Dritte Flotte

Jalon Nerroth

Lebenslauf

Jalon Nerroth wurde in den untersten Etagen von Imperial City im Jahre 20 v. E. geboren. Sein Vater Dargo war ein verstümmelter Kriegsveteran, der eine kleine Reperaturwerkstatt für Personentransporter betrieb. Dargo hat niemals mit Jalon über seine Mutter gesprochen, die kurz nach Jalons Geburt gestorben war. Eine Beziehung zu seiner Mutter hat Jalon niemals aufbauen können, für ihn existierte lange Zeit etwas wie eine Mutter gar nicht. Er wurde streng und diszipliniert von seinem verbitterten Vater erzogen und schon früh mit dem Umgang mit Schusswaffen vertraut gemacht, die er aufgrund der Wohnverhältnisse auch benötigte. Jalon nahm aus der Werkstatt seines Vaters ein enormes Wissen über Technik und Mechnanik mit, interessierte sich zunächst aber vor allem, trotz seines wenig betörenden Aussehns, für Mädchen und für Kneipen, in denen er sich jede Nacht herumtrieb und wo es nicht selten zu Schlägereien kam.

Fast jeden Abend kam Jalon mit zerschundenen Gliedmaßen nach Hause, die sein Vater gleich noch weiter mit Schlägen strafte. Schon als Junge härtete sich Jalon gegen körperliche Attacken ab und wurde im Laufe der Jahre zu einem gefürchteten Kämpfer, mit dem sich höchstens Fremde anlegten — und dies später in der Regel bereuten. Zu dieser Zeit geriet Jalon bereits mit dem Gesetz in Konflikt und wurde mehrmals aufgrund von Kneipenschlägereien und aufmüpfigen Benehmens auffällig. Um eine weitere Ausbildung mit Nahkampfwaffen finanzieren zu können, schmuggelte Jalon schon früh kleinere Mengen an harmlosen Rauschmitteln, Bacta und technischen Ersatzteilen. Schon bald konnte er eine kontinuierliche Schulung bei einem seiner Unterhändler bezahlen und erlangte beachtliche Fähigkeiten, die er in seinen körperlichen Auseinandersetzungen perfektionierte.

Die einzige intensive Beziehung, die Jalon in dieser Zeit aufbaute, war die zu seiner etwas jüngeren Schwester Enya, die im Ersatzteillager der Werkstatt arbeitete und sich nicht selten zusätzliches Geld als Tänzerin in einer von Jalons Stammbars dazuverdiente. Da jeder wusste, dass es sich um Jalons Schwester handelte, wagte es niemand, sie anzurühren, doch Jalons weitere Verstrickungen in die Kriminalität sollten fatale Folgen haben.

Im Zuge seines Handelns mit immer effektiveren Rauschmitteln kam Jalon selbst in Kontakt mit den Stoffen und entdeckte rasch seinen unstillbaren Durst, ja eine zügellose Gier nach ekstatischen Zuständen und immer hemmungsloseren Exzessen. Als er eines Nachts mit Enya auf dem Heimweg war, wurde er von einer gegnerischen Schmugglerbande überfallen und übel zugerichtet. In völlig berauschtem Zustand konnte er nur mit ansehen, wie die Bande über seine Schwester herfiel und sie ermordete. Dieses Erlebnis bedeutete für Jalon einen totalen Zusammenbruch. Nach einer kurzen Haftstrafe beschloss er, den Drogen abzuschwören und eine vernünftige Ausbildung zu absolvieren. Ein alter Offizier seines Vaters ermöglichte ihm (motiviert durch die Überreste der Schmuggelware Jalons) das Studium an der Imperialen Akademie von Coruscant. Hier schlug er den Weg ein, der seine Leidenschaft war: Er wollte sich der Erforschung psychoaktiver Stoffe widmen. Doch die Auseinandersetzung mit seiner eigenen Gier überforderte Jalon. Er konnte den Schmerz über den Tod seiner Schwester nicht verdrängen und fühlte sich direkt für das schreckliche Ende Enyas verantwortlich. Die Gedanken daran trieben Jalon schier in den Wahnsinn. Seine Leistungen auf der Akademie wurden immer miserabler, und auch fühlte er sich nicht mehr dazu in der Lage, ohne die Hilfe von Rauschmitteln mit seinem irrsinnigen Schmerz fertig zu werden. Doch gerade in seinen Rauschzuständen stürmten die Bilder vom Tod seiner Schwester mit ungeheurer Wucht auf ihn ein, so dass er immer stärkere Dosen einnahm und sich immer weiter in seine Sucht hineinsteigerte. Sein psychischer Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag, und er brach, sich in furchtbarer Verfassung befindend, sein Studium an der Akademie ab. Dass sein Vater ihn dafür verdammte, interessierte ihn nicht — überhaupt reagierte er auf alles mit totaler Resignation. Das Einzige, was ihn zu dieser Zeit am Leben erhielt, war die Suche nach den Mördern seiner Schwester. Er nutzte seine Beziehungen zu ehemaligen Kommilitonen der Akademie, um sich Implantate und Drogen zu beschaffen, die seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten für eine Weile stark steigern konnten.

Die Wirren nach der Schlacht um Endor zogen Jalon in den Wirbel der Gewalt, der auf Coruscant herrschte. Mit Politik hatte Jalon nie viel zu tun gehabt, doch die Rebellion hatte er schon immer verachtet. Als sein Vater während des Angriffs der Rebellen auf die Stadt getötet wurde, war er entschlossen, sich aktiv gegen die Rebellen zu stellen. Auch wenn die Beziehung zu seinem Vater stets kalt gewesen war, so war er doch die einzige Person auf der Welt, die ihm noch etwas bedeutet hatte; auch wenn er sich das davor nicht hatte zugestehen wollen. Nach der Besetzung Coruscants nutzte Jalon seine alten Kontakte, tauchte unter und kämpfte nach bestem Vermögen gegen die Besatzer. Seine Nahkampffähigkeiten, sein perfekter Umgang mit Waffen und das Beherrschen von Chemikalien und Sprengstoffen machten ihn zu einem führenden Kopf des Widerstands. All seinen Hass und seine Wut wegen des Todes seines Vaters und vor allem wegen des Todes seiner Schwester konnte er der Neuen Republik entgegenschleudern, was er mit Eifer tat. Seine Mitkämpfer wussten sein strategisches Genie, seinen Mut und seine Fähigkeiten zu schätzen, jedoch war er ihnen wegen seiner andauernden Gefühlsausbrüche und seiner Jähzornigkeit (vor allem im Suff) unheimlich.

Als Corsucant im Jahre 05 n. E. endlich wieder imperialer Sitz wurde, vertrieb Jalon mit seinen Anhängern die Rebellencollaborateure und -sympathisanten mit aller Gewalt aus dem Viertel. Besonders in den unteren Etagen der Stadt tobten heftige Straßenkämpfe. Dort sah er sich auf einmal den Mördern seiner Schwester gegenüber. Ein unbändiges Gefühl des Zorns ergriff ihn und gerade wollte er auf seine alten Peiniger losstürmen, da wurde er von einem imperialen Ordnungskommando festgenommen, weil er fälschlich für einen Rebellensympathisanten gehalten wurde. Da sich viele Leute für ihn verbürgten und seine Widerstandstätigkeit offensichtlich war, wurde er sofort wieder auf freien Fuß gesetzt. Doch der Anblick der Mörder seiner Schwester hatte in ihm einen Trieb wiedererweckt, der wegen Jalons psychischem Zustand extremer war als je zuvor und den man nur noch als Wahnsinn beschreiben konnte. Er setzte alles daran, die Bande aufzuspüren. Nach längerer Suche gelang es ihm, die beiden überlebenden Mitglieder der Gruppe zu stellen und ein grausames Blutbad anzurichten, das an Brutalität und Langsamkeit der Tode schwerlich zu übertreffen war.

Dass er eine milde Strafe erhielt, verdankte er seiner Aktivität als Widerstandskämpfer und dem Umstand, dass der Leiter des Standgerichts einer seiner Anhänger gewesen war. Nach dem Chaos auf Coruscant wurden kleinere Fälle zu Hunderten am Fließband abgefertigt, und so war es ein Leichtes, mit ein paar Bekanntschaften und Schmiergeld seine Strafe zu mindern oder ganz davonzukommen. Seine eh schon kurze Haft wurde durch Jalons außerordentlich gute Führung noch einmal verkürzt. Er widmete sich der Arbeit in der Werkstatt des Gefängnisses und gelangte zu einer schon lange nicht mehr in ihm vorhanden gewesenen inneren Ruhe. Als er nach einem Jahr im Jahre 06 n. E. entlassen wurde, hatte er sein Suchtproblem weitgehend gebändigt. Immernoch trieb ihn eine Gier nach Exzessen und Genuss, und auch seine Leidenschaft für Implantate und Rauschmittel war keineswegs geschrumpft, doch war er nun dazu in der Lage, sich selbst zu kontrollieren. Davon, dass er weiterhin starke Mittel zu sich nahm, wusste zu dieser Zeit niemand mehr. Jalon verstand es, seine Vorliebe zu verstecken, zumal er eh niemanden nahe an sich heran ließ. Die kommenden Jahre verbrachte er mit dem Handel mit Implantaten, wodurch er sich auf dem Schwarzmarkt ein gutes Einkommen sichern konnte. Ununterbrochen nahm er außerdem an Wettkämpfen in den lokalen Kneipen teil, um sich etwas dazuzuverdienen und seine Nahkampffähigkeiten aufrecht zu erhalten. Mit Hilfe ehemaliger Mitkämpfer aus dem Untergrund, die inzwischen ihre alten oder neuen Posten in der wiederhergestellten imperialen Behörde eingenommen hatten, konnte Jalon trotz seiner wenig prunkvollen Akte die Bewerbung bei der kaiserlichen Flotte einreichen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Jalons Leben ihn schon extrem abgehärtet. Sein durchbohrender und flammender Blick sowie seine geschundene und kräftige Statur machten ihn zu einer furchterregenden Erscheinung. Sein nach wie vor enormer Selbsterhaltungswille trieb ihn dazu, sich weiterhin der Sache zu widmen, an die er inzwischen mit unbrechbarer Loyalität glaubte: Der Dienst für das Imperium. Endlich hatte er einen Sinn gefunden, eine Sache, für die es sich lohnte, zu leben — und zu sterben.