Dritte Flotte

Torben Noon

Krankenakte

Physisches Datenblatt

Torben Noon ist ein kleines medizinisches Phänomen. Er leidet seit Jahrzehnten an der sog. "Zentrumspest", einer äußerst seltenen Krankheit, deren Ursache ebenso unbekannt ist wie aussichtsreiche Therapien. Sie heißt so, weil anscheinend nur Zentrumsbewohner von ihr befallen werden können. Mit wenigen Ausnahmen führt die Zentrumspest binnen weniger Jahre unweigerlich zum Tode. Schon das Frühstadium ist mit quälenden chronischen Schmerzen verbunden. Im Endstadium schließlich stirbt der Körper von den Extremitäten her langsam zur Körpermitte hin ab. Die Nekrosen fressen sich durch den Körper und bilden zunächst auf der Haut beulenartige, steinharte Verdickungen aus, die an die längst ausgerottete Beulenpest erinnern. Dann verhärtet mit der Zeit das gesamte darunterliegende Gewebe und lässt sich zuletzt wie Glas einfach abbrechen. Ein häufiger Sekundärbefund sind Thrombosen. Rechtzeitige Amputationen können den Prozess häufig hinauszögern.

Noon ist der einzige bekannte Patient, der schon seit Jahrzehnten mit dieser Krankheit lebt, nachdem der Krankheitsverlauf noch vor dem Erreichen des Endstadiums auf unbekannte Weise zuerst verzögert, dann völlig eingeforen wurde. Ein behandelnder Arzt glaubte sogar zeitweilig bedeutende Verbesserungen des Krankheitsbildes festzustellen. Eine der glaubhafteren Theorien macht sein beinahe ununterbrochenes Leben in der beinahe klinisch reinen, künstlichen Umgebung eines Raumschiffs dafür verantwortlich. Trotz intensiver Testreihen durch die besten Spezialisten auf diesem Gebiet konnte aus seinem speziellen Fall bislang noch keine Therapie für andere Patienten abgeleitet werden.

Noon galt jahrelang als mehr oder weniger beschwerdefrei, ehe er vergangenes Jahr während dem Einsatz auf Tatooine seinen letzten schweren Schub erlitt. Ihm mussten in der Folge beide Beine amputiert werden. Nach dem Krankheitsbild ist er damit nun ins Endstadium eingetreten.

Übersicht
Erworbene med. Charakteristika
  • div. ausgeheilte Knochenbrüche
  • großflächiges Narbengewebe an Rücken und Beinen aufgrund schwerer Brandverletzungen
  • Raucherlunge aufgrund starken T'bac-Konsums in der Jugend
  • Amputation beider Beine
  • stark eingeschränkte Bewegungsfähigkeit beider Arme
Bioimplantate
  • div. Medikationsports
  • Bioprothesen anstelle der Beine ab dem Hüftgelenk
Krankheiten und Therapien
  • Zentrumspest im Endstadium (Therapie unbekannt)

Psychisches Datenblatt

Trotz oder vielleicht auch wegen seines schweren Krankheitsweges ist die Persönlichkeit von Herrn Torben Noon äußerst gefestigt. Er ist ein ruhiger Gesprächspartner und aufmerksamer Zuhörer, obwohl er hin und wieder zu unflätigen Bemerkungen und milden Rüpeleien neigt. Eigenen Angaben zufolge war er in seiner Jugendzeit noch deutlich vorsichtiger und zurückhaltender, als er es heute ist; heute jedoch möchte er gemäß dem Motto, "weil ich nichts zu verlieren habe", die ihm verbleibende Zeit voll auskosten.

Dass er die tödliche Krankheit so lange überlebt hat, hat in Herrn Torben Noon ein gewisses Gefühl der Unverwundbarkeit gedeihen lassen, das in der Vergangenheit durchaus problematische Züge angenommen hat. Vorgesetzten gegenüber nimmt er kein Blatt vor den Mund, wenn er seine Meinung kundtun möchte, allerdings hat er eine Begabung dafür entwickelt, den rechten Tonfall zu treffen und Kritik nur so zu üben, dass sie zwar von dem Adressaten gehört wird, sonst aber von möglichst niemandem.

Raumschiffe steuert er hingegen mit Umsicht und plant Hypersprünge mit großer Präzision, weil dabei nicht nur sein Leben auf dem Spiel steht. Dem eigenen Leben misst Herr Noon nur noch wenig Bedeutung bei, große Bedeutung allerdings dem Leben seiner Kameraden. Diejenigen unter ihnen, die er respektiert, betrachtet er gleichermaßen als seine Ersatzfamilie. Vor allem ein bestimmter junger Soldat, Kurdan Hawl, lag ihm aufgrund einer eingebildeten Überlebensschuld gegenüber dessen Großvater, seinem ersten Kommandanten, persönlich sehr am Herzen. Der abgebrochene Kontakt nach dessen Ausscheiden aus dem Flottendienst schmerzt Herrn Noon noch immer.

Das Verhältnis zu seiner eigentlichen Familie, namentlich seiner Tochter, scheint hingegen angespannt zu sein. Herr Noon versucht das Thema zu meiden, doch seinen wenigen Äußerungen kann man entnehmen, dass seine Tochter ihm nie verziehen hat, dass er wegen seiner Krankheit auf die Eheschließung mit ihrer Mutter verzichtet hat. Erst in den letzten Jahren scheint eine Annäherung stattgefunden zu haben, die aufgrund der räumlichen Distanz jedoch bislang fruchtlos blieb.

Der letzte Krankheitsschub und der damit einhergehende weitgehende Verlust seiner motorischen Fähigkeiten hat ein schweres seelisches Trauma bei Herrn Noon ausgelöst. Mehrfach sprach er das Thema Suizid an, aber noch hält ihn die Hoffnung aufrecht, eines Tages seine Enkeltochter leibhaftig zu sehen.