Dritte Flotte

Tordesian "Ian" Veleany

Lebenslauf

Leben in der Kommune

Wer auf Gromor's Will geboren wird, lebt von Anfang an in einer abgeschotteten, streng reglementierten Parallelwelt. Es gelten hier andere Gesetze und andere Vorstellungen von Richtig und Falsch, als es sonst irgendwo der Fall wäre, und als besonders falsch gilt es, wenn einer freiwillig Soldat werden will. Tordesian Veleany, der jüngste Sohn in der Erbfolge, ist damit das schwarze Schaf der Familie.

Sein Geburtsort, Gromor's Will, ist eine gigantische Farm auf Agamar, gar nicht weit von der Hauptstadt Calna Muun. Das Hauptprodukt dieser Farm ist ein einheimischer Likör namens Pavis, dessen Zutaten auf weitläufigen Plantagen angebaut werden; allerdings wird auch alles andere zum Überleben Notwendige nach Möglichkeit selbst erzeugt, so dass die wenigsten Familienmitglieder das Grundstück je verlassen müssen. Dazu besteht für die meisten auch kein Anlass: Innerhalb ihrer kleinen Welt leben die Veleanys fast wie in einer Kommune. Alle Familienmitglieder werden mit Kost und Logis versorgt und erhalten eine Art Taschengeld. Es gibt an Infrastruktur alles von einem kleinen Kraftwerk bis hin zu einer eigenen Wasserversorgung, auch eine kleine Schule und sogar ein kleines Krankenhaus auf dem Gelände, und so gibt es nur für ein Universitätsstudium oder kompliziertere Krankheitsfälle (wie im Fall einer chronischen Erkrankung von Tordesians Zwillingsschwester, Gedaia) einen gelegentlichen echten Grund, die Farm zu verlassen. Ansonsten bleibt man am liebsten unter sich und innerhalb der Familie.

Wer genau wie zur Familie gehört, ist jedoch recht kompliziert. Die Verwandtschaftsgrade sind weitläufig und teilweise nur noch mit der genauen Kenntnis des Stammbaumes nachzuvollziehbar. Verheiratungen von Cousinen und Cousins sind nicht unüblich. Dennoch sind die Veleanys eine derart alteingesessene Familie, dass sie mit einem Großteil der Außenstehenden dennoch alte Blutsbande teilt: Man muss nur weit genug im Stammbaum zurückgehen, dann findet sich schon eine Verbindung. Auf dem Grundstück leben derzeit mindestens 983 Mitglieder der Familie Veleany (Stand: 09 n. E.), dazu saisonabhängig noch etwa 500 Mitarbeiter sowie noch einmal etwa 500 Droiden. Letztere sind zum Teil ausrangierte Kampfdroiden aus den Klonkriegen und werden zur Bewachung der Plantagen und der Grundstücksgrenze eingesetzt.

Die internen Regeln und Gesetze sind für Außenstehende daher nicht umsonst ein großes Rätsel, und auch für ihre agamarischen Nachbarn gelten die Veleanys als Sonderlinge und Spinner. Die Familie gilt jedoch als unpolitisch und rein wirtschaftlich interessiert. Externe Einmischung jeder Art ist unerwünscht und Politik hat im Hause deshalb auch nichts zu suchen, wenngleich die Familie ihre Fahne immer mit der aktuellen Regierung dreht. Dafür weiß jeder auf Agamar, dass das Familienvermögen riesig sein muss, obwohl kein Veleany darüber je ein Wort verlieren würde. Auf jeden Fall sind die Veleanys auch wichtige Arbeitgeber und Steuerzahler in der Region und konnten sich ihren Sonderstatus daher egal unter welcher aktuellen Regierung immer erfolgreich bewahren. Und so sind auch die großen Kriege der letzten Jahrhunderte meistens spurlos an Gromor's Will vorübergegangen.


Leibgardist des Kaisers

Als Ian sich schließlich freiwillig zum Militärdienst meldete, war er sich vollkommen darüber im Klaren, dass er damit gegen die Prinzipien der Familie verstieß. Soldaten waren und sind in den Augen seiner Leute die wohl wertlosesten Mitglieder der Gesellschaft, unter denen nur noch Kindsmörder und Vergewaltiger rangieren. Aber es fiel Ian trotzdem nicht schwer, das schwarze Schaf zu sein, denn er fühlte sich sein ganzes Leben schon als Außenseiter in der eigenen Familie. Als Farmer eignete er sich erst recht nicht: Zu wenig Geduld. Glücklicherweise lernte er eher zufällig einen Stormtrooper kennen, von dem er heute nicht einmal mehr den Namen wüsste. Aber der Mann behandelte ihn gut, besser als seine eigene Familie, und inspirierte ihn mit Geschichten vom ruhmreichen Imperator Palpatine und seiner Vision von einer Neuen Ordnung zu seiner Entscheidung, selbst ein Stormtrooper zu werden. Mehrere Jahre lang trainierte der Junge in aller Heimlichkeit für dieses große Ziel. Einzig und allein seine Zwillingsschwester, Gedaia, unterstützte ihn bei diesem Vorhaben. Nur zu ihr hat er heute noch ein entspanntes Verhältnis.

Auf Carida stellte sich schnell heraus, dass sich die Plackerei gelohnt hatte: Ian überragte die anderen Rekruten in vielen Belangen. Seine Disziplin, aber vor allen Dingen sein von Geburt an antrainierter Wille zum Gehorsam waren es, die ihn zum perfekten Kandidaten für die kaiserliche Ehrengarde machten.

Was genau dem jungen Soldaten Veleany in den Reihen der Leibgarde widerfuhr, hat er bis heute nie erzählt und wird er wohl auch nie erzählen. Gesichert ist, dass er die harte Ausbildung in einem geheimen Trainingszentrum abschloss und auch die brutale Abschlussprüfung bestand: Im Zweikampf tötete er einen Kameraden vor den Augen Kaiser Palpatines und durfte von da an die roten Roben der Ehrengarde tragen. Auch dürfte er eine sehr enge Bindung zu seinem Duellgegner gehabt haben, was unter den Anwärtern nicht unüblich war. Diese Erfahrung veränderte ihn, denn von da an existierte Veleany nur noch, um dem Kaiser zu dienen. Warum er schlussendlich zu den Sturmtruppen zurückkehrte, anstatt, wie es vorgesehen war, an der Seite des Imperators zu sterben, ist nur wenigen bekannt. Die wahrscheinlichste und von den Meisten auch akzeptierte Erklärung ist, dass es gerade einfach sein Turnus im aktiven Dienst an der Front war, den jeder Gardist von Zeit zu Zeit einlegen musste.


Neuanfang bei der Dritten Flotte

Über seine Zeit als Leibgardist spricht Ian nie, vor allem nicht von sich aus, und auch nur die Wenigsten wissen darüber Bescheid. Doch allen ist klar, dass er eine finstere Zeit hinter sich hat und seit dem Tod seines Kaisers und dem rätselhaften Verschwinden seiner letzten Brüder von der Ehrengarde versucht, eine große Leere zu ausfüllen. Seither genießt er einen Ruf als großer Verführer und Frauenheld, der sich immer mehrere "Bekannte" gleichzeitig warm hält; aber er gilt auch als ewig unzufriedener Vorgesetzter und als großer Sadist: Fehler bestraft er nur allzu gern mit der Peitsche. Den meisten Kameraden gegenüber gibt er sich unnahbar und zeigt nur selten, was er wirklich fühlt, und aus all diesen Gründen wurde er meistens nach wenigen Monaten auf einem Dienstposten in eine andere Einheit weitergereicht: auch in seiner letzten Funktion als Phalanxführer in der 512. Kohorte kam, wie inzwischen fast üblich, wieder keiner seiner Männer mit seinem unerbittlichen, fordernden Führungsstil zurecht. Jetzt haben ihn die Jungs von der 7406. an der Backe.

Mit Frauen kommt er erst recht nicht dauerhaft klar, mehr als eine intensive körperliche Beziehung kann keine von ihm erwarten. Er war zwar sogar kurz mit einer gewissen Jersa Na'sdegar verheiratet, jedoch ließ sie sich von ihm scheiden, weil er einfach nicht treu sein kann und will. Zu seinen wechselhaften Eroberungen gehören zu viele Frauen, um sie an dieser Stelle aufzuzählen, aber eine von ihnen war die Sanitäterin Varia Uhe, die ihre früheren Probleme auf ihn projizierte und bald unbeirrbar der fixen Idee von einer festen Beziehung mit Veleany anhing. Varia erwischte ihn auch völlig auf dem falschen Fuß, denn nach dem Tod seiner Nichte Adene, für den er sich die Schuld gab — schließlich hatte er sie erst zum Militärdienst inspiriert — ließ Veleany sich ziemlich gehen, Varia brachte ihn zum Reden und sog seine Probleme auf wie ein Schwamm. Erst kürzlich versuchte sie, ihr Wissen gegen ihn zu verwenden, als sie endlich einsah, dass sie niemals eine Beziehung mit ihm haben würde, und verbündete sich zu diesem Zwecke sogar mit Aphatraxus Kymerii. Unerwartet kam Ian sein eigener Untergebener, Sergeant Diamond, zu Hilfe, kehrte alle "Beweise" für Veleanys angebliche Sünden und Vergehen unter den Teppich und zerstörte mit Hilfe seiner "Dreckfresser" Varias Glaubwürdigkeit völlig. Sie landete deswegen unlängst in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie, während Ian Veleany womöglich zum ersten Mal in seinem Leben echte Freunde gefunden hat.