decke hingen überall Windspiele aus Glas, der ganze Raum war von einem dauerhaften, angenehmen Klang erfüllt. Im Hintergrund erschien die Gestalt eines Alten Mannes.

"Oh mein Gott! Du!", rief er aus, "Was willst Du? Verschwinde!`" "Ser Mitorr", antwortete Lev, "Ich bin wegen der Kapsel hier."

"Aber das war in einem anderen Zeitalter, das war an einem anderem Ort! Ich beschwöre Dich: Hinfort!", stammelte der alte Mann und wich vor Lev zurück. "Sie verrückter alter Mann! Es geht um die Kapsel, die mit der Canerra abstürzte." Mitorr erstarrte: "Canerra!", flüsterte er, "Du meinst, Malakai hat nicht..."

Er begann zu zittern und wich wieder vor Lev zurück. "Was... was willst Du jetzt von uns?" "Wo war die Kapsel, bevor sie auf die Canerra kam, wo wurde ich eingefroren?", fragte Lev eindringlich und machte weitere Schritte auf Mitorr zu.

"Wieso fragst du mich denn all die Sachen? Ich... ich darf sie gar nicht mehr wissen, ich muß sie längst vergessen haben..."

"Raus mit der Sprache!", forderte Lev drohend. "Kap... Kappa Labs, Kappa Labs..." stotterte der Alte. Sein Atem ging etwas pfeifend. Er hob seine Stimme und klang verzweifelt. "Kappa verdammt! Und jetzt geh' hinaus, sonst..."

"Gib mir die Koordinaten!", fauchte Lev und der alte Mann sank auf einen Stuhl. "Aber Du kennst.... Es ist draußen, drüben im Trümmergürtel. ... Hör zu, das war alles vor so langer Zeit... Und es war doch in Ordnung, die Kapsel hat funktioniert. ... Sag... sag mir doch endlich, was Du willst!"

Der Mann wimmerte und zuckte zusammen, als Lev sagte: "Du hast mich in die Kapsel gesteckt!" "Flieg' zu den Kappa Labs, du wirst sehen! Du weißt doch, was sie mit mir machen, wenn ich was sage, du weißt es besser, als die meisten! ... Mein Herz ist... ich... ich kann nicht mehr atmen..."

Sein Atem ging nun stoßweise und Mitorr atmete mühsam ein und aus. "Dein Vater...", keuchte er mühsam und so leise, daß Lev unwillkürlich einen weiteren Schritt auf den Mann zu trat, um ihn zu verstehen.

"Dein Vater, er sagte...." Mitorr schloß die Augen schwieg. "Sprich!", herrschte Arris ihn an, "Was ist mit meinem Vater?"

Doch Mitorr reagierte nicht mehr. Er konnte es nicht. Er war tot. Arris hielt den Kopf des Leichnams noch einen Moment hoch, dann stand er mit einem Ruck auf und verließ die Wohnung. Auch das noch, dachte er bei sich.


Ort: Orbit von Chandrila
Zeitindex: 1800 Ortszeit

Das Cockpit des Ketzer-Jägers war erheblich gemütlicher und geräumiger als das vorherige, das Arris besessen hatte. Er ließ den Navcomputer eine Route zu den Kappa Labs, eigentlich zur Raumstation Kappa Labore berechnen. Das Ergebnis war nicht besonders schön:

Die durchschnittliche Flugzeit betrug acht Wochen. Lev berechnete statt dessen einen Kurs nach Lelmra, einem Randplaneten, von dem aus er noch sechs Wochen zur Raumstation benötigen würde. Dann legte er den Hebel um, und mit einem sanften Zittern wurden die Sterne zu Linien...


Ort: Lelmra, stationärer Orbit
Zeitindex: 300302 v. E.

Arris hatte die erste Zeit im Hyperraum gut genutzt. Er hatte alles über Kappa Labore herausgefunden. Gegründet als Forschungsposten, der so weit außerhalb lag, daß man zum großen Teil die Einwirkungen irgendwelcher Kräfte vermeiden konnte, somit war er ein wichtiger Posten für Physiker geworden. Später wurde die Station auch als medizinisches Forschungszentrum benutzt, aber vor acht Jahren wurde sie aufgegeben, da die Firma, der die Station gehört hatte, mit dem Ausstieg von Jan Mitorr, damals war dieser etwa 73 Jahre alt gewesen, zusammenbrach. Heute bewohnten einige Piraten und sonstiger Abschaum der Galaxis die Station.

Lev hatte sich einen Frachter gemietet und hatte seinen Jäger in dessen Laderaum untergebracht. Jetzt konnte er in aller Ruhe die sechswöchige Reise nach Kappa Labore beginnen...


Ort: Kappa Labore, Raumstationen am Rande der Galaxis
Zeitindex: 160502 v. E.

Lev hatte seinen Jäger vorsichtig aus dem Frachter manövriert, und flog mit diesem zu der Station hin, er hatte den Frachter in einen Parkorbit um die Raumstationen befördert.

In seinem Jäger fühlte er sich einfach sicherer. Als er die Station wegen Landeerlaubnis anfunkte, reagierte niemand, und so landete Arris einfach im erstbesten Hangar, den er finden konnte.

Rauch und Nebel empfingen ihn, als er die Station betrat. Niemand kam, um ihn zu begrüßen, niemand war überhaupt zu sehen. Lev drang vorsichtig weiter vor und zog seinen Blaster. Zehn Minuten später stand er auf dem Kommandodeck der Station.

Hier mußte ein fürchterlicher Kampf getobt haben. Überall war Blut verspritzt, Leichen lagen herum und in den Durastahlwänden waren sogar Löcher zu sehen. Arris sah zu seiner Enttäuschung, daß auch die Datenspeicher zerstört worden waren. Wahrscheinlich mit Absicht, Präzisionsschüsse hatten einige der Speicher völlig zerstört, andere waren offenbar in die Luft gesprengt worden.

Lev drang in den Raum des Kommandanten ein und erstarrte. Auf dem Stuhl des Kommandanten saß ein Kind, vielleicht 7 Jahre alt. Seine Kehle war durchgeschnitten worden, und mit dem Blut aus der Wunde hatte jemand auf der Wand hinter dem Stuhl in dicken Lettern CLAN geschrieben.

Arris starrte das furchtbare Bild sicherlich eine Minute lang an, bis ein Lichtblitz im Fenster seine Aufmerksamkeit erregte. Er fuhr ansatzlos herum und zielte hinter sich, aber da war niemand, den er hätte bedrohen können. Arris schalt sich selbst einen Narren und sah aus dem Fenster. Dann endlich begriff er, was der Lichtblitz war, und er rannte hinaus, so schnell er konnte...


Kapitel 3: Kronos

Ort: Weltraum um Kappa Labore
Zeitindex: Acht Minuten später

Lev war wie ein Besessener zu seinem Jäger gerannt und war gestartet. Er flog so schnell wie möglich zu der Stelle, an der er seinen Frachter zuletzt gelassen hatte, nur um festzustellen, daß dieser in einer Explosion vergangen war.

Lev sah auf seinem Radarschirm achtzehn rote Punkte blinken. Achtzehn Jäger, die mit geladenen Waffen auf ihn zu rasten und ihn zu zerschmettern drohten...

Arris erstarrte für einen kurzen Moment, als er die Flut von Feinden auf sich zu rasen sah. Erst, als die ersten Treffer seinen Jäger durchschüttelten, besann er sich und fing mit Ausweichmanövern an. Gleichzeitig gab er dem Navcomputer den Befehl, einen raschen Flug nach Lelmra zu berechnen. Er mußte hier weg, und das so schnell wie möglich.

Arris flog ein Amboßmanöver, schoß im Steigflug eine Rakete ab und tauchte wieder unter. Sein Ziel, ein Vendetta, der sich gerade seinerseits auf den Abschuß einer Rakete vorbereitet hatte, wurde kalt erwischt. Bevor er auch nur an ein Ausweichmanöver denken konnte, war er auch schon zu Staub zerfallen.

Arris verbrachte die nächste Minute mit einem wahren Spießrutenlauf durch das Laserfeuer seiner Gegner, und schaltete alle Waffenenergie auf den Antrieb. Er gab seinem Schiff die Sporen, während er gleichzeitig von Treffern durchgeschüttelt wurde. Noch hielten seine Heckschilde, aber es konnte nur noch Sekunden dauern, bis diese nachgaben und sein Jäger den Kampf aufgab.

Der Navcomputer piepste, und Arris griff nach dem Hyperantriebshebel. Doch bevor er ihn an sich ziehen konnte, bekam er einen Notruf, der ihn überrascht innehalten lies. Vor ihm erschien das Bild eines Piloten auf dem Schirm. "Ser Arris?", fragte der Pilot.

Lev nickte. "Ser Arris, ich bin Commander David Hassan vom CIS. Ich könnte ein bißchen Hilfe gebrauchen." Arris hob eine Augenbraue, wohl wissend, daß das durch seinen Helm nicht zu sehen war. "Wo stecken Sie denn, Hassan?", fragte er vorsichtig. Hinter Hassan waren ein paar Lichtblitze zu sehen. "Direkt in dieser Ansammlung feindlicher Jäger an ihrer Flanke, Arris.", antwortete dieser und unterbrach die Verbindung wieder. Lev schüttelte den Kopf und sah auf seinen Radar. Die Feinde waren jetzt nur noch Fünfzehn an der Zahl, Hassan mußte also noch zwei erledigt haben.

Lev flog zurück und schonte so seine Heckschilde für ein paar Augenblicke, da er seine Feinde nun vor sich hatte. Seine Laser mußten erst wieder Energie laden, und so feuerte Arris erst einmal mit Raketen auf die Clanschiffe. Es dauerte nicht lange, und er hatte zwar freie Bahn, drei Gegner weniger, aber er hatte auch seine restlichen fünf Raketen verschossen und konnte so nur noch mit seinen Lasern Hassan beistehen.

Lev dreht eine Schleife, und funkte David erneut an: "Darf ich mich der Party anschließen? Ich habe sogar noch drei Gäste dabei." Lev hörte ein ersticktes Lachen. Nicht alle der achtzehn Jäger hatten sich ernsthaft um ihn gekümmert. Lev hatte nur acht Probleme bekommen, Hassan war mit zehn beschäftigt gewesen.

Lev tauchte unter dem schweren CIS-Jäger durch und feuerte auf den Verfolger. Der Vendetta dreht schwerfällig ab und versuchte quer zu Lev’s Flugrichtung davon zu kommen. Lev feuerte ihm noch ein paar Kilojoule ins Heck, bevor er sich umwandte und den nächsten aufs Korn nahm, nachdem der vorhergehende die Flugsteuerung verloren hatte und von nun an für alle Zeiten durch die Unendlichkeit des Alls trudelte.

Die restlichen elf Feinde sollten ein Kinderspiel für David und Lev werden. Lev aktivierte seine Kommunikationsanlage, während er gerade einen weiteren Jäger in Dampf verwandelte. "Ser Arris, haben Sie eine militärische Ausbildung genossen?", fragte David, blickte nach unten und drehte seinen Jäger auf die Seite, um einem Laserschuß, der im Hologramm deutlich zu erkennen war, auszuweichen.

"Wenn ich ehrlich sein soll, nein Sir!", antwortete Lev und suchte nach dem Jäger, der David verfolgte. David sagte: "Können Sie mit dem Begriff Formationsflug etwas anfangen?" "Ja, Sir!" "Dann fliegen Sie mit!" Lev folgte David. Zusammen erledigten sie weitere vier Jäger. Dann allerdings traf eine Rakete Lev’s Jäger. Knapp unterhalb des Triebwerkes auf der linken Seite quoll auf einmal eine Rauchwolke hervor. Zwar löschte das Vakuum des Weltraumes das Feuer recht schnell, aber dennoch war der Schaden bereits angerichtet.

Lev trat das rechte Ruderpedal durch und beschleunigte. David wendete und gab Lev, der vergleichsweise ungenau nach rechts driftete, Geleitschutz und schoß einen weiteren Vendetta, jenen, der die Rakete abgefeuert hatte, zu Schrott. Lev schaltete das beschädigte Triebwerk ab und stellte auf Singlebetrieb um. Sein Jäger war durchaus in der Lage, auch mit einem Triebwerk zu funktionieren. Zwar war die Manövrierfähigkeit ganz erheblich eingeschränkt, aber immerhin funktionierten noch die meisten anderen Systeme. Als hinter Vell ein weiterer Vendetta auftauchte, stellte er bestürzt fest, daß auch sein Schildsystem einen Kurzschluß erlitten hatte und er somit in der nächsten Zeit schutzlos herum fliegen werden müssen. Er wich einem weiteren Laserschuß aus und ließ seinen Jäger abtrudeln, bevor er seinen Gegner in Staub verwandelte. Glücklicherweise besaß er neue Laser, die einen Vendettaschild schneller und leichter durchdringen konnten. David flog jedoch unglaublich. Kein Feind, der eine Chance hatte. David flog Saltos, Rollen, sogar ein vollständiger Terzquantenflug war dabei, der vier Jäger in einem einzigen Anflug ausschaltete. Vell selbst beschränkte sich auf Ausweichmanöver.

Etwa drei Stunden nach Beginn des Kampfes war kein einziges Schiff des Clans in der Nähe mehr und Lev's Jäger war reif für ein paar Wochen Reparatur. Aber immerhin war er noch luftdicht und der Hyperantrieb ging auch noch. Er mußte jetzt nur die vier Wochen bis Lelmra in seinem Cockpit durchstehen. Lev seufzte und folgte Hassans Jäger in den Hyperraum...


Ort: Lelmra, Hotel "Four Seasons"
Zeitindex: 170602 v. E. 1600 Ortszeit.

Lev hatte eine "Einladung" von David erhalten, ihn auf Commenor im Corellia Sektor zu treffen, sobald sein Jäger wieder repariert sei. Lev schlief erst einmal bequemer und stellte dann überrascht fest, daß sein Jäger bereits fertig war, ein "kleines Dankeschön" von David Hassan.

Bis Commenor waren es weitere drei Wochen Flugzeit und Lev hatte sich einen Frachter samt Piloten gemietet, der seinen Jäger andockte und ihn mitnahm. Lev betrat das Shuttle, das ihn zum Frachter bringen würde und fragte sich was ihn wohl erwarten würde...


Ort: Commenor, Hauptstützpunkt der CIS, Büro von Commander David Hassan
Zeitindex: 080702 v. E., 1830 Ortszeit

Er betrat das Büro von David Hassan in seiner Begleitung. Lev meinte: "Das ist kein Ort, den ich näher kennenlernen möchte" — "Keiner will den dritten Kontinent Commenors näher kennenlernen. Hier gibt es nur Verbrecher.", antwortete Hassan und grinste humorlos.

"Bin ich eines Verbrechens angeklagt?", fragte Lev unsicher. "Nicht unbedingt", antwortete Hassan und machte eine einladende Geste auf sein Büro. "Ich habe ihnen das Leben gerettet, und sie hier her begleitet. Wenn Sie weiter den Geheimnisvollen spielen, werde ich auf mein Schiff zurück gehen und alleine gegen meine Feinde kämpfen"

"Sie müssen erst mal informiert werden. Ich habe keine Ahnung, wie viel Sie schon wissen. Und wie weit Sie in die Sache verwickelt sind. Ist auch egal. Sie können von mir aus der schlimmste Halsabschneider sein. Hauptsache, Sie helfen mir, den Clan zu schnappen.", sagte Hassan und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Lev trat zum Fenster, das einen Ausblick auf die trostlose Öde des dritten Kontinents und die Gefängnishöhlen des CIS bot. Dann fragte Lev: "Den Klan? Eine Bande des organisierten Verbrechens?"

"Es ist die organisierte Verbrecherbande. In den letzten 40 Jahren haben sie jeden einzelnen Bereich der corellianischen Gesellschaft unterwandert. Handel, Justiz, Regierung und Polizei auf jedem bekannten Planeten. Sie manipulieren die Börse, die Weltwirtschaft und politische Entscheidungen. Und wer sich ihnen in den Weg stellt, oder wer es wagt, sie aufhalten zu wollen, wird eliminiert."

Lev grinste ebenfalls humorlos: "Dann stehen Sie voll in der Schußlinie, Hassan." "Das ist mein Job!" "Nichts weiter, als ein Job?", fragte Lev und drehte sich herum. Hassan sah für einen Moment betreten zu Boden, bevor er sich wieder fing: "Der Mann der die Organisation leitet ist untergetaucht. Er ist verschwunden. Aber Sie könnten mir einiges über den Kopf der Organisation erzählen."

Lev erschrak ein wenig und sah wieder aus dem Fenster: "Was sollte ich über ihn wissen?" "Er ist clever. Skrupellos. Auf allen Gebieten brillant. Verschwenderisch bei den Belohnungen für seine Getreuen, Brutal zu seinen Feinden."

Arris nickte ohne Hassan dabei anzusehen. "Gut, ich hab' verstanden, er ist ein mächtiges Schwein. Was hat das alles mit mir zu tun?" "In der Clanorganisation, da nennt man ihn Kronos...", sagte David und hielt inne. "Kronos...", murmelte Lev und versuchte verzweifelt herauszubekommen, warum ihm der Name bekannt vorkam.

"Der CIS befindet sich mit dem Clan im Krieg. Sie haben es geschafft da irgendwie mit rein zu schlittern.", schloß Hassan und dreht sich in seinem Bürostuhl ein wenig, um Lev anzusehen. Der reagierte erstaunlich heftig: "Ich will damit nichts zu tun haben! Ich hab' genug Probleme." Hassan richtete sich ein wenig auf und plötzlich schien er um einiges gefährlicher zu sein, als ein bengalischer Tiger: "Wenn Sie es wagen, sich gegen mich zu stellen, dann werden Sie noch viel mehr bekommen. Entscheiden Sie sich für eine Seite, Arris! Was wissen Sie von einem Clanmitglied namens Malakai?" "Gar nichts. Vielleicht kannte ich ihn früher... Ich... ich hatte einen Unfall..."

Hassan nickte: "Das ist uns bekannt. Amnesie, ich weiß. Schlecht für Sie. Oder... eine gute Ausrede!" "Wieso ist dieser Malakai so wichtig?", fragte Lev. "Wahrscheinlich ist er einer der engsten Vertrauten von Kronos. Vermutlich seit sehr vielen Jahren sein bester Freund. Und er hat offenbar großes Interesse an ihnen, Arris.", antwortete Hassan.

"Wieso?", fragte Lev erstaunt. "Eine gute Frage. Wer weiß, vielleicht hat er ja ihre persönlichen Daten gelöscht? Möglicherweise war er es auch, der Sie auf Uvena töten lassen wollte. Aber das Wichtigste ist, das er irgend etwas von ihnen will. Und wir können über Sie an ihn heran kommen.", erhielt er als Antwort. Lev nickte unglücklich: "Das heißt, ich soll den Köder spielen." Hassan schüttelte leicht tadelnd den Kopf und meinte: "Wir... tun uns gegenseitig einen Gefallen."

Lev reagierte jetzt wirklich wütend: "Vergessen Sie’s! Das ist allein ihre Sache Hassan. Wer war’s? Ihr CIS-Partner? Ihre Freundin? Wen hat der Clan umgebracht, daß Sie so verbittert sind?" David stammelte einen Moment vor sich hin, dann antwortete er: "Das hat nichts damit zu tun..." "Sie sind ein Lügner!" David reagierte ein wenig eingeschüchtert: "Sie haben recht. Es gab da ...jemanden."

Er fing sich aber schnell wieder. "Aber dadurch wird es nicht weniger wichtig einen Mörder und Halunken wie Malakai aus dem Verkehr zu ziehen!" Lev triumphierte, denn jetzt hatte er Hassan in der Hand und konnte ihm helfen, aber er konnte auch einiges verlangen: "Ich brauche zusätzliche Waffensysteme für mein Schiff..." "Würde ein Blindfire reichen?", meinte David sarkastisch. Das Blindfire System war ein System, welches das Fadenkreuz eines Jägers einfärbte, um anzuzeigen, das eine optimale Chance bestand, den Feind zu treffen. Arris nickte daher lächelnd:

"Aber natürlich. Und dann brauche ich alle Daten, alles wissenswerte, was Sie über den Clan haben." Hassan schien jetzt jede Zurückhaltung aufgegeben zu haben: "Ist gut. Und ich gebe ihnen ein paar Paßwörter, damit können Sie in die Computer der Firma Blessed Aquawine auf Corfai im Corellia Sektor kommen. Vielleicht finden Sie was Interessantes?" "Aber was ist, wenn mich die Polizei beim Computerschnüffeln erwischt?" "Vermeiden Sie’s!" Lev war nicht gerade wenig erstaunt: "Ein CIS Mitarbeiter will, daß ich das Gesetz breche?"

"Ich würde das Wort 'beugen' bevorzugen.", meinte David und lächelte. "Haben Sie für diese Sache keinen eigenen Agenten?" "Man weiß nie, wem man in diesem Geschäft trauen kann. Es ist ein schmutziger Krieg. Die haben ihren Leute in der CIS und wir unsere Leute in deren Clan. Wir werden sie wie Champignons behandeln.", sagte David und grinste wölfisch.

"Wie Champignons behandeln?", hakte Lev nach. "Ja,", erhielt er als Antwort, "füttern mit Scheiße und im dunkeln lassen" Er fing zu lachen an und Lev stimmte ein, auch wenn er den Humor des Agenten nicht besonders lustig fand.

David fand als erster wieder zurück: "Sie finden die Daten und Paßwörter über Aquawine in ihrem Schiffscomputer. Sehen Sie sich die Akte eines Mannes namens Hugo Carmichel an."

"Und was passiert, wenn mich Kronos' Männer erwischen?" "Dann würden wir Sie befreien. Mein Boß, Sheila Nabokov ist diesem Kerl schon sehr lange auf der Spur. Wir wollen den Mann bluten sehen! Der Weg zu ihm führt über Malakai." "Und wenn das alles hier vorbei ist?" "Vermutlich wissen Sie dann endlich, wer Sie sind. Damit wäre auch Ihr Problem gelöst" Lev sah David noch einen Moment lang ins Gesicht, dann nickte er und gab ihm die Hand. Kurze Zeit später trennten sich ihre Wege wieder...


Ort: Orbit über Commenor
Zeitindex: 2000 Ortszeit

Lev war ein wenig verwirrt, als er Commenor verließ. Der CIS hatte den durch eine Klimakatastrophe zerstörten Kontinent als Hauptquartier und Gefängnis genutzt, während CorSec von Corellia aus arbeitete. Jedoch hatte CorSec bei weitem nicht so viel militärische Kompetenzen wie der CIS.

Aber die Wohnverhältnisse des Militärs waren nicht der Grund für Arris' Verwirrung. Vielmehr war er gespannt, was dieser Hugo Carmichel wohl über ihn oder den Clan wissen konnte. Lev gab die Koordinaten für Corfai ein, noch im Corellianischen Sektor.

Dann zog er den Hebel zurück und war kurze Zeit später im Hyperraum.


Ort: Corfai, Wohnung von Hugo Carmichel.
Zeitindex: Vier Tage später

Lev betätigte den Türschalter und die Türe schwang praktisch in der selben Sekunde auf. Wurde er erwartet? Lev wußte es nicht, denn er hatte sein Kommen nicht angemeldet. Ein junger Mann kam auf ihn zu gestürmt, sichtlich hektisch und mit einer Hose in der Hand.

Hugo Carmichel war ein Playboy, ein Spieler und ein Geschäftsmann, der Gerüchten zufolge seine Exportfirma benutzt hatte, Gelder für den Clan zu waschen. Zumindest sagten das die öffentlichen Datenbanken. Die Imperialen Datenbanken erzählten nichts dergleichen, auch wenn man behaupten kann, daß sie die Gerüchte zu Untersuchungsergebnissen des CIS machten.

"Ja, was gibt’s?", fragte der junge Mann hektisch und verschwand wieder im Hintergrund, so das Lev ihm wohl oder übel folgen mußte. "Hugo Carmichel?", fragte er sicherheitshalber. "Wer will das wissen?", fragte Hugo über seine Schulter, denn er kramte gerade in einem Koffer, der auf dem Bett stand. "Ich bin Lev Arris. Ich habe ein paar Fragen an Sie." "Hm. Schade das mir gerade die Antworten ausgegangen sind.", meinte Hugo achselzuckend und drängte sich an Lev vorbei, um mit einer Flasche Wein wieder zu kommen und diese in den Koffer zu legen.

"Sieht aus, als wollten Sie verreisen...", meinte Lev und deutete auf den offenen Koffer. "Aah, Was Sie nicht sagen.", meinte Hugo und kramte in einem Regal. "Malakai!", sagte Arris und wartete auf eine Reaktion. Die kam auch, aber anders, als er sich es vorgestellt hatte. "Mala...was?", fragte er und entnahm irgend etwas dem Regal um es in den Koffer zu werfen.

"Hat ihre Abreise irgendwas mit Malakai zu tun?", beharrte Lev. "Da müßte ich schon an Gespenster glauben. Hören Sie, ich muß mein Schiff kriegen!" "Zuerst beantworten Sie mir ein paar Fragen über eine Dose..." "Ich weiß nichts über eine Dose" "...und über einen gewissen Larn Regis." Manchmal hatte es schon seine Vorteile, das Imperiale Archiv benutzen zu dürfen.

Hugo lachte allerdings nur und sagte: "Ist ihr Gehirn unterentwickelt, oder was? Dieses... Wurmfutter ist für mich kein Thema mehr, also verziehen Sie sich!" Lev ließ sich nicht beirren: "Wieso sind Sie so nervös?" "Ich verpasse mein Schiff!", rief Hugo und ließ den Koffer zuschnappen, nur um ihn gleich darauf wieder zu öffnen. "Das ist aber nicht meine Schuld." Hugo lachte geringschätzig. "Sie stellen meinen Glauben an die menschliche Dummheit wieder her. Geben Sie mir die Hose!", und deutete auf eine Boxershort, die an einer Ritterrüstung hing. Lev reichte ihm diese und verzog sein Gesicht. "Ich werde ihnen helfen, Hugo" "Du hilfst mir?", fragte Hugo grinsend, "Haben Sie ein Schiff? Mit H-Antrieb?" "Ja." "Ich auch. Ich fliege nach Lelmra. Ist 'ne lange Reise, auf der einem eine Menge zustoßen kann. Also wenn Sie unbedingt den guten Samariter spielen wollen, können Sie mir Geleitschutz geben."

"Laufen Sie vor Malakai weg?", probierte es Lev erneut. "Oh Gott, Sie leben ja noch hinter dem Mond! Malakai war der Codename von Larn Regis. Als die Canerra abstürzte wurde er mit gegrillt, ich habe seit meiner Scheidung nicht mehr so gelacht!"

Lev erstarrte. "Malakai war auf der Canerra?" "Wir reden weiter, wenn wir in Lelmra sind." Er ging hinaus und Lev mußte ihm wohl oder übel einen Koffer hinterher tragen.


Ort: Asteroidenfeld im Churba-Sektor
Zeitindex: vier Wochen später

Die lange Reise zwischen Corfai und Lelmra hatte einen Haken: Sie mußten durch ein Asteroidenfeld, um danach Kurs auf Lelmra nehmen zu können. Lev und Hugo waren aus den Hyperraum gekommen und hatten sich an das Durchfliegen des Asteroidenfelds gemacht, Lev berechnete immer noch einen Kurs, als plötzlich die Katastrophe begann.

Direkt hinter ihnen, in einer perfekten Fallenformation, fielen acht Clan-Raumjäger aus dem Hyperraum. Hugo machte sich die Sache leicht, und haute einfach ab.

Lev hingegen mußte die Feinde aufhalten um Hugo die Flucht zu ermöglichen. Er schoß zwei mit Raketen ab, bevor die anderen überhaupt in seine Nähe kamen. Dann schaltete er auf Laser um und beschleunigte. Die Clanschiffe schwärmten aus; die Blade hängten sich an Arris, während die beiden übrigen Vendettas versuchten, hinter Hugo herzukommen.

Lev drehte sich um die eigene Achse, machte ein Goundark- Manöver und schoß mit vollem Tempo zwischen den Blade, die viel zu überrascht waren, um ihn zu treffen, durch um den beiden letzten Vendettas jeweils eine Rakete nachzujagen.

Beide Raketen trafen. Damit hatte Lev genug Luft, um sich um die unmittelbare Bedrohung zu kümmern. Die vier Blade schienen von eher unfähigen Piloten gesteuert zu sein, denn sie steckten immer noch in einem Knäuel und waren durch das vorherige Manöver offenbar zu sehr irritiert worden. Lev grinste geringschätzig und schoß einen der vier ab, bevor er ebenfalls hinter Hugo her jagte, mitten durch das Asteroidenfeld. Lev hatte noch keinen Kurs berechnet, er vertraute einfach auf sein Glück.

Die Blade entkamen endlich ihrem eigenen Gewühl, zwei von ihnen hatten sich mit ihrer Flügeln verkeilt und konnten sich nur mühselig voneinander lösen, ohne ihre Schiffe zu beschädigen. Dann jagten sie alle hinter Lev her.

Der schaltete vergnügt eine Stufe tiefer und umflog einen der ganz großen Brocken, dann wich er ruhig zur Seite aus, um einen der Kleineren durch zu lassen. Die Blade schlossen auf und begannen wieder zu feuern. Plötzlich ein Lichtblitz, dann waren es nur noch zwei Feinde, der dritte hatte einen kleinen Meteor übersehen und war im Tank getroffen worden.

Lev steuerte auf eine Wolke von winzigen Kometensplittern zu und feuerte seine Laser ab, um sich Platz zu machen. Dann scherte er aus, flog auf einen größeren zu und schoß eine Rakete darauf. Der Komet zerbarst in tausende glühende Splitter und Lev flog hindurch und drehte sich erneut auf Hugos Kurs. Einer der Blade flog direkt an ihm vorbei, aber er stellte keine Bedrohung dar. Ein Splitter hatte sein Cockpit durchschlagen und den Piloten getötet, ohne indes das Schiff zu vernichten.

Das übernahm zehn Minuten später ein riesiger Meteor, auf den der Blade stürzte.

Lev funkte Hugo an, und sagte ihm, er solle gefälligst bald verschwinden, da sah er auch schon das Flackern einer Pseudobewegung, und Carmichel verschwand im Hyperraum. Lev sollte ihn im Galactic Gourmet Hotel treffen, wenn er es in einem Stück nach Lelmra schaffte. Der letzte Blade war aber offensichtlich anderer Ansicht. Er schloß immer mehr auf und traf auch inzwischen besser.

Lev flog zwischen zwei großen Steinen durch, die sich aufeinander zu bewegten und entkam nur mit Haaresbreite der Vernichtung.

Sein Verfolger hatte nicht so viel Glück.

Lev atmete auf, da flog direkt vor dem Asteroidenfeld ein Raumjäger aus dem Hyperraum. Unbekannte Herkunft. Lev fluchte und steuerte auf den Kerl zu, als plötzlich hinter dem Jäger eine Korvette der Corellianischen Werften auftauchte. Die Korvette feuerte auf den Jäger, der daraufhin verzweifelte, aber sinnlose Ausweichmanöver durchführte.

Lev beschleunigte und schloß auf, als ihn eine Stimme aus dem Kopfhörer innehalten ließ. "Versuchen Sie nicht, sich einzumischen. Dies ist eine Aktion der Rebellen des Kiowanimperiums. Verschwinden Sie und kümmern Sie sich darum, am Leben zu bleiben." Lev grinste, als er diese Worte hörte. Er funkte den Jäger an: "Brauchen Sie Hilfe? Hier spricht der freie Pilot Lev Arris. Ich wiederhole: Brauchen Sie Unterstützung?"

Er wartete eine kleine Weile und schwenkte auf einen Angriffskurs auf die Korvette ein. Der Pilot des anderen Jägers meldete sich, als ein weiterer Lasertreffer sein Heck herum riß. "Ja, Pilot. Ich bräuchte tatsächlich ein wenig Hilfe. Ihr Schaden soll es nicht sein."

"In Ordnung, Pilot: schwenken Sie auf Kurs 343.433.705 ein. Direkt auf das Feld. Folgen Sie dem Kurs, bis Sie auf, einen der größeren Brocken treffen. Warten Sie dort. Paralleler Orbit."

Lev ließ seinen Worten Taten folgen und feuerte seine letzten drei Raketen auf die Korvette. Diese schien sich auch provozieren zu lassen. Die Lasertürme schwenkten und richteten ihre Rohre auf Lev's Jäger. Lev steuerte nach unten und zog dann seinen Jäger steil nach oben. Er flog jetzt vor der Korvette her, knapp außerhalb der Reichweite ihrer Laser.

Schließlich sah er, was er gesucht hatte. Ein Asteroid, der mit hoher Geschwindigkeit auf ihn zu raste. Lev flog auf den Kometen zu, bremste aber ab und begann mit kleineren Ausweichmanövern. Die Korvette schloß auf und feuerte auf Lev, traf ihn aber nur selten.

Lev wartete, bis die Korvette nur noch knappe hundert Meter hinter ihm war, dann schoß er plötzlich nach vorne und zog seinen Jäger hoch. Sein Heck kratzte an der Oberfläche des Kometen, dann war er an ihm vorbei. Die Korvette reagierte erst jetzt auf die Bedrohung. Ihre Manövrierdüsen leuchteten hell auf und das Schiff scherte zur Seite aus.

Die Kiowan — Rebellen schafften es.

Beinahe...


Ort: Lelmra im Churba-Sektor, "Galactic Gourmet Hotel"
Zeitindex: zwei Tage später

Lev hatte Glück, daß er noch lebte. Die Falle, die der Clan ihm an ihrem zweiten Nav-Punkt aufgebaut hatte, war wirklich gefährlich gewesen. Und der Angriff der Korvette, die mit dem Kometen zusammengestoßen war, hatte seinen Jäger noch beschädigt, so daß Lev gezwungen war, erneut Reparaturen vorzunehmen.

Aber immerhin hatte ihm der freie Pilot einen Taim&Bak Militärlaser als Lohn gegeben. Damit hatte Lev jetzt die selbe Feuerkraft wie ein TIE-Jäger.

Auch wenn das für einen zivilen Jäger eigentlich illegal war. Jetzt stand Lev an der Theke des Galactic Gourmet Hotels und sprach den Pförtner an. "Eine Frage, ich bin auf der Suche nach einem gewissen Hugo Carmichel. Ich glaube er ist Gast dieses Hauses." Der Pförtner grinste dümmlich und meinte: "Ja, das ist er, Ser. Folgen Sie einfach unserer bezaubernden Hostesse."

Er drückte auf einen Knopf, und als nichts passierte, schlug er mit voller Wucht darauf. Eine holographische Frau erschien, unbekleidet, nur am ganzen Körper bemalt.

"Folgen Sie mir, Ser", forderte Sie ihn auf und schwebte in die Richtung des Turbolifts. Vor der Türe eines Zimmers blieb sie schließlich stehen. "Zimmer 23617, einen schönen Tag noch, Ser."

Sie verschwand, bevor Lev sich bedanken konnte.

Die Türe war offen. Sie stand ein wenig schräg, schien aus den Angeln gerissen worden zu sein. Lev sah sich um und betrat dann vorsichtig Hugos Zimmer. "Hugo?", rief er leise in die Stille hinein. Als er keine Antwort erhielt, drang er weiter vor. Langsam kroch seine Hand zu seinem Blasterhalfter und öffnete es.

Das Geräusch des Druckknopfes, der zurück schnappte klang in seinen Ohren wie ein Peitschenschlag. Lev ließ die Hand auf den Griff des Blasters sinken und schlich vorsichtig um die Ecke der Wand, die das Zimmer in zwei Hälften, eine Schlafnische und ein Wohnraum, teilte.

Auf dem Boden lag ein ausgestreckter Körper. Über ihn gebeugt kniete ein Glatzkopf. Er war völlig schwarz gekleidet, bis auf ein kleines Schulteremblem mit dem Zeichen des Clans. Lev prallte zurück, als sich der Mann umdrehte, ein gefährliches, illegales Blastergewehr in der Hand, das er auf Lev richtete. "Verschwinden Sie! Sie..." Er brach ab und stutzte, als er Lev erkannte.

Dieser nutzte den Moment, und tauchte hinter der Ecke unter. Das Gewehr des Fremden war alles andere als lustig. Es hatte keine normale runde Öffnung am Lauf, sondern einen breiten Spalt, der auch die Form des Blasterblitzes bestimmte.

Und dieser Blitz war stark.

So stark, daß er ein Loch in die Wand riß, hinter der Lev Deckung gesucht hatte. Der Glatzkopf stand auf, um sich zu vergewissern, daß er Lev bereits erledigt hatte. Als er um die Ecke sah, bekam er eine Faust ins Gesicht. Lev war über ihm, ehe er sich wieder aufgerappelt hatte. Er nahm das Gewehr des Fremden, stellte es auf die höchste Stufe, hielt den Clanmörder mit seinem Fuß, den er auf seine Brust setzte, am Boden und richtete den Lauf des Gewehres auf sein Gesicht.

Der Schuß verschmolz den Kopf des Mörders mit dem Boden. Lev sicherte die Waffe und warf sie neben den Toten. Er nahm dem Kerl einen zylindrische Datenkapsel aus der Hand. Langsam wurde es mal wieder zeit, Joe zu besuchen...


Ort: Sinner’s Inn, Corellia
Zeitindex: 190902 v. E., 1600 Ortszeit.

Lev betrat das Chaos des Sinner’s Inn, das selbst zu dieser Tageszeit schon gut gefüllt war. Vorsichtig suchte er sich einen Weg durch das Gewühl und lehnte sich an die Bar. Joe beugte sich vor: "Sagten Sie nicht, Sie lassen den Ärger draußen?" "Ja, aber manchmal läuft er einem einfach nach"

Joe schob die rechte Augenbraue hoch. "Suchen Sie was bestimmtes?" "Ja, ich..." Joe unterbrach ihn sofort: "Sie wollen 'nen Drink. Einen ziemlich großen..." Er grinste. Lev lächelte zurück: "Sie haben schon wieder recht." Joe nahm ein Glas und füllte es aus irgend einem der Schläuche, die aus der Decke ragten. Schließlich schob er das Glas, das dem Geruch nach mit hundertzehnprozentigem Alkohol gefüllt war zu Lev und beugte sich wieder in seine Richtung.

"Joe, ich... Ich stecke in Schwierigkeiten." "Das steht zentimetergroß auf ihrer Stirn." "Ich brauche einen, der ein Paßwort knacken kann." Joe wich ein Stück zurück und hob eine Augenbraue. "Das ist alles? Setzen Sie sich, Junge. Ich mach' mal kurz eine Runde durch die Unterwelt."

Er wies auf einen kleinen Tisch im Hintergrund. Lev nickte, nahm seinen Drink und setzte sich.

Kurze Zeit später bahnte sich ein Mann mit weißem Anzug, Krawatte und einem weißen Hut einen Weg durch das organisierte Chaos zu Lev’s Tisch hin. Er stellte sich zu Lev und meinte: "Man nennt mich Dimitri. Soweit ich weiß, nennt man sie Arris."

"Schon möglich, na und?" "Joe hat gesagt, daß Sie mit irgendwas Probleme hätten..." Lev wandte sich um und sah ihm prüfend in die Augen. Dann nickte er und holte die Kapsel heraus. Dimitri nahm sie und schaltete das Schloß ein. Dann nickte er anerkennend. "Aha... ist gesichert." Er grinste Lev an: "Gemeinheit!" "Was meinen Sie denn damit?"

"Ganz einfach: Der Algorithmus um dieses Ding aufzubekommen wird die Kopfschmerzen, die ich habe ganz beachtlich steigern. Wir reden hier wirklich über Probleme." "Über wie viele... Probleme?" "Etwa dreißigtausend Probleme, okay?"

Lev’s Augen weiteten sich ein Stück. "Das sind aber viele Probleme!" "Stimmt genau. Dort, wo ich mir den Algorithmus beschaffe, kann ich mich danach so schnell nicht wieder blicken lassen. Das bedeutet für mich große Verluste."

"Zwanzig Tausend" Dimitri schüttelte den Kopf. "Ich lasse nicht mit mir handeln. Das Ding ist heißer, als ein Saunabesuch mit 'nem Sonnenbrand." Lev überlegte. Danach war er definitiv wieder so gut wie Pleite. "Okay, abgemacht." Dimitri wandte sich um. "Gut. Es wird eine Zeit dauern, bis ich das Ding offen habe und das Geheimnis gelüftet ist. Ich würde sagen, Sie hängen hier so lange 'rum."

Er wollte gehen, doch Lev hielt ihn am Arm fest. "Wo wollen Sie hin?" "Na dahin, wo ich arbeiten kann." Lev schüttelte leicht, aber drohend den Kopf: "So geht das nicht. Woher weiß ich, daß Sie nicht damit abhauen?" Dimitri riß seinen Arm los und grinste: "Dimitri haut nie ab. Außer bei einem Kampf..."

Er wandte sich um und verschwand endgültig.


Ort: Sinner’s Inn, Corellia
Zeitindex: 2000 Uhr Ortszeit.

Lev hatte langsam genug vom Warten. Seit vier Stunden hatte sich Dimitri nicht mehr blicken lassen, und der Drink, sein dritter inzwischen, schmeckte auch schon schal. Gerade, als er genug hatte und aufstehen wollte, erschien ein weißer Schatten neben ihm.

"Das ging aber schnell!", begrüßte Lev Dimitri sarkastisch. "Ja! Ich kann Wunder vollbringen..." Dimitri betätigte einen Schalter auf der Kapsel und die Hülle öffnete sich. Im inneren lag ein Datenchip. "Na los! Nehmen Sie es.", forderte Dimitri Lev auf.

Lev streckte die Hand aus, und nahm den Chip an sich. Dann entdeckte er eine kleine, graue Massen, auf welcher der Chip gelegen hatte. "Was ist das?", fragte er Dimitri und deutete auf das Zeug. "Duodekaplatylanat." "Was?"

"Jemand muß große Angst haben, daß Unbefugte das Baby knacken können. Da ist genug Duodek drin um Sie, mich, das Sinner’s und den ganzen verdammten Weltraumhafen ins Nirwana zu befördern. Und das Loch würde danach nicht mal qualmen."

Lev sah mit neu erworbenem Respekt auf die unscheinbare Masse. "Da sieht man es wieder.", meinte Dimitri, "Geld für Qualitätsarbeit auszugeben zahlt sich immer aus." Er sah Lev ernst an. "Bringen Sie s an einen Ort, wo Sie es in Ruhe lesen können!"

Lev nickte, wandte sich um und ging mit dem Datenchip zurück zum Raumhafen. Dimitri dagegen behielt den Sprengstoff...


Ort: Orbit um Corellia
Zeitindex: 190902 v. E., 2300 Uhr Ortszeit.

Der Datenchip enthielt folgendes:

---> Datenanalyse, Codes und kodierte Informationen <---

  • Herkunft: unbekannt
  • Zweck: unbekannt

Möglicher Zweck: Zugang zu geschäftlichen oder privaten Dateien, vielleicht auch zu Konten

Der Strom enthält alle möglichen Informationen über alle möglichen Planeten in der Galaxis. Die Worte "Malakai" und "Rhineheart" tauchen im Datenstrom mehr als hundertmal auf. Es kann sich um Namen, wie auch um irgendwelche Codes handeln. Auch die Namen "Larn Regis" und "Vell Ricaud" erscheinen mehr als einhundertfünzfigmal, ebenso wie der Name "Ricaud Interplanetary" Keine weiteren Informationen möglich, bis der definitive Zweck der Speicherbank feststeht.

Viel Glück mein Junge. Dimitri

---> Ende der Analyse <---

Dann folgte ein unleserlicher Datenstrom von mindestens einem Kilometer Länge. Lev seufzte und gab dann die Kennung von David Hassan in seinen Kommunikator ein.

"David, ich hoffe es geht ihnen gut?" Der Mann am anderen Ende der Funkverbindung lächelte. "Arris, mir geht es gut. Und ihnen? Nach dem Zwischenfall im "Galactic Gourmet" dachte ich schon, Sie wären draufgegangen." Lev schüttelte den Kopf. "Nein, ich habe bislang alles überstanden. Hugo ist also tot?" "Ja, und sein Mörder auch. Leider können wir aber seine Identität nicht feststellen. Auch, weil Sie ja unbedingt das Gesicht des Kerls in den Fußboden brennen mußten."

Lev lachte leise. "Er hatte auf mich geschossen. Selbst Schuld." "Ja. Naja, können Sie mich auf Commenor treffen? Ich glaube ich habe ein paar interessante Informationen für Sie." Lev nickte. Klar, ich habe sowieso nichts besseres zu tun. Aber vielleicht können Sie mir jetzt schon helfen. Kennen Sie einen gewissen Larn Regis?"

Hassan überlegte kurz. "Das war der Pilot der Canerra, warum?" "Danke. Alles weitere besprechen wir am besten auf Commenor. Ich glaube nicht, das die Leitung sicher ist..." David nickte. "Bis dann, Arris." Er unterbrach ohne ein weiteres Wort die Verbindung. Lev ließ den Navcomputer einen Kurs nach Commenor berechnen und checkte noch einmal kurz seine E-Mails. Er fand nur eine vor, die mit der Kennung des Imperialen Geheimdienstes verschlüsselt war. 'Schon wieder?', dachte er bei sich.

Er hatte schon einmal eine bekommen, war aber nie so recht dazu gekommen, diese zu lesen. Als er es dann doch versucht hatte, war sie bereits wieder weg gewesen, da sie offenbar nur eine begrenzte Lebensdauer hatte.

-[o]- --- > Beginning Message < --- -[o]-

  • Von: unbekannt
  • An: Ser Lev Arris

Ser Arris, ich bin ein Freund ihres Vaters. Ich glaube, wir sollten uns treffen. Kommen Sie bitte nach Orto. Nachdem Sie meine erste Mail ignoriert haben, glaube ich, daß Sie diesmal eher reagieren sollten.

Es könnte wichtig sein.

Lebenswichtig.

-[o]- --- > End of Message < --- -[o]-

Lev runzelte die Stirn, und berechnete einen Kurs nach Orto. Dieser Planet befand sich, wie Lev zu seinem Leidwesen feststellen mußte, im Sluis-Sektor. Zwölf Wochen entfernt. Lev schrieb David schnell eine Meldung, daß er erst in ein paar Monaten kommen könne, und ob er die Informationen nicht auch so haben könne. Dann landete er erneut, um sich eine kleine Yacht zu mieten. Und das ohne Geld...


Ort: Orbit von Orto
Zeitindex: 191202 v. E., 0500 Ortszeit.

Lev kam im Orbit des Planeten an und sah sich um. Außer ihm waren keinerlei Schiffe in vierhundert Kilometer Umkreis zu sehen. Lev zuckte mit den Schultern und wollte gerade zum Landemanöver ansetzen, als er erneut einer E-Mail erhielt.

-[o]- --- > Beginning Message < --- -[o]-

  • Von: unbekannt
  • An: Ser Lev Arris

Ser Arris, ich konnte nicht mehr länger warten. Es tut mir leid. Treffen Sie mich doch auf Hozrel XI. Ich warte dort. Ich weiß, der Weg ist weit, aber ich muß aufpassen. Und Sie sollten das auch.

Denn der Clan ist hier in diesem System sehr stark vertreten.

Verschwinden Sie, ehe Sie bemerkt werden.

-[o]- --- > End of Message < --- -[o]-

Lev stöhnte auf. Hozrel XI lag im Moddel-Sektor, fast vierhundert Lichtjahre entfernt. Das waren weitere fünf Monate Flug. Wer war dieser Kerl? Und was wollte er? Lev seufzte und las die E-Mail von Hassan, der meinte, es sei momentan nicht so dringend, er hätte sowieso noch etwas zu erledigen. Aber Lev solle sich melden, wenn er wieder mal in der Gegend sei. Lev berechnete den Kurs und las die E-Mail noch mal.

Dann blickte er auf, direkt in die Kanonen eines Vendetta Raumjägers. Der Clan hatte ihm erneut eine Falle gestellt.

Lev drehte blitzschnell bei und tauchte ab. Dann endlich aktivierte er seine Schilde und sah auf den Radar. Er wünschte fast, es nicht getan zu haben. Drei Vendettas jagten auf ihn zu, im Hintergrund konnte er bereits eine volle Staffel vom Boden aufsteigen sehen. Lev steuerte auf den Horizont zu, der das Ende des Schwerefeldes markierte, das der Planet abgab, und ihm nicht erlaubte, in den Hyperraum einzutreten.

Er brauchte so gar nicht erst einen Kampf anzufangen. Nicht mit dieser Nußschale. Zu seinem Leidwesen jedoch war die Yacht, eine Kuati-Vergnügungsyacht der 'Tamar Klasse' weder schnell, noch schildstark genug, um den Raumjägern des Clans entkommen zu können.

Lev hatte gerade mal zwei kleine, drehbare Lasergeschütze zur Verfügung, und einen Vibroraketenwerfer, der momentan jedoch nur sechs Raketen im Magazin hatte. Er stellte die Geschütze auf Automatik und wartete, bis er den Rand erreichen konnte, was noch etwa sechs Minuten Dauern würde. Dann aktivierte er den Raketenwerfer. Nachdem die Jäger schneller waren, als seine Yacht, flogen sie immer an, beschossen ihn und zogen dann an ihm vorbei. Er hoffte nur, daß einer von ihnen lange genug im Sichtfeld blieb, damit er ihm eine Zielpeilung anhängen konnte. Drei Minuten später war es soweit, ein Gegner war direkt auf ihn zu geflogen, und Lev hatte einen Hüllenbruch im vorderen Laderaum in Kauf genommen um ihn zu erwischen. Er beobachtete zufrieden, wie der Vendetta sich verzweifelt hin- und her warf um die Rakete abzuschütteln.

Nicht das es ihm gelang.

Und dann war es soweit. Lev zog den Hebel zurück und brachte sich endlich in Sicherheit...


Ort: Orbit von Hozrel XI
Zeitindex: 190501 v. E., 2300 Uhr Ortszeit.

Lev hatte die Zeit im Hyperraum genutzt, um sich mal mit den Imperialen auseinander zu setzen. Er erfuhr vieles über Siege und Niederlagen im Krieg, über das Chaos, das die Rebellen zu erzeugen versuchen und auch über die Neue Ordnung, die Palpatine vielen Welten aufgezwungen hatte.

Durch die Inoffiziellen Kanäle bekam er zusätzliche Informationen, erstaunlicher Weise war das Militär nicht immer mit den Methoden des brutalen und effizienten Geheimdienstes einverstanden, ebenso häufig gab es Offiziere, die direkte Befehle des Imperators beugten, um zu verhindern, daß eine große Menge Unschuldiger zu Tode kam.

So war vor kurzem General O’Leary wegen Verrats und Insubordination hingerichtet worden, als er sich weigerte, ein Dorf mit schwerer Artillerie zu beschießen, das sich geweigert hatte, die neue Steuererhöhung auf Xyquine zu bezahlen.

Lev wartete im Orbit auf den geheimnisvollen E-Mail Schreiber. So er vermutete, müßte dieser bald eintreffen, und ihn kontaktieren. Aber bisher war der Weltraum um ihn herum leer. Lev wartete eine weitere Stunde, überprüfte einige Frachter, schoß auch einen ab, der als Waffentransporter für die Rebellenallianz gearbeitet hatte.

Die Imperiale Bank überwies ihm damit ein Kopfgeld von 1500 Credits, das er auch dringend für die Reparatur der Yacht benötigte. Schließlich gab er auf und steuerte den Planeten an.


Ort: Raumhafen von Hozrel XI
Zeitindex: 2330 Ortszeit

Lev hatte seine Yacht in Reparatur gegeben. Zum Glück war diese nicht allzu teuer hier draußen, und er suchte sich ein Hotel, in welchem er nächtigen, und vor allem etwas anderes als Notrationen speisen konnte. Dort angekommen, es war ein Hotel direkt am Raumhafen, das Schallschutzfeld, das um das Hotel herum aufgebaut war, ließ es aber erträglich erscheinen, bezog er erst einmal ein Zimmer, und machte sich dann auf den Weg zur Kantine, oder wie auch immer das hier hieß. Aber mitten beim Essen wurde er gestört. Die Hotelbar, sowieso schon schlecht besucht, war bereits aufgrund der späten Stunde leer, aber eine Mahlzeit war noch aufzutreiben und eine Flasche '49er Churban war auch noch da, so daß Lev sich völlig zufrieden seinem Essen hingab und der Umgebung keine Beachtung schenkte.

Vielleicht hätte es die nachfolgenden zehn Minuten und das Leben von drei Bothanern verändert, wenn er die Umgebung beachtet hätte. Vielleicht wäre aber auch alles gleich gekommen.

Einer der drei setzte sich jedenfalls Lev gegenüber hin, während die beiden anderen hinter ihm Posten bezogen hatten. Lev sah von seiner Mahlzeit, ein Nudelgericht mit einer sehr scharfen Soße, auf und musterte den Gesichtsausdruck des Bothan.

Als dieser sich nicht bewegte sprach Lev ihn ruhig an: "Ihr stört mich beim Essen." Der Bothan strich sein gesträubtes Nackenfell wieder glatt und meinte in einwandfreiem Basic: "Du störst mich auch. Ich denke, Du hast jetzt ein kleines Problem." Lev runzelte die Stirn, lehnte sich zurück, wobei er in einem Spiegel die beiden anderen Bothan in der Nähe entdeckte, und legte die Hände in den Schoß.

"Warum sollte ich? Hört mal, ich habe keinen Streit mit euch, und ich brauche auch keinen. Also könnte ich bitte zu Ende essen?" während er sprach, hatte er die linke Hand wieder erhoben, und damit über seinem Teller herumgefuchtelt.

Mit der Rechten hatte er inzwischen sein Blasterhalfter geöffnet. Als er sich wieder über seinen Teller beugte und die Gabel mit der linken Hand ergriffen hatte, beugte sich auch der Bothan vor und packte ihn am Kragen. Er stieß Lev’s Gesicht in die Nudeln und hielt, als dieser sich wieder ein wenig aufrichtete, ihm einen Blaster ins Gesicht.

"Du hast keinen Streit mit uns? Wir haben aber einen mit Dir, Mensch. Es war MEIN Transporter, den du da oben kalt gemacht hast. Für wen arbeitest Du? Für die Imperialen? Dann sage ich Dir: Du bist acht Lichtjahre von der nächsten Imperialen Hilfe entfernt, Kleiner. Und ich würde sagen, die trifft nicht schnell genug ein. Also wenn Du weiterleben willst, dann solltest Du Dir eine gute Ausrede einfallen lassen, warum Du uns hier behinderst. Und eines sage ich Dir noch: Ich mag es nicht, meine Kräfte und meine Arbeit zu verschwenden, nur damit ein dahergelaufener Mensch diese wieder zunichte macht."

Lev grinste und fragte: "Ihr seid Rebellen? Dann ist es gut. Ich wurde von Mon Mothma persönlich geschickt. Der Frachter enthielt ein Imperiales Killerkommando, das euch auslöschen sollte. Um das zu vereiteln, wurde ich geschickt."

Der Bothan schwieg eine Sekunde lang, dann fragte er ungläubig: "Von Mothma geschickt? Unmöglich! Niemand wußte von dem Unternehmen, nicht einmal unsere Leute auf Bothawui. Was erzählst Du uns da für einen Mist?" Lev grinste noch breiter und hoffte, durch diese Täuschung zu überleben, wenn sie nur überzeugend war: "Doch, in den oberen Rängen wußte man Bescheid. Und ich war gerade frei, also haben sie mich geschickt.."

"Lügner! Wir haben die Daten über Dich und Dein Schiff gecheckt. Du arbeitest nicht für uns." "Die Aufzeichnungen sind nicht echt. Glaubt ihr, ich laufe überall mit einer Fahne herum, die das Zeichen der Allianz trägt?" "Nenn mir die Tagesparole, die der Frachter ausgeben mußte. Die weißt Du ja dann, wenn Du über die Mission informiert gewesen sein willst."

Lev überlegte. Er hatte keinen Funkverkehr mitbekommen, also gab es keine Chance mehr. Er griff langsam mit der Rechten nach dem Blastergriff, kratzte sich mit der Linken am Kopf und meinte: "Friß, oder Stirb!"

Der Bothan keuchte auf, krümmte seinen Finger... und Lev ließ sich ohne Vorwarnung zur Seite fallen. Der Blaster des Bothan, der ihm gegenüber gesessen hatte fauchte dem Zweiten eine Ladung in den Unterleib, gleichzeitig schoß der Dritte auf Lev, verfehlte ihn aber er briet dafür Lev’s Nudeln noch einmal.

Kaum auf dem Boden gelandet, rollte sich Lev unter den Tisch und zog seinen Blaster. Er erschoß den Dritten Bothan und wandte sich um. Doch der andere war von seinem Punkt aus nicht zu sehen. Lev sah vorsichtig unter dem Tisch hervor, konnte aber außer dem toten Bothan, dem schwer verwundeten, der sich vor Schmerzen auf dem Boden wand und jeder Menge Tisch- und Stuhlbeine nichts erkennen.

Dann kam es ihm.

Er legte sich auf den Rücken und feuerte in kurzer Folge durch die Tischplatte, und wurde mit einem Aufschrei belohnt. Aber der Tisch war offenbar auch nicht so begeistert, denn er brach über Lev zusammen. Das letzte, was er sah, war die Tischplatte, die durch den Bothan beschwert auf ihn stürzte...


Ort: Krankenhaus Commenor, Ruheabteilung.
Zeitindex: 120601 v. E., 0830 Ortszeit

Lev erwachte. Er hatte furchtbare Kopfschmerzen. Aber er war wieder wach. Und er war offenbar schon wieder in einem Krankenhaus. "Guten Morgen, Ser Arris!", sprach ihn eine Stimme an.

Lev öffnete die Augen und drehte seinen Kopf nach links. Neben ihm saß David Hassan. "David!" "Genau. Ich habe Sie hier her bringen lassen, nachdem ich von ihrem kleinen Unfall gehört hatte. Gratulation! Sie haben die drei erledigt. Leider waren sie alle schon tot, als die Sicherheitspolizei eintraf, aber immerhin konnte man sie identifizieren, und man hat beschlossen, Sie zu belohnen. Ihr Konto hat 3500 Credits mehr Inhalt, für jeden der drei. Und man läßt ihnen gratulieren. Der Geheimdienst suchte schon seit Monaten nach den Rebellenanführern in diesem Sektor, und Sie haben die drei erwischt. Naja, wie auch immer. Ich muß wieder gehen, habe aber einige Neuigkeiten für Sie, wenn Sie wieder auf den Beinen sind. Kommen Sie in mein Büro, sobald Sie ausgeschlafen haben. Ich glaube, Sie haben ein paar interessante Dinge entdeckt. Bis dann"

Er stand auf. "Ach ja, ehe ich es vergesse, Sie haben in etwa einen Monat verloren, da ihre schweren Kopfverletzungen erst durch ein langes Bactabad geheilt werden konnten. Sie sind der erste Mensch, der es überlebt hat, daß ihm jemand einen Holzscheit in den Kopf gebohrt hat, wissen Sie das? Zum Glück wurde ihr Gehirn nicht getroffen, aber Sie sollten den Verband behalten. Er steht ihnen."

David grinste und ging. Lev sah ihm träge nach, dann wurde er es müde, eine geschlossene Türe anzustarren, und er schlief ein...


Ort: CIS Büro von Commander David Hassan, 3. Kontinent von Commenor
Zeitindex: Zwei Tage später

Lev betrat den CIS-Komplex, gab seine ID-Card ab und ging dann zu Hassans Büro. Die Türe öffnete sich, und er trat ein. David saß an seinem Schreibtisch und erwartete ihn offenbar.

"Ich hörte, Sie haben etwas Interessantes gefunden?" Lev nickte und trat auf David zu. "Neuigkeiten verbreiten sich schnell." David grinste: "Nur, wenn man genug Geld dafür ausgibt" "Malakai ist tot." David erstarrte. "Malakai ist was?"

"Abgestürzt mit der Canerra. Sagt ihnen vielleicht der Name 'Rhineheart' was?" David schien einen Moment zu brauchen, um das zu verdauen.

"Schon möglich. Wahrscheinlich ein Codename für einen von Kronos' Vertrauten", fuhr er fort, als Lev nicht antwortete. "Sind Sie sicher, das er tot ist?" "Natürlich bin ich sicher, wo liegt das Problem?", fragte Lev. "Ohne Malakai kommen wir nicht an Kronos heran. Wir konnten jemanden verhaften. Den Mann, der ihnen all diese E-Mails schickte. Er war dabei, Corellia zu verlassen."

Jetzt war Lev dran, zu erstarren: "Der Mann kennt meine E-Mails?" Er überlegte kurz. "David, ich muß unbedingt mit ihm sprechen. Das schulden Sie mir!", forderte er, nachdem David nur mit starrer Miene antwortete. "Einverstanden!", meinte David und wandte sich seinem Holoschirm zu. Er aktivierte die Kommunikation. "CIS. Sicherheitsdienst. Corellia TP. Hochsicherheitsanlage." Es dauerte einen Moment, dann antwortete eine automatische Stimme: "Corellia TP" "Den Oberaufseher. ... Ron, hier ist David Hassan."

"Hallo David!", meldete sich eine neue Stimme, "Der Befehl ist heute morgen angekommen. Er ist schon unterwegs." David runzelte die Stirn: "Welcher Befehl?"

"Deinen Gefangenen nach Commenor zu überführen." Jetzt geriet David tatsächlich in Aufregung. "Wer hat die Anordnung unterzeichnet?" "Du selbst."

Lev hatte dem Gespräch mit wachsender Verwirrung zugehört. Jetzt konnte er sich aber nicht mehr zurückhalten: "Was... was geht hier vor?" David ignorierte ihn. "Wann hast Du die Anordnung bekommen?" "Heute morgen. Wir haben ihn vor ein paar Stunden eingeschifft." David war jetzt definitiv der Panik nahe: "Sag CTP, man soll alles raufschicken, was da ist, das Schiff wird sicher angegriffen!"

Er unterbrach die Verbindung und rannte um seinen Schreibtisch herum. "Kommen Sie!", sagte er, und packte Lev am Arm. Zusammen eilten sie zum Raumhafen...


Ort: Irgendwo zwischen Corellia und Commenor
Zeitindex: drei Stunden später

Lev’s Raumjäger, den er inzwischen 'Piranha' nannte, war auf Commenor abgestellt worden. Der CIS hatte ihn auf eigene Kosten aufgetankt, die Raketen nachgefüllt, und auch seinen Droiden verbessert, so das Lev unverzüglich neben David starten konnte.

Gemeinsam steuerten sie die durch einen Notruf bekannt gewordenen Koordinaten an. Als Lev aus dem Hyperraum austrat, landete er mitten in einer wilden Raumschlacht. Der Clan hatte offenbar ein hohes Interesse an diesem Gefangenen.

Das Gefängnisschiff, eine modifizierte Nebulon-B Fregatte wehrte zusammen mit zwei Staffeln TIE-Abfangjägern eine große Menge Jäger des Clans, vor allem Vendettas ab, während von der Steuerbordseite zwei Kiowanische Kreuzer aus die Fregatte zu rasten und gleichzeitig die CIS-Bomber abwehrten, die versuchten, den Kreuzern beizukommen.

David Hassan befahl Lev, sich um die Kreuzer zu kümmern, er selbst eilte mit einer Staffel mittlerer Jäger den TIEs zur Hilfe. Lev drehte sich gehorsam auf die Kreuzer zu und schluckte.

Mit seinen Geschützen konnte er allerhöchstens an deren Lack kratzten. Aber vielleicht... Er nahm Kontakt zu den Bombern auf, und befahl ihnen, sich auf 2,5 Kilometer Distanz zurückzuziehen. Sie sollten einen konzentrierten Torpedobeschuß vorbereiten. Er selbst würde in dieser Zeit das Feuer auf sich ziehen.

Lev wünschte sich Glück und steuerte auf den ersten der Kreuzer zu. Laserfeuer fauchte ihm entgegen, und er wich ihm aus. Aber die Schützen schossen sich ein und trafen nach und nach besser, während die Bomber ihre erste Torpedosalve losließen.

Der folgte nach zehn Sekunden eine zweite. Lev kehrte den Schub um, flog eine Kehre und schoß zwischen den beiden Kreuzern hindurch.

Seine Rechnung ging auf. Durch das plötzliche Manöver verwirrt, trafen die Schiffe sich zum Teil gegenseitig. Es dauerte nicht lange, und sie hatten sich wieder auf Lev eingeschossen, aber genau in diesem Moment trafen die Torpedos.

Die erste Salve zerstörte die Schilde des Kreuzers, Lev’s Sensoren identifizierten ihn als 'Habgier' und einigen Torpedos gelang sogar der Durchbruch bis zur Hülle.

Die zweite Salve riß riesige Brocken aus der Hülle, verdampfte Geschütze und Brücke und ließ den Kreuzer als ausgebranntes Wrack treiben. Lev bot alle Kunst auf, als der zweite Kreuzer, sichtlich sauer, seine gesamte Feuerkraft auf ihn richtete.

Die Kiowanischen Kreuzer waren annähernd 600 Meter lang, bestanden aus zwei länglichen Rumpfteilen, zwischen denen die Brücke geklemmt war. Aber die Seiten verfügten über außergewöhnliche Mengen an Geschützen und Ionenkanonen. Zudem waren sie für ein Großkampfschiff recht schnell.

Alles in allem perfekte Kampfraumer. Lev erfuhr durch einen Funkspruch, das die Bomber keine Torpedos mehr hatten, also mußte er sich etwas anderes einfallen lassen, um den zweiten Kreuzer zu erledigen.

Lev funkte die Fregatte an, aber auch diese konnte sich nicht um den Kreuzer kümmern, da sie damit beschäftigt war, zwei Staffeln Blade Jäger abzuwehren. David meldete sich kurz darauf bei Lev, während dieser einen Vendetta vaporisierte, der sich zu nahe herangewagt hatte, da Unterstützung auf dem Wege sei, er solle lieber jetzt mithelfen, die Jäger zu zerstören.

Lev bestätigte und drehte ab, befahl allerdings der Bomberstaffel, sich mit ihm um die Blades zu kümmern. Lev nahm drei der Blades aufs Korn, speicherte zwei von ihnen als Ziel, und ließ über den ersten, der gerade auf das Gefängnisschiff schoß, seine Zielerfassung wandern.

Als sie aufleuchtete, und sein Droide die Erfassung bestätigte, feuerte Lev seine erste Rakete ab. Damit hatte er noch fünf. Die zweite Rakete traf ihr Ziel haargenau.

Lev visierte den dritten Blade an, als sein Droide meldete, daß drei weitere Schiffe in den Kampf eingriffen. Drei Korvetten von CorSec schlossen sich dem Feuer, das auf den letzten Kreuzer durch die Fregatte niederprasselte an.

Die Fregatte konnte immer nur einen Bruchteil ihrer Feuerkraft auf den Kreuzer legen, der Rest war mit dem Abschuß von Blade Bombern beschäftigt. Aber die Korvetten zwangen den Clan, entweder den Kreuzer aufzugeben, oder einen gewissen Teil der Feuerkraft der Bomber auf die Korvetten zu verlegen.

Ihr fanatischer Haß jedoch brachte sie dazu, den Kreuzer zu ignorieren, und statt dessen, die Fregatte zu zerlegen.

Davids Staffel und die erste TIE-Jäger Staffel setzten dem Feind zwar mächtig zu, doch die Vendettas zerstörten gerade den letzten TIE-Abfangjäger der zweiten Staffel und schlossen jetzt auf. Lev drehte seinen Jäger um gute 75° und feuerte ebenfalls jetzt mehr auf die Vendettas.

Die drei Blade, die er zerstört hatte, waren zwar nur ein kleiner Teil, aber sie waren eine Lücke im Ring der Angreifer, und die Bomber konnten mit ihnen fertig werden. Lev flog unter der Fregatte hindurch, schoß im Steigflug einen schildlosen Vendetta ab, der gerade noch dem Feuer der Fregatte entgangen war, und hängte sich an den nächsten.

Dieser wendete und beschleunigte plötzlich, Lev flog ihm nach und jagte ihm eine Rakete in seinen Rücken. Dann der nächste. Der Clan schien auf einmal einzusehen, daß die Imperialen in der Überzahl waren, und somit der Sieg nicht mehr sicher war. Aber er kämpfte weiter, bis zum letzten Mann.

Lev schoß noch sechs Vendettas und drei Blades ab, die Korvetten erledigten unter schweren Verlusten, zwei von ihnen zerstört, eine stark beschädigt, den Kreuzer.

Die Bomberstaffel des CIS wurde völlig aufgerieben und zwei Drittel der TIE-Abfangjäger wurden vernichtet. David und seine Staffel hatten nur 28 Prozent Verluste.

Die letzten sechs Blades schienen ein Selbstmordkommando zu sein. Sie rammten die Fregatte, konnten sie aber auch nicht mehr zerstören. Lev landete zusammen mit David auf der Fregatte, aber er konnte nicht mit diesem Gefangenen reden, da er selbst noch einige schwere Treffer abbekommen hatte, so daß seine Lunge durch ein kurzes, zweieinhalb stündiges Bactabad vom Rauch der Instrumente befreit werden mußte. Das Schiff steuerte Commenor ohne weitere Probleme an...


Ort: Commenor, 3. Kontinent; Gefängnishöhlen
Zeitindex: 140601 v. E., 1500 Ortszeit

Lev betrat zusammen mit David und einem Sicherheitsoffizier die Gefängnishöhlen. Der Sicherheitsoffizier öffnete die Schleusen, ihrer drei Stück, und sie betraten zusammen die Oberfläche des dritten Kontinents.

Heiße Winde fauchten über die Wüste hinweg, lediglich der felsige Untergrund störte den Vergleich mit Tatooine. Lev und David blieben vor einem durch ein Energiefeld abgeschlossenem Loch im Felsboden stehen. Der Sicherheitsoffizier stellte sich an die Konsole und ließ sie hindurch, die beiden betraten die Treppe und gingen nach unten.

Lev beobachtete den Gefangenen, dieser starrte mit einem kalten Blick zurück. Schließlich kamen sie beide unten an und bauten sich vor dem Gefangenen auf.

Der Gefangene ergriff das Wort: "Du hast es also trotz alledem geschafft, Lev. Bravo" David mischte sich ein, bevor Lev etwas erwidern konnte: "Was heißt 'Bravo?' Wissen Sie, wie viele sterben mußten?" Der Clanverbrecher wandte sich verächtlich ab: "Ach, wen interessiert das schon?"

Lev trat einen halben Schritt vor: "Wer sind Sie?" Der Gefangene drehte sich um und starrte David an, bevor er sich wieder abwandte: "Ich verrate es ihnen, da wir ja wohl Freunde sind. Mein Codename lautet Rhineheart." David warf Lev einen Blick zu und fragte dann: "Sie sind also nicht Malakai?" Rhineheart lächelte böse: "Was für ein Unsinn. Er ist tot! Sehe ich tot aus?"

Darüber ließ sich nach Lev’s Meinung zwar streiten, aber er wußte bereits, was Sache war. Dieser Mann wußte, wer er war. Doch Rhineheart sprach weiter: "Malakai und ich, wir zwei waren die einzigen Männer, denen Kronos alles anvertraute."

David sah überrascht auf: "Waren?" Lev runzelte die Stirn und warf ihm einen Blick zu: "Gut, aber was hat das dann mit mir zu tun?" Rhineheart winkte ab: "Ich finde, wir sollten die übliche Reihenfolge einhalten. Informationen sind sehr wertvoll. Bevor ich etwas erzähle will ich gewisse... Sicherheiten."

Er ließ sich nicht durch Lev's (Lev?) abfälliges 'Auch das noch' irritieren, sondern sah David fest in die Augen. "Hinter mir ist nicht nur der Clan her, sondern auch der CIS." David lachte erstickt: "Sie hielten uns wohl für das kleinere Übel."

Rhineheart grinste plötzlich wieder böse: "Im Vergleich zum Clan sind Sie harmlos. Ich brauche CIS-Personenschutz und eine neue Identität, damit ich mich auf einer der Randwelten zur Ruhe setzen kann." David nickte. "Gut, ich nehme ihre Bedingungen an."

Rhineheart funkelte mit den Augen, sein Gesicht verriet bösartige Vorfreude. "Das war mir klar..!" Lev konnte nun nicht mehr länger warten. Er wandte sich mit zitternden Händen an Rhineheart: "Erste Frage: Wer bin ich?" Rhinehearts Gesicht wurde ausdruckslos.

Dann begann er: "Erinnerst Du Dich an Deinen Bruder?" Lev runzelte erneut die Stirn: "Wie bitte?" Rhineheart nickte: "Du hast einen Zwillingsbruder. Du wurdest vor ihm geboren, warst also der Ältere, darin lag das Problem." Langsam fielen Lev Bruchstücke ein, sein Gedächtnis füllte endlich wieder einige der Lücken, die schon zu lange sein Leben in Frage stellten. "Mein Bruder... Sar!", murmelte er.

"Er haßte Dich, weil Dich eure Mutter bevorzugte. Als Du krank wurdest und sie Dich deshalb eingefroren haben, brach ihr das Herz. Sar gab Dir die Schuld an ihrem Tod."

Jetzt schaltete sich auch David wieder ein, der bislang nur schweigend zugehört hatte: "So ein Blödsinn. Das ist unmöglich!" Lev wandte sich zu ihm um: "Wieso ist das unmöglich?"

Doch Rhineheart lächelte nur kurz und sprach dann weiter: "Als Dein Vater starb warst Du immer noch im Kälteschlaf, also wurde das Zepter der Macht an Deinen kleinen Bruder weitergegeben." Lev dachte verzweifelt nach: "Mein Vater?" "Vell Ricaud. Du bist Vell Ricaud, der Zweite!" David blinzelte verwirrt, während Vell immer mehr Einzelheiten einfielen.

David keuchte: "Aber... der ist doch tot! Vor zwanzig Jahren gestorben!" "Nein!", unterbrach ihn Rhineheart, "Er verschwand vor zwanzig Jahren in einer Kühlkapsel." David sah Vell mit Entsetzen an: "Das bedeutet, ihr Vater war der Gründer der größten Informationsgesellschaft des Corellianischen Sektors, von 'Ricaud Interplanetary'."

"Ja", meinte Rhineheart, "und daraus entstand der Clan. Seit Sar die Macht übernahm versucht er den ersten Kronos zu übertreffen." Jetzt, endlich fiel Vell auch wieder ein, warum ihm der Name 'Kronos' so bekannt vorgekommen war. "Kronos, das war der Spitzname meines Vaters, des alten Mannes!", rief er.

Rhineheart nickte: "Jetzt hat Dein Bruder seine Position inne. Er war schon immer etwas labil. Durch den Dauergebrauch von REVAL..." "Die Droge gegen das Altern, das Zeug ist gefährlich, nicht wahr?", unterbrach Vell.

Rhineheart grinste böse: "Nur in so fern, daß sie Dich eines Tages noch schneller altern läßt und Dein Gehirn in Brei verwandelt. Genau das ist Deinem Bruder zugestoßen, sehr zu unserem Leidwesen." Er schwieg und David machte ein verächtliches Gesicht: "Dann wurden sogar Ihnen seine Pläne zu schmutzig, was? Mann tun Sie mir aber Leid!"

Seine Stimme troff vor Hohn, der aber von Rhineheart einfach abprallte. Er wandte sich ein Stück zur Seite und murmelte: "Aber am meisten tun Sie sich selbst Leid seit dem kleinen Unfall, den wir arrangierten." Er wandte sich David zu und grinste höhnisch: "Haben Sie sich nie gewünscht, Sie wären gestorben und nicht Ihre..."

David trat einen Schritt vor und griff an seinen Blaster. "Sie verdammter..." Vell trat zwischen die Beiden und legte einen Arm auf Davids Halfter. "Er versucht doch nur, Sie auf die Palme zu bringen!" Rhineheart grinste böse: "Mit Erfolg, wie es scheint. Wenn du nicht im Kälteschlaf gewesen wärst hättest Du bei unserem Krieg gegen die CIS mitgemacht. Dann wärt ihr beide jetzt nicht so dicke Freunde, richtig?" Vell sah Rhineheart direkt an und grinste: "Früher vielleicht, aber ich habe mich geändert."

"Das kommt Dir bloß so vor. Manche sind als Wölfe geboren, manche als Schafe. Auch wenn Du gerade ein Schafsfell anhast, Deine Reißzähne schimmern durch." Vell funkelte Rhineheart siegessicher an: "Dann war je mein Gedächtnisverlust das beste, was mir passieren konnte, denn dadurch kann ich mir in Zukunft aussuchen, wer ich sein will."

Rhineheart wandte sich verächtlich ab: "Oh Gott, was Du da von Dir gibst klingt schlimmer, als ein Schnulzenholo, aber vergiß nicht, sobald Dein Gedächtnis zurückkehrt bist Du wieder ganz Du selbst: Deines Vaters Sohn." David nickte, ohne dabei Vell anzusehen: "Könnte was dran sein."

Vell schenkte ihm einen bösen Blick, bevor er sich wieder auf Rhineheart konzentrierte. Der kniff die Augen ein wenig zusammen und meinte: "Glaub mir, Dein Vater war ein kluger Mann. Als er Dich von Jan Mitorr einfrieren ließ versteckte er auch alle geschäftlichen Codes in der Kapsel."

Vell nickte: "Ja, so war’s. Jetzt fällt’s mir wieder ein." Rhineheart nickte und sagte: "Als Sar durchdrehte wollten Malakai und ich Dich sofort zurückholen, aber Sar kam uns auf die Schliche und ließ Malakai mit der Canerra abstürzen." Vell blinzelte verwirrt: "Dann waren das im Krankenhaus nicht seine Männer?" Rhineheart grinste: "Meine Jungs, die welche ich los schickte, sollten Dich nur rausholen, sie sollten nicht den ganzen Laden demolieren. Aber leider wußte Sar das auch und bezahlte besser, ohne das ich davon erfuhr."

Vell nickte: "Dann waren die im Endeffekt doch Sar’s Leute; ich bin ihnen entwischt, deshalb hetzte er die Clankiller hinter mir her, um mir das Licht auszupusten." Rhineheart lachte leise und meinte: "Du warst eine Gefahr für ihn"

Vell starrte den anderen böse an: "Das bin ich immer noch!" Rhineheart sah gelangweilt zur Decke hinauf und sagte: "Du wirst schon bald Gelegenheit haben, das zu beweisen. Er kommt hier her, um jemanden zu töten." Lev starrte ihn noch immer an und fragte: "Wen?"

Schön langsam hatte er das Spielchen nämlich satt. Rhineheart wies mit seinem Kinn auf David: "Seinen Boß. Die Chefin des CIS!"

David erstarrte: "Sheila Nabokov. Aber... wann könnte er denn...? Die Sicherheitskonferenz!" "Richtig geraten." David wollte sich schon umwenden, als Vell ihn festhielt und meinte: "Moment mal. Das ist auch mein Krieg!" David riß sich los: "Wo stehen Sie, Arris?"

Vell schüttelte ob Davids Lautstärke und Tonfall den Kopf: "Auf der richtigen Seite." David starrte ihn noch einen Moment lang an, dann nickte er und sie rannten die Treppe hinauf.

Doch bevor sie oben angekommen waren, hielt Rhineheart sie noch einmal auf: "Ser Arris!", rief er, und Vell wandte völlig automatisch den Kopf nach ihm um, bevor ihm einfiel, daß er ja in Wahrheit Vell Ricaud hieß. Er starrte zu Rhineheart herunter.

Dieser stand auf und meinte: "Denk daran. Einmal ein Wolf, immer ein Wolf." Vell starrte ihn noch kurz an, dann riß er sich von diesem Anblick los und stürmte hinter David her, den Atemfilter fest auf den Mund gepreßt...


Ort: Orbit von Commenor
Zeitindex: 150601 v. E. 1200 Ortszeit.

Vell erwartete zusammen mit David, drei Zerstörern der imperialen Raummarine, sechs Korvetten des CIS und zwölf Jägerstaffeln im hohen Orbit von Commenor auf die Ankunft des CIS-Hauptzerstörers, als er einen Notruf empfing.

Er ging auf Empfang und vor ihm baute sich das Holo einer Frau im mittleren Alter auf. Das Holo war immer wieder von Störungen durchsetzt und verzerrt, aber die Worte waren klar zu verstehen: "Achtung, an alle CIS-Einsatzkräfte. Erbitte sofortige Unterstützung bei den Koordinaten 224.654.201. Nabokov Ende."

Vell folgte David und den restlichen CIS-Schiffen in den Hyperraum...


Ort: Weltraum zwischen Commenor und Corellia
Zeitindex: zwanzig Minuten später

Als Vell's Schiff aus dem Hyperraum austrat, etwa eine Minute nach dem Militär, da sein Hyperantrieb nicht dem militärischen Standard entsprach, landete er mitten in einer wilden Raumschlacht. An der Steuerbordseite sah er die drei Sternzerstörer, die einem vierten zur Hilfe eilten. Die Korvetten unterdessen schlossen sich einer Begleitfregatte an, die sich um sechs Kiowanische Kreuzer und vier begleitende Korvette kümmern mußte. Die CIS-Jäger waren in einen heftigen Raumkampf mit einer geradezu unglaublichen Menge Clan-Jägern verwickelt.

Vell steuerte auf eine Staffel Vendettas zu, die gerade eine Bomberformation des CIS in Staub verwandelte. Er feuerte drei Raketen, die Hälfte seines Magazins auf die Staffel und konzentrierte dann – noch aus der Distanz — Laserfeuer auf einen weiteren Jäger.

Er wurde jedoch ignoriert, bis der letzte Bomber der Formation explodierte. Dann allerdings wendete der gesamte Rest der Staffel, jetzt noch acht Jäger, und griff Vell an. Dieser ließ seinen Jäger spiralförmig abtrudeln, flog zunächst einen unsicheren Kurs, um dem Laserfeuer auszuweichen, und drehte dann auf einen der Sternzerstörer zu.

Zwei Drittel einer Staffel im Rücken und mit schwächer werdenden Schilden, schaffte es Vell dennoch, um den Zerstörer herum zu fliegen und ihn zumindest zeitweise als Deckung zu benutzen. Die Abwehrlaser des Zerstörers suchten neue Ziele und ließen die Vendettas größtenteils tanzen, während Vell sich einen nach dem anderen vornahm.

Gemeinsam mit den Schützen des Zerstörers war die Staffel kaum noch ein Problem. Vell hatte sechs auf seine Abschußliste befördert, die Schützen hatten zwei weitere erwischt. Eines jedoch beschäftigte Vell.

Die Sternzerstörer kümmerten sich nicht um den Kampf mit den Kreuzern und Korvetten, obwohl dieser Kampf deutlich schlecht lief. Vell überprüfte seinen Radarschirm und erkannte einen weiteren, riesigen Blip, der sich langsam auf die Zerstörer zuschob. Die vier Sternzerstörer, das CIS-Kommandoschiff und die drei Zerstörer aus Corellia, die freundlicherweise vom Imperialen Militär zur Verfügung gestellt worden waren, formierten sich um und versuchten das Feindschiff mit möglichst vielen Lasern anzuvisieren.

Vell versuchte sich ein Bild vom Feind zu machen. Von dort kamen nämlich weitere Jäger- und Bomberstaffeln. Die Reaktion der Sternzerstörer war längst überfällig. Sie schleusten ihre TIE-Jäger aus, zumindest die drei aus Corellia. Der vierte schien keine TIEs mehr zu haben, denn er reagierte nicht auf diese Bedrohung.

TIE-Jäger, TIE-Abfangjäger und TIE-Bomber, insgesamt 216 Jäger quollen aus den titanischen Raumschiffen, und stürzten sich auf die entgegenkommenden Vendettas und Blades, während die TIE-Bomber, begleitet von TIE-Abfangjägern einen Angriff auf ein riesiges Großkampfschiff flogen. Es handelte sich um das Flaggschiff von Kronos.

Gebaut wie ein riesiger Krake, 4 Kilometer lang und von organischer Form, strahlte es eine düstere Bedrohlichkeit aus, der sich niemand zu entziehen vermochte. Selbst die Sternzerstörer, mit 1,6 Kilometer Länge imposante Titanen im Weltall, wirkten winzig im Vergleich zu ihrem Gegner.

Aber andererseits war auch ein Piranha nicht sonderlich groß, während ein Rudel von ihnen für alles Leben tödlich war. Vell’s Gedankengang wurde unterbrochen, als sich zwei weitere Vendettas auf ihn stürzten.

Er drehte eine Flugrolle, schoß zwischen den beiden durch und wendete. Einer der Piloten war offenbar hervorragend, er hatte richtig reagiert und sofort zu einer Kehre angesetzt, was mit seinem schwerfälligen Jäger gar nicht so einfach war, wollte man einen bestimmten Radius nicht überschreiten.

Der zweite Vendetta war dazu offenbar nicht in der Lage, er wendete erst, als Vell bereits an seinem Heck hing. Dreißig Laserschüsse später war klar, daß dieser Pilot keine Manöver mehr zu lernen brauchte. Er war nur noch Wasserstoff inmitten von gasförmigem Metall.

Der andere hing jedoch weiterhin an Vell’s Heck und bearbeitet seine Schilde, bis plötzlich eine Rakete von unten auf den Vendetta zuschoß und seine Cockpitkanzel in Schrott verwandelt.

Ein mittlerer CIS-Jäger schoß an Vell vorbei und drehte eine kleine Rolle. "Danke!", sagte Vell durch sein Com. "Nichts zu danken, Arris!", rief David und blies einen Blade, der sich gerade auf einen Torpedoabschuß vorbereitet hatte, aus dem Raum.

Vell grinste und folgte David zum dichtesten Getümmel, an dem sich jede Menge CIS-Jäger und Clanschiffe einen heftigen Raumkampf lieferten. Vell schoß zwei Blades mit Raketen ab und hängte sich dann hinter einen Vendetta, der seinerseits einen CIS-Jäger verfolgte. Doch bevor der Vendetta auf die neue Bedrohung reagiert hatte, war er bereits Geschichte.

Vell grinste zufrieden; ein Grinsen, das sofort erlosch, als er ein rotes Licht an seiner Konsole aufblinken sah. Sein Schildsystem brach zusammen. Irgendwer hatte einen sauberen Treffer auf seinen Schildgenerator gelandet. Vell drehte hart backbord, schwenkte um, flog einen halben Salto und betätigte seinen Nachbrennerbooster, um aus dem Schußbereich seines Angreifers zu kommen.

Ohne Erfolg; er bekam einen weiteren Treffer ins Heck, der seinen Hyperantrieb lahmlegte und zudem die Energieversorgung für die Waffensysteme blockierte. Sein Droide machte sich sofort daran, die Blockade zu beseitigen, aber Vell wußte, er würde es nicht rechtzeitig schaffen.

Sein Kurs trug ihn an den Sternzerstörern vorbei, zu seinem Entsetzen erkannte Vell, daß er direkt auf das Kommandoschiff von Kronos zu raste. Und damit direkt auf das intensive Turbolaserfeuer der Sternzerstörer. Vell rüttelte an seinem Steuerknüppel, aber nichts geschah. Offenbar war sein Flugkontrollsystem ebenfalls beschädigt. Und er hatte noch immer den Verfolger.

Vell schleuste einige Minen aus, aber der Feind umkurvte diese geschickt und blieb weiter hinter ihm. Vell probierte etwas anderes. Er errechnete die Zeit, die der Feind benötigte, um die Mine zu treffen, dann programmierte er eine Mine auf Zeitdetonation um und schickte sie raus. Diesmal hatte der Vendetta keine Chance.

Er verglühte zusammen mit der Mine. Vell drosselte die Geschwindigkeit, um nicht doch noch in das Turbolaserfeuer zu geraten. Er wartete bange zwölf Sekunden fast stehend, bis das Flugkontrollsystem wieder aktiviert war, dann zog er vorsichtig nach unten und wich so dem Laserbeschuß aus.

Dann überlegte er, während er das Hauptschiff von Kronos musterte. Die Sternzerstörer könnten ihren Beschuß eigentlich einstellen. Die Schilde dieses Monstrums mußten bereits nach Minuten nachgegeben haben, denn die Hülle war überall aufgerissen und die Geschützkanzeln größtenteils einfach weg gebrannt.

Überall an Bord brannte es und auch der Hangar war nur noch ein großes Loch im Rumpf, aus dem mindestens einhundert Meter hohe Flammen schlugen. Aber es gab auch noch Stellen, an denen zumindest zur Zeit die Integrität der Hülle noch gesichert war.

Vell dachte sich, daß das die Chance wäre, Kronos zu töten. Denn ER hat die Möglichkeit dazu. Vell grinste. Es wurde mal Zeit, den kleinen Bruder aufzusuchen. Aber zunächst mußten noch die restlichen Jäger erledigt werden.

Also steuerte Vell wieder zurück, sein Schildgenerator sprang an und er stürzte sich erneut ins Getümmel. Zwanzig Minuten später waren die Jäger des Clans bis auf einen kümmerlichen Rest dezimiert, aber auch der CIS hatte die meisten seiner Jäger verloren. Lediglich eine Staffel unter dem Kommando von David hatte bislang halbwegs unbeschadet das Gefecht überstanden.

Die Sternzerstörer, es waren ihrer insgesamt noch drei, einer war Kronos' Schiff zum Opfer gefallen und trieb jetzt als glühendes Wrack langsam durch den Raum, wandten sich jetzt um; Zwei von ihnen griffen die Kreuzer an, einer, das Kommandoschiff des CIS, flog auf den Sprungpunkt im System zu.

Vell bekam eine Nachricht von David, bevor dieser auf dem Zerstörer landete und damit vermutlich für immer aus Vell’s Leben verschwand.

-[o]- --- > Beginning Message < --- -[o]-

  • Von Commander David Hassan
  • An: Vell Ricaud

Vell, es sieht so aus, als hätten wir unsere Arbeit erledigt. Ich glaube, ich sollte erst einmal eine Pause einlegen. Komisches Gefühl... Ich weiß gar nicht so recht, was ich tun soll, jetzt, wo meine Lebensaufgabe erfüllt ist...

Aber was soll’s? Passen Sie auf sich auf, und machen Sie immer das Richtige....

David.

-[o]- --- > End of Message < --- -[o]-

Vell las die E-Mail mit einige Trauer, die er sich selbst eigentlich nicht erklären konnte. Sie hatten gewonnen. Der Clan war besiegt, der Sektor wieder sicher und Vell wußte endlich, wer er war.

Aber er wußte auch, was ihn alles angetan worden war, als der Clan ihn verfolgte, und dabei waren nicht wenige Menschen und Nichtmenschen ums Leben gekommen.

Es war nun an IHM, den Namen Ricaud wieder reinzuwaschen. Vell drehte bei, verfolgte durch die Heckkamera den Abflug der CIS-Streitkräfte, oder zumindest dem, was davon noch übrig war, und steuerte auf das Kommandoschiff von Kronos zu.

Während er einen Landeplatz suchte, konnte er die Schäden, welche die Turbolaser angerichtet hatten genau beobachten. Trümmer und tote Besatzungsmitglieder fielen aus den Löchern im Rumpf, die von Torpedos in die Hülle gerissen worden waren. Aber es gab noch einen funktionierenden Hangar im Zentrum der Krake, unterhalb der Brücke. Vell steuerte ihn an und landete.


Ort: Kommandoschiff von Kronos, dem Führer des CLANS
Zeitindex: Zehn Minuten später

Vell verließ den Hangar, hier waren viele Leute mit dem Löschen von Feuern beschäftigt, so daß ihm niemand Beachtung geschenkt hatte, und betrat einen langen Gang, der ihn direkt zu Kronos' Thronsaal führen würde.

Überall brannte es, Stahlträger fielen von der Decke und elektrische Leitungen rissen in Funkenschauern um ihn herum, während Lev auf den Thronsaal zustrebte. Einige Besatzungsmitglieder kamen ihm entgegen und rannten in die Richtung des Hangars, in dem sie Rettung erhofften. Einer drehte sich zu Vell um und rief ihm zu: "Ser verschwinden Sie! Wir gehen in die Luft!", aber Vell beachtete ihn gar nicht und ging einfach weiter.

Schließlich erreichte er die Türen, in einem opulenten Gold gehalten, die sich knarrend öffneten und Vell den Blick auf den Thron freigaben. Er sah nur die Lehne des selbigen, und Vell fragte sich, warum Kronos ihn von etwaigen Besuchern abgewendet hatte.

Dann fiel sein Blick auf etwas, das zwischen den Gitterstäben des Thrones, er hatte nicht etwa eine massive Lehne sondern eine Lehne aus vergoldeten Gitterstäben, klemmte und offenbar seinen Besitzer sehr zu stören schien.

Es war die Quaste eines widerlichen Schwanzes.

Endlich hatte die Gestalt hinter dem Thron den Schwanz aus seinem Gefängnis befreit und warf ihn zu mit einem ekelhaften Klatschen zu Boden. Dann wandte sich die Gestalt Vell zu und machte zwei Schritte in seine Richtung.

Er war alt.

Er war häßlich.

Und er war definitiv wahnsinnig.

"Du!", rief er. Seine Stimme klang seltsam. Wie die Stimme eine Droiden, nur tiefer, viel tiefer.

Er taumelte weiter auf Vell zu und packte ihn am Kragen. Er war kleiner als Vell, erheblich kleiner, aber er schaffte es trotzdem, beeindruckend und einschüchternd zu wirken.

"Du siehst so jung aus! Ich hasse Dein Gesicht, Vell! Nur mein eigenes Gesicht, das habe ich geliebt." Vell lächelte böse und sah dem alten Mann in die Augen: "Von Deiner Schönheit ist so gut wie nichts mehr zu sehen. Kein Wunder, daß Du verrückt geworden bist. Du siehst ja aus wie Scheiße!"

Er wollte Sar provozieren, denn er war nichts anderes, als der Abschaum der Galaxis. Kronos reagierte sofort: "Wie Scheiße? Scheiße? Du bist noch genau derselbe Kotzbrocken wie früher! Was soll’s? Dein Gesicht sieht zwar immer noch jung aus, aber das ist auch schon alles! Keiner kennt Dich mehr, die Firma ist voll funktionstüchtig, auch ohne Dich!"

Vell grinste und löste sich aus der Umklammerung seines Bruders. Dann meinte er: "Nein, das stimmt nicht. Du bist eine Belastung für sie. Man lacht über Dich! Keiner nimmt Dich noch ernst." Sar geriet in Rage und brüllte wieder: "Nein! Niemand lacht über Kronos!"

"Kronos war unser Vater! DU bist nicht berechtigt, diesen Namen zu tragen, wir beide nicht!" Kronos ignorierte ihn und marschierte auf einen anderen Teil des Saales zu: "Ich werde die Macht des Clans noch vergrößern! Er wird noch gefürchteter, noch verhaßter, noch effektiver!"

Vell ließ sein Lächeln verblassen und stöhnte: "Oh Mann, bist Du verblendet! Er wird noch schneller auseinanderfallen als Du!" Kronos fing an, auf diese Worte hin zu wüten, er regte sich auf und fing an, Vell vorzuhalten: "Du bist eifersüchtig! Ich bin der Ältere, und das kannst Du nicht ertragen! Und daß ich Mutters Liebling war, das macht Dir immer noch zu schaffen!"

Er griff an eine Wand, und holte einen Blaster heraus, nicht so ein kleines Standardmodell, sondern einen Blaster, der seiner Größe nach eher dazu geeignet war, TIE-Jäger vom Himmel zu holen. Er richtete das Geschütz auf Vell und schrie: "Na los, gib es endlich zu, gib es schon zu, Sar! Du bist eifersüchtig auf mich!"

Vell griff nach dem Lauf des Blasters und drehte ihn von seinem Körper weg: "Du bist verrückt! Ich bin Vell, du bist Sar, schon vergessen?"

Kronos schien verwirrt, er suchte offenbar im Matsch seines Gehirns noch immer nach Erinnerungen: "Nein, ich bin...ich bin... ich meine... Nein, das ist nicht fair!" Er sank ein wenig in sich zusammen und sprach wie zu sich selbst: "Es war noch nie fair!" Dann riß er Vell den Blaster wieder aus der Hand und schritt auf die Türe des Thronsaals zu.

Vell ging hinter ihm und sagte beschwörend: "Sieh es ein, Sar! Du bist am Ende, deine Pläne sind gescheitert!" Sar drehte sich wieder um und schrie: "NEIN! Ich werde es euch beweisen! Ich hätte der Ältere sein sollen! Ich war viel härter als du, böser und auch viel gemeiner! Ich werde ihnen zeigen, wer der bessere Sohn ist!"

Vell schüttelte wütend den Kopf und schrie Sar an: "Vater mochte dich nie und Mutter hat nur..." "Wage es nicht von ihr zu reden! Du Verräter, du hast dich im Mutterleib vorgedrängt! Ich hätte zuerst geboren werden sollen, aber du hast mich zur Seite gedrängt!"

Vell grinste: "Das weiß ich nicht mehr, ich hab' wohl geschlafen!" Sar spuckte aus und richtete die Waffe wieder auf Vell: "Ach! Immer diese Scherze und immer diese Besserwisserei! Du bist von allen geliebt worden und ich...?"

Vell hatte den Blaster gepackt und ihn mit dem Lauf nach oben gedreht. Sie rangen um den Besitz der Waffe und Vell drückte sie immer weiter herunter. Schließlich löste sich ein Schuß, beide starrten sich an und wurden dann durch den Rückstoß des Geschützes zu Boden geworfen.

Die Gebrüder Ricaud lagen am Boden, bis Vell sich vorsichtig wieder halb aufrichtete und auf seinen Bruder zu kroch. Schließlich erreichte er ihn und sah ihm ins Gesicht, so alt und häßlich es auch war, es strahlte doch eine Art Genugtuung aus.

Sar stöhnte vor Schmerzen, aber er flüsterte triumphierend: "Wenigstens habe ich dir ein böses Erbe hinterlassen, Vell! Du wirst Jahre brauchen um... den Clan wieder so hinzubekommen, wie du... wie du ihn haben willst!"

Vell schüttelte den Kopf und meinte: "Vielleicht auch nicht! Ich habe die Zugangscodes und die Paßwörter für die Konten. Und was noch viel wichtiger ist,", er richtete sich auf und starrte auf den alten, gebrochenen Mann herunter, "Ich habe dein früheres Gesicht, ich kann Kronos sein!" "Nein!"

"Und alles wieder in Ordnung bringen, was du verkorkst hast!" Sar wand sich auf dem Boden und schrie: "Nein, du kannst nicht Kronos sein! ICH bin doch Kronos! Ich bin Kronos... ich, ich bin..."

"Träum weiter, Brüderchen!" Vell beobachtete, wie Sar’s Stimme immer leiser wurde. Sein Schwanz zuckte und pulsierte ständig. Vell wußte, daß die Süchtigen nach REVAL ihr Herz in einen externen Behälter verpflanzen mußten damit es nicht die Lunge oder ein anders Organ verletzte, wenn es plötzlich beim Altern des Opfers ungefähr achtzig mal schneller schlug.

Vell trat auf die widerwärtige Quaste zu, während Sar ängstlich murmelte: "Das Licht!... Laß das Licht an, Mami, Bitte.. Laß das Licht an,... Bitte... Mami Bitte... Mami... Laß bitte das Licht an,... sonst ist es so... dunkel..."

Vell senkte seinen Fuß auf die Quaste und zermalmte sie. Sar röchelte plötzlich und schien nicht mehr atmen zu können. Er bäumte sich auf und ruderte hilflos mit den Armen.

Aus der Quaste trat eine abartig riechende, grünliche Flüssigkeit aus. Sar’s Blut.

Schließlich gab Sar den Kampf endlich auf und sank mit einem beinahe erleichterten Seufzer zurück. Ein einzelner Blutstropfen lief aus seinem Auge und wanderte über die Backen zu Boden, zeichnete dabei Sar’s faltige Konturen nach.

Sar, an dessen Händen das Blut von Tausenden klebte, Sar die Legende des Bösen, Sar das Ungeheuer war tot.

Endgültig.

Vell lief zu ihm und riß ihm die Kette vom Hals, eine schwere goldene Kette, die einen Rubin in ihrer Mitte eingelassen hatte. Das Insignium der Macht des Clans. Vell hängte sich die Kette um und verließ wehenden Mantels den Thronsaal. Ein fürchterlicher Schlag erschütterte das Schiff, als das halbe Brückendeck explodierte und dabei den Hangar mit Vells Raumjäger in die Luft sprengte.

Ein Flüchtender lief auf ihn zu: "Ser?" Vell winkte nach vorne: "Zeig mir den Weg zu den Rettungskapseln! Es geht nach Hause..."

Sar war tot, aber Kronos lebte weiter...

Viele Rettungsschiffe verließen das zerberstende Kommandoschiff gerade noch rechtzeitig, bevor es in einer strahlend hellen Explosion verging. Vell blickte aus dem Fenster und hoffte, daß es das Zeichen für ein Omen war, daß das strahlend helle Licht die Dunkelheit in Zukunft verschlingen würde...


Kapitel 4: Ricaud Interplanetary und das Imperium

Ort: Coronet City, Corellia
Zeitindex: 180601 vor Endor, 1400 Uhr Ortszeit

Vell Ricaud, der Kronos, hielt sein Insignium an der schweren Goldkette hoch und betrat das Konzerngebäude von Ricaud Interplanetary. Er war nach ein paar Stunden in der Rettungskapsel von einem Frachter des Clans aufgelesen worden. Die Besatzung hatte ihn ehrfürchtig angestarrt und jeder, an dem er vorbeiging, hatte sich verneigt. Irgendwie fand Kronos das ganze Gehabe um seine Person eher lächerlich. Was hatte es schon zu bedeuten, daß sich Verbrecher und Mörder vor ihm verneigten?

Er fuhr hinauf in sein zukünftiges Büro, begleitet von acht neu eingestellten Sicherheitswachen. Da er den Code für "seine" Bürotüre nicht kannte, deutete er darauf und sagte nur: "Öffnen!"

Die Söldner eröffneten das Feuer aus ihren Blastergewehren und sprengten die Türe auf. Dahinter saßen sieben Speichellecker auf bequemen Sesseln und hörten den Ausführungen eines Mannes zu, der offenbar gerade von den Marktmöglichkeiten im Sklavenhandel gesprochen hatte, zumindest machten die Holoaufnahmen von Sklaventransportern diesen Eindruck.

Kronos trat in die Mitte des Kreises erstarrter Machthaber, zog seinen Blaster und richtete ihn auf den Mann. "Vielleicht sollte ich mich ja mal vorstellen, meine Herren. Ich bin Kronos. Sie sind tot!" Mit diesen Worten zog er den Abzug durch und grillte den Mann, seine Söldner erledigten den Rest. Dann hob Vell sein Interkom an den Mund und sagte: "0-7-1 erledigt. Gebäude stürmen."

Als er aus dem Fenster sah, konnte er mehrere Panzerwagen von CorSec erkenne, die das Gebäude umstellt hatten und mehrere hundert Angehörige der Polizei stürmten das Gebäude. Kronos setzte sich an seinen Schreibtisch und wartete. Er mußte nicht allzu lange warten. David Hassan stand plötzlich in der Türe und musterte die verkohlten Leichen, die im Raum verteilt waren.

"Ich weiß ja, daß Ihnen die Dekoration in meinem Büro nicht gefallen hat, aber Ihre finde ich zum Kotzen. Was haben Sie hier also?", fragte er und setzte sich ungebeten auf den Gästestuhl. "Naja.", meinte Kronos und drehte den Bildschirm um. "Da ich hier so unverfroren einfach hereingekommen bin hat niemand daran gedacht, auch nur die kleinste Datenlöschung vorzunehmen. Ich habe also die Daten über sämtliches Personal, sämtliche Angehörige des Clans, Aufstellung aller Raumschiffe und ihrer Stationierung, Unterlagen über die illegalen Geschäfte und die Teilhaber, sämtliche Konten, Zugang zu den legalen Abteilungen des Konzerns – hey, die machen sogar fast 20% des Geschäftsvolumens aus! – und so weiter und so fort. Sie bekommen die Daten von mir, David, aber nur unter einer Bedingung." David Hassan zog die Augenbrauen hoch. "Bedingungen? Ich habe hier hunderte Beamte im Gebäude. Und Sie wollen mir Bedingungen stellen?" Kronos grinste. "Ja, das will ich. Ich möchte den Konzern wieder in das verwandeln, was er einst war: einen legalen Konzern. Dazu brauche ich die Hilfe der Mitarbeiter in den legalen Sparten des Konzerns. Die bekommen Sie also nicht. Jeder, der völlig legal beschäftigt war, soll auch weiterhin für mich arbeiten. Natürlich werden wir auch unter denen nachforschen und die Schwarzen Schafe eliminieren. Aber den Rest möchte ich beibehalten."

David Hassan überlegte kurz, dann nickte er. "Das ist nur fair. Und ich habe doch noch ein halbes Jahr oder länger damit zu tun, dem Clan das Handwerk zu legen. Das gefällt mir." Kronos grinste wieder. "Und außerdem gibt es ja bald auch noch eine Beförderung, oder? Ich meine, ich könnte mir schon vorstellen, daß Sie auch für die simple Aufgabe nun noch eine Belohnung ersten Ranges bekommen. Schließlich lasse ich allen Illegalen Abteilungen den Geldhahn zudrehen, also werden die einzelnen Kämpferzellen und die Firmen aktionsunfähig und Sie haben leichtes Spiel."

David Hassan nickte noch einmal und stand dann auf. "Ich ziehe mich jetzt zurück. Sie überspielen die Daten in den CIS – Zentralrechner auf mein Zugangskonto. Ich veranlasse die Fahndungen und Verhaftungen. Sollten Sie irgendwann mal Lust verspüren, wieder ein wenig Action mitzuerleben, können Sie sich ja mal beteiligen. Viel Glück, Vell Ricaud. Sie haben nun eine große Verantwortung zu tragen. Ich beneide Sie nicht darum."

Kronos schüttelte David die Hand und machte sich dann an seine Arbeit.


Ort: Refugium von Kronos, Corellia
Zeitindex: 040404 n.E.

Die letzten Jahre waren ziemlich hart gewesen. Kronos hatte seine Mitarbeiter sorgfältig geprüft und hatte in Zak Shant einen zuverlässigen und ehrlichen Stellvertreter gefunden. Inzwischen war Kronos auch politisch wieder auf dem Laufenden.

Als er eingefroren wurde, hatte es noch die Republik gegeben. Zwar hatte es auch damals in der Galaxis immer wieder Unruhe gegeben, aber während seiner Zeit in der Kühlkapsel hatte sich die Galaxisweite Regierung in ein Imperium umgewandelt. Es hatte ihn anfangs nur ein wenig irritiert, aber er hatte sich nicht weiter darum gekümmert, bis er dann endlich näher mit den Geschehnissen der letzten dreißig Jahre vertraut wurde. Immerhin hatte es eine Menge Chaos gegeben, Rebellen hatten den Imperator getötet und die Wiederherstellung der Republik erklärt. Dann waren die Rebellen von den Loyalisten wieder vertrieben worden.

Vell hatte für die Rebellen nur wenig Verständnis übrig. Einerseits hielt er auch nicht viel von der Abschaffung der Demokratie, andererseits hatte er aber auch gelesen, welches politische Chaos in der letzten Phase der Republik geherrscht hatte. Das Imperium hatte dann für Ordnung gesorgt, und Vell schätze Ordnung.

Außerdem hatten die Imperialen Streitkräfte nicht ganz unerheblich zu seinem Sieg über den alten Kronos beigetragen, während die Republik offenbar die Entstehung der Clans nur noch begünstigt hatte.

In letzter Zeit dachte er häufig darüber nach, ob er seinem Leben wirklich einen Sinn und eine Bedeutung gegeben hatte. Als er den Clan bekämpft hatte, da fand er einen Sinn. Nun, nachdem der Clan zerschlagen war und er nichts mehr zu tun hatte, als einen inzwischen wieder wachsenden Konzern zu verwalten, langweilte er sich und zwar so sehr, daß er teilweise als Lev Arris wieder Söldneraufträge annahm und zum Teil auch als Kopfgeldjäger sich verdingte.

Das bereitet ihm wenigstens ein wenig Freude. Er konnte mehr tun, als nur herumzusitzen und Personalentscheidungen, Investitionsentscheidungen und Entscheidungen sein Mittagessen betreffend vorzubereiten. Vell Ricaud stellte fest, daß er Luxus haßte.

Was er dagegen liebte war, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Das gab einem wenigstens das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, wenn man nach Hause kam. Er war zwar immerhin so ehrlich, um sich selbst einzugestehen, daß er all dies auch für sein Ego tat, aber man konnte auch nicht leugnen, daß die Galaxis eine Spur sicherer war, wenn er mal wieder irgend einen Gangsterboß gefaßt hatte oder sogar einen gefährlichen Kriminellen abschoß.

Er lächelte, als er sich an die Szene vor ein paar Wochen erinnerte, wo er als Lev Arris einem Imperialen Gouverneur seine Tochter wieder gebracht hatte, die von geldgierigen Erpressern entführt worden war. Der Gouverneur hatte das Lösegeld für die Tochter, nachdem die Erpresser sie dennoch nicht herausgerückt hatten, als Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Immerhin fast eine halbe Million Credits, wahrscheinlich eines der höchsten Kopfgelder aller Zeiten. Kronos war mehr zufällig auf die Erpresser gestoßen und hatte sie besiegt, das Geld aber nicht angenommen. Ja, er war ein arroganter Egoist, der viel tat, um nur ja gut dazustehen.

Aber er wollte mehr tun, als er das als Söldner konnte.

Die Nachricht über die Zerschlagung einer großen Piratenbande am anderen Ende der Galaxis durch einen Verband der imperialen Raummarine gab den Ausschlag.

Kronos rief bei Zak an und erklärte ihm die neue Situation.


Ort: Rekrutierungshalle der Imperialen Akademie
Zeitindex: 111104

Lev Arris lächelte den Mann hinter dem Schreibtisch an und übergab ihm seine Ausweispapiere. "Mein Name ist Lev Arris und ich möchte der Imperialen Raummarine beitreten." Natürlich konnte er schlecht als Kronos oder gar als Vell Ricaud in die Akademie eintreten. Mit diesem Kontostand hätte ihm das niemand abgekauft.

Der Mann zog seinen Ausweis durch den Leser und runzelte die Stirn, als er die Informationen las. "Sie sind als Söldner bekannt, Kopfgeldjäger und ähem... sagen wir mal Händler. Allerdings..." Der Mann murmelte vor sich hin, während weitere Informationen vor ihm auftauchten. "Allerdings scheinen Sie eine Empfehlung von verschiedenen Behörden zu haben, was ihre Ehrbarkeit und Treue betrifft. In Ordnung, formal scheint alles in Ordnung zu sein." Er gab Lev den Ausweis zurück.

"Begeben Sie sich bitte in Halle 217. Dort werden Sie warten, bis man Sie medizinisch und psychisch testen kann. Anschließend wird Ihnen der Eid abverlangt und Sie beginnen mit der Grundausbildung." Lev nickte freundlich und machte sich auf den Weg.

<<< Die nun folgende Phase zwischen 120906 und 120907 wurde aus Gründen der Geheimhaltung zusammengefaßt >>>


Ort: Interdictor 'Shooting Star'
Zeitindex: 120906

Nachdem Lev, inzwischen Warrant Officer, mehr als zwei Jahre lang verschiedene Ausbildungen durchlaufen hatte, wurde er für die Abschlußprüfung auf den Int. Shooting Star versetzt, um unter Commander Zerroks Kommando zu beweisen, was er wert war.

Ihre Aufgabe bestand darin, einen Carrack – Kreuzer zu entern. Neben Lev waren noch eine Menge anderer Rekruten dabei, die aber teilweise erst am Anfang ihrer Karriere standen.

Die Mission erwies sich als ziemlich leicht. Die "Gegner" der Übung – reguläre Mannschaftsmitglieder der "Shooting Star" -. Stellten sich mehr als nur ein wenig dämlich an. Offenbar sollte die Mission auch gelingen, Ziel war eher, die Koordination und Reaktionsbereitschaft der Rekruten zu prüfen. Tatsächlich gelang es den meisten auch, die Übung zu bestehen.

Lev wurde zur Belohnung zum Chief Warrant Officer befördert und trat dann seinen eigentlichen Dienst an.


Orte: ISD Dominator, Ithor und Cautionee
Zeitindex: 021006 – 120907

Endlich war das Training vorbei. Lev Arris hatte die Akademie und den Abschlußlehrgang bestanden und nun wurde er endlich versetzt, als Navigator auf einen Imperialen Sternenzerstörer, der ISD Dominator. Als Chief Warrant Officer unter der Leitung von Second Lieutenant Ralph McCloud, einem Ukione, war er der zweite Chefnavigator der Dominator. Lev nahm in der Folgezeit an einer Bodenmission auf dem hapanischen Planeten Cautionee teil um eine Militärbasis zu infiltrieren. Dort entdeckte er unter anderem riesige Dienerkreaturen, welche die Hapaner gezüchtet hatten und auch die ersten Hinweise auf Klone, die den unteren Rängen bekannt wurden. Aber auch eine andere Entdeckung wartete hier auf ihn. Jenny.

Doktor Jennifer Frevel war längst im Imperialen Dienst und etwa ein Jahr vor Vell auf die Dominator versetzt worden. Zwischen den beiden funkte es ziemlich rasch und sie gingen eine recht lebhafte Beziehung miteinander ein.

Nach dieser Mission gab es noch einige weitere, Lev nannte sich inzwischen auch wieder offiziell Vell Ricaud und steckte dafür einigen Prügel seitens seiner Vorgesetzten ein, wobei Vell sich dann fast zeitgleich zum Sicherheitsoffizier der Dominator machen ließ.

Während eines kurzen Urlaubs auf Ithor entdeckten Vell und Jenny eine eingeborene Rasse, die sogar von den Ithorianern wohl wegen ihrer Verehrung für den Wald bislang nicht bemerkt worden waren und entkamen diesen Kreaturen, die ein gefangener Mensch als Sahuagin bezeichnete, nur mit knapper Not. Jenny wurde dabei von einer seltsamen Kreatur gebissen, das Gift verlieh ihr, so der Befund des Schiffsarztes Dr. Devin Triggs, unkontrollierbare, aber sehr selten auftretende seherische Fähigkeiten. Vell setzte David Hassan auf die Sahuagin an, dieser entdeckte auf Ithor eine Testkolonie fehlentwickelter Klone und erforschte ihren Ursprung, was diesen dann in eine eigene Mission führte.

Vell, inzwischen zum Ensign befördert, hatte am 120907 eine dringliche Nachricht von Zuhause erhalten und sich daraufhin sofort in die Reserve versetzen lassen...

<<< Ende der Zusammenfassung >>>


Kapitel 5: Kronos' Rückkehr

Ort: Privatjäger Vell Ricaud, Hyperraum zwischen Corellia und der hapanischen Grenze
Zeitindex: 261007, 1500

Es war wohl einer der schlimmsten Momente seines Lebens gewesen. Vell überprüfte die Kontrollen seines Jägers und dachte an jene eher peinliche Szene, als er Commander Holmes mitgeteilt hatte, daß er zumindest vorübergehend aus privaten Gründen in die Reserve versetzt werden wollte. Saymond, der erste Offizier der ISD Dominator, war auch dagewesen und hatte, im Gegensatz zu Holmes, die es sich nicht nehmen lassen wollte, Gift und Galle zu spucken, keinen Ton gesagt, sondern ihn einfach nur stumm angestarrt.

Vell war, nachdem die entsprechenden Dokumente unterzeichnet waren, einfach zu seinem Spind gegangen, hatte gepackt, auch sein Quartier ausgeräumt und alles eingepackt. Die Fähre hatte ihn zum Planeten Bakura gebracht.

Bevor er in die Fähre einsteigen hatte können, war dann doch noch Jenny aufgetaucht und hatte sich von ihm verabschiedet. Wenn man es so ausdrücken wollte. Vell grinste. Die Mechaniker würden vermutlich in ein bis zwei Jahren noch davon reden, daß man ein Büro eines Deckoffiziers auch anderweitig nutzen konnte...

Auch wenn es bei seinen Vorgesetzten Mißfallen erregt hatte, Vell hatte seine Gründe für diese plötzliche Abreise. Er war der Alleinerbe des Ricaud Interplanetary Konzerns, und nachdem er es geschafft hatte, den Konzern wieder in ein Wirtschaftsunternehmen zu verwandeln, hatte er die Verwaltung in die fähigen Hände von Zak Shant gelegt und war in die Streitkräfte eingetreten. Nichts langweilte ihn mehr, als die ewigen Zahlenspiele am Schreibtisch, und obwohl er eigentlich längst für sich ausgesorgt hatte (Eigentlich hätte er sich einen Planeten kaufen können, um sich zur Ruhe zu setzen) suchte Vell immer noch das Abenteuer und eine Aufgabe.

Ricaud Interplanetary war, als Vells Vater gestorben war und er selbst in einer Kühlkapsel auf die Heilung von AOL 30 Jahre gewartet hatte, an Vells kleineren Bruder Sar übergegangen, der die größte Verbrecherorganisation Corellias daraus gemacht hatte, den CLAN. (OoC: Nachzulesen in den ersten drei Teilen, auf der Homepage einfach weiter oben.) Vell hatte den drogenabhängigen Sar getötet und den Konzern wieder in das verwandelt, was er eigentlich mal hätte sein sollen.

Und nun hatte Vell während eines Einsatzes eine Nachricht von Zak bekommen. Obwohl er sie schon mindestens fünfzig Mal gelesen hatte und inzwischen praktisch auswendig kannte, öffnete er die Datei und las sie ein einundfünfzigstes Mal.

-[o]- --- > Incoming private Message < --- -[o]-

VELL, ICH HOFFE DU ERHÄLST DIESE NACHRICHT. WIR FEIERN HIER NÄMLICH EINE PARTY. UND PASS AUF ALTE BEKANNTE AUF, DIE DINGE HABEN SICH VERÄNDERT. FEUERPROBEN UND TAUFE.

UNSERE NACHBARN SIND WOHL WIEDER EINGEZOGEN, UND DER KLEINE WILL ANDAUERND AUFSTEHEN UND MITSPIELEN. OFFENBAR HABEN WIR IHN DOCH NICHT ZU BETT GEBRACHT.

GRUSS, ZAK

-[o]- ---> Private Message Ending <--- -[o]-

Die Nachricht klang für jeden Außenstehenden seltsam, vielleicht sogar ein wenig albern. Tatsächlich war sie jedoch in einem ganz bestimmten Code abgefaßt, den nur zwei Menschen kannten, nämlich Vell und Zak. Er machte die Bitte zu einem regelrechten Befehl der so zwingend war, daß Vell einfach nicht anders konnte, als sofort aufzubrechen.

Vell verstand sehr genau, was diese Zeilen zu bedeuten hatten. Nur was die "Feuerproben und Taufen" sein sollten, das war ihm noch unklar. Aber Zak würde es ihm schon sagen.

Das Heulen des Rücksturzalarms unterbrach Vell in seinen Gedanken. Er richtete sich auf, atmete noch einmal tief durch und griff nach dem Hyperantriebshebel. Noch drei Sekunden, noch eine... und Vell drückte ihn ganz nach vorne.


Ort: Orbit von Corellia
Zeitindex: 261007, 1532

Die Sternlinien schrumpften wieder zu Sternen. Fast alle jedenfalls, einige schienen sich weiterhin zu bewegen. Vell riß erschrocken seinen Jäger nach oben, als er nur um Haaresbreite einem Laserschuß entging. Er ließ seinen Jäger abtrudeln, aktivierte die Schilde und warf einen Blick auf den Sensorschirm.

Fast wünschte er sich, er hätte es nicht getan. Im Orbit befanden sich vier CIS-Zerstörer und eine imperiale Fregatte, die gegen vier langgezogene Zylinder kämpften. Dreadnoughtkreuzer, 800 Meter lange Raumschiffe, die dank ihrer schweren Bewaffnung problemlos in der Lage waren, sogar einen Sternzerstörer herauszufordern. Zumindest zu viert. Mit den vergleichsweise kleinen CIS-Zerstörern sollten sie eigentlich keine Probleme haben. Vell tauchte unter die Fregatte, beschleunigte und wich aus, als ihn einer der TIE-Jäger der Fregatte ins Visier nahm.

Er aktivierte sein Comlink und sendete auf einem offenen Kanal. "Achtung imperiale Schiffe, hier spricht Ensign Vell Ricaud. Bitte Signal als freundlich markieren. Brauchen Sie Hilfe?" Die Antwort erfolgte prompt. Vor Vell baute sich ein kleines Holo auf, das nach einen Knopfdruck zweidimensional auf dem Bildschirm erschien. "Hier spricht Captain Brandei von der Präsenz. Identifizieren Sie sich!" Vell schaltete wieder auf Sendung: "Vell Ricaud, Ensign, Dienstnummer 353-807-699. ISD Dominator."

Es dauerte ein paar Minuten, bis eine Reaktion erfolgte, vermutlich weil es gar nicht selbstverständlich war, mitten in einer Raumschlacht Personaldaten abzurufen. "Sie sind aus der Flotte ausgetreten, Ricaud. Von daher würde ich es begrüßen, wenn Sie den Anstand hätten und einfach landen würden. Wir werden ihr Signal als freundlich markieren, damit Sie nicht von unseren Jägern vom Himmel geschossen werden, aber tun Sie sich selbst einen Gefallen und verschwinden Sie. Wir brauchen Sie nicht. Das ist ein Befehl." Die Verbindung wurde unterbrochen.

"Von wegen", knurrte Vell und beschleunigte. Er beobachtete, wie sich eine Staffel Y-Flügel-Bomber formierte und den Schild von einem der CIS-Zerstörer mit einem Protonentorpedohagel überschüttete. Die zweite Salve drang durch die Schilde durch und traf den Rumpf. Vell sah, wie das Signal auf dem Radar erlosch, als der Rumpf des Schiffes aufgerissen wurde, Platten und Besatzungsmitglieder verdampften, überall in dem Schiff Brände aufflackerten und die Atmosphäre verbrannten. Die Y-Flügler stoben auseinander und flogen um das Wrack herum, bevor sie sich erneut formierten und diesmal die Fregatte anflogen. Vell aktivierte seine Waffensysteme und hängte sich an die Staffel.

Er visierte den vordersten Jäger an und feuerte eine Rakete auf ihn. Sofort schaltete er das Zielsystem auf den nächsten und feuerte diesmal auf den letzten in der Formation. Die erste Rakete riß eines der charakteristischen Triebwerke des Y-Flüglers ab und versetzte den Jäger in eine Trudelbewegung. Dank der engen Formation prallten die beiden Bomber, die direkt hinter ihrem Staffelkommandanten flogen, auf denselben. Der Rest der Staffel versuchte der Explosion auszuweichen, geriet ein wenig durcheinander, wobei sich zwei weitere Schiffe ineinander verhedderten und explodierten, als die zweite Rakete traf und einen weiteren Jäger erledigte.

Vell grinste humorlos. Die Bomber hatte offenbar alle ihre Schilde nach vorne geschaltet gehabt, um vor dem Flakfeuer der Fregatte zu schützen. Nicht darauf zu achten, was hinter einem vorging war ein törichter, aber auch tödlicher Fehler. Jetzt, nachdem bereits die halbe Staffel zerstört war, würden sie zwar die Schilde wieder ausgleichen, aber verwirrt sein. Also eine leichte Beute. Er schaltete um auf Laser und stürzte sich wie ein ausgehungerter Wookie auf seine Beute. Drei Minuten, vielleicht vier, und er hatte seine Arbeit erledigt.

Brandei meldete sich wieder auf dem offenen Kanal: "Ricaud, wenn Sie jetzt nicht gleich verschwinden, werde ich eine Staffel los schicken und Sie wegen Befehlsverweigerung eliminieren lassen. Hauen Sie endlich ab!" Vell lächelte ihn an und sagte: "Keine Ursache, Captain. Ich helfe Ihnen gerne aus. Aber wenn Sie so darauf bestehen, dann gehe ich natürlich." Er drehte bei und flog auf den Planeten zu. "Nebenbei, ich unterstehe keinem imperialen Befehl mehr. Aber als Zivilist rate ich Ihnen, diesen Dreadnought ganz links unter Feuer zu nehmen. Er hat nämlich einen totalen Schildausfall. Viel Spaß noch."

Diesmal unterbrach er die Verbindung, und ließ Brandeis ungläubiges Gesicht verschwinden. Dann kontaktierte er den Planeten. "Corellia Verkehrskontrolle, hier spricht Vell Ricaud. Ich benötige eine Landeerlaubnis." Er flog eine gute Minute weiter, bevor eine Reaktion kam. "Ziviler Jäger, im Orbit herrscht eine Kampfsituation. Wir können den planetaren Schild für Sie nur auf der Nachtseite öffnen. Halten Sie sich für Empfang der Koordinaten bereit. Verkehrskontrolle Ende." Vell bestätigte den Empfang und steuerte auf die Nachtseite zu, während er das Recordingsystem aktivierte und die hinter ihm tobende Schlacht aufzeichnete.

Ein Blick darauf veranlaßte ihn jedoch, erneut die Fregatte anzurufen. "Präsenz, hier Ricaud. Captain Brandei, werfen Sie mal einen Blick auf ihren Radarschirm und sagen Sie mir, ob ich Gespenster sehe."

Brandei erschien, offenbar jetzt wirklich sauer. "Ricaud! Ich werde sie abschießen lassen, ich werde ihnen die Eingeweide herausreißen und ihre Gedärme zu Schürsenkeln verarbeiten lassen! Ich werde.." "Vielleicht, mein hoch verehrter Captain, sind Sie ja so gütig und werfen tatsächlich einen Blick auf ihren Radar.", unterbrach Vell und wich einem Laserschuß von einem Dreadnought aus.

"Ich denke, ihre Freunde jagen zu einem großen Teil meinen Jäger. Das bedeutet, Sie können sich jetzt von hinten heran schleichen und ihnen ein paar Treffer versetzen. Ich bitte Sie, sich nur ein wenig zu beeilen. Ich helfe Ihnen, so gut ich kann. Und wenn es sein muß, dann indem ich sie noch beschäftigt halte.", fuhr er fort und wechselte erneut den Kurs, als ein Lasertreffer an seinem Heckdeflektorschild zerfaserte.

Brandei nickte und unterbrach die Verbindung. Offenbar war mit Vells neuer Rolle als Lockvogel oder Kanonenfutter einverstanden. "Von wegen!", knurrte Vell erneut und steuerte einen der drei Dreadnoughts an, die sich an sein Heck gehängt hatten. Die Jäger des Gegners, wer auch immer das eigentlich war, waren größtenteils in Gefechte mit den imperialen Jägern verstrickt, also konnte Vell relativ ungehindert, wenn man schweren Flakbeschuß als Hinderung außer acht ließ, zu dem Dreadnought vordringen.

Er schoß auf Geschützkanzeln, Raketenwerfer, Laserkanonen und jedes weitere sich bietende Ziel, sobald sein Zielcomputer brauchbare Daten ausspuckte. Dann hatte er sein Ziel erreicht: Den Hangar des schweren Schlachtschiffes. Die Hangartore selbst waren natürlich geschlossen und Vells Laserkanonen waren bei weitem nicht in der Lage, die Panzerung eines kapitalen Schiffes zu durchdringen. Aber die Turbolaser der Dreadnoughts waren dazu in der Lage.

Er wich einem Schuß aus und sah erfreut, wie sich die Schilde der Dreadnought verfärbten, als sie versuchten, dem Energiebündel Herr zu werden, daß auf sie einstürmte. Vell drehte eine Rolle und flog erneut am Hangar vorbei, dabei rief er die Imperialen ein drittes Mal: "Präsenz, hier spricht noch einmal Ricaud. Ich sehe eine Chance, echten Schaden anzurichten und bitte um Unterstützung." Brandei machte sich nicht einmal die Mühe, ihm zu antworten.

Der Captain des Dreadnought ließ sich nicht narren. Er begann das Schiff um seine Längsachse zu drehen, um aus dem Feuerbereich seiner Kameraden zu kommen. Vell flog dichter heran und folgte den Hangartoren, bis sich diese plötzlich öffneten.

Er erkannte seine Chance. Zwar würde der Weltraum um ihn herum in kurzer Zeit nur so von feindlichen Jägern wimmeln, aber die Detektorsysteme eines Dreadnought waren nicht in der Lage, auf die kurze Distanz einen Jäger zu entdecken.

Vell stellte auf Raketen um und feuerte durch die Tore hindurch. Zwei, drei Raketen schlugen in die ungepanzerte Hangardecke ein und ließen die Atmosphäre der oberen Decks brennen. Das Feuer entzündete auch diverse Treibstoffleitungen und -lager, die mit den noch verbliebenen Jägern im Hangar kurzen Prozeß machten. Bevor der so entstandene Feuerball aus den Toren schoß hatte Vell seinen Jäger beigedreht und war geflohen. Lediglich ein Jäger schaffte aus dem Hangar.

Eine leichte Herzattacke schüttelte Vell, als er durch den Hintergrund des brennenden Großkampfschiffes einen Jäger der Vendetta – Klasse identifizierte. "Der CLAN?" schoß es ihm durch den Kopf. Der Vendetta drehte bei und nahm ihn aufs Korn.

Im Verhältnis zu den relativ langsamen Y-Flüglern und den schildlosen TIE-Jägern war ein Vendetta eine ganz andere Herausforderung. Dieser Jäger hatte vier Militärlaser an seinem Rumpf montiert und verfügte über Schilde, die mindestens so stark wie die eines X-Flüglers waren. Vielleicht sogar noch stärker. Das Cockpit war in der vorderen Sektion untergebracht, danach verbreiterte sich der Jäger zu einem Spitzen Dreieck dessen hinterster Teil noch einmal nach hinten gezogen war, woraus jeweils ein Flügel zur Seite ragte, auf dem die Stabilisatoren nach oben und nach unten führten. Direkt hinter dem Cockpit war ein Astromechdroide in seinem Sockel.

Zwar war ein Vendetta nur der Standardjäger des CLANS, aber er war extrem gefährlich. Zudem waren die Piloten, die dank der Schilde häufig aus ihren Fehlern lernen konnten (weil sie diese Fehler überlebten), ziemlich gut.

Vell zog den Jäger in einem komplizierten Schraubenmanöver aus der Schußbahn seines Gegners und wendete in einem relativ weiten Bogen um 180 Grad. Damit flog er wieder auf die beiden Dreadnoughts zu, die er vorhin gegeneinander ausgespielt hatte. Sein Gegner wendete und feuerte unablässig. Auch die beiden Großkampfschiffe bekamen ihn in ihre Zielerfassung und Vell kurvte mühsam um einen Großteil des Beschusses herum um zu verhindern, sofort zerstört zu werden.

Der massive Artilleriebeschuß hatte aber auch den Vorteil, daß der Vendetta ausweichen mußte. Die Dreadnoughts waren gerade erst in einem Manöver, daß sie auseinander bringen sollte. Vell erkannte seine Chance und griff nach der Raketensteuerung. Er hatte einen richtigen Protonentorpedo (Ein Militärmodell) in seinem Magazin. Zum Glück hatte er die 15.000 Credits nicht gescheut, um sich ein Revolvermagazin zu kaufen. In diese (noch nicht einmal vom Militär verwendeten) Magazine konnte man in einem Lager verschiedene Raketensorten haben und dann die gewünschte Variante auswählen.

Vell flog möglichst dicht an einem Dreadnought heran und richtete dann seinen Bug auf die Hecksektion des Großkampfschiffes. Die im Augenblick verbliebenen imperialen Kräfte waren diesen Schiffen gnadenlos unterlegen. Er mußte ihnen helfen.

Vell richtete seine Zieloptik auf die riesige Triebwerksektion des Schiffes. Er visierte zwischen die großen Sublichtdüsen und feuerte den Torpedo ab, wendete und hoffte, rechtzeitig aus dem schädlichen Schweif der Triebwerke zu entkommen, bevor die Hitze und die Strahlung ihm die Schilde und sein Leben weg fraßen.

Der Torpedo schlug zwischen den Triebwerken ein, zerfetzte die dünnen Panzerplatten und explodierte im Maschinenraum des großen Kreuzers. Vell blickte auf den Heckschirm und beobachtete, wie eine riesige Explosion das Heck des feindlichen Großkampfschiffes zerfetzte. Rumpfplatten wurden aufgerissen, als der gewaltige Feuerball die Atmosphäre im Inneren des Raumkreuzers verbrannte und schlagartig nach Außen zu gelangen suchte.

Der Dreadnought geriet außer Kontrolle und begann zu trudeln. Ohne Steuerdüsen war das riesige Schiff nicht mehr auf Kurs zu bringen, Rettungskapseln stoben aus dem Rumpf und das Dauerfeuer der Geschütze ließ merklich nach.

Plötzlich schwankte der riesige Kreuzer aus dem Orbit und prallte in die Flanke seines Gegenstückes. Die Schilde des zweiten Kreuzers brachen zusammen und die beiden Schiffe vergingen in einer Serie gewaltiger Explosionen. Selbst aus der Entfernung, die Vell inzwischen zu den Dreadnoughts erreicht hatte, war der Zusammenstoß ein spektakuläres Schauspiel. Die anderen beiden Dreadnoughts erkannten, daß sie unterlegen waren und flohen auf ihre Ausgangsvektoren. Vell wendete seinen Raumjäger und flog wieder auf den Planeten zu, diesmal war er es, der Brandeis Rufsignal ignorierte.


Ort: Ricaud Interplanetary Hauptquartier, Coronet City, Corellia.
Zeitindex: vier Stunden später.

Vell betrat das riesige Firmengebäude, das er sein Eigen nenne durfte, und machte sich auf den Weg zu Zak. Im 235. Stockwerk erwartete ihn dieser mit einem ernsten Lächeln und bat ihn ins Büro.

"Vell", sagte er, kaum das sich die Türen geschlossen hatten, "schön, daß Du wieder da bist. Wir brauchen Dich hier." Vell setzte sich hinter den Schreibtisch und blickte Zak auffordernd an. "Erzähl. Was ist passiert?" Zak seufzte theatralisch und wuchtete seinen massiven Leib auf einen anderen Sessel. "Wie Du weißt, habe ich mich stets bemüht, die Firma Deines Vaters für Dich am laufen zu halten. Und wir haben auch Erfolg, alleine im letzten Jahr haben wir durch eine Verbesserung der Transportrouten und durch den Verkauf von Rüstungsteilen mehr als vierhundert Milliarden Credits Umsatz gemacht. Das ist mehr als der Etat vieler Kolonien. Aber dann fingen wir plötzlich an, Verluste zu machen. Frachter wurden angeblich überfallen, sie kehrten leer, aber unbeschädigt zurück. Und unsere Schilde sind die besten. Die Crews verschwinden einfach, die Frachter kehrten auf Autopilot..." "Wie viele?", fragte Vell. "Insgesamt 14 Frachter, etwa 200 Crewmitglieder. Wir wissen nicht, wohin die Leute und das Zeug verschwunden sind. Durch die neue Gesetzgebung im Imperium mußten wir unseren privaten Sicherheitsdienst auflösen und der CIS arbeitet etwa so effizient wie ein Tauntaun auf Tatooine."

"Was?", unterbrach ihn Vell erneut, "Wieso der CIS? Was ist mit CorSec?" "Aufgelöst. Laut offiziellen Meldungen wurde CorSec aufgelöst und die meisten Mitarbeiter in den CIS eingegliedert. Man muß kein Genie sein, um zu erkennen, daß es sich hierbei um eine Säuberungsaktion gehandelt hat. Niemand weiß allerdings gegen wen. Und dann fand der CIS einen unserer Frachter, der unter Begleitschutz von mehreren Clan – Jägern ein neues Schmuggelgut transportierte: Replikantendroiden."

Zak mußte nicht lange warten. "Was sind Replikantendroiden? Das habe ich noch nie gehört!", meinte Vell verwirrt. Zak lächelte. "Du kannst Dich doch ganz bestimmt noch an die Vergnügungsborgs erinnern, Cyborgs und Droiden, die menschlich aussehen, um mit ihnen... naja, für einsame Nächte halt." "Ja.", sagte Vell. "Gefragtes Schmuggelgut war das. Ich habe selbst ein paar Fuhren davon begleitet, weil ziemlich viel Profit drin war, wenn man nicht erwischt wurde."

Zak grinste. "Eben. Sklaven zu verschiffen ist legal, zumindest wenn man eine Lizenz hat – bislang haben wir davon nicht viel, weil Du Dich ja weigerst.." "Genug!", sagte Vell mit harter Stimme. "Corellianer können mit Sklaverei nichts anfangen, das weißt Du genau! Und Ricaud Interplanetary wird mit Sicherheit nicht besser laufen, bloß weil wir Sklaven verschiffen und..." "Ist ja gut, Vell. Ich wollte eigentlich darauf hinaus, daß eben im Gegensatz zu Lebewesen keine Droiden für die tieferen Bedürfnisse verkauft werden dürfen. Und genau das scheint der Clan aber zu tun, denn unser Frachter transportierte im Gegensatz zu den angegebenen exotischen Medikamenten Replikantendroiden. Deshalb waren die CIS – Schiffe im Orbit. Die wollen in unsere Bücher sehen. Vell, deshalb habe ich Dich gerufen. Der CIS hält Ricaud Interplanetary für den legalen Zweig des Clans. Nur Du kannst sie in dieser Sache beeinflussen!"

Vell schüttelte den Kopf. "Das wird nicht einfach, Zak. Die Imperialen sind im Orbit auf vier Dreadnoughts des Clans gestoßen. Mit Sicherheit tauchen sie und der CIS hier auf – aber dann übernehmen die den ganzen Laden einfach. Außerdem bin ich nur Ensign. Das reicht nicht, um wirklich Einfluß zu nehmen. Aber ich werde einen anderen Einfluß nutzen!"

Vell drehte seinen Sessel und drückte einige der in Seinen Schreibtisch eingelassenen Knöpfe. Vor ihm erschien ein Hologramm, das eine attraktive junge Dame zeigte. "CIS – Hauptquartier in Hades, Commenor. Was kann ich für Sie tun?", fragte sie höflich. "Vell Ricaud. Ich möchte ein Verbindung zu Commander David Hassan. Sagen Sie ihm, ein alter Freund ruft an!"

Das Lächeln der holographischen Frau veränderte sich um keinen Millimeter, als sie erklärte: "Commander Hassan ist ein Mitglied von CorSec gewesen und hat bedauerlicherweise keinen Platz beim CIS gehabt. Möchten Sie jemand anders sprechen?" Vell war fassungslos. Damit hatte er nun nicht gerechnet. Bevor die drittklassige Knopfdrückerin am anderen Ende ihre Frage noch einmal wiederholen konnte, schnappte er: "Das verbinden Sie mich mit Sheila Nabokov!"

Das Lächeln der holographischen Frau veränderte sich um keinen Millimeter, als sie erklärte: "Sera Nabokov spricht mit niemanden unterhalb der Sicherheitsklasse vier, bitte wenden Sie sich an Ihren direkten Dienstvorgesetzten." Vell wurde klar, daß er mit einem Computer sprach und nicht mit einer realen Person. Und er haßte es, mit Computern zu sprechen.

Das Hologramm verlosch und Vell wandte sich wieder Zak zu. "Anscheinend hat Vell Ricaud keine Chance, mit der Chefin des CIS zu reden. Aber ein Held des CIS, ein Söldner, der hat vielleicht eine Chance..", murmelte er und sah Zak direkt an. "Ich möchte, daß Du 650.000 Credits auf dem Konto von Lev Arris einzahlst. Zum Glück habe ich noch die alten Papiere. Ich werde also ein, zwei Aufträge für den CIS erledigen, dann sehen wir ja, ob Sera Nabokov mich empfängt. Immerhin habe ich ihr den Arsch gerettet, damals."

Zak lächelte und salutierte spöttisch. "Zu Befehl, Boß!" Er wandte sich zum Gehen, aber Vell rief ihn noch einmal zurück: "Zak, eines noch: Was ist nun eigentlich mit diesen Replikantendroiden?"

Zak schluckte: "Diese Droiden sind effektiver und besser als die Vergnügungsborgs, die Du früher geschmuggelt hast. Man kann ihnen auch ganz andere Aufträge und Befehle erteilen. Unter einem Scanner wirken sie wie Menschen – und man kann ihnen jedes beliebige Aussehen geben!"


Ort: Orbit von Corellia
Zeitindex: 151207

Etwas Vorbereitungszeit war für die triumphale Rückkehr von Lev Arris natürlich nötig. Zak und Vell streuten in genügend Bars genügend Gerüchte, um allen klarzumachen, daß nun der Söldner Lev Arris wieder da sei, nachdem er eine Weile im Außenrand gearbeitet hatte.

Arris war früher tatsächlich Vells Name gewesen. Er hatte sich als Söldner verdingt, während er versucht hatte, hinter seine ihm damals unbekannte Vergangenheit zu kommen. Deshalb waren sein Papiere auch echt. Lange Zeit, auch in der Anfangszeit im imperialen Dienst war er nicht sicher gewesen, ob er seinen Namen beibehalten sollte oder nicht. Als er ihn schließlich geändert hatte, hätte ihm seine Vorgesetzte, Commander Holmes, fast den Kopf abgerissen.

Aber schließlich war es soweit. Lev Arris loggte sich unter seinem Namen im Hafencomputer in Coronet City ein und war prompt im Verzeichnis. Es schaltete auf die Aufträge um uns sah sie sich durch – hauptsächlich Begleitschutzaufgaben, die nichts mit dem CIS zu tun hatten. Wenig interessant. Damit konnte er sich keinen Ruf machen. Vielleicht sollte er besser nach Uvena fliegen. Vielleicht hatte man im Krankenhaus einen geeigneten Auftrag.

Jetzt im Orbit wartete Lev auf den Computer und dessen Hyperraumkoordinaten, als plötzlich eine Fähre aus dem Hyperraum brach und direkt auf ihn zusteuerte. Lev Arris fuhr seine Waffen und Schilde hoch und visierte die Fähre an. Sein Kommunikationssystem blinkte, anscheinend rief ihn die Fähre. Lev ging auf Empfang.

"...bekannter Raumjäger, empfangen Sie ...? Ich brauche ...fe! Ich ...hole: Unbek... Raum.., empfangen ... mich? Ich ..che Hilf..!"

"Raumfähre, hier spricht Lev Arris. Was ist ihr Problem?", sagte Lev. Bevor der Pilot der Fähre antworten konnte sprangen hinter ihm drei DIE-Flügler aus dem Hyperraum. DIE-Flügler, manchmal auch als TYE-Flügler bezeichnet, waren eine der häufigsten Konstruktionen im bekannten Weltraum – und eine der gefährlichsten für ihre Piloten. Sie bestanden aus dem Kugelförmigen Cockpit eines TIE-Jägers verbunden mit den Antriebseinheiten eines Y-Flüglers. Wie die TIE-Jäger hatten sie keine Deflektor – Schilde und wie die Y-Flügler waren sie so unbeweglich wie ein Hutt. Allerdings waren sie billig, leicht zu bekommen und in der Lage, Hyperraumsprünge zu absolvieren.

Dennoch, Lev schüttelte den Kopf bei dem Gedanken, daß der Fährenpilot vor diesen drei prinzipiell harmlosen Gegnern floh. "Fähre, gehen sie auf Kurs 125.311.024 und verstärken Sie ihre Deflektoren. Ich kümmere mich um sie."

Die Fähre tat, wie ihr geheißen und Lev schaltete den Zielcomputer ein. Er visierte den vorderen TYE an und feuerte seine Laser auf ihn ab. Der TYE versuchte nicht das geringste Ausweichmanöver. Eine kleine Entladung, gefolgt von einer kurzen, weißen Rauchwolke sprühte nach oben und die Flugbahn des Jägers wurde flacher. Der Schuß hatte das Cockpit durchschlagen und den Piloten getötet, aber den Jäger unversehrt gelassen.

Unglücklicherweise war das den Flügelmännern des DIE-Flüglers nicht klar. Sie änderten ebenfalls ihren Kurs und hielten die Formation. Lev schnaubte geringschätzig und schoß den linken mit einer weiteren Salve ab. Dann hängte er sich an den rechten und blieb hinter ihm. Der DIE-Flügler bemühte sich verzweifelt, ihn abzuschütteln, aber Lev blieb unerbittlich hinter ihm, um ihm klar zu machen, daß er keine Chance hatte. Schließlich brach der Jäger seinen Angriffsflug auf die Fähre ab und steuerte den offenen Weltraum an. Lev verfolgte ihn noch ein Weile, reduzierte aber die Geschwindigkeit. Er wollte so unerfahrene Piloten in vollkommen unterlegenen Raumschiffen nicht unbedingt abschlachten. Als der DIE-Flügler wieder im Hyperraum war wendete Lev und funkte die Fähre an, die ebenfalls auf Außenkurs war. "Fähre, hier spricht Lev Arris. Bedanken sie sich nicht zu überschwenglich!" "Arris, hier spricht die Fähre. Mein Boß läßt sie grüßen, er hat einen Job für sie. Kommen Sie nach Calius saj Leeloo auf Berchest. In der Schattenspiel – Bar."

Ohne ein weiteres Wort an ihn zu verschwenden sprang die Fähre in den Hyperraum. Lev seufzte und änderte den Kurs. Der Angriff war viel zu unrealistisch gewesen, um echt zu sein. Die DIE-Flügler konnten unmöglich die Fähre beschädigen, höchstens... Lev starrte auf seine Schirme und seine Gedanken überschlugen sich. Die Jäger sollten die Fähre aufhalten um den eigentlich Angriff folgen zu lassen!

Als wären seine Gedanken das Stichwort gewesen kam der DIE-Flügler erneut aus dem Hyperraum, gefolgt von einer corellianischen Korvette und sechs Z-95 Headhuntern. Lev hatte verstanden, wendete und rief das Notprogramm auf. Er legte den Schalter um und floh in die relative Sicherheit des Hyperraums.


Ort: Calius saj Leeloo, Berchest
Zeitindex: 221207, 1800 Ortszeit

Man nannte sie Calius saj Leeloo, die Stadt des glühenden Kristalls von Berchest, und sie hatte seit den frühesten Tagen der Alten Republik zu den spektakulärsten Wundern der Galaxis gezählt – denn die Stadt war im Grunde ein einziger Kristall, im Laufe von Äonen aus der salzigen Gischt des dunklen, rot – orangefarbenen Wassers des Leefarimeers entstanden, das gegen das niedrige Kliff brandete, auf dem er ruhte. Die ursprüngliche Stadt war über Jahrzehnte von den Einheimischen aus dem Kristall geschliffen worden.

Die Schattenspiel – Bar war im Erdgeschoß eines zweistöckigen Gebäudes untergebracht. Sie verdankte ihren Namen den milchigen, dünnen Kristallwänden in ihrem Inneren, die jeden Besucher auf den anderen Seite als dunklen Schattenumriß zeigten. Kaum daß Lev die Bar betreten hatte, hörte er auch schon jemanden rufen.

"Oh! Ser Arris!", rief eine relativ helle Stimme quer durch die komplette Bar. Lev blickte sich um und sah einen dünnen, kleinen Mann auf sich zu laufen. Er trug einen abgetragenen, sandfarbenen Mantel und hielt sich ein eigentümliches Rohr, das nach vorne gekrümmt war und sich wie ein Trichter auffächerte, ans Ohr. "Ja.", kommentierte Lev unsicher. Der Kerl hatte Hasenzähne. "Das dürfte jetzt jeder wissen."

"Ich bin Bill Maddox. Ich habe einen Auftrag für Sie!", schrie ihm der Mann ins Gesicht. "Ich habe das Tagebuch meines Großvaters gefunden. Es ist ein McArthur, Modell 4-2-10." Lev bestellte sich einen Drink und wartete.

"Jedenfalls", fuhr der Alte in der selben Lautstärke fort, "steht da drin etwas von seinem alten Lager. Er hat viele Antiquitäten gesammelt, wissen Sie, und er hat das ganze Zeug in einem Lagerhaus auf Ukio!" Lev rührte bedächtig in seinem Drink. "Ich fange an zu verstehen..", murmelte er. Maddox schüttelte den Kopf: "Nein, Sie irren sich, ich will nicht gehen! Jedenfalls möchte ich, daß Sie hinfliegen und das Zeug holen für mein Museum." Lev nickte. "Was gibt’s dafür?", fragte er.

"Hi-hi, nein, ich hab' doch keinen Gipsfuß! Die Ohren! Es waren die Explosionen, Puch!" Maddox deutete Explosionen an. "Nein!", schrie Vell in Maddox' Trichter. "Wieviel?" "Oh! Sechstausend. Und ich lege noch ein Handbuch über Militärgeschichte drauf, das ich selbst geschrieben habe." Lev überlegte nicht lange. "Gut, her mit den Koordinaten!", schrie er. Maddox stand plötzlich ganz starr. Dann fing er an, mit beiden Händen hastig an seinem ganzen Körper herum zu tasten, so als würde eine Schar Ewoks unter seinen Klamotten eine Party feiern und ihn fürchterlich jucken. Schließlich griff er in seine Tasche und zog eine Datendisk hervor. Er hauchte ein paarmal drauf und polierte sie an seinem Mantel. Dann reichte er sie Lev. Der lächelte gequält und machte, daß er wegkam.


Ort: Ukio, Orbit
Zeitindex: 040208, 1200

Es hatte Lev eine ziemlich viel Zeit gekostet, das Lagerhaus ausfindig zu machen und Personal sowie einen Frachter zu mieten, um alles zu verladen. Dazwischen hatte er unentwegt kleinere Aufträge für den CIS – meist Eskortenmissionen erledigt. Maddox' Großvater hatte eine Unmenge an historischen Waffen und Rüstungen zusammengetragen – das meiste war Schrott aber auf dem Schwarzmarkt sicherlich viel Geld wert. Lev hatte am Frachter angedockt und betrat die kleine Brücke.

Sein Kopilot, ein Sullustaner namens Fael Neevl nickte ihm zu und überließ Lev das Steuer. Dazu waren noch Xav Rix, ein Mensch von Coruscant, der Frachtspezialist, und Brain Rheental, der Besitzer des Frachters anwesend. Unten im Maschinenraum arbeitete noch ein Lev unbekannter Ingenieur, er hatte den Kerl nie zu Gesicht bekommen. Lev stellte sich an die Pilotenstation, startete die Sublichttriebwerke und aktivierte dann den Hyperraumantrieb. Die Sterne wurden zu Strichlinien und der Frachter war endlich unterwegs.


Ort: Weltraum, irgendwo zwischen Ukio und Berchest
Zeitindex: 050208, 1400

Lev versuchte seine Augen zu öffnen und war überrascht, als er den Schmerz spürte. Seine Augen waren verklebt. Er blinzelte ein paar Mal und erkannte, daß ihm sein eigenes Blut in die Augen gelaufen sein mußte. Seine Hände waren gefesselt.

"Guten Tag, Mr. Arris.", fuhr eine kühle Stimme in sein Bewußtsein. "Ich bedauere die Umstände, aber wir mußten Sie leider sofort ausschalten und ein Betäubungsschuß macht Hentley keinen Spaß." Lev blickte zu dem Sprecher, Neevl und dann zu Hentley, dem Ingenieur. Hentley war über zwei Meter groß, muskelbepackt und sah aus, als hätte er mindestens eine Nacht mit dem Gesicht in einer automatischen Türe verbracht. "Kommen sie, Arris. Stehen sie auf!", befahl der mausohrige Sullustaner und zauberte einen Blaster hervor. "Der Captain will Sie sprechen!"

Als Hentley bemerkte, daß Lev Schwierigkeiten hatte, mit gefesselten Händen aufzustehen, packte er ihn kurzerhand und warf ihn sich über die Schulter. So gingen sie auf die Brücke. Hentley setzte Lev unsanft auf dem Boden ab und stellte sich dann neben die Tür.

Rheental drehte sich um und grinste Lev spöttisch an. "Haben Sie wohl geruht, Mr. Arris?", fragte er unfreundlich. Lev starrte ihn einfach nur an, forderte stumm eine Erklärung. "Wissen Sie, ich denke Sie hatten keine Ahnung, was für wertvolles Zeug wir hier transportieren. Echte Kampfroboter! So etwas gibt es schon lange nicht mehr. Droiden heutzutage dürfen weder Waffen führen, noch Raumschiffe fliegen. Diese hier sind anders. Was meinen Sie, was die auf dem Schwarzmarkt wert sind? Den anderen Schrott, den können Sie meinetwegen abliefern, aber die Roboter werden wir wohl mitnehmen. Sehen Sie!"

Mit diesen Worten machte er das Blickfeld frei und Lev erblickte die Corellianische Korvette, vor der er ein paar Monate zuvor geflohen war, durch die Sichtluke der Brücke. "Also waren Sie hinter der Fähre wegen der Roboter her!", stellte er fest und versuchte sich richtig aufzusetzen, was ihm einen Tritt von Hentley einbrachte. Lev fiel wimmernd zur Seite.

"Laß das, Hentley!", schnappte Rheental wütend und wartete, bis Lev sich wieder einigermaßen aufgerichtet hatte. "Tut mir leid, er ist manchmal etwas hitzköpfig. Und er mag keine ehrlichen Leute, wissen Sie? Ich für meinen Teil..." Lev lachte und unterbrach ihn: "Sie für ihren Teil sollten mal nach draußen sehen!"

Rheental wandte sich der Sichtluke zu. Über der Korvette war ein imperialer Sternzerstörer erschienen, dahinter flogen zwei Fregatten der Nebulon-C Klasse und ein Abfangkreuzer. Die Korvette wand sich wie ein Tier im Netz, als die Schützen an Bord des Sternzerstörers ihre Flanke mit einem zielsicheren und mörderischen Ionenkanonenbeschuß bedeckten. TIE-Jäger schwärmten aus und jagten die paar Feindjäger, die der Piratenbande geblieben waren. Sturmtruppentransporter starteten. Vier hielten auf die inzwischen lahmgelegte Korvette zu, einer näherte sich dem Frachter.

Rheental zog seinen Blaster und blickte Lev kalt ins Gesicht. "Das war Dein letzter Fehler, Kleiner. Ich werde.:" "Lassen Sie es, Rheental", sagte Lev und schüttelte den Kopf. "Sie haben eh' keine Chance. Ich habe sie nicht gerufen. Das muß jemand anderes gewesen sein. Ich war ja die ganze Zeit unter ihrer Bewachung!"

Irgendwo über ihnen rumpelte es, als der Transporter andockte. Man hörte ein zischen und ein paar vereinzelte Schüsse, die kurz darauf vom dauerhaften Rattern von Sturmtruppen – Blastergewehren übertönt wurden. Dann krachte es, und plötzlich war alles still. "Infraschallgranate", sagte Lev und wandte sich seinen Bewachern zu. "Sie haben keine Chance. Lassen Sie besser den Blaster fallen. Ansonsten kämen die Truppen auf die Idee, Sie für eine Bedrohung zu halten."

Rheental befeuchtete seine Lippen, aber die Entscheidung wurde ihm abgenommen. Die Türe öffnete sich und der erste Soldat erschien. Hentley brüllte auf und schien sich auf den Weißgepanzerten stürzen zu wollen, aber er hatte sofort drei oder vier Blasterschüsse in der Brust. Rheental warf seinen Blaster weg und hob die Hände.


Ort: Imperialer Sternzerstörer "Sturmfalke"
Zeitindex: zwanzig Minuten später

Die Imperialen Sturmtruppen in ihren weißen, anonymen Rüstungen hatten das Schiff schnell und effizient eingenommen. Lev wurde – ohne daß man seine Fesseln gelöst hatte – mittels des Transporters in einen Verhörraum irgendwo in den Eingeweiden der fliegenden Stadt geschleift. Er fragte sich schon, was die Imperialen nun eigentlich mit ihm vor hatten, als die Türe aufging und Bill Maddox in der vollen Uniform eines imperialen Commanders den Raum betrat. Lev konnte ihn nur anstarren, während Maddox sein Vibromesser zog und endlich Lev's Hände befreite.

Lev rieb sich die Handgelenke und wartete, daß der Mann vor ihm das Wort ergriff. "Ich muß mich bei Ihnen entschuldigen, Ser Arris.", begann er und setzte sich hin. "Ich jage nun seit fast sechs Monaten Rheental und seine Bande. Jedesmal wenn ich dachte, ich hätte ihn, entwischte er doch wieder. Sie müssen wissen, er fing damit an, daß er kleine Frachter überfiel, die im corellianischen Außenrand tätig waren, aber bald überrannte er kleiner Kolonien mit seinen Leuten und raubte sie aus. Aber nie zweimal am selben Ort. Also mußten wir ihm einen Köder bieten, und Kampfdroiden aus der vorimperialen Ära schienen mir geeignet. Rheental suchte ständig nach Söldnern, die für ihn als Soldaten arbeiteten. Jetzt endlich haben wir mit Hilfe der Aufzeichnungen aus dem Computer der Korvette ihr Versteck ausfindig gemacht und werden es bald erreicht haben. Ich habe Sie als Lockvogel benutzt und es war nicht geplant, daß Sie verletzt werden. Ich werde Ihnen statt der vereinbarten 6.000 insgesamt 15.000 Credits aushändigen. Wenn Sie wollen, können Sie sich einen Bonus verdienen indem Sie in Ihren Jäger steigen und uns beim Ausheben dieses Piratennestes helfen."

Lev hob eine Augenbraue und starrte in Maddox' Gesicht, das nun keine Hasenzähne mehr zur Schau trug. "Bonus? Wieviel?", fragte er. Maddox zuckte mit den Schultern. "Sagen wir... weitere 5000 Credits? Für einen Job wie diesen sind 20.000 im Ganzen doch eine großzügige Summe, nicht wahr?"

Lev schüttelte den Kopf. "Ich will mehr, Maddox. Aber kein Geld.", fügte er hinzu, als der Commander auffahren wollte. "Ich will mit Sheila Nabokov sprechen. Die Chefin vom CIS. Es ist mir wichtig. Vergessen Sie die gesamte Geschichte mit den Credits oder, meinetwegen, stecken Sie die selbst ein. Alles, was ich für diesen Auftrag, inklusive Überlegenheitsjägerunterstützung verlange, sind dreißig Minuten mit Sera Nabokov."

Maddox stand auf und rieb sich das linke Auge. "Viel verlangen Sie nicht, was? Es ist leichter, mit dem Imperator ins Gespräch zu kommen, als mit CIS – Chefin Nabokov. Naja, stimmt nicht ganz, aber so ungefähr. Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann. Ich erwarte Sie in sechs Stunden auf der Brücke. Schlafen Sie bis dahin etwas!"

Ohne eine Antwort abzuwarten ging Maddox hinaus und Lev wurde von einem Soldaten in sein Quartier geführt. Ein Quartier, das demjenigen ziemlich ähnelte, das er als Ensign in der imperialen Raummarine bekommen hatte. Wußte Maddox etwa, wer er war? Für die nächsten fünfeinhalb Stunden war ihm das jedenfalls herzlich egal. Er mußte schlafen.


Ort: Kommandobrücke der ISD Sturmfalke
Zeitindex: 050208, 2100 Uhr Bordzeit

Lev betrat die Brücke und suchte Commander Maddox. Er mußte seine erst mühsam antrainierten Reflexe gezwungen abschalten, um sich vor dem Commander zu salutieren. Maddox begrüßte ihn mit einem Nicken. "Wir sind jetzt fast da. In etwa einer halben Stunde werden wir aus dem Hyperraum fallen und die Basis der Piraten direkt vor der Nase haben. Werden Sie sich mit Ihrem Jäger anschließen?", fragte er. Lev nickte. "Sie kennen ja meinen Preis."

Maddox seufzte und nickte dann schließlich. "Ja. Nun, das wurde arrangiert. Sie werden von uns nach dem Kampf eine Serie von Koordinaten erhalten, dort begeben Sie sich dann hin. Man wird Sie erwarten." Lev schüttelte ihm die Hand. "Danke. Wie kommt es eigentlich, daß Sie nach der Shooting Star so ein Schiff hier kommandieren?"

Maddox lachte laut. Lev runzelte die Stirn und fragte sich, was das nun wieder sollte, da prustete Maddox los: "Ich und ein Kommando? Nach dem Desaster? Vergessen Sie’s. Ich bin nicht mal mehr imperialer Offizier, ich bin längst selbst beim CIS und nur hier, weil der CIS Unterstützung brauchte. Die 'Sturmfalke' war gerade verfügbar um die Piraten auszuschalten, also lieh man sie uns. Ich selbst bin hier einfach nur so eine Art polizeilicher Berater und werde nach dem Kampf das Schiff verlassen. Wenn Sie möchten, kann ich Sie ja ein Stück begleiten. Ich muß auch dahin und einen Bericht abliefern."

Lev nickte widerwillig. Eine Fähre zu begleiten war nicht so ganz sein Plan, aber es konnte ihm ja egal sein. Er verabschiedete sich von Maddox und machte sich auf den Weg zum Hangar, wo man seinen Jäger abgestellt hatte. Er stieg hinein, fuhr die Systeme hoch und machte einen sehr gründlichen Systemcheck. Mitten in einer Schlacht waren ausgefallene Systeme das letzte, was er brauchen konnte.

Schließlich hatten sie ihr Ziel erreicht. Lev startete aus dem Bughangar des Schiffes und übernahm die Spitze der TIE-Jäger. Hinter diesen reihten sich zwei Bomberstaffeln auf.

Die Piratenbande hatte sich eine Raumstation der Golan – I Klasse gekapert. Um die Basis herum befanden sich mehrere Korvetten und stark modifizierte Frachter, die bereits auf Fluchtkurs gegangen waren. Dann kam der Abfangkreuzer mit seinen Fregatten als Begleitschutz ins Spiel. Die wenigen Raumjäger der Piraten starteten und machten sich sofort daran, auf den Abfangkreuzer zuzufliegen. Auch die Korvetten änderten den Kurs – mit dem Sternzerstörer wollte sich offenbar niemand anlegen. Lev ignorierte die feindlichen Jäger und steuerte statt dessen auf die Golan zu. Wie es die Piraten geschafft haben mochten, eine so große Verteidigungsplattform aus dem Orbit eines Planeten zu stehlen, war ihm nicht ganz klar. Aber die Station verfügte über mehrere Protonentorpedowerfer und Turbolaser sowie eine Menge Gefechtskanzeln gegen Raumjäger. Sie war dem Sternzerstörer zwar unterlegen, aber nicht besonders und es mochte viele das Leben kosten, wenn das große Schiff erst einmal in ihrer Reichweite war.

Er konzentrierte sich darauf, den Schildgenerator der Station ausfindig zu machen. Wenn es Lev gelang, diesen auszuschalten, dann konnte der ganze Kampf erheblich schneller vorbei sein. Die TIE-Bomber hinter ihm teilten sich auf und nahmen die Korvetten unter Beschuß. Acht bis zehn Torpedos rasten auf die großen, 150 Meter langen Raumschiffe in verschiedenen Winkeln zu. Die Schützen an Bord feuerten auf die Torpedos. Sie waren zwar gut und konnten den ein- oder anderen sicherlich ausschalten, aber niemals alle.

Endlich hatte der Zielcomputer den Schildgenerator gefunden. Die Golan eröffnete das Feuer auf ihn, aber Lev wand sich mit dem größtmöglichen Geschick um das Feuer herum und wurde so nur gelegentlich gestreift. Er visierte die Kuppel an und zündete drei Raketen. Dann rauschte er an der Stelle vorbei, wendete und eröffnete das Feuer mit seinen Lasern. Auch der zweite Durchflug war glatt verlaufen. Lev wendete erneut und feuerte wieder auf den Generator, der sich wie ein grauer, vieleckiger Kasten von der riesigen Oberfläche der Station abhob. Diesmal fanden seine tastenden Laser ihr Ziel und berührten die Oberfläche des Generators, der darauf hin in einer spektakulären Explosion auseinander flog. Lev hatte gar keine Wahl, als durch den Feuerball zu fliegen. Auf der anderen Seite stellte er fest, daß abgesehen von einer angesengten Querflosse nichts beschädigt war.

Damit endete sein Glück aber auch schon. Lev spürte einen Ruck, als ihn irgend etwas am Heck traf. Sein Jäger trudelte zur Seite und erhielt einen weiteren Treffer, diesmal in den linken Flügel. Die dort angebrachte Laserkanone flammte noch einmal auf und riß dann einen großen Teil des Flügels mit ab. Eine ganze Batterie von Warnleuchten flammte auf und die Systeme fingen an, protestierend zu schrillen. Sein einziger Vorteil war, daß er durch die Trudelbewegung kaum noch zu treffen war. Lev fragte sich, ob ihn ein Turbolaser oder eine gepulste Laserkanone erwischt hatte. Nur das könnte erklären, wieso die Schilde so vollkommen penetriert worden waren, daß sie sich nicht mehr rechtzeitig aufbauen konnten. Zu allem Überfluß war auch der Trägheitskompensator ausgefallen und Lev mußte die physikalischen Gesetze der Bewegung ertragen. Immerhin war es etwas besser, wenn er nicht hinaus sah.

Er brachte die Sirenen zum Schweigen und ließ sich ein Systemverzeichnis anzeigen. Die meisten Systeme waren ausgefallen und hatten keine Energie, weil der Reaktor sich selbst abgeschaltet hatte. Und den kalt wieder hochzufahren war nicht so einfach und dauerte zudem mindestens fünfzehn Minuten. Lev probierte das Notstromaggregat und versuchte, den Reaktor so vor zu heizen. Im Weltraum verlor sich die Hitze des Kerns irrsinnig schnell. Aber die Energie aus dem Notstromaggregat genügte nicht. Lev zog daher die Energie der Laser ab und versuchte, den Reaktor wieder in Betrieb zu nehmen. Er hatte keine Ahnung wie es am Heck seines Schiffes aussah, wo er getroffen worden war, aber er hoffte einfach, daß die Kiste noch ein wenig halten würde. Plötzlich sprangen die Maschinen wieder an.

Lev glich den Trudeleffekt aus und reduzierte die Geschwindigkeit. Die letzten Minuten hatten ihn weit aus dem Schlachtfeld heraus getragen und ihm so einen guten Überblick verschafft. Die Korvetten hingen als brennende Wracks schwerelos im Raum und der Sternzerstörer bestrich die Waffenplattform gerade mit einem vernichtenden Turbolaserfeuer, das nur sporadisch erwidert wurde. Offenbar hatte Maddox den Befehl oder Rat gegeben, die Piraten nicht zu schonen oder gefangenzunehmen, sondern sie auszulöschen. Die TIE-Jäger und TIE-Bomber jagten die Frachter und zerstörten systematisch einen nach dem anderen. Die Piraten hatten gegen ein derartige Streitmacht keine Chance gehabt und waren zwangsläufig vernichtet worden. Lev fragte sich schon, warum Maddox ihn eigentlich dabei gehabt haben wollte. Er aktivierte seine Kommunikationsanlage und rief den Sternzerstörer: "Sturmfalke, hier spricht Arris. Mein Jäger ist beschädigt, die meisten Systeme sind ausgefallen. Ich schleiche jetzt in Ihre Richtung. Können Sie mich auflesen?"

"Arris, hier spricht Maddox. Was haben Sie sich dabei gedacht, als Sie im Alleingang diese Station angriffen? Sind Sie bescheuert? Sie mögen vielleicht ein guter Pilot sein, aber es gleicht eher einem Wunder, daß Sie noch leben. Ich werde Sie aufsammeln lassen, aber ich fürchte, Sie werden dann mit mir auf der Fähre reisen und ihren Jäger zurücklassen müssen. Ein Sternzerstörer ist kein Reparaturdock für verrückt gewordene Söldner." "Aye, Maddox!", seufzte Lev und betrachtete liebevoll das Armaturenbrett. Er hatte noch nicht viele Stunden hier drin zugebracht, aber der Jäger würde ihm fehlen. Eine Fähre trieb auf ihn zu und Lev wartete, bis sie über seinem Cockpit in Stellung gegangen war. Dann programmierte er den Jäger auf einen Hyperraumsprung in zwanzig Minuten, wartete, bis der Kraftfeldtunnel zwischen seiner Cockpitkanzel und der Schleuse der Fähre stand und löste die Verriegelung. Ein wenig kalte Luft strich über seinen Helm, dann war der Druckausgleich abgeschlossen. Lev stieß sich ab und landete sicher in der Schleuse. Maddox empfing ihn.

"In Ordnung, Arris. Wir sind auf dem Weg." Lev folgte Maddox zum Cockpit der Fähre und sah zu, wie sein Jäger wenige hundert Meter hinter ihnen versuchte in den Hyperraum zu springen und dabei explodierte. Das Gleiche galt für Raumstation. Schließlich sprangen sie.


Ort: CIS-Kreuzer "Intrepid"
Zeitindex: 120208

Lev folgte Maddox durch die gewundenen Gänge des Kreuzers und vermißte seinen Blaster, den er in der Fähre hatte zurücklassen müssen. Der Kreuzer war eine relativ neue Erfindung und sollte laut Maddox die großen Zerstörer mit der Zeit ersetzen. Der CIS verwendete bislang seine Zerstörer, 200 Meter lange Raumschiffe mit acht Turbolaser – Gefechtskanzeln, die mit jeweils zwei Rohren bestückt waren. Außerdem hatten die Schiffe mehrere Ionenkanonen und Laser zur Bekämpfung kleinerer Ziele zur Verfügung. Damit konnte der CIS nahezu jeden Frachter oder Schmuggler stellen und bekämpfen. Die neuen Prototypen der Kreuzer waren wirklich beeindruckend. Statt des langgezogenen, an einen flach gedrückten Zylinder erinnernden Rumpfes mit den Brückenaufbauten und der Mitte war der Rumpf der Kreuzer in etwa sichelförmig gestaltet. Entlang dieser beinahe einen Halbkreis bildenden Sichel strotzte der Rumpf nur so von Turbolasern und Ionenkanonen. Etwa in der Mitte der Sichel erhob sich die Kommandostruktur, die der eines Sternzerstörers sehr ähnelte. Der Kreuzer beherbergte drei Staffeln Kampfjäger und war mit sehr starken Schilden ausgerüstet. Dafür, hatte Maddox Lev erklärt, waren diese Monster langsam und ziemlich behäbig, nicht zu vergleichen mit den relativ wendigen CIS-Zerstörern. Ihre Aufgabe war mehr die Errichtung von Blockaden. Es gab sogar Pläne, sie mit Anti-Grav-Projektoren auszustatten, aber bislang hatte sich das noch nicht verwirklichen lassen.

Lev betrat hinter Maddox den Vorraum. Dort wurde Maddox von einem Adjutanten freundlich begrüßt. Als er zu Lev kommen wollte, riß er die Augen auf und starrte ihn an. "Ich dachte, Sie wären schon drin?", sagte er und betätigte den Türöffner, ohne indes Lev die Hand zu schütteln. Lev blickte Maddox an, doch der zuckte nur die Schultern und folgte dem Adjutanten in das Büro von Sheila Nabokov.

Neben dem überdimensionierten Schreibtisch beugte sich eine Gestalt im schwarzen Mantel über die am Boden liegende Sera Nabokov. Eine Blutlache bestätigte, was Lev schon befürchtet hatte. Sie war tot. Die Gestalt wandte sich um und Lev konnte nicht reagieren, nichts anderes tun als einfach nur auf das Gesicht der Person zu starren, die Sera Nabokov getötet hatte. Oder besser, in sein eigenes Gesicht.

Bevor irgend einer der Anwesenden irgendwie reagieren konnte, hatte der falsche Lev seinen Blaster gezogen und wirbelte herum. Maddox zog seinen eigenen, bekam ihn aber nur halb aus dem Holster bevor ihn ein Schuß des Fremden ins Gesicht traf. Der Adjutant zog sich zurück und schien Alarm auslösen zu wollen, aber Lev’s Doppelgänger bewegte sich mit übermenschlicher Geschwindigkeit und trat ihm fast beiläufig in den Rücken. Der arme Mann wurde frontal gegen die Schiffswand geschleudert und brach sich sofort das Genick. Als er zu Boden sank sah Lev eine deutliche Delle in dem gehärteten Stahl.

Das ganze war in weniger als einer Sekunde passiert und Lev ballte die Fäuste. Mochte das sein, wer auch immer, ihn würde er nicht so ohne weiteres ausschalten. Aber sein Gegenüber machte sich nicht einmal die Mühe, Lev überhaupt zur Kenntnis zu nehmen sondern trat zur Konsole und sprach in das Aufzeichnungssystem Nur vier Worte: "Lang lebe der CLAN!" Dann sprang er vor, tauchte unter Lev’s Faust hinweg und versetzte ihm einen harten Schlag in den Solarplexus. Lev kippte nach hinten, jede Kraft wich aus seinen Beinen. Er bekam am Rande seines Bewußtseins mit, daß ihn der andere auf die Schulter lud und in die persönliche Rettungskapsel von Sheila Nabokov hievte.

Lev konnte nur zusehen, wie der Fremde die Kontrollen betätigte und einen Fluchtkurs eingab, der ihn nach Corellia tragen sollte. Das war ziemlich weit. Sehr, sehr weit. Bevor der Fremde den Startknopf betätigen konnte, schaffte es Lev, das Wort an ihn zu richten: "Warum?", keuchte er.

"Weil Vell Ricaud zu gefährlich ist.", antwortete der andere Lev und betätigte den Knopf. Die Druckluke schloß sich donnernd und Lev erhaschte einen letzten Blick auf das Gesicht des Mörders. Es verbrannte von Innen heraus.


Kapitel 6: Illusionen

Ort: Corellia, Coronet City
Zeitindex: 120608

Vell Ricaud alias Lev Arris sprang aus dem Gleiter und hielt dem Fahrer ein Bündel Credits hin. Doch der winkte ab und Lev dankte ihm noch einmal herzlich. Die letzten Wochen waren schlimm gewesen. Nachdem er in die Fluchtkapsel geworfen worden war hatte diese sich auf die lange Reise nach Corellia gemacht. Zwar besaß die Kapsel ein Wiederaufbereitungssystem, aber wenn ihn nicht zufällig ein Frachter nach sechs Wochen aufgegabelt hätte, wäre er zwangsläufig an seinen eigenen Ausdünstungen erstickt. Und dann bestand die Crew dieses Frachters auch noch aus verwegenen Halsabschneidern, die ihm für die Passage fast fünfhundert Credits abgeknöpft hatten. Dabei hatten sie nicht mal den Flugplan abändern müssen.

Und als Lev Arris dann erfahren hatte, daß Vell Ricaud gesucht wurde, hatte er sich lieber abgesetzt und war einfach in eine weitere Rettungskapsel gestiegen, die ihn dann irgendwo auf dem Lande hatte heruntergehen lassen. Dort hatte ihn dann ein Bauer mit in die Stadt genommen.

Lev setzte sich auf eine Bank und überdachte seine nächsten Schritte. Es war klar, daß er nun Schwierigkeiten haben würde, mit dem CIS zusammen zu arbeiten, ebenso sollte er sich bei seiner Firma nicht mehr blicken lassen. Mit Sicherheit überwachte der CIS alles, was irgendwie mit Vell Ricaud zusammenhing.

Aber was war mit Lev Arris? Lev Arris hatte dem CIS zuletzt geholfen, eine Piratenbande zu stellen. Lev Arris wollte sich dafür mit Sheila Nabokov treffen. Aber Lev Arris wurde abgeschossen und nur Maddox hatte gewußt, daß er überlebt hatte. Und Maddox war nun selbst tot. An sich sollte Arris also "sauber" sein.

Lev beschloß, erst einmal seine – nun zusammengeschmolzenen Finanzen zu überprüfen und sich dann über das Schiffshändlerverzeichnis wieder einen Jäger zu kaufen, der über einen Hyperraumantrieb verfügte. Zwar wurde es in diesen Cockpits zeitweilig furchtbar eng und stickig, gerade auf langen Reisen waren sie alles, nur nicht bequem, aber Arris war zum einen ein Söldner und zum anderen schien es ihm sinnvoll zu sein, etwas wehrhafter zu sein als im Alleinflug mit einer kleinen Yacht oder einem Frachter.

Der Kauf eines Raumjägers, Lev strapazierte seine Finanzen, war aber zufrieden, ging erstaunlich leicht. Er besaß nun ein nur leicht gebrauchtes, corellianisches Modell, ein Ketzer. Diese Jägerklasse war ihm auch früher schon als Liebhaberstück aufgefallen, Lev erinnerte sich daran, wie lange und hart er für dieses Raumschiff hatte arbeiten müssen. Der Jäger war schnittig gebaut, beiderseits vom Cockpit ragten die Flügel heraus und nach vorne, der Antrieb war frisiert und er hatte sich ein Revolvermagazin geleistet. Damit konnte der Raketenwerfer acht unterschiedliche Sprengkörper tragen. Lev seufzte. Er war wieder mobil.

Als nächstes suchte er eine öffentliche Kommunikationseinheit und rief bei Ricaud Interplanetary an. Er beschied der Angestellten, er habe den Auftrag von Zak Shant wohl zufriedenstellend erledigt, aber die Zahlungsmodalitäten seien nicht geklärt, und deshalb werde er Zak persönlich aufsuchen. Die Dame versprach, Zak alles mitzuteilen, bevor Lev die Verbindung schroff unterbrach.

Dann drehte er sich um, ignorierte die dezent um das Gebäude verteilten Beamten des CIS und marschierte in den Empfang. Die Empfangsdame erkannte ihn nicht – wie sollte sie auch, er war ja erst einmal seit ihrer Einstellung dagewesen.

Er stellte sich vor, ließ seine ID-Card scannen und machte sich auf den Weg in Zak’s Büro. Dort angekommen begrüßte er Zak kameradschaftlich und setzte sich hin. "Also, wie ist die Situation?", fragte er und schenkte sich einen Drink aus der Flasche ein, die auf dem Tisch stand. Zak zuckte mit den Schultern. "Du wirst wegen des Mordes an einem CIS-Beamten und an Sheila Nabokov gesucht. Die halbe Flotte ist hinter Dir her und wenn ich Du wäre, würde ich mich nicht stellen. Die Typen werden Dich auch wenn Du mit hoch erhobenen Armen auf einem Platz stehst mit tausenden Zeugen 'Auf der Flucht' erschießen. Und so wie die Stimmung hier ist, glaube ich nicht, daß einer gegen sie aussagen würde."

Lev nickte anerkennend. "Ausgezeichneter Brandy.", lobte er. Zak starrte ihn an. "Hast Du es nicht begriffen? Du wirst wegen zweifachen, brutalen Mordes gesucht! Und die werden Dich auch kriegen!" Lev schüttelte den Kopf. "Das werden sie nicht. Ich bin Lev Arris, schon vergessen? Ich finde die Beweise, die mich entlasten und ich weiß auch schon, wo ich sie finde. Aber ich brauche zuerst einmal Deine Hilfe. Der Clan muß irgendwie noch Geld von Ricaud Interplanetary bekommen, sonst hätte er nicht überlebt. Hol mir bitte die Transaktionsdaten für unsere Tochterfirmen. Ich denke, die verraten mir mehr."

Zak nickte und wies mit der linken Hand auf eine Türe im hinteren Teil des Büros. "Das ganze Zeug steckt noch im Tresorraum. Du wolltest ja unbedingt dafür einen eigenen Computer im Tresor haben." Er ging um den Schreibtisch herum und fuhr mit seiner Schlüsselkarte durch den Leser. "Hierzu haben nur fünf Personen Zutritt, Lev. Bleib sitzen.", fügte er hinzu, als Lev Anstalten machte, aufzustehen.

Die Türen öffneten sich und in der nächsten Sekunde explodierte der Raum.


Ort: Ricaud Interplanetary, Büro von Lev Ricaud
Zeitindex: 120608, 1315 Uhr

Lev kroch unter dem Schreibtisch hervor. Der schwere Tisch war durch die Explosion über Lev, der an die Wand geschleudert worden war, zusammengebrochen. Wie durch ein Wunder hatte er ihn nicht erschlagen, sondern sogar vor den schlimmsten Trümmern beschützt. Lev kroch in Richtung Zentrum der Explosion, dorthin, wo vor Sekunden noch sein Freund Zak gestanden hatte. Er fand ihn auch.

Obwohl er schwerverletzt war, lebte Zak noch. Sein Körper war verbrannt, sein Gesicht zerstört, aber er lebte. Er keuchte und rang qualvoll nach Atem. "Lev!", flüsterte er. Lev kroch auf ihn zu und brachte sein Ohr nahe an Zaks Mund, um ihn zu verstehen. "Lev. Keine Wahl... ich hatte keine Wahl, verstehst Du? Sie... sie ist böse... Lev, es ... es tut mir leid.... Suche nach... Antiquitäten... Verstehst Du? Nach Antiquitäten... nach Mephisto..." Sein Röcheln verebbte schließlich und Lev stand vorsichtig auf.

Er hatte verstanden. Zak hatte also für den Clan gearbeitet und er hatte den Befehl bekommen, Lev Ricaud zu töten. Statt dessen hatte er sich lieber selbst umgebracht und die Türe geöffnet, welche die Bombe zündete. Wahre Freundschaft.

Plötzlich wurde Lev des Alarms gewahr, der seit der Explosion tönte. Er blickte rasch durch das Fenster auf die Straße und sah, wie die unauffälligen Zivilbeamten des CIS ihre Tarnung aufgaben und mit gezogenem Blaster in das Gebäude stürmten. "Auch das noch!", knurrte Lev und wandte sich um. Jetzt mußte er fliehen und das auch noch aus seinem eigenen Gebäude. Es gab Tage, da war das Leben einfach nicht fair. 'Und dann gibt es Tage, da ist alles andere auch nicht fair', dachte Lev, während er den privaten Turbolift von Zak rief und nach unten fuhr. Er mischte sich unter die schreiende Menge, die sich nach draußen drängte und tauchte, unbemerkt von den Sicherheitsbeamten, unter.


Ort: Eine öffentliche Computerkonsole in Coronet City
Zeitindex: 130608, 2200 Uhr

Lev Arris zog den Computer zu rate um den Sitz der Tochterfirma "Geschenke und Antiquitäten" zu finden. Ricaud Interplanetary war eigentlich eine Informationsgesellschaft und verkaufte Kommunikationsgeräte sowie Holonet – Nutzungsrechte an Privatkunden wie Firmen. Nach und nach hatte der Clan allerdings aus der Firma eine Tarnfirma gemacht und deren Kapital zum Aufbau einer kleinen Armee benutzt, die durch Schmuggel, Plünderung, Piraterie und Erpressung die Geldmenge sprunghaft vergrößert hatte.

Unter Sar, der sich nach seinem Vater "Kronos" genannt hatte, hatte Ricaud Interplanetary dann weiter Firmen in der gesamten Galaxis nach und nach gekauft, um auch in anderen Sektoren Geld erpressen zu können. Inzwischen war die Informations- und Kommunikationssparte des Konzerns mehr ein Nebenerwerb. Eine Tochterfirma fertigte beispielsweise Sichtluken für TIE-Jäger und verkaufte sie an Sienar Fleet Systems, eine weitere Firma lieferte die Teile. Und "Geschenke und Antiquitäten" war eine eigentlich aufgelöste Tochterfirma, die vorgeblich seltene Kunstgegenstände und sonstigen Trödel herstellte und verkaufte, in Wahrheit aber zum Schmuggeln benutzt wurde. Nach den offiziellen Dateien gab es sie jedenfalls nicht mehr.

Lev Ricaud hatte nach seiner Rückkehr als Kronos die Firma sofort auflösen lassen – von Zak. Offenbar hatte Zak schon zu diesem Zeitpunkt für den Clan gearbeitet. Die Mitarbeiter sollten dem CIS überstellt werden und insgesamt hatte in der Firma eine Art Säuberung stattgefunden. Nur war offenbar nicht genug passiert. Sonst würde der Clan es sich wohl kaum leisten können, wieder in Erscheinung zu treten. Lev hatte vor, dem Hinweis zu folgen, den Zak ihm gegeben hatte. Dazu mußte er aber zunächst diesen verdammten Einwahlprozeß ins Computersystem schaffen. Seinen eigenen Code konnte er natürlich schlecht verwenden, sofort wäre der CIS hinter ihm her. Seine persönlichen Fähigkeiten im Hacken von Dateien waren mehr als schlecht, also brauchte er einen Profi.

Lev seufzte und überprüfte seinen Kontostand. Vielleicht reichte das ja für eine kleine Bitte an einen kleinen Herren mit weißem Anzug und unfreundlicher Visage, der sich Dimitri nannte...


Ort: Sinner’s Inn, Corellia
Zeitindex: vierzig Minuten später

Joe grüßte Lev mit einem ernsten Blick. "Na wenn das nicht unser junger Pilot ist! Wie geht es Ihnen?" Er stellte ungefragt ein warmes Ale vor Lev ab, der nichts widerlicher fand als ein warmes Ale, aber Joe nicht beleidigen konnte. Eigentlich konnte niemand Joe beleidigen. "Möchten Sie auch was essen?", fragte Joe und polierte ein Glas. "Wir haben Eidechseninnereien, Eintopf und Schlangeneier." Lev zuckte mit den Achseln und bemühte sich um einen neutralen Gesichtsausdruck. "Ich werde den Eintopf nehmen.", sagte er und hoffte, daß es sich dabei auch um ein Gericht für Menschen handelte. Joe verzog keine Miene und sagte: "Hätt' ich drauf wetten können!" Er tippte die Bestellung in den in der Bar eingelassenen Computer.

Lev lehnte sich zurück und beobachtete das Treiben in der Kneipe. Ein Trandoshaner prügelte sich gerade mit einem Chandra-Fan, was aufgrund der geringen Größe der Chandra-Fan und der blanken Zähne der Trandoshaners ziemlich einzigartig aussah. Der Chandra-Fan quiekte und flog plötzlich gegen ein Wand, rutschte langsam daran herunter und blieb zuckend liegen. Der Trandoshaner brüllte und sah sich nach dem nächsten Opfer um, was Lev dazu veranlaßte sich schnell wieder herumzudrehen und so zu tun, als hätte er es nicht bemerkt. Zum Glück knallte Joe auch schon die Schüssel mit dem dampfenden Eintopf vor ihn.

Es handelte sich tatsächlich um ein Nahrungsmittel für Menschen. Lev war zwar überrascht, aber der Eintopf schmeckte sogar irgendwie. Vielleicht war er aber auch nur durch seine Zeit beim Militär ein wenig abgehärtet. Als er fertig war, warf er den Löffel in die Schüssel und beugte sich vor. "Joe, ich muß mit Dimitri reden. Kannst Du da was arrangieren?"

Joe zog die Augenbrauen hoch und erwiderte ebenso leise: "Das wird nicht leicht. Dimitri hat vor einem Jahr ein bißchen Schwierigkeiten mit den Imperialen gekriegt, weil er irgendwelche Codes von ihnen verkauft hatte. Und wenn ich recht informiert bin, waren Sie beim Imperium." Lev grinste spöttisch. Joe lebte davon, Informationen zu kaufen und zu verkaufen und war stets bestens informiert. "Ich weiß nicht, ob ich Dimitri davon überzeugen kann, daß Sie vertrauenswürdig sind und kein Spitzel, der ihn verhaften soll."

Plötzlich wurde er einer Szene in Hintergrund gewahr und starrte darauf. Lev wandte sich um und sah, wie eine betörend schöne Frau einen jungen Mann am Hals gepackt hochhielt und ihn mit einem gefährlich aussehenden Messer bedrohte. Er konnte nicht verstehen, was sie zu ihm sagte, aber der Mann fürchtete sich offenbar, denn er widersprach nicht.

"Warum greifen Sie nicht ein?", fragte Lev Joe und wandte sich ihm wieder zu. "Das geht mich nichts an. Aber ich mag es nicht, wenn die Leute hier Waffen benutzen.", antwortete Joe und zuckte mit den Schultern. "Aber natürlich könnten Sie mir ja helfen, großer Krieger!"

Lev stand auf und trat neben die Frau. "Lassen Sie den Mann los!", sagte er schneidend und fixierte ihr Gesicht. Mit einem lautlosen Schrei warf sie den Mann gegen einen Tisch und wirbelte mit dem Messer an Lev’s Kehle. Der gab sich Mühe, nicht zu zucken, aber irgend etwas sagte ihm, daß sie ihn nicht abstechen würde, wenn er die Nerven behielt.

Sie war wirklich eine exotische Schönheit. Lange, schwarze Haare, zu einem strengen Knoten hochgesteckt, verführerische rote Lippen, die freilich gerade zu einem verzerrten Grinsen hochgezogen waren, eine gerade und ebenmäßige Nase sowie tiefe und dunkle Augen, die im Augenblick jedoch wütend funkelten. Und irgend etwas an ihr kam Lev auch bekannt vor.

"Was fällt Dir ein, Dich einzumischen! Du wirst Dir noch wünschen, mir nicht begegnet zu sein!", schnappte sie und funkelte ihn an. Lev grinste leicht und meinte: "Das tu' ich schon." Plötzlich grinste sie auch, aber auf eine derart kalte und gefühllose Art und Weise, daß Lev innerlich schauderte. Sie zog ihr Messer zurück und schob es in einen Unterarmhalfter an ihrem linken Arm. "Ich freue mich schon auf unsere nächste Begegnung, Kleiner!", sagte sie und drängte sich nach draußen. Die Menge machte ihr bereitwillig Platz.

Lev blickte sich nach dem Mann um, den sie fallen gelassen hatte, aber auch der war bereits verschwunden. Er sah auf den Tisch und überlegte, wieviel Kraft doch in diese Frau stecken mußte, wenn sie in der Lage war, einen durchaus kräftig gebauten Mann so herum zu schleudern.

Als Lev wieder an der Bar saß nickte Joe ihm zu. "Das genügt mir, Kleiner. Gehen Sie ins Hinterzimmer und sagen Sie dem Türsteher, Joe schickt nach einem kalten Ale, dann wird er Sie durchlassen." Lev tat, wie ihm geheißen und sah sich kurz darauf Dimitri gegenüber. Dimitri war noch immer in seinen weißen Anzug gekleidet, der ein Markenzeichen der Codeknackers war. Aber sein Blick, der sonst immer ein wenig überheblich und herablassend gewirkt hatte, machte nun einen eher gehetzten Eindruck. "Sie sind Arris?", fragte er und wies auf einen der beiden Stühle, die um den einfachen Tisch herum standen.

"Ja. Und ich habe einen Job für Sie, Dimitri.", sagte Lev und setzte sich. "Jobs sind heutzutage teuer, mein Freund.", antwortete Dimitri, aber sein gehetzter Blick verlor sich etwas und nahm wieder den gewohnten Ausdruck an. "Was brauchen Sie denn?" Lev lehnte sich zurück und stellte sich auf eine längere Diskussion ein.

"Ich muß herausfinden, wo sich die Firma 'Geschenke und Antiquitäten' gerade aufhält. Ich muß in ihr System hinein und die Hintermänner finden."

Dimitri pfiff leise zwischen den Zähnen hindurch. "Da haben sie aber eine Menge Schwierigkeiten, mein Freund." Lev zuckte mit den Achseln. Er kannte die Prozedur bereits. "Über wie viele Schwierigkeiten reden wird denn?", fragte er vorsichtig.

Dimitri grinste. "Die Firma existierte nicht. Jedenfalls nicht offiziell. Wer auch immer hinter ihr steckt, es wird nicht einfach, da etwas zu deichseln. Ich denke, wir haben da etwa Einhunderttausend Probleme zu erwarten." Lev zuckte zusammen. So viel Geld hatte er nicht mehr übrig. Und er konnte ja auch schlecht an seine Konten gehen und fröhlich bei irgendeiner Bank Geld abheben. Nicht solange Vell Ricaud gesucht wurde.

"Das sind mir eigentlich zu viele Schwierigkeiten. Gibt es da keine Möglichkeiten, ihre Schwierigkeiten zu verringern?" Dimitri schüttelte den Kopf. "Ich laß nicht mit mir handeln, das habe ich Ihnen schon einmal gesagt. Haben Sie das Geld?"

Lev schüttelte hilflos den Kopf. "Nein, und es kann Monate dauern, eine solche Summe aufzubringen. Und die Zeit habe ich nicht. Ich denke, ich werde lieber nach einem günstigeren Codespleißer suchen. Danke für gar nichts, Dimitri!"

Er stand auf und wollte schon gehen, da griff Dimitri nach seinem Arm. "Vielleicht könnten wir uns doch einig werden. Sehen Sie, Sie müßten dann für mich nur eine Kleinigkeit besorgen..."

Lev setzte sich wieder hin. Das klang schon um einiges interessanter als Einhunderttausend Miese. "Also, um was geht’s? Schießen Sie los!" Dimitri kramte in seinem Anzug und förderte ein kleines Datapad zutage. "Hier sind einige Informationen gespeichert, aber ich benötige eigentlich einen Gegenstand. Und den könnten Sie mir beschaffen." Lev beugte sich verwirrt vor. "Vielleicht verraten Sie mir mal, worum es eigentlich geht. Ich arbeite nicht unter irgendwelchen obskuren Voraussetzungen!"

Darauf erntete Lev nur ein meckerndes Kichern von Dimitri. "Wie Sie ja wohl wissen, habe ich einige Probleme mit Ihren ehemaligen Kameraden. Deshalb benötige ich etwas, daß von seiner Herkunft her der Geisterharfe von Sharu ähnelt. Kennen Sie die Geschichte?" Lev verneinte. "Sollten Sie sich mal antun. Angeblich hat ein kleiner Abenteurer und Glücksspieler namens Lando Calrissian die Harfe gefunden, obwohl ich mir dessen nicht ganz sicher bin. Es gab da eine ganze Reihe von Geschichten um ihn und einen der sagenhaften Hexer von Tund, auch wenn die eigentlich schon lange ausgestorben sind. Sollte man meinen. Kann aber eben auch sein, daß es sich dabei um eine typische Rebellenlegende handelt. Jedenfalls benötige ich etwas, das die Imperialen davon überzeugt, daß es besser wäre, mich in Frieden zu lassen. Klar soweit?"

Lev nickte.

"Ich habe eine alte Legende der Venom entdeckt. Die Venom selbst sind eine schon lange ausgestorbene Rasse, aber ihre Ursprünge gehen auf einen Planeten im Hapanischen Sternhaufen zurück. Vermutlich haben die Hapaner sie vor mehr als viertausend Jahren ausgerottet. Der Planet bietet nämlich reichlich Rohstoffe wie Kupfer, Titan, Gold und Edelsteine, ideal also für ein sich entwickelndes Königreich von Piraten. Und doch bietet der Planet noch mehr. Nämlich eine angeblich unverwundbar machende Maske aus reinem Silber. Zu meinem Glück waren die Venom einigermaßen den Menschen ähnlich. Ich habe einen Sammler entdeckt, der mir für die Beschaffung dieser Maske fünf Millionen Credits bezahlt. Das Geld sollte reichen, daß ich mich irgendwohin absetzen kann, an einen Ort, den die Imperialen niemals finden."

Lev lächelte. "Also eine Maske, die den Träger vor jeder Art von Schaden bewahrt, dessen Volk aber trotzdem ausgerottet ist und das Ganze für fünf Millionen Credits? Warum bezahlt er so viel? Ich meine, man kann zwar nicht einfach in den hapanischen Raum eindringen, aber rein prinzipiell ist es möglich. Wo ist der Haken?"

Dimitri tippte auf seinem Pad herum und zeigte Lev eine holographische Karte. "Das ist das Problem. Die Venom haben die Maske der Legende nach in einem uralten Tempel versteckt, der von Fallen nur so wimmeln soll. Außerdem heißt es, daß die Venom noch immer dort umgehen, daß ein paar überlebt haben und den Schatz eifersüchtig bewachen. Nicht mal die Hapaner gehen da hinein. Sie haben die Gegend einfach zur Sperrzone erklärt und benutzen es als militärisches Testgelände, damit niemand hinein oder hinaus gelangen kann. Ich weiß nicht, wo und wie Sie da landen können, das ist ihre Sache. Sind Sie nun dabei?"

Lev überlegte. "Also: Ich fliege in den Hapanischen Raum, finde eine alte Maske, riskiere ein Dutzend Mal mein Leben dabei, und Sie beschaffen mir dafür alle Daten, die es über 'Geschenke und Antiquitäten' gibt, richtig?" Dimitri nickte. "Des weiteren bekomme ich außer den Daten gar nichts von den fünf Millionen, ich sehe dann einfach dabei zu, wie Sie verschwinden und gehe meiner Wege, trage die Unkosten der Mission und fahre fort, mein Leben wieder in Ordnung zu bringen, richtig?" Dimitri nickte erneut. "Vergessen Sie's!", sagte Lev heftig und stand auf. "Unter diesen Bedingungen mache ich nicht mit. Suchen Sie sich doch einen anderen Dummen!"

Er wandte sich ab und wollte schon gehen, als Dimitri leise sagte: "Das habe ich schon. Aber er ist nicht zurückgekommen. Es handelte sich um einen alten Freund von Ihnen. David Hassan."


Ort: Hinterzimmer im "Kleinen Sünder"
Zeitindex: 140608, 0200 Uhr Ortszeit

"David?" Lev drehte sich um und setzte sich wieder. Lev war David Hassan im Zuge des Krieges, eigentlich des ersten Krieges gegen den Clan begegnet. David war ein Commander von CorSec gewesen und hatte die Leitung der Abteilung für Spezialeinsätze gehabt, er war damit so etwas wie der stellvertretende Direktor des CIS und CorSec gewesen. Dann hatte er sich nach Lev’s Entdeckung der seltsam deformierten und beschädigten Klone aufgemacht, eines der Experimentallabors der Hapaner auf dem Mond X in einem Asteroidengürtel zu finden (OoC.: Nachzulesen damals noch bei GINN). Was aus ihm geworden war, wußte Lev nicht.

Dimitri schien seine Gedanken erraten zu haben.

"Wenn Sie es genau wissen wollen, dann ist David Hassan vor etwa drei Jahren zu seiner geheimen Mission aufgebrochen. Zusammen mit neun anderen Spezialisten aus dem militärischen, dem polizeilichen und dem Geheimdienstbereich. Sie haben den Planeten gefunden und sich eingeschlichen, aber das Labor verlassen und zerstört vorgefunden. Es handelte sich offenbar um eine ziemlich offene Einrichtung der Hapaner, viele ziemlich seltsame genetische Forschungen wurden dort durchgeführt und es kam wohl zu einem Zwischenfall. Dabei kam die komplette Besatzung der Station ums Leben und die mutierten Tiere und Klone kamen auch frei. Hassan gelang es nur mit Mühe, vom Planeten wieder zu fliehen, wobei sie den Reaktor überlasteten und den gesamten Mond in kleine Stücke sprengten. Von Hassans Team entkam höchstens die Hälfte, insgesamt kostete der Einsatz mehrere hundert Hapaner das Leben, darunter auch eine Spezialeinheit, die kurz nach ihnen eintraf.

Als bei CorSec die Säuberungen durchgeführt wurden um unter anderem sämtliche von Clan bestochenen Mitglieder loszuwerden, mußte auch Hassan seinen Hut nehmen, nicht wegen irgendwelcher Bestechungen, sondern weil er im Clankrieg einfach zu harte Methoden angewandt hatte, besonders nachdem der Clan seine Familie getötet hatte. Auf sein Konto gehen ziemlich viele... sagen wir tödliche Unfälle bei Verhaftungen. Also hatte er dann einfach ein Detektivbüro aufgemacht und kümmerte sich seither um besonders rätselhafte und seltsame Vorfälle in der Galaxis, bei denen normale Ermittlungsmethoden nicht mehr weiterhelfen. Das meiste ist ziemlich krauser Schrott, Geistergeschichten oder irgendwelche Legendenforschung, mysteriöse Entführungen gehören auch dazu. Aber er gilt eben auch inzwischen als der Spezialist schlechthin für die Beschaffung besonders seltener und geheimnisvoller Gegenstände. Also was ist nun? Die Informationen und eine Chance, Hassan vielleicht das Leben zu retten? Ist das ein Angebot?"

Lev tat so, als überlege er noch. In Wahrheit hatte er seine Entscheidung schon lange getroffen. "Ich muß wenigstens ein wenig Hilfe haben, wenn ich so mir nichts, dir nichts in den Hapanischen Sternhaufen eindringen soll. Zumindest einen Ausgleich für die entstandenen Unkosten, Dimitri. Sie wissen, daß ich nicht besonders flüssig bin. Und ich weiß auch nicht sicher, wie ich überhaupt dorthin gelangen soll. Also etwas von diesen fünf Millionen will ich auch sehen."

Dimitri schüttelte den Kopf. "Ich lasse nicht mit mir handeln, das wissen Sie. Sie können in das System eindringen und sich an einen der Asteroiden hängen, die das System regelmäßig passieren. Allerdings ist so ein Schauer gerade erst heruntergekommen, also werden sie für den nächsten ein wenig warten müssen."

"Wie lange?"

"Etwa zwei Monate. Aber Sie brauchen ohnehin mindestens eine Woche dorthin. Ich werde Ihrem Jäger außerdem eine Schicht spendieren, die ihn nahezu unsichtbar für Radar macht. Sie werden dann nur noch per Infrarot zu erkennen sein, falls Sie die Treibwerke aktivieren, oder optisch. Einverstanden?"

Lev nickte und hatte das Gefühl, einen Riesenfehler zu begehen.


Ort: Dschungel nahe der Tempelanlage im hapanischen Sternhaufen
Zeitindex: 040708, 1600 Uhr Ortszeit

Lev stieg aus seinem Jäger und sah sich um. Er war etwa eine Woche auf einem Asteroiden gereist und hatte sich kurz vor dessen Eintritt in die Atmosphäre ausgeklinkt und war vorsichtig gelandet. Niemand hatte ihn offenbar bemerkt.

Sein Jäger stand nun in einem Dschungel unter einem schützenden Blätterdach und Lev machte sich daran, das Tarnnetz über dem Jäger auszubreiten. Er war etwa einhundert Kilometer vom Tempel entfernt, den Dimitri ihm genannt hatte, aber näher hatte er sich nicht zu landen getraut. Laut den Daten, die ihm Dimitri besorgt hatte, fanden hier regelmäßig Beschußübungen der Hapaner statt, sowohl von Raumschiffen, wie auch von Bodentruppen. Er hatte kein Interesse daran, daß er zurückkehrte und sein Raumschiff zerstört vorfand.

Schließlich war der Jäger mit bloßem Auge von oben nicht mehr zu erkennen. Lev schulterte seinen Rücksack, aktivierte das Navigationssystem an seiner Unterarmschiene und marschierte los.


Ort: Dschungel nahe der Tempelanlage
Zeitindex: 040708, 2000 Uhr, Ortszeit

Lev wischte sich den Schweiß aus seinem von Insektenstichen geplagten Gesicht und starrte auf den Raumjäger, der vor ihm aufragte. Der Jäger von David Hassan. Daran bestand für Lev kein Zweifel, irgendwie muß es David gelungen sein, den Raumjäger sozusagen als Dienstwaffe mitzunehmen. Der Jäger war im Großen und Ganzen noch intakt, allerdings wuchs auf ihm irgendeine Flechtenart, die seinen Rumpf praktisch vollständig umhüllte. Als Lev näher heranging, konnte er in den Flechten schleimige Insekten sehen, die eifrig darauf herumwuselten. Er wandte sich angeekelt ab.

Das andere Raumschiff, das hier lag, war eine umgebaute Yacht. Sie hatte offenbar keine geglückte Landung hinter sich, der Rumpf hatte sich mit dem Cockpit voran mindestens vier Meter tief in den weichen Untergrund gebohrt. Überall lagen Trümmer herum, die Fenster waren zum Teil gesprungen und der gesamte Rumpf sah verbeult und beschädigt aus. Lev blickte auf seinen Chronometer und erkannte, daß es für heute zu spät sein würde, um weiter zu gehen.

Er arbeitete sich an die Yacht heran und strich ein paar der seltsamen Flechten mit seiner behandschuhten Hand beiseite um den Türmechanismus zu finden. Ein paar Wischer später lagen die Knöpfe frei und Lev konnte in die Yacht eindringen.

Innen war es überraschender Weise noch ziemlich trocken – offenbar war der Rumpf nicht gerissen. Lev durchsuchte die Yacht, soweit er es vermochte, und suchte sich dann eine der Kojen in ihrem Inneren aus, um sich für ein paar Stunden zur Ruhe zu betten.


Ort: Derselbe
Zeitindex: 050708, 0932 Uhr Ortszeit

Es war wieder viel zu heiß, als Lev sich aufmachte. Der Tempel lag noch mindestens zwei oder drei Tagesreisen entfernt, aber er sah keine Möglichkeit, den Weg in irgendeiner Form abzukürzen. Nachdem er die Yacht wieder sorgfältige versiegelt hatte, schlug er sich weiter durch den Dschungel in die Richtung des Tempels. Nach zwei oder vielleicht auch drei Stunden erreichte er die Grenze.

Die Grenze war markiert durch den Waldrand. Abrupt hörten die Bäume auf und wichen einer mehr als einhundert Quadratmeilen durchmessenden schwarzen Fläche, die an einigen Stellen noch rauchte. Der Boden war zum Teil so stark zerschossen, daß die Erde unter der Hitze von brennendem Plasma und Protonenbomben zu Glas zerschmolzen war. Lev blieb stehen und betrachtete die schwarze Wüste vor sich. In ihrer Mitte erhob sich erstaunlicher Weise der Tempel, unberührt von dem Höllenfeuer, daß um ihn herum geherrscht haben mußte.

Lev duckte sich, als plötzlich zwei Bomber im Tiefflug über die Eben rasten und in regelmäßigem Abstand Bomben über der Ebene abwarfen. Dann feuerten sie mit Blaster- oder Plasmakanonen auf den Tempel, aber der Beschuß wurde von einem grünlich fahlen Schild abgewehrt. Auch ein- oder zwei Bomben, die den Schild trafen, konnten nicht bis zum Tempel vordringen. Lev seufzte. Wenn hier öfter solche Übungen stattfanden, würde er es schwer haben, überhaupt bis zum Tempel vorzudringen. Und wie er durch den Schild kommen wollte, das wußte er überhaupt nicht. Er schob den Rucksack in eine bequemere Lage und machte sich auf den Weg.


Ort: Tempelberg, kurz vor dem Schild
Zeitindex: 080708, 1313 Uhr Ortszeit

Lev legte sich erschöpft in eine Kuhle. Er war höchstens noch einen Steinwurf vom Schild entfernt, der immer wieder fahl aufleuchtete, wenn ihn irgend etwas traf, selbst wenn es Staub oder ein Insekt war. Seit zwei Tagen waren keine Jäger mehr vorbeigekommen, so daß er verhältnismäßig schnell vorwärtsgekommen war, immer wieder von Mulde zu Mulde huschend, den Staub und den Dreck ignorierend, der sich beißend in seinen Lungen festzumachen versuchte.

Jetzt lag er hier und starrte auf den vor ihm aufragenden Tempel. Das Gebäude war sicherlich fünfhundert oder mehr Meter hoch, aber durch einen Energieschild geschützt, der nahezu undurchdringlich schien. Lev packte sein Makrofernglas aus und suchte den Tempel ab. Der Tempel bestand aus massivem Stein, sein Alter ging sicherlich in die Jahrtausende. Er war von Schlingpflanzen und Moos überwuchert, und dennoch zeigten sich im Gestein keinerlei Risse. Wenn die Venom ihn gebaut hatten, dann hatten sie ihn für die Ewigkeit gebaut.

Lev suchte jetzt am Rande des Schildes, die Grenze war recht gut daran zu erkennen, daß der Schild am Boden immer wieder kleinere Entladungen erzeugte. Aber er konnte nichts finden. Er wischte sich den Schweiß aus den Augen und beschloß, erst einmal eine Stunde zu ruhen, bevor er sich an die Umrundung des Gebäudes machte.


Ort: Derselbe
Zeitindex: 100708, 1200 Ortszeit

Lev hatte zwei komplette Tage gebraucht um den Schild zu umrunden, aber er hatte nichts entdecken können. Zu allem Überfluß hatten die Hapaner wieder mit Waffenübungen begonnen, an denen manchmal halbe Staffeln teilnahmen. Er mußte sich im Augenblick wieder in den Staub ducken, und hoffen, daß er nicht zufällig Ziel eines solchen Angriffs würde. Um ihn herum krachte es fürchterlich.

Als einer der Bomber gerade an seinem Versteck, einem besseren Erdloch, vorbei gedröhnt war, wagte er kurz einen Blick nach draußen zu werfen. Fast hätte ihn diese Idee das Leben gekostet. Er sah ein paar seltsame Gestalten mit vielen Beinen (oder Armen) durch die Landschaft eilen. Offenbar versuchten Sie sich in Sicherheit zu bringen.

Fast zu spät bemerkte er den Bomber ein paar Meter weiter, der gerade eine Protonenbombe abwarf. Schnell duckte er sich wieder in den Dreck und kniff die Augen angstvoll zusammen, als die Erde zu beben anfing. Kurz darauf verdunkelte sich der Himmel durch den Staub, der aufgewirbelt von der Explosion durch die Luft flog. Lev duckte sich noch etwas mehr, als die ersten Steintrümmer um ihn herum einschlugen. Dann preßte er sich die Hände auf die Ohren, als der Bomber das Feuer aus seinen Laser- und Plasmakanonen eröffnete.

Im Weltraum hörte man nur in bewohnten Systemen ein verhältnismäßig schwaches Echo der Laserschüsse, da die bemannte Raumfahrt Gase im freien Vakuum hinterließen, so daß mit den Jahrhunderten eine gewisse Schallübertragung gegeben war. Allerdings machte diese Tatsache auch eine Schalldämpfung für Geschütze unnötig. Innerhalb einer Atmosphäre sah das dann gleich ganz anders aus.

Aber endlich war die halbe Staffel weitergezogen, und Lev konnte aus seinem Loch kriechen. In Norden verschwanden die Bomber gerade mit hoher Geschwindigkeit. Lev hatte solche Typen noch nie gesehen. Vielleicht ein neuer Prototyp. Wenn er hier noch etwas länger herumhing, dann würde er auf seinem Makrofernglas ein paar Bilder machen. Vielleicht konnte das Imperium diese Informationen gebrauchen. Er sah den Bombern nach, doch plötzlich verlor einer davon die Balance und stürzte ziemlich heftig ab.

"Es muß sich echt um einen Prototypen handeln!", murmelte Lev und schüttelte den Kopf. Wenn die Hapaner tatsächlich auf ihre Waffenplattformen so viele Kanonen montierten und dann auch noch hofften, daß das Ding flog, dann wunderte es ihn doch, daß sie es überhaupt mit der Raumfahrt weiterhin versucht hatten. Sogar in einen Krieg mit dem Imperium waren sie geraten, und sie führten ihn immerhin mutig.

Er schüttelte sich und entsann sich plötzlich der seltsamen Gestalten von vorhin. Natürlich waren sie inzwischen verschwunden. Lev rannte so schnell er konnte zu der Stelle, wo er sie zuletzt gesehen hatte, und suchte nach Spuren. Davon gab es allerdings keine. Der Boden an dieser Stelle war dermaßen zerschossen, daß er wirklich die Konsistenz von Glas angenommen hatte.

Er dachte kurz nach und folgte dann einfach der Richtung in die er sie hatte laufen oder kriechen sehen. Nach ein paar Dutzend Metern fand er etwas, womit er niemals gerechnet hatte. Ein Eingang im Boden. Er blickte noch einmal zum Tempel hinüber. Vermutlich war er keine fünf Meter entfernt vorbeigekommen, ohne es zu ahnen oder zu bemerken.

Er grinste und stieg vorsichtig die halb geschmolzenen Stufen hinab. Das allein erwies sich schon als schwierig. Die Stufen mußten schon bei ihrer Erbauung kaum vorhanden gewesen sein und inzwischen waren sie durch den Beschuß noch glatter, so daß eigentlich eine regelrecht glatte Fläche entstanden war.

Was Lev unterdessen nicht bemerkte, waren vier dunkle Gestalten, die gerade aus dem Wald traten, und ihm folgten.


Ort: Tempelanlage
Zeitindex: 100718, 1603 Uhr

Lev preßte sich an eine Wand und beobachtete, wie sechs der seltsamen Gestalten durch den Gang vor ihm zogen. Er hatte keine Ahnung was das für Kreaturen waren, aber er hatte auch kein echtes Interesse daran, ihnen gegenüberzutreten. Um genau zu sein, er fürchtete sich ein wenig vor ihnen und fühlte sich ziemlich erschöpft. So erschöpft wie schon lange nicht mehr.

Nachdem die Gruppe vorbei geglitten war, machte er sich in die entgegengesetzte Richtung auf. Allerdings konnte er dem Gang nur ein paar Dutzend Schritte folgen, dann hörte er erneut seltsame Stimmen und dieses irgendwie feuchte Geräusch, welches die Kreaturen durch ihre Bewegung verursachten.

Er sah sich hastig um und fand im oberen Drittel des nahezu kreisförmig runden Gang ein Loch, daß vielleicht in der Lage war, ihn aufzunehmen. Ohne lange nachzudenken sprang er hoch und zog sich hinein. Kurz nach dem Loch fand er sofort eine kleine Höhle, so daß er in der Lage war, sich umzudrehen und nach unten zu sehen.

Die Kreaturen waren wirklich seltsam.

Sie hatten einen Kopf, der, abgesehen von drei schwarzen Augen, nicht im Geringsten menschlich wirkte. Unter den Augen waren Tentakeln zu sehen, die anstelle von Nase und Mund offenbar als erweiternde Sinnesorgane zu dienen schienen. Ihr kahler Hinterkopf schimmerte im Licht der Fackeln leicht rötlich, aber Lev war sich sicher, daß die natürliche Hautfarbe dieser Kreaturen ein fleischliches Rosa war. Der Rest ihres Körpers war von einem langen Umhang bedeckt, aber Lev war sich sicher, daß sie sich auf weiteren Tentakeln fortbewegten.

Er wartete, bis auch diese Gruppe vorbeigezogen war und ließ sich dann in den Gang hinunter. Vorsichtig blickte er sich um, dann schlich er weiter. Der Gang mündete einige Hundert Meter weiter in einer riesigen Höhle. Die Kaverne schien direkt unterhalb des Tempels zu liegen. Lev konnte erkennen, daß sie in Hauptsache aus einem großen See bestand, der von einem etwa drei Meter breiten Steinweg eingerahmt wurde. Im hinteren Teil begann eine Rampe, die sich an der Wand entlang nach oben schlängelte, wie eine gewundene Spirale immer höher und höher. Lev vermutete, daß sich dort der Eingang in den Tempel selbst befand. In der Mitte des Sees erhob sich eine Pyramide, die aus reinem Silber zu bestehen schien. In regelmäßigen Abständen führten fünf Brücken aus Stein zu ihrer Insel im See

Er fragte sich, was für einer Art Religion die Venom wohl huldigten. Sie schienen auf den ersten Blick primitiv, fast unfähig zu leben, und doch wurde ihr Tempel von einem starken Energiefeld geschützt. Lev zuckte mit seinen Schultern und machte sich auf den Weg zur Rampe. Er mußte irgendwie in den Tempel hineingelangen, und das schien ihm der einzige Weg. Er überprüfte seinen Blaster, dann ging er los.

Die Kaverne war wirklich riesig. Lev hörte fast keine Geräusche, nur den Sand unter seinen eigenen Schritten und gelegentlich ein Plätschern, wenn der See, durch was auch immer, ihn Bewegung geriet sich kleine Wellen am Rand brachen.

Dann klopfte es. Lev zuckte zusammen und zog seinen Blaster, konnte aber keine Bewegung ausmachen. Er ging in die Hocke und suchte langsam und mit geübtem Auge die Höhle ab, nur finden konnte er nichts. Dann klopfte es wieder, genau hinter ihm. Er fuhr herum und zielte auf ein Stück Felswand. Aber von dort schien das Klopfen zu kommen. Vorsichtig näherte er sich der Wand und betastete sie. Nichts als solider Fels. Er streifte weiterhin mit einer Hand an der Wand entlang, während er sich nervös umsah und vor allem auf die Rampe nach oben achtete. Plötzlich war hinter ihm nichts mehr und er stolperte ins Leere.


Ort: Höhlenkomplex unterhalb des Tempels
Zeitindex: 100708, 1830 Uhr

Lev schüttelte benommen den Kopf und versuchte, seinen Blick wieder scharf zu stellen. Seine tastenden Hände waren plötzlich ins Leere getaucht und so war er in die Richtung gefallen. Er fuhr sich durch sein Gesicht und wischte den gröbsten Staub aus seinen Augen, dann sah er sich um. Er befand sich in einem kleinen Raum, der vor allem einen Käfig aus Metallstäben beinhaltete. Darin stand David Hassan, geknebelt und an die Gitterstäbe gefesselt. Das Klopfen rührte von David Füßen her, der gegen die Gitterstäbe auf der anderen Seite trat.

Lev stand auf, klopfte sich den Schutz aus seiner schwarzen Fliegermontur und grinste David an. "Weißt Du, all die Jahre habe ich mir immer überlegt, wie es wohl sein würde, die mal geknebelt zu erleben. Ich muß sagen, Du hast auch schon mal Besser ausgesehen. Warte, ich hole Dich da raus!"

Er kramte in seinem Rucksack und förderte einen kleinen Schneidblaster zutage. Dann setzte er ihn an den Gitterstäben unten sowie oben an und durchtrennte sechs von ihnen. Er schob den kleinen Blaster nachlässig in die Tasche und zog dann die Gitterstäbe heraus. Davids Fesseln und der Knebel waren Dank einem Messer kein Problem.

"Ich dachte schon, ich komme hier nie wieder heraus!", sagte David und schüttelte seine Hände, um die Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen. "Ich bin der Einzige, der noch lebt. Aber es ist trotzdem schön, Dich zu sehen!", damit umarmte er einen völlig verblüfften Lev Arris und klopfte ihm auf die Schulter.

Lev löste sich von David und drückte ihm seinen Reserveblaster in die Hand. "Ist ja schon gut, David. Also, was ist hier los?", fragte Lev und sah sich um. Die Öffnung, durch die er gekommen war, war deutlich zu sehen. Lev wies mit dem Kinn auf dieselbe und fragte: "Wie machen die das?" "Holoprojektoren. Sogar ziemlich gute, wenn ich das mal so sagen darf. Wir können sowas noch nicht bauen."

"Holographische Projektionen, ein undurchdringlicher Schild, herum krabbelnde Tintenfische, was beim schwarzen Schädel des Imperators ist hier los, David?"

David schüttelte den Kopf. "Nicht hier. Laß uns erst einmal verschwinden. Ich erkläre es Dir dann draußen." Lev schüttelte ebenfalls den Kopf und meinte: "Nein, ich muß erst noch diese Maske finden. Dimitri hat mich geschickt, um dieses Ding zu finden. Ich brauche seine Dienste für... eine andere Sache. Nicht so wichtig. Willst Du mitkommen?" David sah ihn überrascht an. Dann grinste er verwegen. "Du meinst also, ich soll mit Dir in das Innere dieses Tempels gehen, wandelnde Tintenfische austricksen, ein angeblich heiliges Artefakt stehlen und dann durch eine Bombenverseuchte Steinwüste zurück zu meinem Raumjäger finden, der wahrscheinlich gar nicht mehr existiert? Okay, ich bin dabei. Aber dann laß Dir noch einiges erklären."

Lev nickte und wies zur "Türe": "Dann fang mal an."

David räusperte sich, dann schob er den Blaster in seinen Gürtel. Er ging ein paar Schritte vor und sagte dann: "Also zunächst: Es gibt keine Venom mehr. Schon lange nicht mehr. Die Gestalten, die Du gesehen hast, sind ebenfalls nur Projektionen. Die echten Venom sahen wohl auch so aus, aber sie sind schon seit fast eintausend Jahren ausgestorben."

Lev hob die Augenbrauen und starrte David an. "Aber wer?", fragte er und griff Halt suchend an die Wand neben der Rampe. David grinste.

"Ich habe fast eine Woche gebraucht, um das wirklich zu kapieren. Weißt Du, die Hapaner haben auch einen Geheimdienst. Der ist sogar noch verschwiegener als unser IGD. Die kontrollieren diese Anlage hier. Selbst das hapanische Militär ahnt nichts davon. Das hier ist ein wichtiges Experimentierlabor, hier werden Schilde aller Art gebaut, getestet und erforscht – deshalb das nahezu undurchdringliche Schild dieser Anlage. Die 'Maske', die wir für Dimitri besorgen sollen, ist nichts anderes wie ein experimenteller Körperschild. Tatsächlich hat er die Form einer menschlichen Maske, weil man, um ihn zu tragen, neben der Maske noch einen Gürtel mit der Energiezelle benötigt. Dieser Schild ist zumindest in der Theorie so stark, daß er sogar dem Beschuß durch eine richtige Laserkanone, also kein durch Menschenhand bedienbares Objekt, ziemlich lange standhalten kann. Das würde die Hapanischen Streitkräfte zumindest in kleineren Gruppen, nahezu unverwundbar machen. Bislang können sich nur sehr reiche Personen einen Körperschild leisten, für das Militär werden sie nicht verwandt, weil es zu teuer ist, aber stelle Dir mal vor, was passiert, wenn die Hapaner durch einen Schild geschützte Soldaten hätten?

Theoretisch könnten sie damit jeden Planeten einrennen. Und genau das ist wohl auch der Plan. Dimitri hat diesen Auftrag eigentlich vom Imperialen Geheimdienst bekommen. Die bezahlen ihm wahrscheinlich tatsächlich seine fünf Millionen, wenn sie dafür den Schild in die Hand bekommen. Und, Vell, da sollten wir ihm tatsächlich helfen.

Ich bin ja nicht immer mit allem glücklich, was das Imperium so macht, aber ich will auf keinen Fall, daß wir plötzlich von Hapanern überrannt werden, die undurchdringliche Schilde am Gürtel tragen.

Und dann ist da noch etwas: Die Militärs, die auf diesen Laden hier schießen, haben tatsächlich keine Ahnung von dieser Einrichtung. Solltest Du also Lust haben und irgendeinen Diensteid erfüllen müssen, soweit ich weiß ist die kleine Pyramide da unten der Energiegenerator für die Einrichtung."

Lev grinste. "Ich werde es mir merken. Ist bestimmt nützlich zu wissen." Sie schlichen weiter und erreichten eine Art Ausstellungsraum. David wies auf eine Maske mit Gürtel, die in einer Vitrine hing. Lev schüttelte sich. "Das ist mir zu einfach. Wie viele Soldaten haben die hier?" "Nicht viele, in Hauptsache befinden sich hier Wissenschaftler. Ich habe im Ganzen vielleicht zwanzig Soldatinnen gezählt, viel mehr sind das, glaube ich, nicht. Was hast Du vor?"

Lev zuckte mit den Achseln. "Eigentlich will ich mir die gesamte Anlage hier genauer ansehen. Aber dazu ist jetzt keine Zeit, ich habe andere Verpflichtungen zu erfüllen. Hier nimm den Schneidblaster und säg' ein bißchen an dem Energiegenerator herum, das stiftet Verwirrung. Sobald die Energie ausfällt hole ich diese Maske hier und wir verschwinden."

"Ja, ich glaube ihr werdet verschwinden.", sagte eine Stimme hinter ihnen. Lev drehte sich um und sah drei Soldatinnen mit gezogenen Waffen im Eingang stehen. "Aber das wird sicherlich nicht so unbemerkt vonstatten gehen. Hände hoch, wenn ich bitten darf.", fuhr die mittlere fort. Lev und David hoben im Einklang die Hände.

"Vorwärts, die Rampe hinunter. Und hübsch sachte, meine Herren, ich versichere Ihnen, daß wir keine Hemmungen haben, Sie zu erschießen." Hilflos wandten sie sich um und gingen die gewundene Rampe wieder hinunter. Unten erwartete sie bereits ein Empfangskomitee mehrerer Soldatinnen. Schweigend gingen sie den Gang entlang, der nach draußen führte, doch dann blieb die vorderste plötzlich stehen und fuhr mit der Hand über ein harmlos aussehendes Stück Fels. Der öffnete sich und sie betraten einen Raum, der wie eine Kommunikationszentrale aussah.

Die Soldatin, die sie gefangengenommen hatte, trat an ein Pult und drückte scheinbar wahllos einige Knöpfe. Ein Bildschirm senkte sich von der Decke herunter und eine ziemlich schöne Frau erschien. Lev kam sie bekannt vor, aber es dauerte einen Moment, bis ihm einfiel, woher. Sie war die Messerstecherin aus dem 'Sinner's Inn'.

"Wir haben zwei Gefangene gemacht, Herrin, die hier herum schlichen. Wie wünscht Ihr sie zu bestrafen?", fragte die Soldatin und senkte den Kopf. Lev blickte in den Schirm und fragte sich, ob sie ihn wiedererkennen würde. Und ob sie sich wirklich auf ihn freute.

"Kleiner, ich habe mir schon gedacht, daß ich Dich wiedersehe. Ich mag Dich irgendwie, Du hast Mut und siehst ein bißchen aus wie mein Vater. Den mochte ich aber nicht. Tol'me, töte sie beide. Aber langsam.", sagte die Frau und unterbrach die Verbindung, noch bevor Tol'me antworten konnte. Sie wandte sich um und befahl: "In die Krankenstation mit ihnen. Organisiert zwei Bactatanks und steckt sie hinein. Dann leitet Strom hinein und foltert sie fast bis zum Tode. Anschließend laßt ihr sie vom Bacta heilen und wiederholt die Prozedur. Vier Wochen lang. Dann laßt sie sterben."

Lev versuchte sich zu wehren, aber die Soldatinnen hielten ihn im eisernen Griff. David und er wurden durch die zentrale Halle geschleift, als plötzlich Alarmsirenen zu heulen begannen. Dann tauchten aus dem Gang Soldatinnen auf, die auf irgend jemand hinter ihnen schossen. Hinter ihnen tauchten andere Soldatinnen auf, die das Feuer erwiderten. Lev's Bewacherin wurde von einem Blasterblitz ins Gesicht getroffen und sank zusammen. Lev selbst duckte sich und entwand sich rasch dem Griff der zweiten Wächterin, die bereits begonnen hatte, zurück zu schießen. David brüllte ihn an: "Was zum Geier ist hier los?"

Lev schüttelte den Kopf und rief zurück: "Keine Ahnung, aber mir gefällt es jedenfalls. Das sind Soldatinnen der regulären Armee. Wahrscheinlich ist die Anlage hier doch nicht so geheim. Laß uns hier verschwinden!"

Sie krochen im entstandenen Chaos relativ unbemerkt auf den See in der Mitte der Halle zu. Dort ließen sie sich hinein gleiten und versuchten, so unauffällig wie nur möglich am Rand zu bleiben, um nicht gesehen zu werden.

Das Blasterfeuer in der Halle nahm zu. Offenbar hatte die Besatzung des Tempels Verstärkung bekommen. Lev blickte nach oben und sah eine Soldatin, die am oberen Ende der Rampe stand und genau auf sie herunter sah. Aber bevor sie ihre Kameradinnen warnen konnte, wurde sie von einem Schuß getroffen und kippte in einer grotesk langsamen Bewegung herunter.

"David, wie lange kannst Du tauchen?", flüsterte Lev ihm ins Ohr. "Zwei, drei Minuten vielleicht, wieso?", flüsterte David zurück. "Laß uns unter eine dieser Steinbrücken Tauchen. Irgendwo hier muß es einen Zu- und einen Abfluß geben, der den See mit dem Fluß verbindet. Das Wasser ist warm, aber nicht heiß, wie es wäre, wenn der Fluß es nicht kühlt. Komm, suchen wir eine Strömung."

Über ihnen die Blasterblitze, die hin und her zuckten, unter ihnen eine tiefe Schwärze, für Lev war es der beeindruckenste Tauchgang seines Lebens. Die Stege aus Stein reichten tatsächlich ziemlich tief hinab, aber im Licht der Blaster konnte David eine Öffnung erkennen, die weiter führte. Lev deutete nach oben und sie tauchten vorsichtig auf, nahe am Rand um den leichten Überstand des Steinweges als Deckung zu nutzen.

Der Kampf in der Halle schien vorbei zu sein, einige Soldatinnen rannten die Rampe hinauf. Lev wußte, daß ihnen bestenfalls Sekunden blieben, ehe man sie entdeckte und sie erneut gefangennahm. "Laß es uns riskieren!", rief er, holte tief Luft und tauchte wieder hinab.

Lev folgte dem Tunnel ins Dunkel. Er konnte nichts sehen und hoffte, daß der Tunnel sich als breit genug erweisen würde. Mit kräftigen Schwimmzügen unterstützte er die Strömung, in der verzweifelten Hoffnung, daß ihm die Atemluft reichen würde, bis sie ans Ende kamen, wo auch immer das sein würde. Er schwamm, wie noch nie zuvor in seinem Leben, spürte aber, wie ihn langsam die Kraft verließ.

Vor seinen Augen begannen kleine bunte Punkte zu tanzen. Er spürte wie er das Bewußtsein verlor und kämpfte dagegen an, während er sich zwang weiter zu schwimmen. Aber die Dunkelheit am Rande seines Blickfelds, die dunkler war als die lichtlose Höhle, nahm zu. Irgendwann verlor den Kampf


Ort: Krankenhaus auf Uvena
Zeitindex: 111108, 0800 Ortszeit

Lev schlug flatternd die Augen auf. Um ihn herum standen einige weißgekleidete Menschen. Er versuchte seinen Blick zu schärfen, aber das erste was er dann tatsächlich richtig scharf sehen konnte war ein Mann in einem weißen Anzug mit einer Rattenvisage.

Dimitri.

Lev fuhr hoch, und versuchte, Dimitri am Kragen zu packen. Aber er war ziemlich langsam, so daß selbst der kleine Mann ihm mühelos ausweichen konnte. "Wie ich sehe, sind Sie wach, Ser Arris. Das freut mich für Sie.", sagte er.

Lev starrte ihn an. "Sie verdammter Hurensohn! Was war das für ein bescheuerter Auftrag? Maske, Venom, was für ein verdammter Quatsch! Was sollte ich da wirklich tun, Dimitri?" Der kahle Mann lächelte, nahm sich einen Stuhl und setzte sich. Dann nahm er seinen unvermeidlichen Hut ab und fing an, damit zu spielen.

"Wissen Sie, Lev, ich habe viele Verbindungen geknüpft. Einige Verbindungen gehen bis ganz hinauf zu den höchsten imperialen Ebenen. Der imperiale Geheimdienst hatte entdeckt, daß der hapanische Geheimdienst an einer neuen Waffe forscht, einem Körperschild der sogar einem stativgestützten Blaster widerstehen kann. Dazu wurden Ressourcen genutzt, die nicht genehmigt waren. Vermutlich hatte man Panik wegen der letzten Niederlagen im Krieg. Das Militär der Hapaner verzeichnete immer wieder Verluste durch Verschwinden in den eigenen Reihen; Testobjekte. Der Geheimdienst schien es für sinnvoll zu halten, Soldaten verschwinden zu lassen, da der Verlust von Sklaven zu auffällig gewesen wäre. Fragen Sie mich nicht, wer da wie gedacht hat, ich weiß es nicht. Sie brauchten Menschen, um das Energiefeld zu konfigurieren. Viele fanden den Tod, weil sie der neue Schild röstete.

Jedenfalls ließ der Imperiale Geheimdienst durch mich ein Team schicken, daß die Forschungen sabotieren sollte. Das Team von Ser Hassan. Leider wurden sie bereits beim Anflug bemerkt und ihr Transporter abgeschossen. Der Rest geriet in Gefangenschaft. Also wählte man einen anderen Weg, man wollte die Informationen an das hapanische Militär verraten. Sollten sich doch die Hapaner gegenseitig umbringen. Ich hielt sie auf; Ich wollte nicht, daß das Team geopfert wird. Also schickte ich Sie los, um sie zu retten. Dann verriet ich die Informationen an das hapanische Militär. Inzwischen ist der Planet befriedet, das Labor wurde zerstört.

Die Forschungen wurden um Jahre zurückgeworfen. Ich hatte dem Geheimdienst gemeldet, daß Sie irgendwo in der Nähe waren. So wurden Sie gerettet. Bei der ganzen Verwirrung gelang es unbemerkt einen Transporter zu schicken. Man hat sogar Ihren Jäger gerettet und den von David Hassan. Im Orbit hat das Militär sogar zwei Novakreuzer des Geheimdienstes abgeschossen. Diese innere Verwirrung und das Zerwürfnis zwischen Militär und Geheimdienst, die beide um die Gunst bei der Königinmutter Ta'a Chume buhlen, wird die Hapaner ihn ihrem Krieg ziemlich zurückwerfen. Vermutlich wird es dem Imperium dann erheblich leichter fallen, mit ihnen fertig zu werden.

Vielleicht haben Sie es ja nicht mitbekommen, aber der Imperator ist einem Mordanschlag der Hapaner zum Opfer gefallen. Im Augenblick sind bei der Flotte ziemlich große Sachen im Gange. Sie werden sehen, daß.."

"Was?", unterbrach Vell Ricaud und setzte sich ruckartig auf. "Ich muß sofort zum Schiff und..." Vell brach keuchend wieder zusammen.

"Sie, mein Freund gehen in der nächsten Zeit nirgendwo hin. Sie haben bei Ihrer Flucht den wohl dümmsten und riskantesten Weg gewählt. Nachdem Sie bewußtlos wurden hat die Strömung sie ziemlich wild herum gewirbelt. Dabei haben Sie sich eine große Menge Quetschungen, Rippenbrüche, Organschäden und so weiter zugezogen. Das war ihr Glück. Der Lungenriß hat das Wasser, das in Ihre Lunge eindrang, regelrecht durchfließen lassen. Sie waren mehr als nur halbtot, als wir Sie fanden, ebenso wie Ser Hassan. Sie beide haben die letzten Wochen in einem Bactatank verbracht. Ihre Rehabehandlung wird noch ziemlich viel Zeit beanspruchen. Aber ich habe die Daten, die Sie als Lohn haben wollten auf ihr Datapad kopiert. Sie sind jedoch zeitsensitiv, sie können sie erst nach Abschluß ihrer Behandlung einsehen. Jetzt erholen Sie sich erst einmal. Ich muß mein Geld abholen gehen, aber ich wollte Sie vorher über alles aufklären, Ser Arris. Genießen Sie ihre Ruhe."

Damit verschwand Dimitri.


Kapitel 7: Mephisto

Ort: Krankenhaus von Uvena, Schiffsdepot
Zeitindex: 020309, 1222 Ortszeit

Lev Arris gab dem Beamten seinen Ausweis und unterschrieb das Formular, das ihm sein Eigentum zugestand. Dann machte er sich auf den Weg zu seinem Raumjäger.

Er hatte die letzten Monate damit verbracht, seine schweren Verletzungen zu kurieren, die ihm seine Flucht von der Forschungseinrichtung der Hapaner eingetragen hatte. Bei all der Aufregung hatte er den eigentlichen Grund seiner Abenteuer fast völlig vergessen. Inzwischen wurde Vell Ricaud überall im Imperium gesucht. Die Firma Ricaud Interplanetary gehört wieder einem Aufsichtsrat, von dem Lev noch nie etwas gehört hatte. Allerdings tauchten in diesem Rat eine Menge Figuren auf, die schon früher darin gesessen hatten, als die Firma noch der CLAN gewesen war. Inzwischen war die Firma wieder der CLAN.

In Corellia waren Morde an Polizisten, Richtern, Justizbeamten aller Art sowie an Politikern, die sich gegen das Kartell zu wehren versuchten, an der Tagesordnung. Erst kürzlich hatten drei Lokalpolitiker gegen den Kauf einer Waffenfabrik auf Bpfassh protestiert. Ihre Fähre wurde Opfer eines Piratenangriffs, keine Überlebenden. Piraterie beherrschte eine ziemliche Menge Sektoren. Vieles davon hatte nichts mit der Firma oder dem CLAN zu tun. Aber in manchen Sektoren war der Schmuggel und die Freibeuterei inzwischen viel zu gut organisiert, um nicht zentral gesteuert zu werden.

Der CLAN war wieder da. Mit all seiner Macht. Lev hatte keine Daten, keinen Zugang mehr zu seiner eigenen Firma, zu den Konten oder sonst irgend einer Ebene der Organisation. Alles was er hatte waren die Daten von Dimitri, die ihm den Hauptsitz von "Geschenke und Antiquitäten" verrieten. Lev hatte den Nachrichten entnommen, daß der Aufsichtsrat von Ricaud Interplanetary einem Verkauf zugestimmt hatte. "Geschenke und Antiquitäten" sollte 72% der Aktien zu einem Spottpreis von 350 Milliarden Credits bekommen. Die zuständige Kartellbehörde auf Corellia hatte protestiert, aber nicht allzu lange. Journalisten vermuteten, wenn auch nur leise, daß die Rücknahme des Protestes etwas mit der Entführung mehrerer Familienmitglieder der Beamten der Behörde zu tun gehabt haben könnte. Einige der Journalisten verloren daraufhin ihren Job. Ein Wirtschaftsexperte sagte in einer Nachrichtensendung aus, daß es rechtlich im Imperium unmöglich sei, daß eine Firma von einer ihrer Tochterfirmen geschluckt würde. Kurze Zeit später erklärte der selbe Experte kleinlaut, daß der Kauf die "Wirtschaft Corellias enorm ankurbeln wird und daß alle davon profitieren."

Es wurde Zeit, zu handeln.

Nach den Daten, die Dimitri ihm gegeben hatte konnte Lev den Hauptsitz der Firma im Tiefraum lokalisieren. Inzwischen war das bei einigen Firmen bereits zur Praxis geworden, daß sie eine Raumstation bauten und irgendwo im Tiefraum, fern aller Nationen, stationierten. Das sparte lokale Steuern und sonstige Unannehmlichkeiten.

Lev begann mit den Startvorbereitungen. Dimitri hatte ihm einige Freund-Feind-Codes besorgt und ihn außerdem klammheimlich auf die Lohnliste einer Firma des Clans gesetzt. Somit sollte er relativ ungehindert Zugang zu der Station erhalten. Was er da genau wollte, wußte er selbst nicht genau.

Lev erhielt die Freigabe vom Krankenhaus – Tower und startete in den Weltraum. Er bemerkte nicht, daß ihm vier Raumjäger folgten...


Ort: Orbit von Uvena
Zeitindex: kurz darauf.

Sie schossen ohne Vorwarnung. Im einen Moment rechnete der Navcomputer noch eine Route in den Tiefraum aus, im nächsten Moment brannte ein Treffer in den hinteren Backbordflügel bereits ein Loch in einen Servomotor. Lev reagierte ohne Nachzudenken. Er beschleunigt und riß den Jäger nach backbord, um dem Beschuß auszuweichen. Dann aktivierte er die Schilde und fuhr das Energiesystem der Hauptlaserkanone hoch. Das war eigentlich eine eher sinnlose Geste. Selbst unter den besten Umständen dauerte es mindestens fünfzehn Minuten, bis das normale Gefechtssystem bereit war. Lev schaltete deshalb das Identifikationsprogramm seines Radars ein, aktivierte die Freund – Feind – Kennung und schaltete auf den Raketenwerfer um.

Die Feinde waren zu viert. Es handelte sich um den Typ "Klinge", Raumjäger, die mit schweren Torpedowerfern, vier Laserkanonen und zwei Ionenkanonen ausgerüstet waren. Dazu kamen mittelschwere Schilde und meistens hervorragende Piloten. Wären die Bomber nicht so schwerfällig, hätte man sie wohl kaum besiegen können.

Lev kippte über die Backbordtragfläche ab und erfaßte den ersten Feind als Ziel. Im Bemühen, während seiner Zielerfassung nicht selbst zu Ziel zu werden, schwenkte er hin und her, um ihn herum wurde der Weltraum von Laserfeuer erhellt. Schließlich hatte die Rakete den Jäger erfaßt. Lev klinkte sie aus und schwenkte ab. Der anvisierte Jäger explodierte. Gleich darauf wurde sein Jäger getroffen und der Schildgenerator brannte durch.

Er fragte sich, was die Typen eigentlich von ihm wollten. Sie nahmen keinen Kontakt auf, forderten weder eine Kapitulation noch eine Übergabe. Lev schaltete auf Gegenschub und wich einem weiteren Schuß aus, dann aktivierte er seine Kommunikationseinrichtung.

"Unbekannte Raumjäger, hier spricht Lev Arris. Stellen Sie ihren Beschuß ein. Ich kapituliere! Ich wiederhole: Ich kapituliere!"

Lev beschleunigte weiter und versuchte aus dem Schußbereich seiner Angreifer zu entkommen. Sie antworteten nicht. Also schleuste er einige Minen aus, aktivierte den Nachbrenner und klammerte sich am Steuer fest. Einer der feindlichen Jäger prallte auf eine Mine und drehte ab. Die beiden anderen schwirrten wie zornige Hornissen um ihn herum und griffen erneut an. Lev steuerte auf die Atmosphäre von Uvena zu und versuchte, den richtigen Winkel zu erwischen. Er konnte recht gut innerhalb einer Atmosphäre fliegen und hoffte, daß es die Piloten der Vendettas nicht konnten.

Der Jäger ruckte, als er in die oberen Schichten eindrang. Die Atmosphäre von Uvena zerrte an den Tragflächen und erhitze die Hülle, tat alles um den ungebetenen Gast wieder loszuwerden. Lev hatte die Geschwindigkeit nicht heruntergesetzt, sondern bremste mit dem Rumpf. Theoretisch sollten alle Raumschiffe solche ballistischen Wiedereintrittsmanöver überstehen und ein Raumjäger war schnittiger gebaut als ein Frachter. Dennoch war er es nicht gewohnt, derartige Manöver zu fliegen und die Atmosphäre zum Bremsen zu verwenden. Bis heute gab es Lücken in seinem Gedächtnis, und er konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, woher er zum Beispiel fliegen konnte. Wer hatte es ihm beigebracht?

Hinter ihm ertönte ein Knall. Offenbar hatte es einer der Feindjäger nicht geschafft, in die Atmosphäre einzudringen. Der zweite blieb ihm auf den Fersen. Lev flog eine sanfte Kurve und drang tiefer in die Atmosphäre ein.

Vendettas waren auch für Atmosphärenflüge konstruiert. Allerdings wußte der Pilot des Vendetta das offenbar nicht. Er versuchte, sich dicht hinter Lev zu hängen, und führte ein Manöver aus, daß ihn tatsächlich in die optimale Schußposition gebracht hätte, wenn das Manöver im Vakuum des Weltraumes, beziehungsweise im feinverteilten Gasgemisch um bewohnte Systeme herum ausgeführt worden wäre, aber das war nicht der Fall. Bei einer Höhe von lediglich 60 Kilometern bot die Luft mehr Widerstand, als es der Weltraum tat.

Der Jäger trudelte, dann brach ein Flügel ab und er stürzte in Richtung Boden. Lev atmete tief durch. Das war knapp gewesen. Irgendwie hatten es die Clankiller geschafft herauszubekommen, wer er war. Es wurde Zeit, sich zum Hauptsitz von "Geschenke und Antiquitäten" aufzumachen.


Ort: Tiefraum, etwa 6 Lichtjahre von Sccoria entfernt
Zeitindex: 210309, 1300 Ortszeit

Die Raumstation war riesig. Lev war sicherheitshalber in einiger Entfernung in den Bereich gesprungen und hatte seinen Transponder auf die Freund – Feind – Erkennungssyteme des Clans umgestellt. Seither scannte er die Station.

Sie bestand aus vier Teilen: Die Basis war eine sich drehende, etwa zweihundert Meter dicke Scheibe mit mehr als vier Kilometern Durchmesser. An ihre Seiten waren in regelmäßigem Abstand vier Rechtecke am unteren Drittel befestigt, die nach "oben" ragenden Teile waren leicht nach innen geneigt. Nach den Messungen von Levs Computer besaßen die Quader an den Seiten die Maße 22x750x3300 Meter. In der Mitte der Scheibe erhob sich ein Aufbau sogar noch über die seitlichen Rechtecke aus dem verschiedene Geräte heraus ragten. Unterhalb der Scheibe führte ein verhältnismäßig dünner "Stab" (Immer noch etwa dreißig Meter im Durchmesser) zu einer Andockstation für zwanzig große Schiffe. Nach Levs bescheidener Meinung könnte sogar ein Dreadnought hineinpassen. Damit schloß sich der Kreis zu seinem Kampf über Corellia.

Er bewegte sich lediglich vom Trägheitsmoment vorwärts getrieben auf die Station zu. Je näher er kam, desto mehr Einzelheiten konnte er erkennen. In regelmäßigen Abständen befanden sich Turbolaser und Gefechtskanzeln auf der Oberfläche, Abschußrampen für Protonentorpedos und Erschütterungsraketen, Ionengeschütze und einige der seltsamsten Laserwaffen, die Lev bislang gesehen hatte.

Schließlich aktivierte er seine Triebwerke und steuerte auf einen der riesigen Hangars zu.


Ort: Raumbasis des Clans, vornehmlich Firmenzentrum "Geschenke und Antiquitäten"
Zeitindex: Eine Stunde später

Lev landete in dem Hangar auf seinem zugewiesenen Platz. Die Landekontrolle hatte ihn als Söldner im Dienst des Clans erkannt und ihm einen Platz in einem der Hangars zugewiesen.

Von dort aus bewegte sich Lev zielstrebig zu einem Informationsterminal. Er brauchte mehr Informationen. Die Terminals waren anders als er es gewöhnt war. Auf den meisten Planeten und auch den meisten großen Raumschiffen boten die Terminals die Informationen, die man brauchte, dieses hier bot außerdem die Möglichkeit sämtliche Informationen auf das persönliche Pad zu kopieren.

Anschließend suchte sich Lev ein Quartier, bezahlte den grotesk hohen Preis für den besseren Würfel mit Bett und sah sich die Informationen an. Neben einem Stationsplan entdeckte er einen als "Streng geheim" eingestuften Bericht des imperialen Militärs.

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  • Raumstation der Gigantklasse
  • Leitindex des imperialen Flottenbüros Nummer 2355639-XG-2V-7764
  • Zeitindex: 120401 nach Endor

Nach der Zerstörung des zweiten Todessterns war dem Oberkommando der Flotte sowie den Verantwortlichen des Konstruktionsbüros für die Zusammensetzung der Streitkräfte im Imperium klar, daß die Idee einer beweglichen Raumstation mit Planeten zerstörerischen Waffensystemen weder einen Sinn noch einen ernst zu nehmenden Zweck erfüllen. Dennoch dienen Raumstationen vielfältigen Aufgaben:

  1. Kontrollpunkte
  2. Außenposten des Militärs
  3. Sicherungs- und Verteidigungsposten
  4. Basen für Sternjäger
  5. Reparaturstätten
  6. Lager
  7. Wissenschaftliche Einrichtungen
  8. Kommerzielle Einrichtungen
  9. Außen- und Ausgangsposten für kommerzielle Unternehmen

Für die meisten dieser Aufgaben sind die Raumbasen der Kategorien A-I geeignet. Raumstationen dieser Art sind bereits seit Jahrzehnten im Einsatz. Die derzeitige Lage in der Galaxis mit ihren flexiblen und ständigen Grenzbewegungen erlaubt in vielen Sektoren keine Einrichtung einer dauerhaften, großen Militärbasis im Tiefraum.

Allerdings gehen Experten davon aus, daß es einige Grenzen gibt, die sich auch in den nächsten hundert Jahren nicht verändern werden, der Hapan – Sternhaufen stellt hier nur ein Beispiel dar.

An den Grenzen derartiger gefährlicher Sektoren könnte jedoch die Einrichtung einer großen Militärbasis durchaus sinnvoll sein. Vorliegend im Anhang befinden sich die Konstruktionspläne für Raumstationen der Gigantklasse, die planetare Basen ersetzen an den Stellen im Weltraum, an denen sich kein geeigneter Planet befindet.

Die Raumstation wurde entwickelt um insgesamt zwei Geschwadern Sternenjägern Platz zu bieten, insgesamt 144 Jäger. Dazu ist sie schwer genug bewaffnet um mit bis zu acht Großkampfschiffen fertig zu werden, selbst mit hapanischen Schlachtdrachen. Die Schildgeneratoren und die Panzerung sind schwerer als bei einem Supersternzerstörer.

Die Dockstationen am südlichen Ende können bis zu 25 Großkampfschiffe aufnehmen, damit ist eine solche Station auch als Operationsbasis für eine imperiale Flotteneinheit nutzbar.

Streitpunkt ist die Kostenfrage. Das Todesstern – Projekt hat bewiesen, daß es möglich ist, eine große und teure Bauoperation im Imperium zu realisieren. Raumstationen dieser Klasse kosten schätzungsweise ein Fünftel dessen, was eine Raumstation der Todessternklasse kostet, also etwa doppelt soviel wie ein Supersternzerstörer der Klasse Zwei.

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Und so ging es weiter. Lev entdeckte einen vollständigen Stationsplan dessen Komplexität ihm die Sinne verwirrte. Er hatte eigentlich keine Ahnung, was er hier genau tun wollte, abgesehen davon, daß er irgendwie zur Kommandoebene vordringen mußte. Eine kleine Weile lang sollte er sich vielleicht noch mit der Station befassen. Ihm kam da die Idee mit der Luftversorgung...


Ort: derselbe
Zeitindex: 160409, 2200 Uhr

Der Angriff auf den Waffenkonvoi Nummer 31 der imperialen Streitkräfte war erfolgreich verlaufen. Die Kampfgeschwader Vendettas wurden von dreißig Söldnern unterstützt, nahezu alle Frachter konnten aufgebracht werden. Geringe Verluste aufseiten des Clans.

Die Frau legte den Bericht beiseite und beschloß, noch ein heißes Bad zu nehmen, bevor sie sich hinlegen würde. Morgen wäre es an der Zeit, mit Admiral Ossilige Benson abzurechnen. Der Admiral hatte durch Spitzel von vier anderen Aktionen erfahren und sich nicht durch das großzügige Angebot beeindrucken lassen, daß man ihm gemacht hatte. Alle vier Aktionen wurden von den Streitkräften des Admirals vereitelt.

Benson war ein zwar reifer, aber nicht unattraktiver Mann. Vielleicht würde sich die Frau selbst um ihn kümmern. Es gehörte zu ihren Lieblingsbeschäftigungen solche Typen zu verführen und zu töten.

Sie ging aus ihrem Büro hinaus und ignorierte die vier Leibwachen, die sie umgaben, ebenso wie die Höflinge und Speichellecker, die sich verbeugten, als sie an ihnen vorbei schritt. Sie verabscheute diese Kerle, die sich kaum aufzustehen trauten, wenn sie sich herabließ mit ihnen zu sprechen, die sich in Komplimenten für sie gegenseitig zu übertreffen suchten und auch sonst nichts anderes waren als Primaten.

Natürlich war das eine logische Konsequenz aus der Macht. Und ihre Macht, daran zweifelte sie nicht, war größer als fast jede andere im Universum. Sie besaß die größte Raumstation im bekannten Weltraum, wenn man mal von der praktisch unbrauchbaren Centerpoint – Station absah. Sie herrschte über Millionen Soldaten, die auf ihren Befehl hin töten konnten. Sie besaß tausende Raumjäger und dutzende Schiffe die größer als eine Korvette waren. Sie war eine echte Macht.

Die Türen zu ihren Privaten Schlafgemächern gingen auf und sie trat ein. Die Leibwachen salutierten hinter ihr korrekt, dann gingen sie. Die Türen schlossen sich. "Licht!", befahl sie.

Der Raum blieb dunkel. Sie runzelte die Stirn. "LICHT!", befahl sie erneut, diesmal etwas lauter.

"Du solltest erst einmal die Türe verriegeln, Süße. Sonst wird das Licht nicht funktionieren.", sagte eine Stimme aus dem Dunkeln. "Und komm' besser nicht auf die Idee, etwas unüberlegtes zu tun. Ein Blaster ist auf Deinen hübschen Kopf gerichtet. Und ich habe schlechte Laune weil ihr eure verdammten Luftschächte so selten reinigt. Das verursacht weiße Flecken auf meinem schönen Mantel. Also, mach doch bitte die Türe zu." Die Frau gehorchte. Nachdem die Türverriegelung eingeschnappt war, ging das Licht an. Sie lächelte träge. "Darf ich mich umdrehen? Oder soll ich mich gleich hier ausziehen, Byron?"

"Nein, dreh' Dich doch bitte um. Und nimm die Hände hoch." Die Frau drehte sich um und hob die Hände. Als sie dem gefesselten und geknebelten Byron auf dem Sofa gewahr wurde, verschwand das amüsierte Lächeln. Als sie Vell Ricaud in Lebensgröße mit auf den Tisch gelegten Beinen sah, der sie über die Blasterpistole hinweg breit angrinste, verschwand auch der Rest von Amüsement aus ihrer Haltung.

Vell registrierte das deutlich und grinste noch breiter. "Ich hätte Dich eigentlich schon im 'Sinner's Inn' erkennen sollen. Aber dank Deiner anderen Augen und Deines vollkommen perfekten Körpers bin ich da nicht dahinter gekommen. Aber, ich vergesse meine Pflichten als ungeladener Gast. Setz' Dich doch bitte. Wenn Du möchtest auch neben Deinen Stellvertreter."

Sie schwieg und setzte sich hin. In ihrer eigenen Basis trug sie keine Waffe. Das war ein Nachteil.

Vell fuhr derweil lächelnd fort: "Ich habe durch meinen Stellvertreter erfahren, daß jemand namens Mephisto den Clan übernommen hatte. Aber wer konnte das wohl sein, schließlich hatte ich alle Zugriffsrechte und besaß sogar den nötigen genetischen Beweis um zu zeigen, daß ich Kronos bin. Das war mir ein völliges Rätsel bis Du so dämlich warst und versucht hast, mich durch die imperialen Behörden unschädlich zu machen. Warum tötet mich Mephisto nicht einfach? Ich bin ein Hindernis auf dem Weg zur Macht, also was soll's? Eine Bombe hier, ein Auftragsmord da – wo war der Unterschied zu mir? Kannst Du es mir sagen?"

Mephisto unterdrückte den Ausbruch unkontrollierbarer Wut und sagte möglichst ruhig: "Tja, das frage ich mich gerade auch... Hast Du eine Lösung für Dein Rätsel?"

Vell nahm die Füße vom Tisch und lächelte wieder: "Sar war ein Idiot und ein Verräter, außerdem war er längst schwachsinnig geworden. Aber er hat Dir doch tatsächlich noch etwas Ehre und Tradition vermitteln können, nicht wahr? Du bist seine Tochter, also meine Nichte. Stimmt's?" Mephisto nickte.

"Also konntest Du mich nicht töten. Und auch nicht töten lassen, was die Unfähigkeit der Clankiller auf meinen Fersen erklärt. Interessant. Sar kannte keine Skrupel diesbezüglich, aber vermutlich war sein Gehirn zu diesem Zeitpunkt schon Brei." Mephisto schien aufspringen zu wollen, aber Vell kam ihr zuvor und feuerte.


Ort: Privatgemach von Mephisto
Zeitindex: 170409, 0233 Uhr

Als Mephisto die Augen öffnete saß Vell immer noch in seiner entspannten Haltung da. Es dauerte einen Augenblick bis sie registrierte, daß er sie inzwischen gefesselt hatte. Er steckte seinen Blaster weg und sie fing an, an ihren Fesseln zu nesteln.

"Schön, daß Du wieder bei uns bist. Dein Freund wurde etwas ungeduldig, deshalb habe ich ihn in Dein Schlafgemach geführt. Er hängt dort an der Deckenleuchte, damit er nicht weglaufen kann. Wo waren wir stehengeblieben?", Vell stand auf und begann auf und ab zu laufen, "Ach ja, bei den verwandtschaftlichen Dingen. Wer war Deine Mutter?"

Mephisto spuckte vor ihm auf den Boden.

Vell schüttelte den Kopf. "Ist ja eigentlich nicht so wichtig. Ich nehme an, selbst Sar hätte das nicht genau sagen können." Bei diesen Worten flammte Mephistos Wut erneut auf, aber im Augenblick war sie hilflos. "Ich weiß, das ärgert Dich. Ich frage hauptsächlich deshalb, weil mich interessiert, wieviel Du selbst über Dich eigentlich weißt. Ich habe nach meiner Ankunft auf der Station sofort einige Nachforschungen anstellen lassen. Du bist in einem corellianischen Waisenhaus aufgewachsen. Als Sar dann anfing auf REVAL zu reagieren und immer wahnsinniger wurden, beschlossen seine Vertrauten, ihn zu ersetzen. Malakai holte mich von Kappa Labore ab und wollte mich in Uvena auftauen, Rhineheart verfolgte den Plan, Dich dazu zu benutzen, richtig? Dummerweise kam Sar Malakai auf die Schliche und ließ die Canerra abschießen. Ich überlebte als einziger. Rhineheart verfolgte daraufhin Malakais Plan weiter und ließ Dich fallen. Er hat sich als ausgesprochen gesprächsfreudig erwiesen, nachdem ich ihn ausfindig gemacht hatte. Der CIS hat ihn gut versteckt. Du solltest eigentlich eliminiert werden, aber Du hast Dich den Killern widersetzt und die Überreste von "G&A" an Dich gerissen. Als ich die Firma auflöste war sie bereits im Untergrund und tauchte dann plötzlich wieder auf um Ricaud Interplanetary zu kaufen. Für einen Spottpreis. Jetzt besitzt Du zusammen mit dieser Firma und, so wie ich annehme, mit etwa tausend anderen Firmen auf tausend anderen Welten genug finanzielle Mittel, um eine Armee aufzustellen. Wie es der Clan schon einmal gewesen war. Nur, wozu das alles?"

"Macht, was sonst.", giftete Mephisto. "Was glaubst du denn, Onkel, wozu man eine Privatarmee braucht? Ich habe Millionen von Soldaten und hunderte von Schiffen. Ich werde Corellia aus der Herrschaft des Imperiums befreien und das Diktat absetzen. Ich werde den gesamten Sektor für unabhängig erklären und selbst eine Regierung bilden. Was will das Imperium schon machen? Die haben doch schon genug zu tun an allen Fronten, Hapaner, Rebellen, Yevethaner, das ganze Universum erhebt sich doch im Augenblick. Überall herrscht Chaos, und ich, ich bin der Bote des Chaos! Wir werden zu einer Macht, die alles beherrschen wird. Das Imperium wird zerbrechen, in ein zwei Jahren vielleicht schon. Welten werden gegeneinander Krieg führen, Kolonien nach Unabhängigkeit streben, Gouverneure werden zu Diktatoren. Wenn die Zeit reif ist, werden wir kommen und alles übernehmen. Einen Sektor nach dem anderen."

Vell lachte laut. "Das glaubst Du wirklich? Mann, jedesmal wenn ich einen von meiner Familie auftreibe ist er noch wahnsinniger und dämlicher als der vorige. Ich frage mich, wer wohl Dich übertreffen wird." Mephisto schwieg eisern.

"Und dann noch dieser Name, 'Mephisto', wie aus einem alten Buch! Ich glaube es einfach nicht. Jetzt pass mal auf, Mephisto, Dein Plan ist schon längst zum Scheitern verurteilt. Alleine die 'Dominator', ein einzelner ISD könnte Deine jämmerliche Flotte überwinden. Diese Station hier ist zugegebener Maßen ein ganz anderes Kaliber, aber eine Eingreiftruppe der corellianischen Streitkräfte würde auch sie zerstören. Das bißchen was Du da hast ist gar nichts im Vergleich zur Macht des Imperiums. Du hast ja keine Vorstellung, gegen welche Größenordnung Du Dich da erheben wirst. Mit den paar altersschwachen Korvetten, Fregatten und Dreadnoughts kannst Du doch keine hochmoderne Flotte überwinden."

Mephisto grinste wölfisch. "Wollen wir wetten, mein lieber Onkel? Ich habe eine Menge Möglichkeiten, weiter zu kommen, auch mit diesen Schiffen. Ich beweise es Dir." Vell hob die Augenbrauen. Da war etwas im Gange, was ihm ganz und gar nicht gefiel.

"Schalte den Monitor dort drüben ein und gib den Code 233-545-090 ein. Dann siehst Du, was ich meine." Vell tat wie ihm geheißen und blickte gleich darauf auf eine Raumschlacht. "Was ist das?", fragte er.

"Das ist die Aufzeichnung unseres letzten Beutezuges auf einen imperialen Waffenkonvoi. Wie Du siehst, besteht unser Angriffsgeschwader nur aus zwei Großkampfschiffen, zwei Dreadnoughts. Das Ganze stammt von der Bordkamera eines Vendettas. Der Konvoi wurde von einem Sternzerstörer verteidigt. Und nun sieh genau hin!"

Vell beobachtete wie der Vendetta sich leicht zur Seite neigte und mit seinen schweren Lasern das Feuer auf eine Gruppe von TIE-Bombern eröffnete. Dem Beschuß entkam keiner der imperialen Jäger. Dann schwenkte die Kamera auf einen Dreadnought, an dessen Oberseite ein rotes Licht zu Leuchten begann. Die Kamera verfolgte mühsam den rubinroten Strahl, der sich aus dem leuchtenden Punkt löste. Der Strahl verband kurzzeitig beide Schiffe, dann begann er den Sternzerstörer langsam in Stücke zu schneiden, als ob ein heißer Draht durch Butter gezogen wurde. Teile des Sternzerstörers lösten sich und explodierten.

Am Heck bildete sich plötzlich ein blaues Leuchten, daß schnell an Substanz gewann und in einem riesigen, orangeroten Feuerball mündete, der den Zerstörer vollständig vernichtete.

"Das ist ja unglaublich!", keuchte Vell und fuhr unwillkürlich zurück. 37000 Menschen waren da gerade gestorben, wegen ein paar Waffen...

"Ja, nicht? Das Imperium forscht schon seit Jahrzehnten an dieser Lasertechnologie. Im Kleinen war sie bislang realisierbar, aber eine solch große Kanone konnte man bisher nicht bauen, weil die Energiemengen die dazu nötig sind viel zu gewaltig waren. Kein Schiff, abgesehen vom Todesstern hatte bislang eine solche Waffe. Wir haben sie geschaffen und wir bestücken jedes unserer Schiffe damit, ebenso wie diese Station. Wir sind praktisch unangreifbar. Die Imperialen können mit allem anrücken, was sie wollen, wir schneiden es in Stücke und präsentieren sie Coruscant als Geschenk."

Vell setzte sich wieder hin. Damit hatte er nicht gerechnet.

"Du könntest Dich uns allerdings anschließen. Wenn Du meine Fesseln löst und mir den Treueeid schwörst, dann könnte ich Dich langsam aber sicher zu meinem Stellvertreter aufbauen. Du hättest einen Titel und vielleicht sogar etwas Macht."

Vell schüttelte den Kopf. "Ich mache Dir einen Gegenvorschlag: Du überweist den Besitz von Ricaud Interplanetary sofort wieder an mich, außerdem veröffentlichst Du sämtliche Akten über meinen angeblich Mord an Sheila Nabokov. Du wirst mich wieder reinwaschen und ich werde im Gegenzug Deine ganzen Träume samt dieser Station nicht in die Luft sprengen. Ist das ein Angebot?"

Mephisto lachte, aber Vell zog einen Signalzünder aus seiner Manteltasche und schnippt die Sicherung weg. "Wenn ich jetzt loslasse, dann wird der Reaktor von diesem Riesenbaby hier ein ziemliches Bäuerchen machen. Und das wir alles in Stücke reißen, auch Deine gesamte Flotte."

"Das wagst Du nicht!" Vell ließ etwas lockerer. "Wollen wir wetten? Ich habe eine Pflicht als imperialer Offizier zu erfüllen. Mein Tod ist kein hoher Preis für die Vernichtung des gesamten Clans."

Mephisto sackte in sich zusammen. "In Ordnung. Binde mich los, dann werde ich die Transaktionen vornehmen. Anschließend gibst Du mir das Ding und alles ist okay."

Vell schüttelte erneut den Kopf. "Nein, Du diktierst. Dann werde ich das Ding wieder sichern und neben Dich legen. Anschließend verschwinde ich. Man wird Dich morgen früh finden, also mach' Dir mal keine Sorgen. Zu Deiner Beruhigung werde ich noch Deine Probleme melden, sobald ich abfliege, einverstanden?"

Mephisto fügte sich. Vell kaufte seine eigene Firma wieder zurück und stellte sämtliche Dokumente sicher, die seine Unschuld bewiesen. Außerdem kopierte er sämtliche Daten über die Schiffe und ihre Waffen in das Computersystem seines Jägers.

"So, ich habe meinen Teil erfüllt, Vell. Nun bist Du dran!"

"Ja...", sagte Vell und ließ den Zünder fallen. Nichts passierte. "Nicht sauer sein, Baby, aber der große Knall kommt so schnell noch nicht." Er ließ ihren Wutausbruch verebben und sagte dann: "Ich gehe jetzt, aber trotzdem danke. Ich werde sämtliche Informationen sofort dem CIS weiterleiten. Der Zünder war übrigens keine Attrappe. Ich konnte nur keine Bombe mit Funkzünder bekommen. Ich schlage vor, Du fängst jetzt gleich mal an zu beten. Du wirst es brauchen!"

Er wollte schon hinauslaufen – immerhin hatte er noch höchstens zwanzig Minuten – aber Mephisto rief ihn noch einmal zurück: "Wie kannst Du das tun, ONKEL? Vergreife Dich niemals an Deiner Familie, das haben sie mir im Waisenhaus immer wieder eingebleut. Das ist Corellia. Willst Du diesen alten Kodex brechen? Sar hat zuerst versucht, Dich zu töten, aber ich habe es nie ernsthaft versucht. Willst Du mich hier sterben lassen?"

Vell zögerte. Es verstrichen weitere, wertvolle Sekunden, dann riß er sich los und fluchte. "Das wird mir noch mehr Leid tun, als Dir, aber von mir aus. Ab mit Dir in eine Rettungskapsel. Er hob sie hoch und genau in diesem Augenblick löste Mephisto ihre nur scheinbar gefesselten Hände und schlug ihm mit voller Wucht in die Nieren. Vell stöhnte auf und brach in die Knie, Mephisto löste sich mit einer eleganten Rolle von ihm, drehte eine Pirouette und trat ihm genau in den Solarplexus, als er sich aufrichtete. Der Schlag warf ihn meterweit zurück und schleuderte ihn gegen einen Stuhl, der unter ihm zusammenbrach. Bevor Vell auch nur ansatzweise reagieren konnte war sie auch schon auf ihn zu gerannt und versuchte seinen Kopf mittels ihres Stiefelabsatzes ins untere Deck zu quetschen.

Vell entkam dem Tritt mit knapper Not. Er schlug ihr die Faust in den Magen, was sie beiläufig hinnahm, bevor sie ihn am Arm packte und gegen die Türe schleuderte. Vell rappelte sich hoch und sah seiner Gegnerin in die Augen. Er hatte noch nie so gefühllose Blicke gespürt, wie in diesem einen Moment. Sie blieb ständig in Bewegung und winkte einladend mit den Fingern. Vell zuckte mit den Schultern, zog seinen Blaster und schoß.


Ort: Weltraum, nahe der Raumstation
Zeitindex: Zwanzig Minuten später

Vell spürte einen stechenden Schmerz im Rücken. Diese Frau konnte wirklich zutreten, sie mußte unglaubliche Muskeln gehabt haben. Schade, daß er diese Muskeln nicht bei einer anderen Beschäftigung hatte sehen können... Hinter ihm wölbte sich das Zentrum der Station auf, der Feuerball wuchs rasch heran und verschlang die angedockten Schiffe von Mephistos Flotte. Die vier Rechtecke brachen heraus und wurden in die Tiefen des Weltalls geschleudert.

Vell scannte den Bereich und sprang dann in den Hyperraum. Auf ihn warteten einige Dutzend Prozesse, aber er hatte jetzt die Beweise um sich von jeder Schuld reinzuwaschen. Außerdem hatte er einen großen Sieg errungen, das sollte man ihm anerkennen. Seinen Systemen entging jedoch die kleine Rettungskapsel, die kurz vor der Explosion aus der Station geschossen war...


Ort: Imperiale Akademie auf Coruscant
Zeitindex: 010410, 1300

"Ensign a.D. Vell Ricaud meldet sich zur Stelle, Sir. Ich möchte wieder in den aktiven Dienst zurück!", meldete Vell zackig und salutierte vor dem Lieutenant, bevor er diesem seine Unterlagen reichte.

Die letzten Monate waren ziemlich stressig gewesen. Zunächst hatte man Vell angeklagt, aber von jeder Schuld freigesprochen. Das Unternehmen neu zu ordnen hatte auch zu einer massiven Entlassungswelle geführt, außerdem hatte Vell fast 60% des Konzerns verkauft und seine Firma mehr spezialisiert. Ricaud Interplanetary war nun nicht mehr so groß wie früher, aber übersichtlicher und hatte immer noch eine Menge Tochterunternehmen. Der Vorstand setzte sich aus den fünf Hauptaktionären zusammen, die jeweils 5% des Konzerns in Form von Aktien besaßen, der Rest blieb bei Vell. Der CIS und das imperiale Militär konnten die Reste des Clans dank der von Vell geretteten Daten zusammentreiben und vernichten, bis auf ein paar einzelne Piratenbanden, die es aber in dieser Form schon immer im corellianischen Sektor gegeben hatte.

Der Vorstand hatte noch einen Vertrauten von Vell dazu bekommen: Bill Maddox. Der Gute war zwar durch den Schuß schwerstbehindert, konnte kaum mehr sehen, aber sein Verstand arbeitete noch und Vell sorgte für Augenprothesen, die Maddox auf die Beine halfen. Damit war alles in guten Händen, hoffte Vell zumindest.

"Naja, bis das nächste Familienmitglied auftaucht und das Universum beherrschen will..."

Vell blickte ruckartig auf, als ihm klar wurde, daß er das laut gesagt hatte. Dann grinste er den Lieutenant an und sagte: "Ich weiß, ich weiß, nicht reden. Ab in die Grundausbildung. Ich kenne die Story schon. Wußten Sie, daß militärische Nahrung neuerdings als Biowaffen auf dem Schwarzmarkt zu haben waren..."

Das Geschrei des Lieutenants, das sich auf Disziplin und Taubheit von anderen bezog, weckte einen schlafenden Sergeanten im Wachhäuschen am Kaserneneingang. Ansonsten ging alles wieder in geordneten Bahnen...


Ende.