Dritte Flotte

Dr. Crank

Lebenslauf

Die Vergangenheit des "Herrn Doktors" ist sicher schillernd, aber er selbst hüllt sich darüber größtenteils in Schweigen. Da seine Art der Arbeit auf Diskretion angewiesen ist, gibt es auch nur sehr wenige konstante Bekanntschaften und Freunde in seinem Leben, die man darüber ausfragen könnte.

Aktenkundig ist, dass Dr. Crank einstmals zum Adel der Gran von Malastare zählte. Vor über vierzig Jahren war er noch der Graf Rinx Arrus Mateem und auf dem besten Weg, ein renommierter Forscher zu werden. Schon damals waren seine Ruhmsucht und sein Wunsch nach Luxus ausgeprägt, viel stärker aber noch sein Forschergeist. Unter seinen Mentoren galt Mateem als Phänomen, erreichte die Approbation in Rekordzeit und schrieb seine Dissertation über komplexe Autoimmunkrankheiten, eines der medizinischen Fachgebiete, die ihm bis heute besonders am Herzen liegen. Auf diesem Gebiet forschte und lehrte er auch über Jahre an der Universität; doch er trieb es mit seiner Neugier zu weit, verließ den Pfad der rechtschaffenen Forschung und wurde schließlich bei abscheulichen illegalen Experimenten erwischt, die nicht nur seine Karriere, sondern auch den Ruf seiner vornehmen Familie ruinierten. Dem einstigen Hoffnungsträger wurde seine Approbation entzogen und das Volk der Gran erklärte ihn zu einem Namenlosen. Die Rückkehr nach Malastare oder auf eine andere Heimatwelt seines Volkes wurde ihm unter Todesstrafe verboten.

Wie er sich in der Folgezeit durchschlagen konnte, ist nicht genau bekannt. Etliche Fundstücke in seinem Besitz, etwa Kunstwerke, Fotos und ähnliche Erinnerungsstücke, deuten auf eine Verbindung zum hapanischen Adel in dieser Zeit hin. Vor wenigstens zwanzig Jahren ließ sich Mateem schließlich in den unteren Ebenen Coruscants nieder und mauserte sich dort zu einem "Söldner im Laborkittel", in dessen Hinterhofpraxis nicht viele Fragen gestellt wurden. Mit seinem Wissen und seinen Möglichkeiten hätte er in jenem Elendsviertel sicher viel Gutes tun können, doch er behandelte stets nur zwei Arten von Patienten: jene, die viel Geld dafür bezahlten, und jene, die einen interessanten Fall zu bieten hatten. Vermutlich wurden viele andere von ihm abgewiesen, selbst wenn sie auf seiner Türschwelle verbluteten. Auch zu den Glücklichen, die er behandelte, war er niemals unnötig freundlich, und so hatte er bald seinen heutigen Namen weg. Außer jenen mit Zugang zu polizeilichen Dokumenten kennt ihn heute sicher keiner mehr unter seinem Geburtsnamen.

Allerdings nannte man Dr. Crank unter der Hand auch die letzte Hoffnung für jene, die andere Ärzte schon abgeschrieben hatten. Diese besonders schwierigen Fälle faszinierten ihn, ihretwegen war er Arzt geworden. Moralische oder ethische Gesichtspunkte spielten für ihn schon lange keine Rolle mehr, wichtig waren für ihn allein der Erkenntnisgewinn und die Herausforderung. Sicherlich überlebte nur ein Bruchteil seiner verzweifelten Patienten die Tortur seiner experimentellen Methoden, aber diejenigen, die es schafften, bezahlten ihn fürstlich.

Angesichts seiner Tätigkeiten war es auf Coruscant natürlich nicht immer sicher für Dr. Crank, vor allem während der kurzen Herrschaft der Neuen Republik, denn irgendwann nahm ihre Polizeibehörde doch die Spur einiger verschwundener Obdachloser auf, und von da an war der Weg zu ihm nicht mehr weit. Doch Crank hatte vorgesorgt. In dieser Zeit reiste er viel umher und behandelte hier und da für ein wenig Schutz und Luxus auch Patienten, die er normalerweise abgelehnt hätte. Wenigstens musste er so nie die Kernwelten verlassen, denn nirgendwo sonst konnte er den gewohnten Lebensstandard genießen. Dennoch musste er wegen "kleinerer Vergehen" wie unterlassener Hilfeleistung oder Körperverletzung einige kurze Gefängnisstrafen absitzen.

Vor etwas mehr als einem halben Jahr, kurz nach der Eroberung Naboos durch die Dritte Flotte, engagierte schließlich Niek Dschany den alten Mann. Dr. Crank fühlte sich auf Coruscant unter imperialer Herrschaft zwar wieder einigermaßen heimisch, aber Dschany stellte ihm eine unverschämt große Belohnung in Aussicht, wenn es ihm gelingen sollte, seinen Sohn Eloun zu heilen, dessen Zustand sich kein anderer Arzt bislang erklären konnte. Anstelle der Belohnung handelte Crank etwas anderes aus: Wohnrecht und eine Festanstellung auf dem luxuriösen Flaggschiff der "Dragonflys".

Letzten Endes hatte Crank zwar keinen Erfolg, denn Eloun Culu kam von selbst wieder zu sich; das hinderte den Doktor aber nicht daran, dies trotzdem vollmundig seiner Behandlung zuzuschreiben. Dschany behielt ihn aber ohnehin an Bord, denn einen genialeren Arzt hatten die Dragonflys noch nie in ihren Diensten. Und Crank wiederum will seinen Lebensabend nicht in der Unterstadt von Coruscant verbringen — da lässt er sich lieber hin und wieder von seiner reizenden Assistentin Lilé wegen einer banalen Schussverletzung belästigen. Und eigentlich ist es ja auch gar keine Belästigung. Die kleine Sklavin ist ebenso wissbegierig wie er...