Dritte Flotte

Raffi Nibbit

Lebenslauf

Im Gegensatz zu den anderen Kriminellen an Bord der Liyquaze musste man Raffi Nibbit einfach nur freundlich bitten, seine Lebensgeschichte zu erzählen.

Seine Heimat, Chad III, verließ Raffi im frühen Erwachsenenalter, um wie viele andere Exilanten der hohen Arbeitslosigkeit nach der Pleite des Konzerns Rebaxan Columni zu entkommen. In kleinen Kolonien siedelten sich Chadra-Fan überall in der Galaxis an, und Raffi zog es in den Korporationssektor, in dem es angeblich immer Arbeit gab. Tatsächlich wurden er und seine arglosen Leidensgenossen mehr oder weniger wie Sklaven gehalten und übel ausgebeutet, denn die einzige Arbeit, die er fand, war die am Förderband einer Schrottverwertungsanlage auf einer Raumstation um Etti IV. Nachts verdienten er und seine Leidensgefährten sich ein Zubrot, indem sie gebrauchsfähigen Schrott aussonderten und funktionierende Kleingeräte daraus erschufen, den sie für wenig Geld verkaufen konnten.

Eines Tages traf er den menschlichen Mechaniker Essoc, der ihm Arbeit in seiner Werkstatt gab. Es war eine deutlich bessere Arbeit als bisher, und Essoc erklärte Raffi Nibbit auch, dass man ihn bisher als Sklaven gehalten hatte, obwohl er das nicht glauben konnte. Auch Essoc beutete den Kleinen schamlos aus, indem er ihn nicht offiziell beschäftigte, sondern nachts schwarz arbeiten ließ, gern auch an illegalen Projekten. Raffi war zwar kein Freund von illegalen Tätigkeiten, aber Essoc war sein Freund und er half ihm deshalb trotzdem gern. Dies ging sieben Jahre lang gut, doch dann kriegte Raffi einmal einen illegalen Auftrag nicht schnell genug fertig und Essoc wurde zwar nicht verhaftet, aber verlor einen zahlungskräftigen Kunden, woraufhin er Raffi an die Luft setzte. Das Letzte, was er ihm mit auf den Weg gab, war der Beweis, dass der Chadra-Fan tatsächlich versklavt gewesen war und damals von Essoc freigekauft wurde.

Eher zufällig traf Raffi in der düsteren Zeit nach seinem Rausschmiss auf die Crew der damaligen Liyquaze (eines alten Transporters, lange vor dem Stapellauf des heutigen Luxusschiffs gleichen Namens) und war begeistert, dass er als ihr neuer Ingenieur arbeiten durfte. Er schloss sofort die ganze Crew in seine zwei Herzen. An dem alten Xiytiar-Transporter konnte er in den folgenden Jahren einiges verbessern, und als das Nachfolgeschiff in Form einer stark modifizierten Corellianischen Korvette vom Stapel lief, war er sofort verliebt. Vielleicht war es Nieks Fehler, dass er ihm freie Hand ließ, denn schon wenige Monate später war das technische Innenleben des nagelneuen Schiffes erneut kaum noch wieder zu erkennen. Überall hat Raffi kleine "Verbesserungen" vorgenommen. Nur dem Chadra-Fan ist es wahrscheinlich heute noch möglich, ein auftretendes Problem zu analysieren, ohne zuerst wochenlang zu ergründen, wie das Schiff überhaupt funktionieren kann.

Das Schiff ist Raffis ganze Welt, von gelegentlichen Einkaufstouren für Ersatzteile und der zeitraubenden Verhaftung auf Trigalis einmal abgesehen. Am Tagesgeschäft des Syndikats hat er keinen Anteil. Nicht, dass es Raffi wichtig wäre. Nützliche Informationen über die Tätigkeiten, die Struktur, wichtige Persönlichkeiten oder die internen Abläufe der Dragonflys konnte Raffi jedenfalls auf keinen Fall mitteilen. Er hörte sich zwar geduldig an, was ihm die imperialen Ermittler über die angeblichen Verbrechen seines Freundes Niek zu sagen hatten, aber das brachte ihn nicht um ein Jota von seiner positiven Meinung ab.