Dritte Flotte

Tiran Jesef

Krankenakte

Physisches Datenblatt

Der Patient Tiran Jesef ist bei optimalem Trainingsstand in jeder Hinsicht körperlich tauglich für die vorgesehenen Einsatzprofile. Die zahlreichen Vernarbungen von physischen Disziplinarmaßnahmen und diversen Verwundungen im Einsatz schränken ihn nicht ein. Das Lungentransplantat zeigt bislang keine Rejektion, dennoch sollte der Patient den Konsum von diversen Rauschmitteln wie T'bac und Alkohol noch weiter reduzieren. Weiterhin sind alle für die Spezies Twi'lek üblichen medizinischen Besonderheiten zu beachten, insbes. hinsichtlich der Memnopoden. Sportmedizinisch bemerkenswert ist die Verteilung der Muskulatur des Patienten, die man für einen Menschen bei seinem Bewegungsprofil nur als ideal bezeichnen könnte. Für einen Twi'lek hingegen ist er etwas zu muskulös und zu schwer.

Übersicht
Erworbene med. Charakteristika
  • diverse schwere Narben von Schnitt- und Verbrennungswunden am ganzen Körper
  • älteres Narbengewebe von Peitschenhieben
  • diverse ausgeheilte Knochenbrüche
  • große Operationsnarbe im Oberbauch links (Verpflanzung einer künstlichen Lunge)
  • schwach grünliche Verfärbung der Lekku durch gesteigerten Alkoholkonsum
Bioimplantate
  • linker Lungenflügel durch biomedizinische Prothese rejektionsfrei ersetzt

Psychisches Datenblatt

Eingangs ist festzuhalten, dass der Patient Tiran Jesef nur auf Anordnung durch die chirurgische Beratungsstelle zum psychologischen Gespräch vorsprach. Anlass für diese Anordnung war sein Wunsch, sich aus vorgeblich praktischen Erwägungen beide Memnopoden (Eigenbezeichnung "Lekku") amputieren zu lassen, damit er in Zukunft nicht mehr auf einen speziellen Helm angewiesen sei. Der Patient bezeichnete diese Notwendigkeit als diskriminierend und erklärte sich weiterhin dazu bereit, die Kosten für diesen Eingriff vollumfänglich selbst zu tragen. Das Ansinnen wurde von dem beratenden Chirurgen jedoch abgelehnt, weil eine solche Amputation unvorhersehbare gesundheitliche Risiken nach sich ziehen würde. Daraufhin zog der Patient die Bitte sofort zurück, augenscheinlich nur aus Angst vor einer körperlichen Untauglichkeit zum Militärdienst.

Die ursprüngliche truppenpsychologische Beurteilung des Patienten durch den Musterungsarzt war noch unauffällig, lässt in ihrer Ausführung jedoch auch die normalerweise gerade für nichtmenschliche Rekruten vorgeschriebene Gründlichkeit vermissen. Im folgenden Patientengespräch konnten dagegen beunruhigende Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung festgestellt werden, welche die Tauglichkeit für den weiteren Militärdienst tatsächlich in Frage stellen könnten.

Nach dem ersten Eindruck ist der Patient Tiran Jesef im imperialen Militär gut integriert, diensteifrig und zufrieden. Berücksichtigt man allerdings seine nichtmenschliche Herkunft, ist er sogar in einem bedenklichem und für ihn selbst wahrscheinlich schädlichen Maße in ein Leben entsprechend der imperialen Neuen Ordnung integriert. Er wurde fraglos von Kindheit an stark von völkischer, insbes. promenschlicher Propaganda geprägt und zum Hass auf alle Nichtmenschen erzogen, was nicht nur seine eigene Familie, sondern auch ihn selbst mit einschließt. Bestärkt durch sein rassistisches Umfeld bildete der Patient somit einen tief verwurzelten Minderwertigkeitskomplex aus. Obwohl er sich selbst scherzhaft als "verunglückten Menschen" bezeichnet und versucht, seine Herkunft zu verleugnen, sind die seelischen Verwerfungen seines inneren Konflikts bereits deutlich an seinem Verhalten abzulesen. Hier fallen besonders häufige Verstöße gegen die Disziplinarordnung im Regulardienst auf, im Kampfeinsatz auch eine Neigung zum Sadismus und zu exzessiver Gewaltanwendung, die allesamt seit Jahren in seiner Dienstakte vermerkt sind, aber anscheinend niemandem jemals Anlass zur Besorgnis boten.

Befragt man Jesef über seine persönlichen Ziele, behauptet er, wunschlos glücklich zu sein, solange er nur weiterhin an der Seite seiner Waffenbrüder in die Schlacht ziehen dürfe. Er habe längst akzeptiert, dass er in dem politischen System, für das er eintritt, selbst niemals Karriere machen oder sich anderweitig selbst verwirklichen könne. Dies trifft auch für ein mögliches Zivilleben zu, eine Vorstellung, die er sich nicht einmal ausmalen möchte. Er habe den Entschluss gefasst, im Dienste des Imperiums zu leben und zu sterben, mithin niemals zu heiraten oder gar Kinder in die Welt zu setzen: Kinder seien ihm ja überhaupt nur mit einer "nichtmenschlichen Frau" möglich — auch hier vermied er die Nennung der eigenen Spezies — und könnten ja selbst "nur eine nichtmenschliche Brut werden", somit ein Hohn für alles, wofür er kämpfe. Für ihn käme ohnehin nur eine menschliche Frau in Frage, und gesetzt den Fall, dass er eine fände und die gegenseitige Liebe tatsächlich ausreichen sollte, um über eine Ehe nachzudenken, dann werde er sie letzten Endes doch nur gesellschaftlich ins Abseits drängen: folglich sei auch das illusorisch. Er bevorzuge daher oberflächliche und kurzlebige Beziehungen zum anderen Geschlecht.

Erst durch eine Beobachtung des Patienten im Umfeld seiner Kameraden und seines Freundeskreises stellte sich heraus, dass er in der Tat weitgehend integriert ist, und zwar im besten Sinne: Er verfügt über zahlreiche und stabile soziale Kontakte, wird unbesehen seiner Herkunft von den meisten als Gleicher unter Gleichen behandelt und scheint nur wenige Entscheidungen in seinem Leben zu bereuen — einer davon ist es allerdings, sich der Eheschließung mit einer menschlichen Frau verweigert zu haben, als er die Chance dazu hatte.

Hinsichtlich des Anlasses zu dieser Neubeurteilung der Diensttauglichkeit von Tiran Jesef kann man insgesamt den Schluss ziehen, dass der Patient zwar tiefgreifende Persönlichkeitsstörungen aufweist, die weiter beobachtet und nach Möglichkeit therapiert werden sollten; dennoch steht einer Weiterverwendung nichts im Wege, solange sein soziales Umfeld einigermaßen stabil bleibt.