Dritte Flotte

Sor Keyven

Lebenslauf

Über seine Vergangenheit vor dem Militärdienst redet Sor Keyven grundsätzlich nicht, und er würde jeden Kameraden und sogar Vorgesetzten, der ihn danach fragt, so höflich wie möglich darauf hinweisen, dass ihn das einen großen Haufen Dung angehe. Da Mitglieder seines Volkes in der Regel aber eher selten freiwillig für das Imperium arbeiten, kann es durchaus sein, dass er im Zuge einer verzweifelten Truppenaushebung mitten im Hapankrieg zwangsverpflichtet wurde. Er ist schon etwas älter als der durchschnittliche Offizier seines Ranges, was sich nicht allein mit einer Benachteiligung aufgrund seiner Herkunft erklären lässt. Deshalb ist dies sicher nicht seine erste Berufswahl. Keyvens auffälliger Mangel an Mitgefühl für andere und das stetige Bemühen, sich unantastbar zu geben, resultieren womöglich aus einem brutalen und entbehrungsreichen Leben vor dem Militär. Vielleicht war er Söldner oder sogar Pirat.

Keyvens erste reguläre Dienststelle war die als Ersatzpilot für Jessica Mind. Er flog also zwei Jahre lang ihren TIE-Defender nur dann, wenn sie selbst gesundheitlich oder dienstlich verhindert war, und ansonsten wurde er zurückgestellt und musste hauptsächlich im Simulator trainieren. Dies war die perfekte Grundlage für ihre wachsende gegenseitige Antipathie, denn er erzielte, gerade durch das erzwungene häufige Training, in den meisten Jägertypen oft bessere Ergebnisse als sie, und wenn Mind etwas außer grünen Aliens nicht leiden kann, dann ist es ernstzunehmende Konkurrenz. Er wiederum reagierte auf ihre Diskriminierung mit boshafter Widerspenstigkeit und ist ganz bestimmt nicht unschuldig an der Kluft, die sie heute trennt.

Seine Gamma-Staffel bekam Keyven erst nach dem Untergang der Dritten Flotte, als er einer der dienstältesten Offiziere ohne eigenes Kommando war und Mind einfach keinen plausiblen Grund mehr wusste, um Keyven doch nicht zu befördern. So saß er ihr wenigstens nicht mehr ständig im Nacken. Die ursprüngliche Gamma-Staffel der VSD II Cerberus war in der Verteidigungsschlacht um die SSD Annihilator fast vollständig aufgerieben worden, darunter auch der langjährige hochdekorierte Staffelführer, Jake Freyban. Nur Jakes Flügelmann, Hillers, blieb ihm als einziger erfahrener Pilot, weil ihn wahrscheinlich kein anderer Staffelführer haben wollte, und ansonsten bekam Keyven einige neue Raumjäger und einen Haufen Anfänger, die teilweise erst wenige Gefechte überstanden hatten und teilweise aus der Not heraus rekrutiert wurden: Infanteristen, Kanoniere und anderes kaum taugliches Material. In den folgenden Monaten siebte Keyven gnadenlos aus und formte seine Rekruten zu erfolgreichen Fliegern.

Unbeabsichtigt machte Keyven so die Gamma-Staffel allerdings auch zum ersten Anlaufpunkt für neue Aspiranten: Das Ausbilden liegt ihm, und weil es keine schönere Demütigung für ihn gibt, drückt Commander Mind ihm auch weiterhin immer wieder die Frischlinge aufs Auge, "damit sie von dem Besten lernen können", so ihre offizielle, zynische Begründung. Sobald sie bereit sind, lässt sie viele dann gleich in andere Staffeln versetzen. Für Keyven ist das, wie für jeden echten Piloten, vielmehr eine Strafe als eine Adelung, und das hat sogar Flottenadmiral Androx genau so anerkannt, als er ihm unlängst einmal begegnet ist. Bei dieser Gelegenheit brachte der Flottenchef allerdings keine Linderung, sondern ernannte ihn vielmehr auch hauptamtlich zum Ausbildungskoordinator der neuen Piloten auf der Großadmiral Teshik. Mind lachte sich darüber hinterrücks ins Fäustchen, bis Androx ihr die Anweisung erteilte, in diesem Punkt eng mit Keyven zusammen zu arbeiten. Jetzt haben sie sich wieder gegenseitig an der Backe. Keyven hat einfach kein Glück.